Obwohl ich schon ein paarmal hier war, habe Ich tatsächlich einen Ausflug gebucht: eine halbtägige Safari im Geländewagen, mit ortskundigem Fahrer. Das mit dem Fahrer sollte man ja nicht betonen müssen, oder? Vielleicht wichtiger sind die Gesundheitshinweise: der Ausflug ist nicht geeignet für Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit und nicht für solche mit Rückenproblemen. Böse Zungen könnten jetzt fragen, ob diesen Ausflug überhaupt jemand gebucht hat, aber ja, es wartet ein halbes Dutzend Geländewagen auf die Gruppe. Und zwar nicht die sonst im Tourismusbereich oft verwendeten Plastik-Jeeps aus Fernost, sondern jeder einzelne ein massiver Land Rover Defender. Die meinen es also ernst. Und jetzt verstehe ich den Satz mit der eingeschränkten Beweglichkeit, denn diese Autos sind nicht nur richtig groß, sondern auch brachial hoch. Die Sitzflächen befinden sich ungefähr auf Brusthöhe, was jedes Ein- und Aussteigen zu einer kurzen aber heftigen Klettertour macht, weil auch die Zwischenstufe zum Einstieg gut kniehoch hängt.
Aber dann sind alle verstaut, sogar sehr komfortabel, weil von den acht Passagiersitzen immer nur fünf besetzt werden, und los geht es, hoch und höher. Es gibt erst so etwas wie eine Autobahn, aber schon nach wenigen hundert Metern biegen wir ab und lernen die üblichen Verkehrswege der Insel kennen: schmale Straßen und ganz schmale, schlechte und ganz schlechte, scharfe Kurven, ganz scharfe und sogar welche die so eng sind, dass man zweimal hin- und herfahren muss, um den Radius zu schaffen. Und auch das nur, wenn ausnahmsweise mal niemand sein Auto möglichst blöd im Weg geparkt hat. Aber was sollen die Leute auch machen, Parkstreifen an Bergstraßen gibt es nicht, und oft sind die Straßen einspurig. Einmal muss unser ganzer Konvoi eine steile Straße rückwärts wieder runter fahren, weil ein LKW entgegen kommt. Aber immerhin, die meisten Straßen sind asphaltiert, so ordentlich es ging.
Eine Safari ist ja eigentlich ein Jagdausflug auf den Spuren großer Tiere, wobei es zum Glück aus der Mode gekommen ist, sie zu erschießen. Fotografieren und Filmen reicht auch und ist besser für alle Seiten. Warum unsere Tour Safari heißt, weiß ich allerdings nicht, denn die größten Tiere hier sind Kaninchen, und die lassen sich nicht sehen. Moment, könnte jetzt der eine oder andere fragen, was ist mit den ganz großen: Blauer Marlin, Großaugenthun und Hai? Zugegeben, die sind allesamt deutlich größer als Kaninchen. Aber als Fische spielen sie bei einer Landsafari eher eine untergeordnete Rolle, außer vielleicht auf dem einen oder anderen Teller. Und was ist mit Hund und Katze? Ok, jetzt wird es albern. Was wir jagen, sind spektakuläre Ausblicke und einmalige Landschaften. Da gibt es den Blick auf das höchste Bergmassiv Madeiras, jede Menge Menge Bananenplantagen, wunderschöne Häuser in tiefer gelegter Hanglage, die zum Teil ausschließlich zu Fuß zugänglich sind, über Pfade und Treppen (und das war schon beim Bau so), und die zum Teil aufgrund ihrer Lage kein fließendes Wasser haben, Weinhänge, Kirschbäume, immer wieder mehr oder weniger prekäre Verkehrssituationen, bis wir eine Pause machen in einer der traditionellen Bars an einer äußerst schrägen Kreuzung, wo auch noch alle paar Minuten (!) ein Bus durchgerattert kommt. Oder laut hupend stoppt, weil einer der Barbesucher beim parken die letzten zwei Zentimeter Platz bis zur Wand der Bar nicht ausgenutzt und deswegen die Fahrbahn verengt hat. Über Stock und Stein und auch ordentlich offroad geht es nun zum besten Aussichtspunkt ever, dem Miradouro Giraou, der auf der Spitze einer fast 500m hohen Steilklippe sitzt und einen ganz tollen gläsernen Skywalk hat. Die Zeit ist gut - nicht so viel Andrang - und die Aussicht auch. Einen Skywalk aus Stahlgitten gibt es auch. Der Bereich aus Glas jedoch ist nur wenige Meter lang und lediglich auf den gut sichtbaren Stahlgittern montiert. Lächerlich! Vor allem, weil es Leute gibt, die sich trotzdem nicht drüber trauen.
Wesentlich spektakulärer sind die steilen Straßen, die wir jetzt Richtung Hafen abwärts donnern. Korbschlitten fahren (eine Tradition hier, die wild, aufregend und abenteuerlich sein soll) ist gar nichts dagegen. Natürlich kommen wir wohlbehalten und gut gelaunt am Schiff an. Ein letzter Abstieg aus den Schwindel erregenden Höhen des Land Rovers, und der feste Boden hat mich wieder.
Ein wirklich toller und mega-interessanter Ausflug liegt hinter mir, alles war wie versprochen oder besser. Nur die Rückenwarnung hatte ich nicht verstanden.
Bis ich am nächsten Morgen aufgestanden bin…
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