Zur Ausstattung eines jeden Zimmers gehören zwei anhängbare Türschilder, über die man mit dem house keeping kommunizieren kann. Es gibt sie in wahrscheinlich jedem Hotel der Welt, wenn auch in unterschiedlicher Ausführung. Die üblichste ist eine zweiseitige, und man sieht schon von weitem, was der Gast will: grün - bitte Betten machen, rot - ich schlafe noch. Außer bei der MeinSchiff-Flotte, da hat der Türhänger zwei blaue Seiten, und man muss tatsächlich vorher lesen, wie herum man ihn aufhängen sollte. Hier gibt es zwei Hänger, einen roten und einen grünen, und auf beiden Seiten steht jeweils auf englisch und spanisch was Sache ist, allerdings an unterschiedlichen Stellen. (das muss sich ein Dominikaner ausgedacht haben). Zusätzlich gibt es einerseits eine Beschriftung auf deutsch, andererseits auf französisch. Ich glaube, sehr viele Türschilddesigner auf der Welt hätten das irgendwie anders gelöst, aber egal. Bevor es jetzt interessant wird, ein kleiner Einschub:
Wisst Ihr, was der Kamineffekt ist? Nein? Dann setzt Euch mal vor einen. Nach kurzer Zeit seid Ihr vorne heiß und hinten kalt, also, wenn er an ist. Funktioniert auch als dickes Steak auf dem Grill, wenn man es nicht wendet. Oder so ähnlich am Strand im Liegestuhl, wenn ein kühles Lüftchen weht, und Ihr Euch nicht umdreht. Da werdet Ihr unten kalt und oben rot (und anschließend krank)
Ich sehe den einen oder anderen vor meinem inneren Auge schon mit dem Kopf schütteln, besonders wenn er Architekt ist oder Feuerwehrmann. War natürlich Quatsch, tatsächlich ist der Kamineffekt ein geologisch oder architektonisch bedingter Luftzug von unten nach oben, was man bei Schornsteinen und statischen Lüftungen benutzt. Hier im Hotel benutzen wir das auch, aber mehr aus Versehen. Die Zimmertüren führen alle (nein, nur die Eingänge, WC und Dusche natürlich nicht) auf halboffene Laubengänge, wo immer ein frischer Wind weht. Das ist angenehm auf dem Weg zum Restaurant oder Strand, und man merkt erst vor dem Haus, dass die Anlage mal wieder bei brüllender Hitze überquert werden muss. Ein Nebeneffekt dieser Winde ist, dass sie von unten in die Türschilder fahren, sie aushängen und im günstigsten Fall auf den Boden werfen. Häufig aber auch drei Etagen tiefer, wo sie zwischen einigen sehr schönen großen Palmen jetzt den Ruhestand genießen. Geht man morgens über die Gänge, liegen 60% der ausgehängten Türschilder auf den Boden. Mein Zimmer befindet sich offenbar in einer besonders windigen Ecke, denn kaum hänge ich ein Schild raus, ist es nach kurzer Zeit weg. Das war schon das letzte Mal so. Seit dem dritten Tag hier habe ich gar keine Schilder mehr, und als mir ein zickiger Zufall (davon erzähle ich Euch morgen) kürzlich eins zugespielt hatte, habe ich mich zu einem Experiment entschlossen, in der festen Überzeugung, dass es schief gehen würde. Ich wollte beweisen, dass es für das Verschwinden der Türschilder noch einen anderen Grund als den Wind geben muss, dachte dabei an Wegnahme durch andere "schildlose" Gäste, und war sogar bereit, dafür eine meiner wertvollen Wäscheklammern zu opfern.
Ich verlasse also das Zimmer gegen Mittag, und klemme das grüne Schild mit einer Wäscheklammer fest. Jetzt kann es winden, wie es will. Tut es auch. Als ich Stunden später zurück komme, sehe ich mich bestätigt: Das Schild ist weg. Neugierig betrete ich das Zimmer, werde aber sofort "enttäuscht": Das Zimmer wurde gemacht, sogar sehr schön, und an der inneren Türklinke, wie es nach getaner Arbeit sein muss, hängt das grüne Schild. Mit Klammer.

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