Eine kurze, kalte Nacht ist vorbei. Kurz war sie zwar nicht wirklich gewesen, es fühlte sich nach der langen Reise nur so an. Aber kalt war sie, zumindest in meinem Zimmer. Normalerweise decke ich mich in heißen Ländern mit gar nichts bis maximal einem Bettlaken zu, doch diesmal war die - zum Glück vorhandene und ganz oben im Schrank verstaute - Wolldecke bitter nötig. Der Grund dafür: die Klimaanlage. Sie ließ sich an der dafür gedachten Regelanlage weder wärmer drehen noch ausschalten. Auch nicht kälter, nur der Vollständigkeit halber bemerkt. Dass es am anderen Ende des Zimmers für Notfälle noch einen überdimensionalen digitalen Schieberegler gegeben hätte, habe ich erst morgens entdeckt. Diesen Schieberegler nennt man Balkontür, und hätte ich sie nur einen winzigen Spalt geöffnet, wäre die Klimaanlage sofort ausgegangen. Aber egal, ich habe es eilig, denn die Reiseleitung lädt dringend zum Begrüßungscocktail (leider ohne Cocktail), denn die Bars haben früh um neun noch nicht auf. Das ist zwar gelogen, aber mit uns kann man es ja machen. Es gäbe nämlich eine Bar die offen hat, weil sie niemals schließt. Alternativ wäre auch ein Glas Sekt aus dem Restaurant gegangen, die haben seit sieben auf. Aber zurück zur Veranstaltung: Am Flughafen wurde schon darum gebeten, unbedingt zur Begrüßung zu erscheinen, denn es gäbe viel neues, auch was TUI betrifft, und das sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Hauptneuerung ist, kurz zusammen gefasst, dass TUI das Papier abgeschafft hat, auf Druck der Kunden heißt es, und man jetzt alles über das Smartphone machen muss, also Ausflüge buchen, Infos sammeln, nachsehen, ob es einen Heimflug gibt, Beschwerden schreiben, Gummibärchen kaufen... (ok, das letzte habe ich jetzt erfunden). Und wer keins hat, könne notfalls zur Reiseleitung gehen und nachfragen. Ich weiß nicht, ob sich TUI damit einen Gefallen getan hat, denn es gibt sogar junge Leute, die bewusst kein Smartphone haben. Ich wüsste da sogar ein konkretes Beispiel.
In diesem Moment wird es einem einfach gestrickt aussehenden Paar aus Dunkeldeutschland zu langweilig, und die beiden verlassen die Veranstaltung. Genau jetzt zückt die Reiseleiterin für jede Partie eine kleine Mappe, zum einen mit Prospekten aus Papier, zum anderen mit zwei Formularen, die man ausgefüllt für die Ausreise braucht. Leider sind die Gelangweilten nun schon über alle Berge. Das gibt noch Theater!
Mit den besten Wünschen für einen schönen Urlaub endet die Diätveranstaltung (= ungefrühstückt, vorher habe ich noch geschlafen, und jetzt gibt es nichts mehr), und so gehe ich zur Rezeption, um dort meine Mängelliste vorzubeten. Also, nicht meine, die vom Zimmer: das von der Klimaanlage wisst ihr schon, dann klemmt die Kühlschrankschranktür, das "Bitte-nicht-stören-Schild" fehlt, und am schlimmsten: es ist kein Rum im "Giftschrank"
Nach einer guten Stunde erscheinen nahezu zeitgleich ein Kellner, ein Zimmermädchen und ein Haustechniker. Der Kellner ersetzt den Rum, das Mädchen drückt mir das fehlende rote Türschild in die Hand, und der Haustechniker gerät ins schwitzen. Zwar hat er den Fehler der Klimaanlage schnell gefunden, Steuerung kaputt, was ich dem Rezeptionisten auch gesagt hatte, er geht eine holen und repariert das dann. Bitte fragt mich nicht, warum er das Ersatzteil nicht gleich mitgebracht hat, das ist wahrscheinlich eine landestypische Tradition. Die Kühlschrankschranktür (der Kühlschrank steht in einem Schrank, dessen Tür wiederum klemmt) stellt den Techniker vor größere Probleme, woraufhin wir beschließen, die Reparatur zu vertagen. Wahrscheinlich verjährt sie sogar.
Aber immerhin: als ich vom Mittagessen zurück komme, hat die Klimaanlage eine neue, funktionierende Steuerung. Geht doch!


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