Dienstag, 13. September 2022

Kanadische Spezialitäten


Sie bleiben dabei: 3. Seetag, heute mit der Schlagzeile „Seeluft genießen“. Nun gut, zurück zu gestern. Ich war der modernen Technik auf den Leim gegangen, und hatte noch dazu die letzte Durchsage des Kreuzfahrtdirektors nicht gehört. Wir Ihr alle zweifellos wisst, ist die Welt in Zeitzonen eingeteilt, aufsteigend in östlicher und absteigend in westlicher Richtung, und zwar immer in Sprüngen von einer Stunde. Beispiel: Wenn wir in Frankfurt um 16.00 Uhr losfliegen, ist es in New York erst 10:00 Uhr. Was interessiert uns das? Es geht weiter: wir sind in NY losgefahren, strikt nach Ost-Nord-Ost, um bei Sydney (dem kanadischen) auf Nord zu drehen, in den Sankt-Lorenz-Strom einzubiegen, und dann - wenn auch deutlich weiter nördlich - wieder zurück nach Westen zu fahren, wenn auch nicht mehr ganz so weit. Das sind zwei Zeitzonen hin und eine her. Da wir unterwegs nicht anlegen, hat der Captain beschlossen, die ersten beiden, sich gegenseitig aufhebenden Zeitumstellungen nicht mitzugehen, sondern erst in Québec die eine Stunde Differenz zur New Yorker Zeit umzustellen. Eine sehr gute Idee, hätte ich es nur gewusst und dem iPhone sagen können, es soll die automatische Umstellerei sein lassen. Aber lustig war das schon, und nicht die erste Zeitumstellung, die ich übersehe. Allerdings die erste, die nicht vorhanden war. 


Das Abendessen war dann auch noch sehr lecker.


Kommen wir zu den kanadischen Spezialitäten, womit ich weder dicke Pullover noch Ahornsirup meine, und auch nicht die unfassbare Freundlichkeit der Menschen dort. Vielmehr sind es behördliche Dinge, die ich so nicht erwartet habe. Während in den meisten Ländern, die ich kenne, die Einreiseformalitäten im ersten Anlaufhafen des neuen Landes stattfinden, bestehen die Kanadier auf eine Abfertigung an ihrer Grenze. Die liegt an der Meerenge von Sidney, wo man gemeinsam mit etlichen anderen Schiffen anhalten und Anker werfen muss. 


Die kanadischen Behörden kommen dann an Bord,  prüfen die Papiere und schnüffeln überall herum. Halt, ich lüge, in den Passagierbereich kommen sie nicht, denn wer legal (also mit ESTA oder Visum) in die USA eingereist ist, also wir alle, muss nicht neu kontrolliert werden. Aber sie verlangen, dass in kanadischen Häfen, oder wenn man in kanadischen Gewässern vor Anker liegt, alle Geschäfte an Bord geschlossen sein müssen (ok, das ist überall so, wegen den Zollrechten) und auf jedem Deck maximal eine Bar geöffnet sein darf. Restaurants schränken sie zum Glück nicht ein, denn wir liegen hier fast vier Stunden, und das über Mittag. Zu allem Überfluss fällt auch noch die Videothek aus, die man auf den Kabinen benutzen kann, und Fernsehen gibt es ohnehin nur auf Englisch und Chinesisch. Ganz spontan wird im Theater jetzt ein Film gezeigt ("Ich war noch niemals in New York"), in der Hoffnung, auch diejenigen Leute ruhig stellen zu können, die schon eine leichte Mischung aus Langeweile und Lagerkoller zeigen. Ich verstehe zwar nicht warum, aber es gibt sie. Und irgendwann geht es dann doch weiter, der Anker wird gehoben, die Gitter vor den Läden gehen hoch, die Korken knallen, die Stimmung steigt, und die Temperaturen sinken. Wir fahren jetzt Richtung Norden, biegen heute Abend in den Sankt-Lorenz-Strom ein und sehen in gutbesuchten Bars einem weiteren Seetag entgegen.





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