10.00 Uhr morgens. Ich frühstücke gerne - wenn ich es überhaupt tue - auf Deck 5 im Tag&Nacht-Bistro, denn es bietet zeitlich länger Frühstück an als die Bedienrestaurants, hat kürzere Wege zwischen Buffet und Sitzplatz und hält - trotz recht eingeschränkter Auswahl - alles bereit, was ich morgens gerne esse und trinke (außer Sekt, aber das mache ich eigentlich auch nicht mehr). Man hat hier Platz und Ruhe. Naja, manchmal. Also - Platz ist immer noch ok, Ruhe derzeit eher weniger, zumindest auf dem Kleinherden-auf-und-Abtrieb-Hauptweg, der von meinem Tisch nur durch ein paar künstliche Birkenstämme abgetrennt ist, die zum Schallschutz nur sehr rudimentär beitragen. Daher esse ich etwas flotter, zapfe mir noch schnell ein gold-gelbes Getränk mit kleiner Schaumkrone und mache mich auf den Weg zu meiner Kabine auf Deck 9, in der Hoffnung, die mir nach einer Woche noch immer persönlich unbekannten Stewards haben sie schon fertig gemacht.
Im Aufzug steht steht ein Pärchen, dass mich irgendwie an den Hamburger Kiez erinnert.
Er: Wo gibt’s denn jetzt schon Bier?
Ich: (wahrheitsgemäß) Das ist Apfelsaft!
Er: sieht aber aus wie Bier! (er hat nicht ganz Unrecht)
Ich : Die TUI-Bar auf Deck 4 hat schon auf!
Sie : (erkennend und mehrfach nickend) Bier auf vier!
Ich: auf 12 kriegst Du auch welches!
Er: Ach nee, das ist alles voller Kids! (keine Wunder, das ist das Pool Deck, und die Sonne scheint)
Ich: auf 14 ganz hinten
Sie: auf 15 ganz oben
Ich: Da kannst Du aber nicht hinfahren, sonst landest Du im Fitness-Studio!
Er: Und da gibt’s kein Bier.
Ich: da musst du auf 14 aussteigen und den Rest laufen.
Der Aufzug, der, wie seine neun Kollegen hier an Bord recht flott arbeitet, stoppt gerade auf Deck 12.
Ich: Jetzt habe ich vor lauter Quatschen vergessen auszusteigen!
Schallendes Gelächter.
Später, nach einem ereignislosen Nachmittag auf der Kabine, keinem Abendessen und den ersten Aufwärmdrinks in der TUI-Bar, gehen Cindy & Bert (einem sehr netten und lustigen Ehepaar aus dem Ruhrpott), Walter und ich zum Eingang der Schaubühne, und weil wir diesmal in der ersten Reihe sitzen wollen, schon eine Dreiviertelstunde bevor die Vorstellung beginnt. Die Gefahr ist nämlich groß, dass die Menge der Interessenten das Platzangebot deutlich übersteigt. Das letztemal wurden deshalb Cindy & Bert und eine gute Kopie vom Tamme Hanken (einem weiter entfernten "Mittrinker") schon als Türsteher „missbraucht“. Bert ist groß, „Tamme“ riesig, Cindy laut, das hilft der eigentlich zuständigen kleinen Nike ganz gut weiter. Die kommt dann kurz vor Öffnung vor die Tür, und erklärt, dass es wegen einem kleinen technischen Problem leider fünf Minuten länger dauert. Aber die Störung wird in drei Minuten behoben sein. Ich frage sie, so ernst es nach den ersten Drinks nur geht, warum wir dann fünf Minuten warten müssen. Damit hatte sie nicht gerechnet, aber ihr Funkgerät rettet sie, gibt ok, und sie öffnet die Türen.
Cindy, Bert und ich setzen uns in die erste Reihe (der „Mittmach-Aeria“), Walter traut sich nicht und nimmt weiter hinten Platz. Und tatsächlich, diesmal ist mitmachen angesagt, ich werde auf die Bühne gebeten, und jemand aus dem Publikum muss mich was fragen, zum Beispiel wo mein T-Shirt her ist. Nachdem das doof ist weil es drauf steht, stellt er mir die Frage, warum ich hier bin, in dieser Show. Und etwas später, bei einem kleinen Singlespiel, muss eine sehr attraktive Frau, die hinter mir sitzt, raten, wie ich meinen Kaffee trinke, und ob ich eher früh oder spät aufstehe.
Später, Stephan hatte im Anschluss an seine Show noch eine Talkrunde veranstaltet und danach setze ich mich in die TUI-Bar. Neben mir ein älterer Herr: „Hallo, ich habe sie im Fernsehen gesehen!“ War ich da? Tatsächlich, denn wer nicht zu einer Veranstaltung kommen konnte oder wollte, hatte die Möglichkeit, sie auf der Kabine im Bordfernsehen live zu verfolgen.
Noch später: Walter ist schon weg, die TUI-Bar will schließen, ich lasse mir ein letztes Bier zapfen, um damit ins T&N-Bistro zu gehen, das fast immer auf hat, um noch eine Kleinigkeit zu essen. Allmählich füllt es sich mit einem guten Dutzend wohl erzogener Teenies. Einer fragt mich sehr höflich, wo ich denn das Bier her hätte (es ist, nicht ganz unwichtig zu wissen, immerhin schon zwei Uhr Morgens vorbei). Die TUI-Bar hat zu, ich empfehle die Abtanzbar (das ist hier die Disco). Da dürfen sie unter 18 nur noch mit Eltern rein. Diamantbar - kostet aber - einer der Jungs hat sogar eine Suitenkarte, wo es nichts kostet, aber er weiß: er bekäme nur ein einziges Bier, und sie sind zu viert. Also bleiben sie bei Cola und Wasser sitzen und unterhalten sich so erwachsen es geht. Solche Teenies mag ich!