Samstag, 11. Mai 2019

Dominikanische Gründlichkeit

Heute ist Tag des fleckigen Bettlakens. OK, das habe ich jetzt erfunden, aber es passt zur dominikanischen Gründlichkeit, über die ich mich nicht zum ersten Mal äußern darf. Und vermutlich auch nicht zum letzten Mal, während der restlichen Tage, oder falls ich noch einmal wieder komme.

Beispiel Frühstück: Sitzt man am schön, wenn auch ohne Kaffeelöffel, gedeckten Tisch und bestellt café con leche, also Kaffee mit Milch, kommt der Kellner, gleich welchen Geschlechts, nach kurzer Zeit mit einer Thermoskanne voller Kaffee und einem stählernen Milchgießer voller dampfender Milch, jedoch ohne Kaffeelöffel, gießt beides in einem für mich angenehmen Mischungsverhältnis (=reichlich Milch) ein und lässt beide Vorratsgefäße da. Ich möchte aber keine warme Milch, und so bestelle ich am nächsten Morgen café con leche, pero frío, also Kaffee mit Milch, aber kalt. Da er keinen kalten Kaffee hat, bringt er das gleiche wie gestern. Später quäle ich den google-Übersetzer wegen einer Lösung, und bestelle am nächsten Morgen siegessicher café con leche frio, also Kaffee mit kaltem Milch. "con leche fría!" bestätigt der Kellner leicht korrigierend, denn die Milch ist auch in diesem Land weiblich, die Antworten des google-Übersetzers hingegen geschlechtslos. Kurze Zeit später kommen der Kaffee und ein Glas Milch. Tatsächlich ist sie kalt weil vom Müslibuffet, nur das unfallfreie eingießen in die Tasse braucht etwas Übung. Zucker geht einfacher. Aber was heißt jetzt Kaffeelöffel auf Spanisch?

Während jeder Mahlzeit wuseln zwei Putzfrauen im Restaurant herum, die jeden kleinsten Fleck vom Boden sofort entfernen. Falls sie ihn mal sehen. Gestern habe ich beobachtet, wie ein Oberkellner eine der Putzfrauen auf so einen Fleck aufmerksam gemacht hat. Jetzt weiß ich wenigstens, wofür es hier Oberkellner gibt. Für die Arbeit ja nicht.

Beispiel Zimmer: Sauberkeit ist ein großes Thema hier. Die Zimmermädchen werden zum Beispiel alle paar Tage ausgewechselt. Nicht, weil sie dann schon verschlissen sind, sondern weil jede etwas anderes nicht macht. Zur Einstimmung gleich ein passender Flachwitz: Warum putzt eine dominikanische Putzfrau nur die untere Hälfte der Brausestange? Weil sie nur 1,50m groß ist. Und warum putzt sie nicht die Armatur darunter? Das frage ich mich auch... Dann kommen die Waschbecken dran, und anschließend, wie immer sehr gründlich, die Whirlwanne. Ich weiß nicht warum so gründlich, denn ich habe sie seit ich hier bin noch nicht benutzt.

Der Boden wird immer gewischt, manchmal mit Wasser, manchmal mit aufgesprühtem, etwas scharf riechendem Reinigungsmittel, der Balkon nur manchmal. Jedenfalls gab es dort, wohl noch vom Vormieter, den Rest eines geplatzten Luftballons (eines richtigen, nicht was Ihr jetzt denkt) in quietschgelb, volle vier Tage lang. Und der lag nicht in 2m Höhe!

Kurz vor Ende der Runde, die Glasflächen auf allen Möbeln sind bereits geputzt, erreicht sie die Minibar, putzt in der Regel nicht die Abtropffläche des Giftschranks und entdeckt dann, dass ein Glas und eine Kaffeetasse benutzt wurden. In der Kaffeetasse steht sogar noch ein Rest, den sie mit Schwung in das frisch geputzte Waschbecken kippt, Tasse und Glas wild spritzend unter laufendem Wasser am Waschbecken spült und darauf das Waschbecken ein zweites Mal poliert. Aber die Zeit spart sie, weil sie den benutzten Filter nicht aus der Kaffeemaschine holt, und auch die Kanne nicht sauber macht. Nicht immer, aber es kommt vor.

Die Königsdisziplin aber ist das Betten machen. Es gibt hier ein riesiges King-Size-Bett, also 2x2 Meter (welche Verschwendung!), bestehend aus einem Untergestell, das der Schönheit halber mit einem Bettlaken bedeckt ist, das den Blick auf die Beine des Betts verwehrt. Darauf liegt eine Riesenmatratze, bestimmt 30cm dick und sehr fest, darauf ein Matratzenschoner, dann ein Laken zum darauf liegen, eines zum zudecken, für die Köpfe drei Jugendherbergskissen nebeneinander, und für die Tagesdekoration zwei Sofakissen in lila, eines in pink, und eine Art Tischläufer in lila, der den Job der Tagesdecke macht. Das ist der Plan. Was tatsächlich täglich gemacht wird: die beiden oberen Bettlaken werden gewechselt. Dazu muss das Riesenbett aus seiner Nische gezogen (es hat keine Räder!) und nach dem Wechsel zurück bugsiert werden, was noch niemand geschafft hat, ohne zwei- bis dreimal an den Bettkästen anzuecken. Erstaunlich, dass die nach acht Jahren Dauerstress noch so gut aussehen. Was die Tagesdeko betrifft, sind die drei Kissen inzwischen auf das Sofa umgezogen, wo jetzt auch der Läufer, zu einem Schwan gefaltet, seinen Platz gefunden hat. 


Am Fußende des ganz unteren Lakens, also das, auf dem nur die Matratze liegt, befindet sich ein undefinierbarer Fleck, sicher auch noch länger, denn es ist keinem einzelnen Menschen möglich, diese Matratze zu bewegen. Das ginge nur zu viert.


Die Bezüge der komischen kleinen Kopfkissen hingegen könnte man schon einmal wechseln. Das wäre auch sehr kleinen Menschen möglich.




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