Nachdem ich Euch gestern mit physiklosen Strommodellen auf Flachwitzbasis gequält habe, gibt es heute noch so etwas, zum merken für später. Also, unterhalten sich zwei Jungs: "Na, hast Du jetzt eine feste Freundin?" - "Nein, immer noch die schwabellige!"
Bitte vor dem inneren Auge gut festhalten!
Jetzt aber etwas positives. Dieses Hotel ist sehr international besetzt, es sind Gäste aus vielen Ländern hier. Alle gehen sehr rücksichtsvoll miteinander um, fast niemand drängt sich am Buffet vor, und wenn, dann aus Versehen. Tatsächlich. Wir sind hier wie eine bunt gemischte, sehr große Familie, die alle einander zu jeder Zeit respektieren. Höflichkeit - nun, dazu ein Beispiel aus dem Tierreich. Man nehme eine große Gruppe von Katzen, alten und jungen, männlichen und weiblichen, kastriert oder... ok, das ist vielleicht jetzt nicht so wichtig. Oder vielleicht doch, mal sehen. Also, wenn sich Katzen, die sich nicht kennen, in einem großen Revier begegnen, ignorieren sie sich einfach, gehen starren Blicks aneinander vorbei und sich aus dem Weg. Anders ist das, wenn sie paarungsbereit sind, dann wird sich beschnüffelt und um die Weibchen gekämpft. So ist es hier auch. Man geht starren Blickes aneinander vorbei, vielleicht weil man nicht weiß, welche Sprache der andere spricht. Freundlich zunicken könnte man sich, versteht jeder, macht aber keiner. Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka (der aus "Verrückt nach Meer") thematisiert so etwas immer sehr in seiner Begrüßungsrede zu Reisebeginn, und tatsächlich tut einem dann abends der Nacken weh, weil jeder jedem den ganzen Tag freundlich zunickt. Aber zurück zum Thema. Zum interessanten Thema: Um die Weibchen kämpfen. Obwohl bei den Menschen ja immer Paarungszeit ist, tut das keiner. Grund: lohnt sich nicht. International. Hauptgrund - ohne das gerade geschriebene zu revidieren - die meisten haben ihre "Kater" ja sowieso dabei, und häufig auch noch "Jungtiere". Singles gibt es kaum. Neulich, beim Mittagessen, dachte ich, da wäre doch jemand hübsches allein, weil ich gesehen habe, dass sie äußerst glutäugig mit einem gutaussehenden, muskulösen Kellner geflirtet hat. Bis nach längerer Zeit ihr Mann mit einem übervollen Teller zurück kam. Zumindest verstehe ich jetzt den Flirt mit dem Kellner.
Zurück zur Internationalität. Zwei Dinge sind bei allen gleich: Desinfizieren der Hände vor dem Essen - das macht pro Paar einer oder keiner, niemals beide. Und wenn jemand gut gelaunt herein kommt, ist es ein Angestellter. Alle, wirklich alle Touristen (außer mir) sehen schlecht gelaunt aus und gestresst. Dabei ist das Wetter so schön (eigentlich haben wir Regenzeit) und das Buffet so toll.
Ich charakterisiere Euch jetzt mal die wichtigsten Nationalitäten anhand Ihrer Art, wie sie zum Abendessen kommen. Die Standardsituation für alle ist, man kommt rein, sucht sich einen Platz oder bekommt einen gezeigt, setzt sich hin, bestellt Getränke, und wenn sie da sind und geprostet wurde, steht man auf und geht gemeinsam zum Buffet, gerne auch mehrmals. So weit so gut.
Russen, in nur kleiner Anzahl hier vorhanden, und nur noch durch ihre Optik zu erkennen (junge Frauen und Mädchen lächeln leer in die Welt und sind meist sehr schön angezogen, aber auch sehr auffällig mit viel Glanz und Glitter, die älteren sehen von Frisur bis Kleiderschürze meist aus wie Putzfrauen und heben den Blick nicht vom Teller, Jungs und Männer jeden Alters erinnern mit ihren oft sehr kurze Haaren und verbissenen Gesichtern an Sträflinge). Aber: es gibt keine Alkoholexzesse, kein schlechtes Benehmen, keine negativen Auffälligkeiten. Also, Russen kommen rein, bewegen sich direkt zum Buffet, füllen ihre Teller (gerne auch mal zwei) und suchen dann selbständig einen Platz, was mit einer größeren Gruppe (und das sind sie oft) zur highest season (da kommen sie am liebsten) nur mit massiver Unterstützung der Kellner funktioniert. Aber es funktioniert, wofür die Russen sich dankbar zeigen.
Deutsche, in etwas größerer Anzahl vorhanden, zumeist in Form von Paaren jenseits der Silberhochzeit, kommen standardmäßig rein, sind freundlich zum Personal, verstehen aber kaum oder kein spanisch und bestellen besonders laut (warum auch immer) und langsam auf deutsch oder englisch. Wenn sie ihre Getränke haben, wird diskutiert, wer als erster zum Buffet geht, sagen wir mal, er. Ist er zurück, geht sie los, während er nicht wartet, sondern isst, auch Salat, der nicht kalt werden kann. Kommt sie zurück, ist sein Teller leer, und er zieht wieder los, während sie ißt, usw. Kann mir bitte jemand erklären, warum die Deutschen - und ich habe es bei sämtlichen deutschen Paaren hier beobachtet - nicht miteinander zum Buffet gehen und dann gemütlich miteinander essen? Damit ich es auch verstehe?
Südamerikaner, in noch größerer Anzahl vorhanden, treten meist in großen Familien auf, und machen alles zusammen: reinkommen, Platz aussuchen, zum Buffet gehen. Danach muss oft nachgelegt werden. Sie sind temperamentvoll, aber nicht allzu laut, und kommunizieren neben den Kellnern auch hervorragend mit den Köchen und Putzfrauen, die keine Fremdsprachen sprechen. Kein Wunder, bei der gemeinsamen Sprache.
US-Amerikaner, unsere Freunde. Sie machen zusammen mit den (etwas angenehmeren) Kanadiern ca. 90% der anwesenden Touristen aus, und mindestens 3/4 davon entsprechen folgendem Standardtypus: zwischen 35 und 50 Jahre alt, zwischen 150 und 200 kg schwer, optisch natürlich wie in meinem Flachwitz vom Anfang, übersät mit Billig-Tatoos primitivster Machart, bar jeder Fremdsprachenkenntnisse, man hört sie schon von weitem, und ich könnte mich bereits wieder aufregen, weil ich ja schon weiß, was jetzt passiert.
Sie - das Trumpvolk - kommen rein, stellen sich neben irgendeinen Tisch, den sie möchten, und der auch gerne schon besetzt sein darf, wedeln mit einem Bündel Geldscheine, bis die Oberkellnerin kommt und alles für sie tut: sie findet einen schönen Platz, bringt die Getränke (sie bestellen immer Getränke, die es im Restaurant nicht gibt, und die in der Bar nebenan geholt werden müssen, 100m hin, 100m her. Dauert, aber andere Gäste können ja warten.) Und die Tischmanieren - hierzu ein konkretes Beispiel:
Leider, am Tisch neben mir wird gerade so ein Paar platziert, zwei richtige primitive neureiche fette ekelhafte N...upps, darf man nicht, wurde durch eine fehlerhafte Übersetzung verboten... ich könnte behaupten, ich wollte "Nordamerikaner" schreiben, wollte ich aber gar nicht. Zweiter Versuch, mit etwas mehr Niveau: "Zwei wirtschaftlich gut situierte, jedoch bildungsfremde, unattraktive, schwer adipöse Personen beiderlei Geschlechts, bei denen ein Solariumsbesuch kein Ergebnis zeigen würde". Geil, oder?
Sie hat das sagen, besser gesagt das keifen, und er benimmt sich wie ein Hündchen nach mehreren Tritten. Natürlich scheucht man die Kellnerin nach Spezialdrinks, und bedient sich dann am Vorspeisenbuffett. Heute ist Meeresabend, es gibt Kaviar, Muscheln, Hummerzangen, lauter teures Zeug, von dem meine Nachbarn jeder mindestens 1kg, wenn nicht mehr auf jedem Teller anschleppen.
Aber immerhin, sie verschlingen alles (anders kann man ihre Nahrungsaufnahme nicht nennen) unter Zuhilfename von zwei weiteren Spezialdrinks aus der Bar in Rekordzeit.
An dieser Stelle habe ich eine Frage an Euch: womit kriegt man sogar mich auf die Palme? Klar, mit einem Kran. Es geht aber auch anders. Seid gespannt.
Es geht weiter um die beiden, natürlich. Sie kommen gerade zurück, jeder mit einem Teller voller Fleisch, bestimmt je zwei Kilo. Es wird noch besser: hinter ihnen trägt ein Koch eine ganze Schüssel Kroketten her und stellt sie auch auf den Tisch.
Nach einem weiteren Spezialdrink und einer Diskussion mit ihrem Hündchen lässt die Qualle alles abtragen, völlig unberührt, also, das Essen. Einen winzigen Moment habe ich noch die vage Hoffnung, dass die Monstermahlzeit nur aufgewärmt oder an einen schöneren Tisch gebracht werden soll, aber vergebens: Die beiden verlassen das Restaurant. Ich muss ein hochrotes Gesicht haben - jedenfalls fühlt es sich so an - und die Kellnerin kann mich nur mit größter Mühe beruhigen und daran hindern, dass ich hinter den beiden her renne und ihnen so richtig die Meinung sage.
Seit diesem Erlebnis war ich nicht mehr beim Abendessen.


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