Heute ist der Tag der Meere, der sich für nachhaltigen Fischfang und gegen die Ausrottung von Speisefisch richtet. Nachhaltiger Fischfang wird aus meiner Sicht seit Jahrzehnten betrieben, leider so nachhaltig, dass die Fische gar keine Zeit mehr zum Nachwachsen haben und aussterben. Aber das ist - glaube ich - nicht gemeint. Ich selbst werde heute einen kleinen Beitrag gegen die Ausrottung von Speisefisch leisten, indem ich außerhalb des Hotels esse, in einem Restaurant, wo es garantiert keinen Fisch gibt. Aber ganz von vorne.
Wisst Ihr, was eine Mädchenantwort ist? Da ich keine Germanistikausbildung habe, nur Sportpsychologie kenne, und zu dem Phänomen auch nichts im Internet gefunden habe, höchstens bei Mario Barth, nenne ich das einfach mal so. Die Bedeutung ist: du stellst eine Frage, bekommst aber eine Antwort, die mit dieser Frage wenig oder gar nichts zu tun hat. Man kann das auch als Akademikerantwort bezeichnen. Besonders die Gesellschaftswissenschaftler und BWLer sind darauf trainiert, auf Fragen, die sie nicht verstanden haben oder deren Lösung sie nicht kennen, mit einem Schwall von bedeutungsfreien aber wichtig und gebildet klingenden Worten zu antworten. Auf niedrigerem Niveau, noch aus dem Mittelalter stammend, kann man bei uns in Nürnberg auch zu hören kriegen, idealerweise im breitesten fränkisch: "das hätte Dir der an der Fleischbrücke auch sagen können!" Erklärung auf Wunsch persönlich.
Beispiel einer Frage-Antwort-Kombi mit halbwegs verwendbarer Antwort. Er: "geht die Heizung linksherum auf?" - sie: "nein, nein, die geht rechtsherum zu!"
Beispiel mit völlig unbrauchbarer Antwort. Situation: im Auto, an einer roten Ampel, er am Steuer. Er: "müssen wir jetzt rechts oder links weiter?" - sie, mit leicht gereiztem Unterton: "die Ampel ist rot!". Und nachdem ich mit solchen Sprüchen nie eine Freundin finde, wird der Spieß jetzt umgedreht. Mädchenantworten bekommt man nämlich nicht nur von Mädchen, wie das folgende Gespräch in einem Nürnberger Krankenhaus zwischen Arzt und Patientin beweist. Er: "und nächste Woche melden Sie sich dann in einer Spezialklinik, der LMU in München!" - sie: "und wo ist die genau?" - er: leicht zu finden, ich habe da studiert!" ??? OK, aber eine Akademikerantwort war das nicht, er zumindest wusste ja wohin. All diese Beispiele sind nicht erfunden, ich habe sie alle selbst erlebt. So weit die Einleitung.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein ganz großer Fan vom Hard Rock Cafe bin, und meistens irgendwelche Oberteile dieser Marke trage. Übrigens die einzige Markenkleidung, für die ich Geld auszugeben bereit bin. Seit ich 2011, bei einem Ausflug nach Santo Domingo, zufällig in ein HRC reingeraten bin, weil ich einen Kaffee trinken wollte, (alles lacht, ist aber nicht erfunden!) und das Konzept noch gar nicht kannte, besuche ich jedes erreichbare HRC auf der Welt, decke mich mit Klamotten ein, neuerdings auch mit drum sticks (also, nicht denen zum grillen natürlich, sondern richtigen, koste es was es wolle, was es zum Teil auch tut) und gehe essen, wenn die Zeit es erlaubt (bei Schiffsreisen nicht immer einfach). Bis vor kurzem lag das HRC in Santo Domingo taktisch an einer sehr günstigen Stelle, gegenüber der Santa-Maria-Kathedrale, und weil die TUI-Ausflüge nach der Kathedralenführung immer Freizeit angeboten hatten, notfalls auch schon vorher, war ich da praktisch schon vor der Tür. Nun hat sich Santo Domingo weiter entwickelt, wie man auch an den Mieten sehen kann, und ein neues Einkaufszentrum wurde gebaut, die blue mall. Und dahin ist jetzt auch das HRC umgezogen. Wo ungefähr das sein soll, hatte ich noch zuhause schnell heraus gefunden, doch weder google maps noch apple Karten fanden es nötig, zur besseren Orientierung auch noch einen Entfernungsmaßstab in den Stadtplan einzublenden. Aber wie es der Zufall so will -im Flugzeug neben mir saß ein Dominikaner. also, dachte ich, er sah so aus, nur größer, und er hatte seine Filme auf spanisch angesehen. Tatsächlich ist er Schwabe, Unternehmer, lebt seit vielen Jahren in Santo Domingo. Ich erzähle vom HRC, frage, wie weit die blue mall von der Kathedrale weg ist, und er sagt "das ist ganz in der Nähe wo ich wohne!". Vielleicht sollte ich die "Mädchenantwort" umtaufen, eventuell auf "Schwabenantwort?". Im Laufe des Gesprächs (ist ja ein Fernflug) erfahre ich dann doch noch, was ich wissen möchte (ist zu weit), und hake Santo Domingo daraufhin nicht ohne Bedauern ab.
Der nächste Morgen. Empfang bei der Reiseleitung. Die ist weiblich, spanisch, winzig klein, und ich bekomme eine neue Art der Mädchen-/Schwabenantwort. Wir haben hier eine Abart der Rote-Ampel-Geschichte, eine Frage wird völlig korrekt beantwortet mit null hilfreicher Information.
Ich weiß ja, dass es früher in Punta Cana, in einem nahegelegenen netten Einkaufszentrum, auch ein HRC gab. Danach frage ich. Nein, ist die Antwort, alles geschlossen, HRC gibt es nur noch in der blue mall. Hand aufs Herz: wer von Euch würde aus dieser Antwort ablesen, dass es noch eine weitere blue mall gibt, nämlich in Punta Cana? Keine alte Sau, das ist meine Meinung. Aber es gibt, wie ich später von einem riesigen dominikanischen Reiseleiter (der Urlaubsvertretung) erfahre, nahe dem Flughafen. Die Taxikosten sind zwar hoch, liegen aber nur bei der Hälfte eines sinnlosen Ausflugs nach Santo Domingo. Auf Anraten des RLs bestelle ich das Taxi bei der Rezeption vor für heute, 11:00 Uhr, zu einem günstigen Preis.
So wie man mich erzogen hat, warte ich seit 10:45 Uhr. So wie ich mich erzogen habe und die Dom.Rep. kenne, verliere ich erst um 12:00 Uhr die Geduld, gehe zur Rezeption und informiere sie freundlich aber bestimmt über die Zuverlässigkeit der dominikanischen Taxifahrer im allgemeinen und des vereinbarten Termins im besonderen. Das lässt die Rezeptionistin aus dem Haus RIU aber nicht auf sich sitzen, und tatsächlich finde ich mich zwei Minuten später wieder in einem Taxi mit dem gewünschten Ziel. Warum ich reservieren sollte, möchte ich hier nicht weiter diskutieren.
Die blue mall ist ein riesiges Einkaufszentrum voller teurer Läden, extrem großzügig, jedoch ohne Kunden, wie ich es in Deutschland noch nie gesehen habe. Der Taxifahrer setzt mich vor einem Nebeneingang ab, erklärt mir den kurzen und einfachen Weg zum HRC und verspricht, mich zwei Stunden später wieder abzuholen. Klappt wahrscheinlich, denn Geld hat er noch keins gesehen. Ich gehe also rein, und tatsächlich, einmal um die Ecke stehe ich vor dem Hard Rock Café.
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| Bühnenoutfit von Gwen Stefani |
Die Tür muss ich selber aufmachen (früher, in Santo Domingo, hatten sie tatsächlich weibliche Türöffner), aber dann stürzen sich sofort zwei hübsche Mädchen auf mich und fragen nach meinen Wünschen. Da die eine von beiden Kellnerin ist, ich aber erst einmal einkaufen möchte, zieht sie sich wieder zurück. Die Verkäuferin, noch sehr jung, und offenbar im Verkauf unerfahren und mit - für HRC ungewöhnlich - nur rudimentären Englischkenntnissen gibt sich alle Mühe, mich mit passenden T-Shirts zu versorgen. Beraten kann sie nicht, mich mit großen Kulleraugen anstrahlen hat sie drauf, was ja manchmal auch verkaufsfördernd sein kann. Aber jetzt geht es los: Nach längerem Nachkontrollieren des Einkaufs will sie korrekte 200$, und das Kreditkarten-Lesegerät verlangt doch tatsächlich eine PIN. Das letzte Mal hat es noch genügt, den Pass vorzuzeigen, oder auch gar nichts. Das Problem ist nur: ich weiß meine PIN nicht, aber da ich das weiß, bin ich vorbereitet. Ein zweiter Versuch bringt auch nichts, und so kommt jetzt die EC-Karte dran. Klappt natürlich nicht, obwohl ich die PIN wüsste, aber das Gerät weiß nicht, was eine EC-Karte ist, was dem dazu gekommenen Chef wohl schon vorher klar war. Aber macht nichts, wir sind international, und mit richtigem Geld kann man auch bezahlen, wenn man denn genug hat. Genug Dollars für den Einkauf hat man aber nicht, wenn man den Taxifahrer noch bezahlen muss. Aber es gibt ja auch noch Euros, und jede moderne Rechnung in diesem Land wirft alle drei Währungen aus: Pesos, Dollars und Euros. Und so bezahle ich 150€ und 32$. Ich hätte auch alles in € bezahlen können, hatte aber Angst, dass sie mir das Wechselgeld in sinnlosen Pesos geben. Tun sie aber nicht. Alles im Turi-Bereich ist in $ ausgeschrieben, und sie haben auch passendes Wechselgeld.
Weiter geht es ins Restaurant, wo - im Gegensatz zum Shop - wenigstens vier Gäste sitzen, jetzt fünf.
Außer der Kellnerin gibt es noch einen Barkeeper und einen weiteren Kellner. Beide Kellner sind extrem aufmerksam und freundlich, man wird blitzartig (ok, bei der Gästezahl) und extrem freundlich bedient. Die Kellner arbeiten Hand in Hand: nachdem er mir die Karte hingelegt hat, nimmt sie sie sofort wieder weg und gibt mir eine andere, mit der Bemerkung, die englische wäre wohl besser für mich. War die erste anscheinend spanisch, ich hatte keine Zeit, sie zu öffnen.
Angemessene Zeit nach der Bestellung (man macht bei HRC alles frisch, d.h. erst nach Bestellung wird gegrillt) kommt mein Burger. Es ist erst das dritte HRC, in dem ich essen gehe. Eingekauft habe ich mit heute in sieben shops, in einigen davon mehrfach. Der Burger schmeckt, besser als im Hotel, und auch da sind sie richtig lecker, aber unter den bisher besuchten HRCs belegt Punta Cana einen wirklich anerkennenswerten dritten Platz. Sehr gut auf Platz zwei war Berlin, und unerreichbar, unfassbar lecker der Burger in Barcelona.Ich werde weiter sammeln, hoffentlich schon bald.
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| Punta Cana |
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| Berlin |
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| Barcelona nur Pommes |
Wo Punta Cana vorne dran liegt, ist die Atmosphäre. War es in Berlin zu heiß, wegen dem Supersommer 2018, und in Barcelona ebenfalls, im Spätherbst 2018, warum auch immer, herrscht hier ein wundervoll gekühltes Raumklima. Was den Service betrifft, hatte Barcelona die hübschesten Kellnerinnen, Berlin einen besseren Service als Barcelona, aber Punta Cana ist hier unschlagbar. Kaum hat der Kellner mein Bier in die Bonmaschine getippt (nicht gekippt!), stellt es die Kellnerin schon auf den Tisch, praktisch im selben Moment. Beide machen die ganze Zeit sehr überzeugend den Eindruck, dass sie ihren Job lieben und sind extrem aufmerksam. Als ich mit den Fingern eine ertrunkene Fliege aus meinem Bierglas fische, was dem Kellner extrem peinlich ist, legt er sofort, praktisch im gleichen Moment, ein feuchtes Handreinigungstuch auf den Tisch und bietet ein neues Bier an. Einziges Manko: man sollte einen Gast, auch wenn er einem noch so gut gefällt, nicht ganz so offensichtlich mit Blicken ausziehen. Diesmal war ich das Objekt der Begierde des schwulen Kellners. Und wenn ich so etwa schon einmal merke, das braucht Deutlichkeit...
Als meine Zeit abgelaufen ist, bin ich ernsthaft gespannt darauf, wie lange ich in der Sonnenglut auf mein Taxi warten muss. Glaubt es oder nicht: die Uhr springt auf 14:30 Uhr, und genau in dem Moment hält er mit quietschenden Bremsen vor dem Tor. Unfassbar! Der Taxifahrer freut sich, dass ich ihn für seine Pünktlichkeit lobe, und nehme natürlich seine Visitenkarte für kommende Aufträge gerne entgegen. Er weiß ja nicht, dass er während all meiner Reisen hierher der erste und vielleicht auch letzte Taxifahrer war, den ich je bemühen musste.





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