Freitag, 24. November 2023

6. Seetag

Hier an Bord wohne ich ganz weit vorne, gleich hinter dem 1. Rettungsboot, ganz in der Nähe von Pool, Fitness-Studio, Friseur und Spa. Es sind nur wenige Schritte bis zum Treppenhaus, 3 Etagen hoch, schon ist man da. Ein kreativer Makler würde das vermutlich eine gesund-vitale Wohnlage für aktive Menschen nennen. 

Etwas zu essen gibt es hier an Bord allerdings nur ziemlich weit bis ganz hinten. Um dahin zu kommen, muss ich mich drei bis vier Decks hoch oder runter bewegen und eine halbe Schiffslänge weit laufen, eine beachtliche Strecke auf einem Schiff, das nur 0,7 SL lang ist. Weil ich Zeit sparen möchte, nutze ich heute wieder das Kabinenfrühstück (übrigens ein lustiges Wort. Als ich das zum ersten Mal gelesen habe, ist in meinem kranken Hirn für einen Moment die Frage aufgetaucht, was eine Kabine denn so frühstückt? Die Gäste sind es zum Glück nicht…). Wie immer kommt es pünktlich und vollständig: Kaffee, Milch, Zucker, Brötchen, Butter, Wurst, Ei, Saft, alles was ich bestellt habe. Zumindest denke ich das, bis ich merke, dass der Kellner die Serviette mit dem Besteck vergessen hat. Eigentlich eine schwierige Situation, weil er längst über alle Berge ist. Aber auf so einer Kabine ist ja vieles redundant, vor allem, wenn man sie allein bewohnt: Handtücher, Schwimmwesten, Wolldecken, Gläser, Zahnputzbecher, ein bis drei Betten (kein Witz), Obsttellerchen (aber nur, weil ich um einen zweiten gebeten hatte), und - jetzt kommt es - ein Obstmesser. Das ist aber hier ein ganz normales Standardmesser und damit ersetzt es das Messer aus dem vergessenen Bestecksatz und löst mein Problem, denn eine Gabel brauche ich nicht, einen großen Löffel auch nicht, und den kleinen Löffel könnte ich ersetzen, indem ich. mit dem Messerrücken umrühre. Das Ei? Das habe ich hart gekocht bestellt, muss es also nicht auslöffeln. Also alles kein Problem. Ich gieße Kaffee ein, schmiere und belege Brötchen, entferne die ASSF vom Saft (AntiSchwappSchutzFolie), nehme die Tageszeitung zur Hand, will gerade anfangen zu essen, als es klopft, trotz des „Bitte-Nicht-Stören“-Schilds außen. Das kann jetzt eigentlich nur einer sein, und der ist es auch: der Kellner mit dem Besteck und einer fetten Entschuldigung. Kann ja mal passieren, und jetzt freut sich die Kabinenstewardess, dass ein sauberes Messer im Obstkorb liegt.

 

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