Man ist hier sehr professionell, was man schon an den Uniformen der Mitarbeiter erkennen kann. Kellner tragen rot-weiß-orange gestreifte Hemden, Gärtner grüne Overalls, Maler natürlich weiße. Und das Reinigungspersonal im Gästebereich, sowie die Zimmermädchen - ich glaube, ich erwähnte das schon, wenn nicht, dann 2013 - trägt bequeme, zartblaue (damals noch zartgrüne) "OP-Kittel" und eine weiße Schürze. Abends, nach getaner Arbeit, haben die Zimmermädchen frei, und die wenigen Restaurant-und-Bar-Reinigungskräfte tragen jetzt ein enges schwarzes kurzes Kellnerinnenkleid, eine ganz kleine weiße Servierschürze und ein weißes Haarband. Während es die Aufgabe der Reinigungskräfte in den öffentlichen Bereichen ist, vorort und in Echtzeit dafür zu sorgen, dass niemand auf heruntergefallenen Gurkenscheiben, Soßenresten oder Schweinshaxen ausrutscht, gibt es auch noch ein paar - vielleicht höherrangige, oder besonders gut aussehende, oder wenigstens dominikanische - Zimmermädchen, die auch dieses enge Kellnerinnenoutfit tragen und für den sogenannten Turn-Down Service zuständig sind.
Was ist das? Kreuzfahrer glauben es zu wissen: nach der vormittäglichen Hauptreinigung und manchmal auch einem mittäglichen Kontrollgang beobachten zu vorgerückter Stunde die Kabinenstewards (beiderlei Geschlechts, oder muss man heutzutage politisch allerlei Geschlechts schreiben?) wann der Gast seine Kabine zum Abendessen verlässt, um dann die Vorhänge zu schließen (so man ein Fenster hat), die Nachttischlampen einzuschalten, das Bett einladend aufzuschlagen, ein Betthupferl zu hinterlassen, im Bedarfsfall die Sauerei vom Duschen zu entfernen und die Handtücher ein zweites oder gar drittes Mal zu wechseln. Außerdem wird das Programm für den nächsten Tag - je nach Schiff - auf das Bett gelegt oder in den Postkasten vor der Kabine gesteckt. Ob das alles so sein muss, möchte ich gar nicht zur Diskussion stellen, es diente nur zur Begriffserklärung.
Von den vielen Hotels, in denen ich schon gewesen bin, gab es noch nirgends einen Turn-Down Service, noch nicht einmal im alten RIU Palace, dass im selben Resort liegt, den gleichen Betreiber und ebenfalls fünf Sterne hat.
In diesem Hotel aber gibt es das, und die Schicht scheint nicht unbeliebt zu sein bei den Mädels die dazu eingeteilt werden. TDS läuft hier ab wie folgt: Die betreffende Kollegin, in der beschriebenen schwarzen Kluft, manchmal sogar auf hohen Absätzen, alibimäßig in Begleitung eines Putzwagens, besucht zwischen 20:00 und 22:00 Uhr alle Zimmer ihrer Einteilung. Erreicht sie ein Zimmer, an dem keine rote Karte hängt, klopft sie wirklich lautstark an, man ist schon drei Zimmer weiter in Versuchung, die Tür zu öffnen. Einmal, nochmal. Wenn niemand antwortet, zückt sie den Generalschlüssel und hat jetzt zwei Möglichkeiten: entweder geht die Tür auf, oder nicht. Bleibt die Tür zu, ist alles ok. Geht sie auf, hat sie zwei Möglichkeiten; entweder ist das Zimmer dunkel oder hell. Ist es dunkel - alles gut, ist es hell, hat sie zwei Möglichkeiten: der Gast schläft, oder er ist wach. Schläft er, ist alles gut, und sie knallt die Tür zu. Jetzt schläft der Gast zwar nicht mehr, aber nach ihr die Sintflut. Ist er schon/noch wach, flötet sie: "turn down, all ok!!!", lässt minimalen Raum für ein schnelles, unüberlegte sì oder yes, und schon schließt sich die klapprige Eingangstür. Der TDS hier ist also nicht wirklich mit Arbeit verbunden. Normalerweise.
Vor ein paar Tagen muss bei den Zimmermädchen irgendwie high life gewesen sein, oder hoher Krankenstand, oder sie hatten besonders viele Rockstars zu Gast, deren Hinterlassenschaften sie beseitigen mussten, was auch immer. Als ich mich jedenfalls nach vielen schweren Stunden am Strand gegen 17:00 mühevoll in Richtung Zimmer bewege, begegnet mir ein paar Räume vorher mein Zimmermädchen, verdreht die Augen und erklärt mir wortreich und bedauernd, dass sie mein Zimmer noch nicht geschafft hat. OK, kann ja passieren, sage ich mir als Gast, vielleicht ist sie noch neu, ich weiß, sie ist gründlich, vielleicht nur noch nicht schnell genug. Ich gebe zu, als Chef hätte ich vielleicht andere Gedanken, denn da kostet sie mein Geld...
Zwanzig Uhr ist es, oder etwas später, ein Bär versucht die Tür einzutreten, es ist die Maus vom TDS, sieht mich, strahlt mich an, flötet "OK?!?" und wirft den Rückwärtsgang ein. Aber ich bin schneller und rufe ihr ein entschiedenes "no" zu, ein spanisches. "todo bien? All ok?" versucht sie es noch einmal, aber jetzt fühle ich mich provoziert und belle ihr ein "no ok! Mira!" entgegen (auf deutsch: "schau es Dir an!"). Sie kommt rein, sieht sich um, schnaubt wie ein kleiner Stier - man sieht förmlich schwarze Rauchwolken aus ihr austeigen - sie glaubt, aus der Nummer nicht mehr heraus zu kommen und beginnt zu arbeiten. Man merkt, dass sie viel Übung hat. Innerhalb von 10 Minuten bezieht sie das riesige Bett neu (was in ihrem engen Kleid nicht einfach ist), spült Gläser, Tassen und Kaffeemaschine, räumt sogar ein überzähliges Glas aus der Bar weg, entsorgt den Müll, putzt die Toilette. Boden wischen und Bett dekorieren lässt sie weg, aber das ist absolut ok. Und als Hinweis, dass ich mich zukünftig rechtzeitig zu melden habe, hängt sie mir - nein, sie knallt es - ein grünes Schild an die Tür, verfehlt in ihrer Unkontrolliertheit aber die Klinke, das Schild fällt auf den Boden, sie lässt es liegen, schreit mir über die Schulter ein sehr, sehr unfreundliches "ciao" entgegen, und knallt die Tür zu mit allem was sie hat.
Viele von Euch lachen jetzt wahrscheinlich, aber möglicherweise denkt der und vor allem die eine oder andere auch "was ist der Captain Spareribs für ein Arsch, das arme Mädchen so zu stressen!"
Tatsache ist, ich hatte sie gar nicht aufgefordert, das Zimmer zu machen, sondern nur gebeten, es sich anzusehen. Wir setzen fort: Als das Mädchen herein kam, hatte sie zwei Möglichkeiten. Die eine, bessere: sie hätte das Zimmer in Ordnung bringen können (was sie getan hat), auf professionelle, ruhige Art und idealerweise mit einer kleinen Entschuldigung dafür, dass es noch nicht erledigt wurde (was sie nicht getan hat). Das hätte ihr ein dankeschön und ein nettes Trinkgeld eingebracht, ich hatte es sogar schon in der Hand. Die zweite: sie hätte sich entschuldigen, mich auf etwas später vertrösten und nicht mehr wieder kommen können. Das hätte ihr zwar auch kein Trinkgeld gebracht, aber wenigstens Arbeit gespart. Ich hätte mich auch nicht beschwert, sondern nur vor mich hin gelacht und gedacht: jaja, so sind sie, die Dominikaner!
Schade, dass viele junge Menschen heute sich lieber angegriffen fühlen und herumzicken, anstatt ihr Gehirn einzuschalten und professionell zu reagieren...
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