Das Leben ist manchmal echt spannend, selbst in einem Urlaubsclub. War ich gestern noch gewillt, der gesamten Einwohnerschaft von Trumpland jegliche Einreise zu verwehren, oder wenigstens eine Visapflicht einzuführen, und diese unfassbar teuer zu machen, war ich heute fast so weit, eins dieser solariumresistenten Pärchen adoptieren zu wollen. Aber ganz von vorne.
Sitzt man in einer Bar, so wie ich gerade, hat nichts weiter zu tun, und auch nichts hübsches zu gucken, dann ist wieder einmal eine gute Gelegenheit, die Leute zu beobachten. Zum Beispiel ein junges Pärchen, europäisch aussehend, völlig unverständlich sprechend (Kanadier also, weil die ja Englisch und Französich mischen und mit einer Art arabischen Sprachmelodie versehen), er ein Bär, sie ein Püppchen, sie setzt sich in einen der in der Nähe stehenden Königinnensessel, er wird zur Bar geschickt. Ein Sekt (der Anglizismus dazu lautet "champagne", das spanische Wort "champán", nur die Franzosen, die damit viel Geld verdienen, nehmen es genauer. Und wir natürlich, sogar ganz genau) wird bestellt, sowie ein Jim Beam. Er sagt es mit einer Stimme wie seinerzeit der Mann in dem Werbespot, der sich beschwert, etwas anderes bekommen zu haben. Wer den Spot nicht kennt:
Ansehen lohnt sich, der Mann ist nämlich der junge Kevin Sorbo, also "Hercules" aus dem Kino und "Captain Dylan Hunt" aus der SF-Serie "Andromeda". Aber ich verplaudere mich mit nutzlosem Wissen. Also, der kanadische Bär nimmt die Getränke mit, stellt sie hin, und sofort stürzt sich das Püppchen, wie schon erwartet - falsch, auf den Whiskey, aber, wieder falsch, oder doch richtig, sie kostet ihn nur vor. Dachte schon...
Lärmend und feuchtfröhlich zieht ein großes blondes und blauäugiges Pärchen im Mittelalter ein, optisch etwas verlebt, lässig aber teuer gekleidet, Typ erfolgreiche Auswanderer, dicht gefolgt von einem dazu passenden Paar, von leicht südländischem Aussehen, aber keine Latinos, und einer dazu passenden etwas älteren Frau. Sie verteilen sich an der langen Theke und vernichten in kürzester Zeit eine komplette Flasche mamahuana, und dann noch eine halbe dazu. Die Kellnerin kommt kaum mit Nachschenken hinterher. Sie schreien sich, da sie ja nicht zusammen sitzen, über die lange Theke hinweg lautstark an, meistens mit Trinksprüchen, alles in lockerem Spanisch, auch wenn dem blonden Mann irgendwann das Wort "scheiße" entschlüpft. Als sie kurz danach weg sind, frage ich neugierig die Kellnerin. Nein, das waren keine deutschen Auswanderer, jedenfalls nicht zu Lebzeiten dieser, sondern Argentinier. Hatte ich mir dann auch gedacht, denn schon früh habe ich auf meinen Karibikreisen gelernt: die typische Argentinierin ist blond und blauäugig. Gilt wohl auch für Männer.
Als die fünf endlich weg sind, kommt ein fröhlich aussehender junger Mann, der das gleiche möchte, was die fünf vor ihm hatten. Hier muss ich nicht über die Herkunft nachdenken, sein breiter niederbayerischer Dialekt ist gut zu erkennen. Für die Bedienung, die eigentlich auch etwas deutsch versteht, muss er die Bestellung allerdings mit Händen und Füßen und dem was er für englisch hält wiederholen, was schließlich zum Erfolg führt. Glücklich setzt er das Glas an, leert es zur Hälfte, und es zerfetzt ihn fast vor lauter Husten. Merkwürdig, mamahuana ist doch gar nichts besonderes: Rum, ein paar Kräuter, etwas Zucker, stehen lassen. Vor ein paar Jahren haben manche Hotels ihn noch selber angesetzt, heute machen die Rumfabriken so etwas als Nebenprodukt, und man kann es fertig im Laden kaufen. Man trinkt dieses "Allheilmittel" bei Raumtemperatur, und die ist wegen einer zickigen Klimaanlage derzeit in den hohen zwanzigern, also gut fünf Grad höher als sie sein sollte, wodurch der mamahuana ein unerwartet starkes Kratzen im Hals hervorruft. Die Argentinier waren daran wohl schon gewöhnt, der junge Mann braucht jedoch noch Eiswürfel als erste Hilfe und dann ein paar Tage und Gläser Übung. Ach nein, der fliegt ja nachher heim, hat er gesagt...
Und jetzt kommt das anfangs erwähnte Pärchen wieder ins Spiel. Recht jung sind sie noch, anders als andere Trumpies höflich und schüchtern, und vielleicht ist es ihre erste Auslandsreise, zumindest aber ihre erste Erfahrung damit, dass es noch andere Sprachen als ihre gibt. Das Studium der Cocktailkarte muss sie sehr verunsichert haben, stehen da doch Sachen wie caipirinha, coco loco, piña colada, mohito, und lauter so exotisches Zeug. Keine Ahnung, wie man das ausspricht, und schon gar nicht, wie das schmeckt. Zum Glück stehen bei jedem Drink außer einem Bild auch die Zutaten dabei, auf spanisch und auf englisch. So wird man schnell fündig, und um ja nichts verkehrt auszusprechen, bestellt der junge Mann in Zeichensprache. Er hebt zwei Finger, und zeigt dann auf das gewünschte Getränk.
Es ist ein Ernest Hemingway.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen