Gut ist: zum Ende der Reise gehe ich mit einem Lächeln im Gesicht, und nicht nur ich. Und den allergrößten Anteil daran hat sicherlich die Crew hier an Bord, die sichtbaren wie die unsichtbaren Mitglieder in allen Abteilungen, die trotz heftiger Personalknappheit wieder alles getan hat, um uns Gäste zu verwöhnen.
Danke dafür!
Und dann ist der Tag der Abreise gekommen. Die Koffer stellt man irgendwann bis kurz nach Mitternacht vor die Tür, die Kabine verlässt man bis 9.00 Uhr früh, und das Schiff verlässt man angepasst an die Flugzeugzeit. Meine ist 18.30 Uhr, das hieße dann, der Bus fährt am frühen Nachmittag. Normalerweise.
Blöd ist nur, dass wir hier in den USA sind, und das Schiff schon um 9:30 Uhr leer sein muss, warum auch immer. Fangen wir mal bei den Koffern an: wer es aus organisatorischen Gründen nicht schafft, die Koffer bis 21:00 Uhr am Vorabend vor die Tür zu stellen (zum Beispiel wegen einem Ausflug, der erst spätabends endet), muss sich morgens selbst darum kümmern, und das ist aufgrund der großen Nachfrage bei den Aufzügen sicher kein Spaß, um so schlimmer je höher man wohnt.
Den weiten Weg bis vor die Einwanderungshalle habe ich ja gestern schon beschrieben. Zum Glück funktioniert die Rolltreppe wieder. In der Halle stehen, nach Decks angeordnet, die Koffer, die es gestern Abend rechtzeitig vor die Tür geschafft haben. Vor der Halle warten einerseits die Ausflugsbusse für heute, ordentlich beschriftet, andererseits die Busse, die uns Gäste zu einem der beiden Flughäfen, also JFK oder Newark, bringen sollen. Blöd ist nur, dass die Flughafenbusse nicht beschriftet sind, jeder Fluggast aber einem festen Bus zugeteilt ist. Eine gute Stunde Gäste- und Koffertetris auf dem Parkplatz, bis hin zu wüsten Beschimpfungen der einzigen anwesenden TUI-Cruises-Mitarbeiterin durch einen entnervten und schrecklich niveaulosen Passagier, der sowohl mit der Situation als auch der schwülwarmen Witterung völlig überfordert ist. Zugegeben, hier hat sich die amerikanische Partneragentur, die für die Busse zuständig ist, leider mehr als blamiert! Aber irgendwann findet jeder seinen Bus, und der Flughafen Newark ist nicht mehr weit. Dort werden wir am richtigen Terminal, direkt bei den Abfertigungsschaltern, abgesetzt. Oder aus? Es ist jetzt 10.30 Uhr, also noch lange bis zum Abflug, aber die amerikanischen TUI-Cruises-Mitarbeiter am Flughafen werden sich gut um uns kümmern.
Blöd ist nur, dass es keine gibt, und wir alle auf uns allein gestellt sind. Auch diejenigen, die keinerlei Englisch sprechen. naja, wird schon, erst einmal den Koffer abgeben und dann gemütlich shoppen und/oder essen gehen. Leider gibt es hier keine Lufthansa-Schalter, zumindest keine offenen. Nach einer Weile beobachte ich, dass ganz viele Leute ihre Flüge an Automaten einchecken, Bordkarten ausdrucken und Kofferanhänger, ihr Gepäck auf ein Gepäckband stellen, und dann ohne großen Ballast davon laufen. Super, denke ich mir, wird nicht so schwer sein, das kann ich auch. Es ist auch nicht schwer: einfach hingehen, Fluggesellschaft wählen, und schon wird man durch ein idiotensicheres Menue geführt.
Blöd ist nur, dass die Lufthansa diesen Service nicht anbietet. Und spätestens in diesem Moment bin ich so dankbar, dass man Koffer heutzutage nicht mehr tragen, sondern nur noch schieben muss, was über mehrere Stunden hinweg aber auch lästig wird. Und jetzt? Shoppingmäßig ist nur wenig geboten, und mit der Gastronomie sieht es nicht besser aus. Ich schiebe mein Gepäck also eine gute Stunde von links nach rechts, von rechts nach links, und mache zur Abwechslung das gleiche im Untergeschoss auch. Immerhin stoße ich da noch auf eine nette Wanddeko für meine American-Diner-Küche zuhause:
Kleiner Spoiler: die Schokolade schmeckt scheußlich, aber mir ging es sowieso nur um den Deckel der Blechdose.
So allmählich vergeht die Zeit, und meine Füße wachsen und tun weh. Tatsächlich gibt es hier in begrenztem Maß auch Sitzplätze zum Warten. Wenn man allerdings einen Transatlantikflug vor sich hat, möchte man vielleicht vorher nicht allzu viel sitzen. Ich weiß nicht, ob Ihr das nachvollziehen könnt.
Um 13.00 Uhr tut sich was: die Displays über den Lufthansa-Schaltern gehen an, eine Angestellte erscheint, dann noch eine, aber die Freude ist nur kurz, denn die beiden stellen nur Schilder auf, die darauf hinweisen, dass die Schalter um 14:30 Uhr geöffnet werden. Vorsichtshalber stellen sich die Leute jetzt schon einmal an, ich dann schließlich auch, man weiß ja nie. Pünktlich um 14:45 Uhr öffnen die Schalter tatsächlich, und es kommt Bewegung in das Wartereptil, das inzwischen zweimal durch die ganze Halle reicht. Und das ist noch wenig, denn durch die wenigen jetzt geöffneten Schalter werden die Flüge von nicht weniger als vier europäischen Airlines gleichzeitig durchgeschleust. Irgendwann bin ich durch und stehe nach einem strammen Marsch zum Sicherheitsbereich - wieder in einer fetten, dicht gepackten Warteschlange, die sich nur widerwillig vorwärts bewegt, in einem stickigen, relativ kleinen Raum mit verbrauchter Luft. Aber auch das geht vorbei. Jetzt muss nur noch das richtige Gate erreicht werden (der Weg zieht sich endlos), und dann zeigt sich, dass ich heute einen Wunsch erfüllt bekomme. Ich bin nämlich noch nie mit einer Boeing 747, also dem sogenannten Jumbo-Jet geflogen, und jetzt wartet draußen einer auf mich, also nicht nur auf mich natürlich.
Ich sitze ganz hinten, neben einer sehr netten zarten Frau, bin allerdings recht eingequetscht in meinem engen Sitz. Die voll ausgebuchte Maschine startet pünktlich, wedelt erfreut und heftig mit dem Schwanz und macht sich auf den relativ unruhigen Flug nach Frankfurt, wo sie nach gut 6.200km pünktlich landet.
Den Rest, 193km bis Nürnberg, schafft ganz locker die Deutsche Bahn.
Blöd ist nur, dass der mit lautstarken Oktoberfestturis vollgestopfte Zug auf die kurze Entfernung fast eine Stunde Verspätung erzeugt. Ohne Worte.
So Ihr Lieben, hiermit enden meine Erzählungen aus der "Neuen Welt". ich hoffe, Ihr hattet ein bißchen Spaß, und würde mich über ein bißchen feedback freuen. Bis zum nächsten Mal.
Euer
Captain Spareribs




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