Der letzte kanadische Hafen dieser Reise heißt uns herzlich willkommen, und diesmal müssen sich die Menschen des Begrüßungskomitees nicht einmal groß verbiegen, denn in diesem Teil Kanadas wird englisch gesprochen, sogar ein angenehm britisches. Das Schiff hat mitten in der Stadt festgemacht - nein, da wäre es zu hügelig - aber direkt sehr zentral davor, an der sogenannten Waterfront, die sich mitsamt einem beeindruckenden großen Holzsteg vier Kilometer weit an der malerischen Küste entlang schlängelt, von den beiden Kreuzfahrtpiers bis zum Casino. Heck an Heck mit unserem Schiff liegt seit einer Stunde auch noch die Nieuw Statendam der Holland-America-Line, klassisch schwarzer Rumpf mit weißen Aufbauten, wir sind uns schon in Sidney begegnet. Sie ist größenmäßig minimal kleiner als wir für minimal weniger Passagiere. Falls die aber ausgebucht ist, könnten es auch ein paar hundert mehr sein diesmal. Nehmen wir einfach mal an, dass beide Schiffe gleich schlecht gebucht sind, und ein großer Teil organisierte Ausflüge gebucht hat, ergießen sich jetzt zwei- bis dreitausend Menschen auf die Uferpromenade, verteilen sich bei herrlichem Sonnenschein und ohne die Notwendigkeit einer Jacke auf den herrlichen Spazierweg, und bevölkern die wirklich unzähligen kleinen Restaurants, die meistens frisches aus dem Meer anbieten.
Außerdem gibt es Plätze zum rasten, ab und zu einen Ausleger, der ins Meer führt, teuer aussehende Boutiquen, ein großes Whiskyfest, das aber noch nicht geöffnet hat, und eine Budenstadt mit allem von süß bis sauer und von mild bis salzig, Souvenirs, Klamotten, natürlich auch Getränkeständen, und was nicht noch alles. Die Stimmung ist sehr entspannt und fröhlich, auch in der zumeist überfüllten Gastronomie. Und interessant ist auch, wie viele Leute man hier trifft, die man mindestens vom sehen kennt, einfach nur grüßt, oder stehen bleibt und ein paar Worte wechselt. So auch Admir, der schon auf dem Rückweg ist, weil er heute Mittag im Buffetrestaurant darauf achten muss, dass sich niemand unter 19 Jahren an den SB-Zapfhähnen für Bier und Wein vergreift. Die kanadischen Behörden mal wieder, denn eigentlich sind für sowas die Eltern zuständig. Und Menschen zwischen 18 und 21 müssen bei ihren Getränkebestellungen an den Bars darauf Rücksicht nehmen, ob wir gerade in den USA oder Kanada angebunden sind oder fahren. Tatsächlich habe ich schon einmal mitbekommen, dass ein kleiner junger Mann - ich hätte ihn für 16 gehalten - einen Whisky bestellt hat, und der Barkeeper - dem es sehr peinlich war - die Bordkarte sehen wollte. Der junge Mann - er war bereits 23, wie das Lesegerät verriet - hat nur gelacht, und gemeint, das passiert ihm jeden Tag. Mein Tip: immer in die gleiche Bar gehen, nach zwei Tagen kennen sie ihn und fragen nicht mehr.
Als es immer wärmer wird, mache auch ich mich auf den äußerst sauberen Rückweg zum Schiff, denn mir ist nicht nach teuren Meeresfrüchten. Und selbst wenn, nirgends in den kleinen kanadischen Restaurants und ihren gemütlichen Vorgärten scheint es noch einen einzigen freien Platz zu geben. Auf dem Schiff dagegen habe ich einen ganzen großen Tisch für mich alleine.
Abends lassen wir uns von einem Schlepper von der Pier wegziehen (Strahlruder sind hier nicht erlaubt, wegen dem empfindlichen Holzsteg), drehen eine Runde um die malerische Insel Georges Island mit ihrem kleinen Leuchttürmchen und machen uns davon, nicht ohne alle Bars wieder zu eröffnen (das bleibt jetzt auch so) und die Altersgrenzen zurück auf deutsche Verhältnisse zu ändern, vorerst mal.



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