Nach einem schnellen Kaltgetränk in der Hoheluftbar ganz hinten oben, wo es mir aber auch zu warm ist, geht es erst einmal auf die Kabine, wo ich eine prima Aussicht habe auf die guten zweihundert Meter durch die tropische Wärme. Allerdings sind die jetzt komplett besetzt von einsteigewilligen Passagieren, die bis zu einer Stunde in der Wärme ausharren müssen, weil das Einsteigen so langsam geht. Fragt mich nicht, warum.
Ich halte nach der langen Reise erst einmal ein Schläfchen, und als mich danach der Wecker nicht ohne Mühe aus den Träumen reißt, steht der Koffer vor der Tür, und ich kann mich zum Abendessen umziehen. Vorher ist aber noch Sicherheitsübung, wie der Kreuzfahrtdirektor aus dem Lautsprecher unter meinem Schreibtisch erklärt. OK, kennt man ja alles, und auch das heute angebotene Menue ist nicht neu aber lecker.
Nach dem Abendessen führt mein Weg in die TUI-Bar, wo ich fast umgehend eine neue Bekanntschaft schließe: Walter, ein Frührentner irgendwo aus einer waldreichen Gegend in Hessen, schwer verständlich, aber sehr nett. Die Unterhaltung klappt trotzdem, und nicht lange, schon steuere ich unbarmherzig auf den Peinlichkeitsmoment dieser Reise zu. Stell Euch vor: ich sitze an der Bar, auf dem vorletzten Hocker rechts, mein Gesprächspartner Walter, auf dem letzten Hocker rechts, und rechts von ihm wiederum kommen und gehen ständig wechselnde Leute, die mal eben ein Getränk an der Theke abholen wollen. Von diesen Leuten kriege ich kaum etwas mit, weil Walter, zwar schlank aber groß, diese verdeckt. Wir sind gerade beim Thema „Künstler und Promis an Bord“ angelangt, und mein Originalsatz, den ich gerade zu Walter sagen will, hätte lauten sollen:
„Diesmal fährt ja niemand interessantes mit, außer Stephan Lucas, mit dem würde ich mich gerne mal unterhalten“ (Wem der Name nichts sagt, weil er keine Gerichtsshows guckt: Stephan Lucas war und ist in vielen Folgen von Richter Alexander Holt und Richter Ulrich Wetzel als Staatsanwalt zu sehen, und wird an Bord mehrere juristisch gefärbte, unterhaltende One-Man-Programme aus seinem Leben als Strafverteidiger zeigen.
Zurück ins hier und jetzt. Ich schaue Walter an, und beginne meinen Satz „Diesmal fährt ja niemand interessantes mit.“ Manchmal mache ich Pausen, wo ich es besser lassen sollte. Ich wende den Blick also meinem Glas zu, nehme einen Schluck, schaue wieder zu Walter, neben dessen Kopf der von Stephan Lucas auftaucht, und mich mit gerunzelter Stirn ansieht. Nach einem kurzen Uuups-Moment kläre ich ihn auf und quatsche ein bißchen mit ihm. Er ist sehr nett und findet die Situation ähnlich lustig wie wahrscheinlich Ihr jetzt, macht gleich Reklame für seine Shows und ist auch sonst sehr offen und freundlich. Man merkt: er würde lieber mit uns an der Theke sitzen, anstatt seine mitgebrachte Familie mit Mineralwasser zu beliefern. Und ich sage Euch eins: Gerichtsshows werden für mich nie wieder das selbe sein.
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