Donnerstag, 16. November 2023

Spanish Town

Gestern war kurz die Rede von der Reede, und schon heute liegen wir auf ihr, und zwar vor der Insel „Virgin Gorda“ was so viel heißt wie „dicke Jungfau“ (die drittgrößte der britischen Jungferninseln). Um es vorweg zu nehmen: das spannendste an dieser Insel ist das hin kommen, denn sie haben nur einen Yachthafen in Spanish Town, man muss also mit dem Tenderboot hin fahren. Und das Ein- und Aussteigen am Schiff ist immer so eine Sache, vor allem wenn Gäste schon damit überfordert sind, die tatsächlich recht wackelige Gangway auf die ebenfalls wackelige Plattform zurück zu legen, die dann zu dem eifrig auf- und ab hüpfenden Tenderboot führt. Das allein ist schon schlimm genug, aber noch schlimmer ist, dass viele der betreffenden Gäste keinen Blick mehr dafür haben, was sie können und was nicht. Natürlich wird jedem geholfen, vier kräftige Matrosen geben alles, um die Gäste heil in die Boote und wieder raus zu bekommen, aber zaubern können die auch nicht. Und das hätten sie müssen, als kürzlich ein Rollstuhlfahrer - schon schlimm genug, aber es war einer, der seinen Rollstuhl aus eigener Kraft gar nicht verlassen, nicht einmal kurz aufstehen kann - darauf bestanden hat, im Tender mitgenommen zu werden. Das ging natürlich nicht, und es hat Riesentheater gegeben. Zum Glück konnte ihn dann der Kreuzfahrtdirektor überzeugen, die Entscheidung - und so weit kann so etwas gehen - nicht dem Kapitän zu überlassen. Der wäre übrigens schnell fertig gewesen mit dem Fall, indem er ihm freundschaftlich die Hand auf die Schulter gelegt und mit hochgezogenen Augenbauen (seine Art zu lächeln) verkündet hätte: „Brriederchen, wenn du nix kannst gähen, du musst bleiben an Borrd“. Schulter klopfen, fertig. OK, er hätte sich sicherlich gewählter ausgedrückt, aber meine (erfundene) Darstellung trifft den Sachverhalt recht gut. Es ist tatsächlich so, bei allen Cruiselines, dass tendern nur darf, wer komplett allein oder mit ganz wenig Hilfe (also wie ein Gesunder) ein- und aussteigen kann. Rollstühle werden mitgenommen, wenn sie zusammenklappbar sind. Fertig, klare Regel (das erfährt man auch schon vor der Buchung). Natürlich bekommen Rollstuhlfahrer jede nötige Hilfe, was schon beim ersten besteigen des Schiffes beginnt. Idealerweise liegt das Schiff an einer Fahrgastbrücke (die bei mir „Gästerüssel“ heißt, wo man - wie beim Flugzeug - einfach und locker an Bord kommt, auf zwei Füßen oder vier Rädern. Es gibt auch befahrbare Gangways, nicht zu steil, und besonders amerikanische Schiffe haben spezielle Liftsysteme oder Gabelstapler für Rollstuhlfahrer (nein, die Gabelstapler sind nicht wegen dem vielfach sehr hohen Gewicht der Gäste im Einsatz, sondern weil sie einfach praktisch sind). Wir auf der Artania haben das alles nicht und sind schon froh, wenn Rollstuhl und Inhalt und Begleitperson problemlos in unsere Aufzüge passen. Um an Bord zu kommen, werden Rollstuhl und -Fahrer schon mal von vier kräftigen Matrosen die Land-Gangway hochgetragen, die kann das gerade noch ab. Für Handycap-Gäste im XXL-Format bliebe nur der Ladekran. Nein, keine Angst, das machen wir nicht, schon deswegen, weil sie nicht in die Aufzüge passen würden. Wir sind eben kein modernes Schiff, und gelten deswegen auch nur als „bedingt behindertengerecht“.


Mittwoch, 15. November 2023

San Juan

Heute ist Bergfest, aber nur für die Karibik, nicht etwa für die ganze Reise: wir erreichen das 6. von 11 karibischen Zielen, danach sind es noch 5, und heute geben es uns die Amerikaner, die die Macht über Puerto Rico haben, noch einmal so richtig: sie verbieten für die Zeit unseres Aufenthalts nicht-permanente Frühstücksbuffets in den Bedienrestaurants, wieder einmal müssen Kaffee und Kuchen mitsamt ihren Torten vom stilvollen Restaurant „vier Jahreszeiten“ ganz unten auf Deck 2 in das weit weniger stilvolle Lido-Buffet auf Deck 8 umgesiedelt werden, und das beste: wir legen zwar schon um 20.00 Uhr wieder ab, trotzdem darf der Late-Night-Snack um 22.00 Uhr nicht in Harry’s Bar auf Deck 3 stattfinden wie sonst immer, (Hintergrund zu diesem kleinen Buffet: wenn man aus der Abendshow kommt, fällt man praktisch darüber), sondern muss ebenfalls ins Lido-Buffet 5 Decks höher umziehen, wo um diese Zeit sicher keiner darüber fallen wird. Doch davon später mehr, denn erst einmal legen wir an. und zwar direkt neben der Norwegian Getaway, die schon vor uns da war und bereits angefangen hat, ihre ca. 4.000 Passagiere über unsere gemeinsame Pier auf den Kai und in die Straßen von San Juan zu spülen. Viel haben wir dazu nicht beizutragen, noch nicht einmal voll besetzt, was wir bei weitem nicht sind, aber wir geben uns Mühe, unsere nicht ganz 800 Passagiere sowie einige Besatzungsmitglieder ebenfalls wirkungsvoll ins Getümmel zu werfen. Wobei, wenn man das Durchschnittsalter und den Zustand vieler meiner Mitpassagiere betrachtet, ist es eher eine langsame, zähe. mühsame Untermischung. Selbst die - nicht gerade seltenen - Rollstuhlfahrer unter den Amerikanern - zumeist in der Klasse Superschwergewicht - sind flinker unterwegs, fahren sie doch meistens moderne, hochmotorisierte E-Rollstühle. Das klingt jetzt so als müsste man sich drängen, aber weit gefehlt. Angefangen über unsere Pier, die auch zwei Riesenschiffe gut vertragen könnte, über die Kaianlage, Gehsteige, Straßen und Geschäfte ist hier alles XXL, also wie in den USA. Bis auf die Preise, in US$ zu bezahlen, die sind zum Glück etwas moderater. Allgemein herrscht eine fröhliche, entspannte Stimmung, trotz der vielen Leute. Ob sich das noch steigern lässt? Klar, denn es gibt neues zum Thema „zwei Riesenschiffe“. Auch wenn die vor kurzem eingetroffene Carnival Celebration, das größte Schiff der Carnival-Flotte, natürlich nicht auch noch an unserer Pier hängt - mehr als zwei geht nun einmal nicht, aber es gibt noch so eine - so hat sie doch zwischen 5.000 und 6.000 weitere Passagiere mitgebracht, die jetzt auch in die Hafengegend von San Juan strömen. Aber das kennt man schon, weil es hier jeden Tag so lebhaft zugeht. Wir haben ja noch Glück, es hätten durchaus vier Schiffe kommen können, und dann noch eins bis zwei auf Reede… nein, das wäre dann doch too much, darum nichts wie weg zur nächsten Insel.
Den Late-Night-Snack gab es dann doch in Harry's Bar. Weiß ja keiner...

 

Dienstag, 14. November 2023

Santo Domingo

Wer mich kennt weiß, dass ich die Dominikanische Republik liebe, und manch einer bezeichnet sie schon fast als meine zweite Heimat. Tatsächlich rangiert Santo Domingo im weltweiten Ranking der bisher von mir besuchten Städte auf Platz drei, uneinholbar überflügelt auf ewige Zeiten nur von London deutlich auf Platz 1 und Lissabon knapp auf Platz 2. Ich war schon ein paarmal hier gewesen, und jedesmal bin ich ordentlich nass geworden. Meistens waren tropische Regenfälle daran schuld, und wenn mal nicht, dann sehr viel Schweiß davon, stundenlang hinter einem zwar kompetenten, aber jungen, durchtrainierten und wieselflinken Guide her zu hetzen und nebenbei noch sehr viel kulturelles zu erfahren, zum Beispiel dass Christoph Kolumbus’ Sohn Diego hier lange regiert hat, und dass die erste Universität der Neuen Welt hier gegründet wurde. Wer also glaubt, die Dominikanische Republik besteht nur aus wunderschönen Stränden und großartigen AI-Resorts, der weiß über dieses schöne Land nur die Hälfte, und zwar die deutlich kleinere. Ganz viele der Gäste, die heute zum ersten Mal hier waren, sind äußerst beeindruckt von Santo Domingo, und all dem, was sie von ihren Guides erzählt bekommen haben.

Da ich den einzigen für mich interessanten Ausflug (die Höhlen von Tres Ojos) wegen Ausbuchung leider nicht bekommen habe (er war für mich vor Jahren schon einmal ins Wasser gefallen, damals wegen Überschwemmung), und die Liegezeit für private Exkursionen (Hard Rock Cafe, inzwischen in der Blue Mall, etwa 20km weg vom Hafen, eigentlich kein Problem, aber Freunde, ich kenne den Verkehr hier, und wenn das Schiff weg ist, ist es weg) scheint mir zu knapp. Ich wäre fast schon einmal in Santo Domingo gestrandet, und da hätte ich mich nur nach Bavaro durchschlagen müssen, etwa 90 Minuten mit dem Kleinbus oder Taxi, was wohl noch irgendwie machbar gewesen wäre. Das Schiff fährt aber nach Puerto Rico, das erschwert die Sache nicht unbedeutend. Also - sicher ist sicher.

Dafür habe ich das Geheimnis um die blauen Handtücher in meinem Schrank gelöst, und ihr dürft mir eine Deppenmütze aufsetzen, wenn ich wieder zuhause bin, denn: heute habe ich die Handtücher mal Neugierde halber angefasst, und was soll ich Euch sagen: es sind Wolldecken.

Thema erledigt.


Sonntag, 12. November 2023

Montego Bay

Welch ein Gegensatz zu Grand Cayman ist Jamaica, trotz seines klangvollen, fernweherweckenden Namens. Zunächst wird mit den Behörden diskutiert, ob ein oder zwei Gangways angelegt werden dürfen. Erst heißt es, man darf im Hafen nicht herum laufen, ein Shuttlebus würde einen abholen. Dann muss man durch den Hafen laufen, bis zum Ende des Schiffs, wo es ein Gebäude gibt, hinter dem der Shuttlebus wartet, der einen durch den Hafen fährt, zum anderen Ende, wo noch ein Gebäude steht, wo es sogar kostenloses WLan geben soll. Oder auch nicht. Oder doch. Oder nur manchmal. „Vermutlich geht es“ äußert ein Mitreisender „Und wenn viele es benutzen, wird es langsam“. Ich persönlich glaube eher, es ist langsam, solange es keiner benutzt, und geht gar nicht mehr, wenn viele dran wollen, und per Whats App völlig belanglose Enkelbilder um die halbe Welt austauschen. 

Der im Vorfeld großartig angepriesene Hop-On-Hop-Off-Bus wird heute auch nicht fahren, vielleicht weil Sonntag ist, oder weil er kein Dach hat, und es vermutlich gleich regnen wird. Es gibt sicher noch mehr verschrobene Gründe dafür, aber ich habe Verständnis, dass bei der sehr schwülen Hitze hier, gepaart mit übermäßigem Rumgenuss, nicht jeder klar denken kann. 

Dementsprechend chaotisch geht es zu bei der Rentnerverteilung auf die verschiedenen kleinen Ausflugsbusse, aber alle finden im Laufe des Nachmittags wieder zurück an Bord, wo zur Kaffeestunde eine lautstarke Reggaeband aufspielt, später ein Latinosängerin die Leute bei Laune hält, und der Küchenchef - absolut passend - Wiener Schnitzel serviert.

 

2. Seetag

Es heißt schon wieder „Erholung auf See“ im Tagesprogramm, was mich doch kreativmäßig sehr überrascht, auch wenn es den Bedarf trifft, den die meisten Gäste haben. 

Für mich beginnt der Tag heute mal mit etwas, das ich bisher noch nicht probiert habe: Frühstück auf die Kabine liefern lassen! 

Es gibt hier diesen Service: Man kreuzt auf einem dafür gemachten Türhänger an, was und wieviel man haben möchte, und wann, hängt den Hänger an die Tür bis spätestens 3.00 Uhr nachts (nicht nachmittags), und am Morgen zur gewünschten Zeit klopft es, und Lieferando steht mit Fahrrad vor der Tür. OK, Späßle, es ist natürlich ein Kellner, zu Fuss, mit einem Tablett, der einem alles in die Kabine stellt. Toll, das nütze ich jetzt öfter, zumal es genauso viel kostet, wie das Frühstück in den Restaurants: nichts extra, ist im Reisepreis enthalten.

Nachdem ich Euch nicht schon wieder mit dem üppigen Tagesprogramm bewerfen möchte, lieber noch etwas zum Thema Regeln. Auch hier an Bord der Artania gibt es welche: Händewaschen nach der Toilette, keine Liegestühle reservieren, Hände desinfizieren vor dem Restaurant, und wenn Du ein Mann bist: lange Hosen zum Abendessen, also beim Abendessen, besser gesagt. Es gibt aber auch lustige Regeln, zum Beispiel die Handtuchregel:

Man findet in der Kabine weiße Handtücher, die sind für die Benutzung dort, darum lagern sie im Bad. Außerdem gibt es zwei türkisfarbene Handtücher (im Schrank), die darf man aus der Kabine mit herausnehmen, weil sie für die Benutzung am Pool oder im Spa (zum Beispiel in der Sauna) gedacht sind. Natürlich darf man sie auch wieder mit in die Kabine hinein nehmen, soll man sogar. Will man neue, wirft man sie, wie die weißen, in die Duschwanne. Man darf sie aber nicht vom Schiff entfernen, nicht die weißen und nicht die türkisfarbenen. Ich weiß, das klingt noch nicht sehr spannend, aber lest weiter, denn es gibt auch noch dunkelblaue Handtücher. Die werden am Pool ausgegeben, wenn man zusätzliche möchte, oder am Ausgang des Schiffs, wenn man einen Ausflug mit Badeaufenthalt gebucht hat. Kommt man zurück und braucht sie nicht mehr, muss man sie direkt abgeben, damit sie gereinigt werden können. Auf keinen Fall darf man sie mit auf die Kabine nehmen, was einleuchtet, denn oft sind sie nach Gebrauch voller Sand. Immer noch nicht spannend? Aber jetzt: Ich habe in meinem Schrank zwei dunkelblaue Handtücher gefunden, ordentlich gefaltet und offenbar frisch gewaschen. Trotzdem dürften sie nicht hier sein, und jetzt weiß ich nicht, was ich damit machen soll. Wie würdet Ihr das Problem lösen? In den nächsten Tagen mehr davon!

 

Samstag, 11. November 2023

Grand Cayman

Die Cayman Islands kennt man ja allgemein als Steuerparadies, aber auch sie haben - obwohl nicht amerikanisch - lustige Regeln: So lange sich ein Schiff hier aufhält, darf an Bord nur eine Bar für alkoholisches geöffnet sein. So weit, dass es in den Restaurants keinen Wein gibt oder die Minibars auf den Kabinen abgeschlossen werden, geht es aber dann doch nicht. Und das, obwohl wir nicht angelegt haben (wo auch, es gibt keinen Hafen für erwachsene Schiffe, und schon gar keinen für große). Wir liegen auf Reede, fahren also mit den Tenderbooten an Land, und die haben garantiert keine Bar an Bord, sondern nur Wasserrationen, weil sie im unwahrscheinlichen Seenotfall einen Zweitjob als Rettungsboote haben.

Egal. Der heutige Ausflug zeigt die Höhepunkte der Hauptinsel Grand Cayman, die außer einem sieben Meilen langen Strand und einem internationalen Flughafen jede Menge Hotelpaläste zu bieten hat, fertige und im Bau befindliche, umgeben von Fast-Food Restaurants jeglicher amerikanischer Kette. Die Haupteinnahmequelle auf den Cayman Islands ist nämlich, nein, falsch, der Tourismus. Geldgeschäfte, egal wie legal, kommen erst auf Nummer zwei. Die Insel ist recht dicht bebaut, sauber und gepflegt, und man merkt, dass Geld im Land ist. Die einzige Landessprache ist ein, darauf legt man Wert, schönes britisches Englisch. Auffällig: wie schon in Key West, laufen hier überall braune Hühner frei herum, ohne jemals überfahren zu werden. Dafür sorgen der wenige Verkehr und die rigorosen Geschwindigkeitsbeschränkungen: selbst auf dem Highway sind nicht mehr als  30mph erlaubt, und - passend zur Sprache - man fährt links. 

Nach zwei Stunden ist die Fahrt in dem leider viel zu engen aber wenigstens gut gekühlten Mini-Bus vorbei, und man kann wieder vorsichtig Luft holen während man in der prallen karibischen Sonne auf das Tenderboot zurück zum Schiff wartet. Das kommt auch bald, und nach einer Viertelstunde Rentnertetris können wir fahren. Wir kommen pünktlich zum Ende der Mittagspause an, fürchte ich, stimmt auch, aber ein Restaurant hat dann doch länger auf, damit auch die mittäglichen Rückkehrer nicht verhungern. Die Gefahr des Verhungerns ist ja auf Kreuzfahrtschiffen immer besonders groß…




Freitag, 10. November 2023

1. Seetag

 „Erholung auf See“ heißt es im Tagesprogramm, und da bis Bremerhaven noch einige Seetage vor uns liegen, bin ich gespannt, was für mehr oder weniger kreative Bezeichnungen dieser Tage noch vor uns liegen. 
Da man heute nicht von Bord kann, oder höchstens einmal und damit endgültig, hat man sich viel ausgedacht, womit man die an Bord befindlichen 785 (von 1.200 möglichen, voll ist es also nicht) Rentner bespaßen kann. Es gibt einen walk rund um das Schiff (auf dem Promenadendeck), einen Gottesdienst, Shuffleboard, Soft-Boccia, einen Vortrag über Florida, einen weiteren über E-Bike-Ausflüge, ein Geographie-Quiz, ein Kartenspieler-Treff, ein Ärztetreffen (unter dem Vorsitz des einzigen „Fernsehstars“ an Bord, Dr. Winfried Koller, der bayerische Arzt mit der brasilianischen Familie), dazu Bernsteinschleifen, Tanzkurs, leichte Rentnerübungen mit dem Smartphone, den Alleinreisendentreff und natürlich Bingo. Und abends ist Galaabend, wo alle im feinen Zwirn herum laufen (außer dem dicken Mann) und sich über das zähe Entrecote ärgern, dass es zum Galaessen gibt. Naja, vielleicht war auch nur das im Buffetrestaurant zäh, das hatte schließlich den weitesten Weg aus der Küche bis zum Gast. Eine Show gibt es, Tanz, Unterhaltungsmusik, wie immer einen Kinofilm, und kulinarisch hat man auch aufgerüstet: außer den sieben(!) Regelmahlzeiten Frühstück, Spätstück, Bouillon, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Abendessen, Late Night Snack um 22.00 Uhr und Würstchen um 23.00 Uhr gibt es heute zusätzlich einen maritimen Frühschoppen um 11.00 Uhr und eine Waffel-Auszeit um 15.30 Uhr. Heftig!



Donnerstag, 9. November 2023

Key West

Und da haben wir es schon: für den Landgang braucht es heute zusätzlich ein gültiges Ausweisdokument, z. B. den Führerschein oder auch den Personalausweis, oder die AOK-Karte, Hauptsache mit Bild. Und in Miami musste man sogar den original Reisepass mit sich führen. Leute, das sind nicht nur drei USA-Häfen, die liegen sogar alle in Florida! Aber ich glaube, es kommt später noch besser…

Hier in Key West kann man nur einen einzigen Ausflug machen: Key West mit dem Conch Train (=Muschelzug). Das ist ein ganz normales Touristenbähnchen wie überall auf der Welt, man wird eine Stunde durch die Gegend gefahren, und weiß danach alles über Key West, wenn man genug englisch versteht. Das ist so weit ganz schön, und der Fahrtwind nimmt viel von der schwülen Hitze. OK, wir wollten das so mit dem Wetter, und jetzt kriegen wir es, jeden Tag. Aber ich muss Euch sagen, nach so einem Tag draußen ist das klimatisierte Schiff schon auch angenehm…



 

Mittwoch, 8. November 2023

Fort Lauderdale

Kaum sind wir los gefahren, schon ist der erste Hafen (von 11 karibischen und insgesamt 14, Start und Ziel nicht mitgezählt) erreicht. Fort Lauderdale ist aber auch echt nicht weit weg von Miami. Somit hat es die Nautik leicht, im Gegensatz zur Gastro, denn wir sind in den USA, und das heißt:

  1. Eine Mahlzeit darf nicht länge als drei Stunden angeboten werden. Damit entfällt an Bord das sonst noch angebotene Langschläferfrühstück
  2. Buffetform ist nur erlaubt, wenn im Restaurant eine fest installierte Buffetanlage installiert ist. Das haben wir nur in unserem kleinsten Restaurant, was bedeutet, dass man in den beiden anderen das Frühstück am Tisch bestellen muss und gebracht kriegt. Wie das abläuft - als Kaum- bis Nichtfrühstücker habe ich es nicht erlebt.
  3. Kaffee und Kuchen am Nachmittag, normalerweise stilvoll im Restaurant „Vier Jahreszeiten“ auf einem eigenen, zerlegbaren Tortenbuffet präsentiert, muss in das nicht so schön Buffetrestaurant verlegt werden.
  4. Und für den Landgang muss man den Bordausweis dabei haben. Das ist immer so. Warum ich es trotzdem schreibe, werdet ihr noch merken.


Dienstag, 7. November 2023

An Bord

Zurück im hier und jetzt. Heute lerne ich das Frühstück kennen, über das ich gestern schon gelästert habe, weil ich ja in die Zukunft sehen kann (Späßle). 

Es gibt zwei Kaffeestationen: große Tische mit verschiedenen Sorten Kaffee und auch Tee, dazu alles Zubehör wie Milch in verschiedenen Fettstufen so wie kuhlose Alternativen, und natürlich alles mögliche zum Süßen. Sämtliches Zubehör ist portionsweise verpackt, meist in Plastik. Als Gefäße warten riesige Stapel von Pappbechern auf den Gast, Servietten und Umrührstäbchen, immerhin aus Holz, wie man lobend erwähnen muss. Immerhin kommen Kaffee und Teewasser in großen, nachfüllbaren Edelstahlbehältern mit Zapfhähnen dran.

Aber dann ist schon wieder gut mit loben, denn der Nebenraum mit dem „Buffet“ empfängt den Besucher mit einer zentralen Insel, auf der sich neben zwei Warmhaltebehältern mit Pancakes und was-auch-immer jede Menge Pappteller stapeln, in guter Gesellschaft mit riesigen Serviettenbergen und Eimern voller Plastikbesteck, immer ein ganzer Satz in Plastik geschweisst, wie im Flugzeug, damit man ja nicht mal eine Gabel oder einen Löffel weniger wegwerfen kann. Kurz zur Erinnerung: dies sollte ein 4-Sterne-Hotel sein! 

Kommen wir zum Ende: rechterhand befinden sich mehrere XXL-Toaster, an der Rückwand mehrere geschlossene Plastikboxen mit verschiedenem, weich-pappigem Backwerk, daneben, auf offenen, ungekühlten Tabletts eine kleine, sehr kleine Auswahl von Wurst, Schinken und Käse, während man an der dritten Wand „gesunde“ Sachen findet: Müsli, Joghurt, Quark, verschiedene Proteinriegel, und sogar einen kleinen Korb mit Obst: Bananen, grüne und rote Äpfel. Während die grünen solo im Korb liegen, sind die roten, man glaubt es nicht, einzeln eingeschweisst. Ich entscheide mich für eine Banane, die ist zwar auch einzeln verpackt, aber wenigstens nur in ihrer Schale.

Obwohl wir in den USA sind, werden wir pünktlich und zuverlässig abgeholt mit dem schwarzen Van von gestern und reibungslos die letzten zwanzig Minuten bis zum Hafen gefahren, wo es Reibung gibt zwischen dem Phoenix-Empfangskomitee und den Hafenangestellten über das Thema, ob das Gepäck vor dem Hafenterminal auf den Gepäckwagen aufgeladen wird, oder ob wir Gäste die Koffer erst in das Gebäude bringen müssen, wo es dann auf den Gepäckwagen aufgeladen wird. Die Vernunft setzt sich durch, wir betreten das Gebäude ohne Koffer, zeigen unsere Pässe vor, und gehen nach einem längeren Fussmarsch durch Hallen und Gänge an Bord der Artania, gerade noch rechtzeitig, um Captain Hansen und Kreuzfahrtdirektor Gruschka, die leider von Bord gehen, einen schönen Urlaub zu wünschen. Die Hand geschüttelt zum „Willkommen zuhause“ bekommen wir daher von Jörn Hofer, der ist auch ganz nett. Und sehr lustig, wie wir noch erfahren werden. Ach ja, und der neue Kapitän heißt Alex Zinkovskyi, und so klingt er auch. Er fährt halt das Schiff, egal ob es Gäste geladen hat oder Container.

Und jetzt kann es los gehen: 26 Tage an Bord des schwimmenden Altersheims.




Montag, 6. November 2023

Hotel

Ich gebe es nicht gerne zu, aber tatsächlich war ich so platt, dass ich fast den ganzen Tag verschlafen habe. Aber zu erzählen gibt es trotzdem jede Menge.

Ich befinde mich also im teuersten Zimmer meines bisherigen Lebens: für diese zwei Nächte „Vorprogramm Miami“ incl. Frühstück, pro Tag ein Freigetränk in der Bar, Einzelzimmerzuschlag, aller Transfers und deutschsprachiger Reiseleitung ruft Phoenix, der Kreuzfahrtveranstalter , 699€ auf, was das Zimmer definitv nicht wert ist, und das Frühstück schon gar nicht. Wobei, bevor Ihr Euch über den hohen Preis aufregt: bucht man das zur Hilton-Gruppe gehörige Hotel direkt, liegt der günstigste Zimmerpreis bei sage und schreibe 450$/Nacht, incl. dem sogenannten Frühstück. Was hat dieses Wunderzimmer nun zu bieten? Nun - es ist nicht ganz klein, aber auch nicht riesengroß. 




Neben einem sehr hohen Queensize-Bett, aus dem man echt nicht herausfallen möchte, weil wegen der großen Höhe Verletzungen drohen, gibt es einen altmodischen Sessel, eine nicht modernere Stehlampe, zwei große Spiegel, eine fette Klimaanlage, keine Möglichkeit, das Fenster zu öffnen (bzw. nur einmal, mit einem Hammer oder ähnlichen Hilfsmittel), ein großes Sideboard mit Mikrowelle, Kühlschrank und Schubkästen, alles groß, eine Kofferablage, einen Schreibtisch, einen lebensgefährlichen Schreibtischstuhl, der etwas zu hoch ist (für mich und kleinere) und auf dem glatten Boden ganz leicht rollt, was beim Aufsteigen fatal ausgehen kann. Ansonsten gibt es einen viel zu kleinen Kleiderschrank, dessen theoretisches Volumen noch reduziert wird von Safe, Bügelbrett, Bügeleisen und zusätzlichen Decken. Schließlich haben wir noch ein großes, luxuriöses Bad. 

Hier sieht man, wo das Geld hinfließt: Ein sehr großer Waschtisch, sogar mit Einhebelmischer (in den USA noch immer eine Besonderheit), ein riesiger Spiegel, rundum beleuchtet, natürlich das hier übliche, völlig veraltete Stand-WC mit aufgesetztem Spülkasten, aber immerhin stabilem, festgeschraubtem Sitz. Und gegenüber, die Dusche: Ein Traum hinter zwei massiven Glasschiebetüren, bodengleich, und so groß, dass drei dicke Männer gleichzeitig duschen könnten. Also, nicht dass ich mit zwei dicken Männern duschen würde, auch nicht mit dünnen, aber es ginge.

Auch medientechnisch ist das Zimmer gut ausgestattet: in jeder Ecke Steckdosen, immer für Strom und USB, ein großer Fernseher mit 60 gestochen scharfen Sendern, wo leider nirgends was gescheites kommt, und ein wirklich schnelles WLan. Leider hat SKY keine Zulassung für die USA, es gibt also heute keine Formel 1 für mich, aber alles, was ich sonst gerne surfe, kommt hier gut an.

Ansonsten gibt es einen Eiswürfelbehälter (Die Würfel dazu bekäme man kostenlos von einem großen Automaten im Gang) sowie eine Maschine mit Zubehör für Kaffee und Tee. Und obwohl aus dem Pappbecher (jeder einzelne steril in Plastikfolie verpackt), der Kaffee schmeckt sogar. Und damit man sich nicht die Finger verbrennt, gibt es zu jedem Kaffeebecher eine Pappmanschette. Trinkt man einen Kaffee, ist danach von all dem Verpackungswahnsinn der Mülleimer halb voll. Zum Glück hat das Zimmer zwei davon.

Und möchte man nachts schlafen, wird man sanft in den Schlaf gesungen von Polizeisirenen und hochgezüchteten Rennmotoren. Straßenrennen scheinen gerade in Mode zu sein, aber der Schallschutz funktioniert, und im 11. Stock ist man weit weg vom Geschehen.

 

Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...