Samstag, 4. Mai 2019

Pack die Badehose ein

Samstag morgen, 7:31 Uhr. Während Deutschland teilweise noch schläft, setzt sich mein Zug zum Flug nach Frankfurt mühsam in Bewegung. Eine Minute zu spät, das gilt bei der Bahn AG als äußerst pünktlich, besonders im Fernverkehr. Ganz anders soll das in Japan sein: da fahren sie auf die Sekunde los, egal ob der Koffer noch auf dem Bahnsteig steht. Oder der Kinderwagen, gerne auch mit Inhalt. Hier an Bord ist er jedenfalls nicht, und deswegen handelt es sich um eine sehr ruhige Reise, abgesehen vom quietschen und knattern des völlig veralteten IC-Wagens. Aber dafür gibt es viel Fußraum und sehr viel Platz für Gepäck, was die aktuelle Luxusflotte des ICE nicht zu bieten hat.

Am Flughafen ist - warum auch immer - noch mehr los als sonst. Besonders am Sicherheits-Check-In ringelt sich die Einwohnerschaft einer kleinen Kleinstadt auf den Eingang zu, teilweise recht nervös wegen spät. Aber die Flughafenangestellte am vorderen Ende des humorlosen Gaudiwurms verteilt die Reisenden souverän und freundlich auf die zehn Sicherheitsschalter und behält jederzeit den vollen Überblick. Bewundernswert, denn sie ist nicht größer als 1,50m und den Pickeln nach Auszubildende im 1. Lehrjahr.

Nach angemessener Zeit in einem spartanisch eingerichteten und eher knapp bemessenen Warteraum am Gate B61 werden die Passagiere gebeten, die bereit gestellten Busse zu besteigen. Offenbar leistet sich noch nicht einmal mehr CONDOR, ihre Maschinen an gut zugänglichen, modernen Rüsseln anzulegen. Nun gut. Die Stimmung im Bus ist es auch, bis das Flugzeug irgendwo ganz weit draußen erreicht ist, die Bustüren aber geschlossen bleiben. Mehrere Minuten lang kann man sehen, wie kleine Menschen mit riesigen Wäschepaketen und Müllsäcken aus dem Flugzeug kommen, davor Absperrungen errichten und mit Flughafenautos wild herum rangieren. Die Temperatur im Bus steigt und steigt, die Laune sinkt, und die Stimmung wird langsam hitziger. Eine kurze informative Durchsage wäre schön gewesen, muss aber nicht sein, denkt sich der Busfahrer. Vielleicht weiß er aber auch nichts. Während sich der eine oder andere Passagier bereits theoretisch mit der Funktion des Notöffnungshebels beschäftigt, wird am Flugzeug die Gangwaybeleuchtung eingeschaltet, und plötzlich gehen die Bustüren auf. Zum Glück fällt keiner vor Schreck raus, und da nur ein einziger Fußkranker unter den Passagieren ist, füllt sich das riesige Flugzeug nahezu blitzartig. Das habe ich bei meiner letzten Reise mit einem viel kleineren Flugzeug ganz anders erlebt.

Der Flug geht dann tatsächlich pünktlich los, ist ruhig und ereignisarm bei netter Gesellschaft, und ich freue mich schon auf den hier üblichen Flugzeug-Parkplatz-Spaziergang, hinein in die Ankunftshalle ohne Wände. Aber nein, sie haben jetzt eine Rüsselanlage. OK, war gelogen, und wer Punta Cana kennt, hat es auch nicht geglaubt. Aber wahr ist: man muss jetzt Bus fahren, auf die Gebäuderückseite, kommt so zu einem neuen, klimatisierten Ankunftsterminal und zeigt da seinen Pass vor. Anschließend geht es, na ratet Ihr es schon - in das alte Ankunftsgebäude, denn da stehen nach wie vor die Kofferbänder. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn heute funktionieren sie wieder einmal nicht. Zum Glück ist mein Koffer schon da, und ich kann zum Zoll, der mein Handgepäck sehen möchte. Hier haben sie ganz besondere Mitarbeiter: Während in Frankfurt meine beiden Kameras mit einem neuartigen elektronischen Gerät getestet wurden, immerhin ohne dass ich sie hätte auspacken müssen, hat der dominikanische Zöllner alles im Blick: er deutet auf die geschlossene Fototasche, ich sage "Kameras!", er nickt und sagt "ok". Das war die Zollkontrolle.

Ein paar Minuten noch mit dem Bus, dann bin ich im Hotel, wo schon das Zimmer vom letzten Mal und ein Welcome-Back-Gruß auf mich warten. Und zum Glück auch ein großes Bett, denn das habe ich jetzt nötig.



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