Dienstag, 20. September 2022

Wasser, Wasser, Wasser...

 Heute ist der letzte Seetag, und die Programm-Macher haben sich tatsächlich nicht verzählt: "7. Seetag" steht oben drüber, und das stimmt. Der letzte Tag, an dem man an Bord in den Geschäften einkaufen kann, wo es sowieso nichts gescheites für viel Geld gibt, der letzte Tag, an dem die ganze Zeit alle gleichzeitig an Bord sind, der letzte Tag, an dem ich massiert werde, und der letzte Tag, an dem man noch Landausflüge buchen kann. Ich hatte nämlich eine ganz schlaue Idee: Genau wie am ersten Tag, liegen wir morgen wieder einen ganzen Tag in Bayonne (Abreise ist erst übermorgen), und es werden wieder die gleichen Ausflüge nach New York angeboten wie am ersten Tag. Ihr wisst ja vielleicht noch, wie der erste Besuch dort ausgegangen ist. Und wie beim Film üblich, wenn etwas schief geht, macht man es einfach nochmal, aber besser. Manchmal allerdings auch noch schlechter. Zurück zur schlauen Idee: Ich habe aus Google Maps alle für mich relevanten Pläne einschließlich U-Bahn-Stationen rauskopiert und auf das iPhone gespielt, falls es wieder mal keine Stadtpläne gibt. So vorbereitet, nach kurzem Überlegen, gestern Nacht, nach der späten Rückkehr aus der TUI-Bar, den Ausflug einfach noch einmal gebucht. Nein, der Ausflugsschalter hatte um diese Zeit natürlich nicht mehr auf, aber TUI Cruises setzt seit ein paar Jahren auf eine App für alles, und die ist gar nicht schlecht. Man kann sich damit auf dem Schiff orientieren, nachsehen was im Theater läuft, sich im Spa anmelden, nachblättern, was man wann vor hat,  orientieren, wo die Lieblingsbar liegt (wenn man es nach zwei Wochen immer noch nicht weiß, oder wichtiger: die Kabine), man kann sich informieren, was es morgen wo zum Abendessen gibt und auch Ausflüge buchen. Alle Termine werden automatisch in einem Kalender, dem Reiseplan, eingetragen und auch aktualisiert, falls sich etwas ändert. Man findet an jedem Tag nicht nur die Uhrzeit, an der man etwas vorhat, und was es ist, sondern auch wann man sich wo einzufinden hat. Und für all das verbraucht man kein teures Internet-Guthaben, sehr praktisch! Auf meinem Kalender steht, dass mich die Fähre morgen früh anstatt dem Frühstück abholen wird, und ich freue mich schon auf den Besuch im Hard Rock Cafe.

Blöd ist nur, dass New York niemals schläft, die amerikanischen Behörden erst recht nicht, und so ist der Plan für morgen Vormittag geändert worden wie folgt: 

Da wir aus Kanada kommen, muss eine komplette Einwanderung in die USA durchgeführt werden. Dazu müssen alle Passagiere morgen früh das Schiff verlassen, zuerst diejenigen, die einen frühen Ausflug gebucht haben, dann die mit einem nicht ganz so frühen, dann die mit einem späten und dann diejenigen, die eigentlich an Bord bleiben wollen. Erst dann darf man wieder auf das Schiff, frühestens 11.30 Uhr. Frühestens. Na gut, kann ja so lange nicht dauern bei 2.000 Leuten, und nachdem ich einen frühen Ausflug gebucht habe, bin ich ja schnell durch. Gut und richtig gedacht, man verlässt das Schiff, wird eingewandert, besteigt den Ausflugsb...und jetzt beginnt es zu ticken. Was tut man, wenn der Weg zum Ausflug weder zu Fuß geht, noch mit dem Fahrrad, noch mit dem Bus? Richtig, dann hat man die A-Karte gezogen, denn man muss das Schiff verlassen, einwandern, dann zurück aufs Schiff steigen und anschließend auf die Fähre wechseln, was also zur Frühstückszeit nicht machbar ist. Tatsächlich finde ich in meinem Reiseplan, dass sich die Startzeit des Ausflugs inzwischen auf 14.30 verschoben, was bedeutet, dass die Fähre frühestens um 15.00 Uhr in Downtown Manhattan anlegt, das heißt frühestens 16.30 Uhr am Times Square. Könnte voll werden, und bei dem zu erwartenden Wetter heiß. Und es kommt noch schlimmer: seit heute findet bis zum 23. September die 77. UN-General-versammlung statt, wie im Lauf des Tages unser Kreuzfahrtdirektor erzählt, und wisst Ihr wo? Genau, in New York. Morgen wird dazu auch noch Präsident Biden erwartet, was aufgrund der zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen durchaus zu weiteren Verkehrsbehinderungen führen kann - sind wir ehrlich, ganz bestimmt wird. 

Mit drei klicks auf dem iPhone bin ich den Ausflug wieder los. Die Schiffs-App ist wirklich gut, besser als das etwas merkwürdige Menue, das heute Abend im Atlantik classic angeboten wird. Aber es gibt ja auch noch andere Restaurants, und Essen wird sowieso überbewertet. Je länger eine Kreuzfahrt dauert, desto klarer ist mir das.

Wieder einmal in der TUI-Bar, erfahre ich dass der Ouzo aus ist. Und der Aperol auch. Ich denke erst, dass mich die wirklich sehr humorvollen Barkeeper veräppeln wollen, aber ihre bedauernden Gesichter zeigen mir, dass sie es ernst meinen. Das passt zu dem, was ich heute vormittag im Aufzug zu hören kriegte: im Buffetrestaurant Anckelmanns würde seit ein paar Tagen die Auswahl an Aufschnitt und inzwischen auch die Menge augenscheinlich immer knapper. Es war im Aufzug, und ich habe es deshalb für einen Witz gehalten, so wie ich manchmal schreibe: "auf Kreuzfahrtschiffen gibt es oft nicht so viel zu essen".

Das nehmen wir für heute mal als cliffhanger.



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