Klingt wie "schlaflos in Seattle", und ist auch so etwas ähnliches. Während man an "normalen" Tagen am Strand zwischen 7:00 und 10:00 und ab 17:00 Uhr viel und dazwischen einigermaßen seine Ruhe hat, klappt das an Wochenenden nur in Ausnahmefällen. Neben den normalen Urlaubern sind Freitag abend auch noch die Wochenendgäste angereist, aus USA natürlich und sogar dominikanische Landsleute der oberen Einkommensgruppe. Und alle haben nichts besseres zu tun, als hier ihr Geld loszuwerden. Das denken zumindest die illegalen Händler für Schmuck, Sonnenbrillen, Zigarren und Tauchausflüge, kurz "Strandpiraten" genannt, und preisen lautstark an, was sie im Angebot haben. Zwischenzeitlich wird ein Segelboot nach dem anderen zu Wasser gelassen und die Motoren der Schleppboote von Banane und Parasailing gestartet. Oben drüber zieht der Rundflug-Hubschrauber alle 15 Minuten brummend seine Runden. An der Bar wird laute Musik gespielt, die sich mit der lauten Musik der Animation mischt, die gerade stretching, Aerobic, Bachata und Wassergymnastik anbietet, in dieser Reihenfolge und alles mit lauter Musik verbunden. Und im akustischen Kreuzfeuer all dieser sounds gibt es tatsächlich Leute, die - am Pool liegend - einen eigenen bluetooth-Lautsprecher betreiben, aus dem nochmal etwas anderes quäkt. Also, ich glaube, gesund ist das nicht. Gesund dagegen ist sicherlich das frisch gekochte Mittagessen im Strandlokal, und da gehe ich hin. Schön ist es da, und bis auf die üblichen Koch- und Essengeräusche kaum etwas zu hören. Bis nebenan Tische zusammen geschoben werden und eine amerikanische Großfamilie mit drei kleinen Kindern zwischen zwei und vier Jahren Platz nimmt. Kein Problem, denn amerikanische Kleinkinder gelten allgemein als brav und wohlerzogen. Das Essen wird geholt - immerhin dürfen die Kinder nicht selbst im Bufett herumplanschen - und irgendetwas ist nicht nach dem Geschmack der ältesten Prinzessin, was sie mit langgezogenen, kräftigen und unartikulierten Tönen äußert. Bis dahin hatte ich sie noch als recht niedlich empfunden, aber eine große Karriere kann ich ihr aufgrund ihrer performance leider nicht voraussagen, nicht als Sängerin, und nicht als Feuerwehrsirene, da sie weder eine schöne Stimme hat, noch den Ton halten kann. Dabei kümmern sich doch beide Elternteile aufopferungsvoll um ihre - smartphones. Nachdem mein Salatteller leer ist, und ich wenigstens das Hauptgericht einigermaßen in Ruhe genießen möchte (schließlich sitzt die kleine Lärmquelle nur etwa 2m von mir entfernt), suche und finde ich den Blick der Mutter (während der Vater in sein Spiel vertieft ist), strahle sie an und lege dann, als sie zurück lächelt, ganz viel Bedauern und Verständnis in meinen Blick. Bevor der Vater aufmerksam wird, reißt der Kontakt ab, kurz danach auch der Krach. Vielleicht, weil man ihn bis zum Buffet, wo ich inzwischen bin, sowieso nicht hört. Als ich zurück komme, sehe ich auch sofort, warum. Die Mutter hat - vorsichtshalber bei allen drei Kindern, obwohl die kleineren bisher völlig ruhig und brav waren - die ultimative Geheimwaffe gezogen, die inzwischen schon bei kleinsten Kindern, sobald sie sitzen können, zur Standardausstattung jedes Kinderwagens und jedes Kinderstuhls gehört: pro Kind ein eigenes tablet mit irgendwelchen dummen Kinderfilmen drauf. Das kann das laute Mädchen perfekt bedienen, aber Sätze von mehr als zwei Wörtern sagen, das kann sie noch nicht. Und selbst diese ein bis zwei Wörter verstehe ich nicht, obwohl ich ihre Sprache fließend spreche. Hoffen wir mal, es liegt nur an einer Mischung von Brooklin-Dialekt, kindlicher Zungenunfertigkeit und durch unnötiges herumschreien erzeugte distortion, sonst kann sie früher schreiben als sprechen.
Nachdem ich mich jetzt nach dem Frauen- auch noch zum Kinderfeind geoutet habe (was nicht stimmt, ich mag Kinder, nur nicht die Geräusche die sie ausstoßen, und wenn überhaupt, bin ich nur kein Freund von Eltern, die ihre Kinder nicht erziehen, und selbstverständlich geht es hier natürlich nur um Kinder von Trumpies) kehre ich zurück zu erwachsenen Lärmbelästigungen.
Ich denke, sie haben an der Rezeption einen Zettel mit der Aufschrift: "besonders laute Menschen bitte ins Zimmer 3134 einbuchen". Das ist genau neben mir, spiegelverkehrt zur Wand, wo der Fernseher hängt. Das hört man dann auch, laut und deutlich, ist aber nicht das Problem. Auch nicht der laut rauschende Whirlpool, der häufig benutzt wird, oder die gut gepolsterte Spielwiese, die zwar nicht knarzt und quietscht, aber manchen Benutzern viel Spaß macht, woraufhin sie selber seltsame Töne ausstoßen. Das ist auch noch nicht das Problem, warum auch. Am besten funtioniert der Schallschutz Richtung Balkon, die Schiebetür in Kombi mit den Schallschutzvorhängen hält richtig gut dicht, jedenfalls meistens. Was man von der Eingangstür nicht sagen kann, die hat keine Dichtung, und unter ihr könnte man locker einen Otto-Katalog durchschieben. OK, das ist übertrieben. Aber die Gelben Seiten passen durch, ohne Problem. Dementsprechend hört man jedes Wort, jeden Schritt und jeden Putz- oder Servierwagen, der draußen auf den hallenden Fliesen vorbei kommt. Da gewöhnt man sich schnell dran, also im Normalbetrieb. Aber es gibt nichts, was sich nicht steigern ließe. Da war das Ende der ersten Woche, als gegen 21:00 Uhr der Nachbar anfing, womit auch immer, massiv auf seinen safe einzuschlagen. Es klang wie ein Vorschlaghammer, wobei ich nicht glaube, dass er einen dabei hatte. Parallel dazu beschimpfte er lautstark und abwechselnd den safe und seine heftig zurück keifende Frau. Der Grund ist leicht zu erraten: die massive Metallbox ging nicht auf, und keiner wusste mehr die (im übrigen selbst vergebene!) Kombination. Meistens ist es 1-2-3-4, die Menschen sind ja in der Regel sehr kreativ. Während Mann und safe die Kräfte messen, googelt die Frau mit Hilfe ihres smartphones die Telefonnummer des Hotels, wird dreimal verbunden und packt dann in ihre Beschwerde so oft das Wort "fucking" wie ich es bei nur zwei Sätzen nie für möglich gehalten hätte. Wie bei RIU üblich, verspricht man vermutlich umgehend Abhilfe zu schaffen, denn schon Minuten später klopft ein Security-Mann sanft an der Tür des Nachbarn, und die wuchtigen Schläge gegen den safe sowie das Geschimpfe hören kurzzeitig auf. Übrigens wäre er noch viel schneller da gewesen, wenn die Frau das normale Telefon neben dem Bett als solches erkannt und einfach den Knopf neben der Aufschrift "recepcíon" gedrückt hätte. Billiger wohl auch. Aber egal, der Helfer ist da, und er könnte mit einer Spezialkombination sofort den safe öffnen. Macht er aber nicht, er beharrt darauf, vorher die Pässe der Zimmerbewohner zu sehen. Die sind im safe, worauf der Sicherheitsmann von selber hätte kommen können. Und selbst, wenn alles ein fake ist, und da ganz andere liegen, dann könnte er immer noch den safe wieder schließen und die "Gäste" erst einmal mitnehmen. Aber dieser Gedankengang ist vielleicht zu komplex für einen dominikanischen Sicherheitsmann, der mit einem riesigen Schlagstock bewaffnet ist. Die ganze Prozedur wird dadurch, dass beide Parteien keine gemeinsame Sprache haben, nicht gerade erleichtert. Zum Glück kommt gerade noch ein Kellner vorbei, vermittelt, der safe wird geöffnet, die Hotelangestellten gehen wieder, Ruhe kehrt ein. Für Sekunden, bis die Frau beginnt, ihren Mann in den höchsten Tönen voll zu keifen. Aber der macht jetzt das einzig richtige und antwortet erst knapp, dann einsilbig, und dann gar nicht mehr.
Der Rest der Nacht verläuft ruhig und friedlich, bis auf ein mühelos den Schallschutz durchdringendes Open-Air-Konzert um 23:00 Uhr, und besoffene Gröl-Touristen auf den Gängen um 0:30, 2:00 und 2:30 Uhr. Ach ja, sowie eine Horde laut quietschender Teenies auf der Straße unter meinem Balkon, als die Disko kurz nach 3:00 Uhr schließt. Danach kann ich gut schlafen, lange und erfrischend, bis mich die Frühschicht der Küchenbrigade zu Dienstbeginn laut und fröhlich singend weckt. So gegen 5:30 Uhr.
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