Samstag, 22. Juni 2024

Gewohnheit

 


Nach einer (seegangsmäßig) noch ruhigeren Nacht als der zuvor habe ich das morgendliche Wettrennen gegen den Kreuzfahrtdirektor gewonnen. Obwohl er schon um 8.20 losbrüllt, bin ich bereits eine Viertelstunde auf und überlege mangels eines besseren Plans, heute mal frühstücken zu gehen.


Der Kaffee ist scheußlich, der Service großartig (wie bisher immer auf diesem Schiff), und die Unterhaltung könnte von Loriot sein. Gespräch am Nebentisch:

Er, zu einem Tischnachbarn: Jetzt muss ich den Kaffee schwarz trinken, weil meine Frau die ganze Milch für ihr Müsli verbraucht hat!

Sie: du kannst doch noch welche bestellen!

er: alles hast Du verbraucht! Schon wieder!

Tischnachbar: sie können meine haben, ich trinke keine

er: nein, jetzt trinke ich meinen Kaffe schwarz! Mit Zucker!

sie: du nimmst doch nie Zucker!

er: aber schwarz schmeckt er mir nicht!

sie: mit Zucker aber auch nicht

er: daran bist nur du schuld!


Die Diskussion geht noch länger. Ihr müsst sie euch mit dem nörgelnden Tonfall alter Leute vorstellen, und mit dem Wissen, dass der Kaffee sowieso nicht schmeckt, auch nicht mit Milch und Zucker. Der lösliche auf der Kabine schmeckt erstaunlicherweise deutlich besser. 



Etwas später, Location: eine öffentliche Toilette nahe dem Restaurant, zwei Pissoirs von denen eins kaputt, das andere aber frei ist, eine besetzte Kabine, und eine kleine, sich stetig erweiternde Warteschlange alter Männer. Ich frage mich, ob man die Männerwelt, selbst die ältere, inzwischen so zu Sitzpinklern umerzogen hat, dass sie nicht einmal mehr ein Pissoir benutzen? Nein, das war noch nicht der Gag dieses Abschnitts, der kommt jetzt: Als die Tür aufgeht und der nächste alte Mann den Raum betritt, hört man den Gießkannentenor der Frau vom Frühstück laut rufen „Berte! Bist Du noch da?“ und bevor die Tür zufällt, kommt aus der besetzten Kabine in einem hohlen, etwas gequetscht klingenden Tonfall: „ja, hier, ich lebe noch“. Wumm, ist die Tür zu. Aus Höflichkeit lache ich nur nach innen, aber tatsächlich zerreißt es mich fast. Der Tag fängt ja gut an! Bis auf das Wetter. Wir liegen in einem tristen Industriehafen, und ich bleibe einfach an Bord.

Eigentlich wollte ich Euch noch etwas über das Schiff erzählen, aber das mache ich dann - Späßle, heute, zumindest ansatzweise. 

Das Schiff wurde 1993 als Luxusschiff für die Holland-America-Line gebaut und hat seitdem mehrfach den Besitzer gewechselt, jedesmal mit aufwendigen Umbauten, ohne aber den eher 70-er Jahre Charme zu verlieren. Mit 220m (also 0,66 Schiffslängen) ist sie etwas kürzer als die Artania, aber 2m breiter und 3 Decks höher, hat also eine eher pummelige Figur, so wie ich. Betrieben wird sie von Nicko Cruises, den man eher als Spezialist für Flusskreuzfahrten kennt. Die Vasco da Gama ist deren einziges Hochseeschiff gegenüber von mehr als zwanzig Schiffen für Flusskreuzfahrten.

Obwohl für deutlich mehr zugelassen, werden nur Kabinen für 1.000 Passagiere vergeben, was allzu heftiges Gewimmel vermeidet. Trotz der niedrigen Passagierzahl gibt es drei Bedien-, ein Buffet- und ein Imbissrestaurant mit jeweils eigenen 



Speisekarten, dazu ein Grillrestaurant gegen günstigen Aufpreis. Außerdem haben wir - wenn ich richtig gezählt habe - sieben Bars, jede in einem eigenen Stil, aber leider fast alle ohne Barhocker. Barbaras Rhabarberbar ist nicht dabei, und die hieße hier sicher auch Barbara’s Rhubarb Bar, denn die englischen Namen für alles hat man aus der Zeit von Holland-America und später P&O Australia behalten. deswegen wohne ich auch auf dem Verandah-Deck (kein Dreckfuhler!) 




in einer Kabine, die mit ihren gediegenen Holzmöbeln, den tapezierten Wänden und dem großen Ledersofa eher einem Chefbüro aus den Siebzigern ähnelt. Einen Balkon gibt es auch, so groß, dass ihn andere Companies als Veranda (ohne „H“) vermarkten würden, und - so etwas habe ich noch auf keinem Nicht-Luxus-Schiff gesehen, also noch nie - in meinem Bad steht eine Whirlpool-Badewanne. Unfassbar!

Ansonsten findet man auf diesem Schiff einen großen Fitnessraum, ein richtig großes Theater, 



zwei Pooldecks, von denen eines ein bewegliches Dach hat, 




ein Kino, wie ihr schon wisst einen Spa, vermutlich auch Friseur und Nagelstudio, ein kleines Einkaufszentrum mit teuren Sachen, die man nicht braucht, und über 500 Besatzungsmitglieder, von denen einen viele - also diejenigen, die direkt am Gast sind - unfassbar verwöhnen. Also, ich bin ja schon verwöhnt, aber was hier geboten wird, toppt alles bisher da gewesene.

Bevor ihr einschlaft noch ein Schlusswort zur Optik: Die öffentlichen Bereiche bestechen durch viel poliertes Metall, schöne saubere Polster und Teppiche, und echtes Teakholz in den Außenbereichen. Die Deko - nun, da sieht es aus, als hätten sich Tine Wittler und Eva Brenner eine Riesenbattle geliefert. Zum Glück haben sie vor den Kabinen halt gemacht.

Meine persönlichen Highlights sind die Möpse der Rezeption…nein, verhaspelt, die Möpse im Rezeptionsbereich 



und die Lampenfüße im Captain’s Club. 




Die Delphine am Pool dagegen finde ich nicht so prickelnd. Die Artania hat im Atrium auch so eine häßliche Plastik, vergleicht mal selbst:





Vasco da Gama










      MS Artania

Freitag, 21. Juni 2024

Etwas verschoben


 Nach einer (seegangsmäßig) ruhigeren Nacht als der vorangegangenen weckt mich der Kreuzfahrtdirektor mit seiner morgendlichen Ansprache und behauptet steif und fest, es wäre neun Uhr. Das iPhone sagt, es wäre acht und beim Laptop ist es erst sieben Uhr früh. Aber das ist schon alt und erzählt öfter Unsinn, was die Uhrzeit betrifft. Wie Ihr schon ahnt, setzt sich der Herr aus dem Lautsprecher durch und ich mich auf. Der erste Kaffee des Tages, danach eine schöne warme Dusche, das sind die ersten Pläne heute. Das mit dem Kaffee klappt gut, aber die Dusche erwischt mich kalt, egal was ich anstelle. Da das Waschbecken heißes Wasser ohne Ende von sich gibt, wird es wohl kein zentrales Problem sein. Ich tippe auf den Thermostat meiner Badewanne, der sieht nämlich ziemlich fertig aus. Schade, muss ich ungeduscht zur Massage, und hoffe dass Deo hilft. Und das nötigste per Waschlappen, natürlich (ehe es noch hatings gibt).

Nach der gestrigen Fussbehandlung hatte ich mich von dem charmanten SPA-Team in Gemeinschaftsarbeit zu einer balinesischen Massage überreden lassen, durchgeführt von dem Mädchen, das auch schon an meinen Füßen dran war.

Diese Massage ist nichts unanständiges, sondern eine kräftige Massage von Rücken, Beinen, Schultern und Nacken, unterstützt von warmen Handtüchern, speziellen Massageölen und einer Schüssel mit Aromaduft, die unter der Massageliege steht, genau da, wo mein Gesicht durch das Loch in der Liege guckt, ich also gar nicht daran vorbei atmen kann.

Ich weiß nicht, welche Knöpfe die Masseurin drückt, die wirklich Balinesin oder Balinesierin ist - keine Ahnung, jedenfalls von Bali kommt, aber ich war noch nie so entspannt bei einer Massage, obwohl sie echt kräftig zugreift. 

Während meiner Massagezeit gibt es auf dem Pooldeck einen Frühschoppen mit Freibier, das ich leider verpasse, und Humba-humba-Musik, die ich zum Glück verpasse.



Am frühen Nachmittag erreichen wir A Coruña, unseren ersten spanischen Hafen. Leider liegt die Queen Anne am Cruise Terminal, so dass für uns nur ein Industrieterminal bleibt, wo es keinen so günstigen Souvenirshop gibt wie der, den ich bei meinem letzten Besuch hier besucht habe. Was nicht schlimm ist, denn mein Kühlschrank ist schon so voller Magneten, dass ich nur noch die allernötigsten kaufe. So wie gestern, im Hard Rock Cafe.

Das Wetter ist perfekt: strahlender Sonnenschein, 19°C (was für den Sommeranfang etwas wenig erscheint) und eine kühle Brise. Ich mache einen Spaziergang in die Stadt, die besonders durch ihre moderne, großstädtische Architektur mit vielen interessanten Häusern und vielen hübschen jungen Spanierinnen auffällt, die alle schon auf den Sommer eingestellt sind.



Zurück an Bord mache ich einen Fehler: ich gehe an die bordeigene Eistheke und probiere die Sorten Vic Chocolate (was immer damit gemeint ist, dunkle, sehr feste Schokolade halt) und Physialis, mit Granatapfelkernen. Ich glaube, ich habe noch nie so leckeres Eis gegessen (noch nicht einmal bei Mein Schiff, wo es Bruno Gelati gibt) und werde wohl noch ein oder zwei oder vielmal wieder kommen müssen. Sollte ich auch, denn das  Eis ist außer supergut auch noch im Reisepreis inkludiert, notfalls kiloweise.



Seit gestern hat das Schiff eine neue Auslaufhymne, die mit einem Riesenbuhai und unter Anwesenheit der Sängerin live präsentiert wurde. Man ist sehr stolz darauf, und natürlich wird sie auch heute abgespielt, während ich auf dem Pooldeck sitze. Gleichzeitig trötet das Schiff dreimal sehr laut, wie es Kreuzfahrtschiffe immer tun, wenn sie los fahren. Das Pooldeck hat ein fahrbares Dach, und das steht wegen dem schönen Wetter ein gutes Stück offen, was dazu führt, dass das Schiffstyphon die Hymne massiv übertönt. Besser so. 

Eigentlich wollte ich Euch heute noch mehr über das Schiff erzählen. Aber das verschieben wir dann auf morgen.


Donnerstag, 20. Juni 2024

Wo ist der Pass?


 wie auf anderen Schiffen auch, so möchte man hier die Passagiere nicht mit Routinedurchsagen auf die Kabine belästigen, und schaltet deswegen nur die Lautsprecher der öffentliche Bereiche dafür ein. Punkt 9:00 Uhr, also praktisch mitten in der Nacht, brüllt der Kreuzfahrtdirektor ein fröhliches „Guten Morgen“ und reißt mich aus dem Schlaf. Nein, er hat nicht den falschen Knopf gedrückt, aber was aus dem Lautsprecher direkt vor meiner Kabinentür kommt, ist überall gut zu verstehen, sogar bei geschlossener WC-Tür. Ich kriege gerade so noch etwas von „Pass abgeben heute“ und „wenn noch nicht beim Einchecken“ mit, wegen den Regeln auf den britischen Inseln. 


Als ich es endlich aus dem Bett schaffe, trinke ich den ersten Kaffee des Tages auf meinem wirklich großen Balkon und sehe zu, wie das Schiff in Leixões, dem Seehafen von Porto festmacht. Dann mache ich mich fertig, hole den Pass aus dem Safe, wo er nicht ist, und auch nirgends sonst. Ich bin irritiert, denn obwohl ich eher schlampig bin, mein Pass hat immer einen festen Platz, zuhause und auch auf Reisen. Wo also ist er? Wo habe ich ihn zuletzt gesehen und warum? Beim Check-In hatte ich ihn noch. Sollte ich ihn danach in Lissabon verloren haben? Also, ich war beim Check-In und habe der hübschen australischen Akrobatin, die dort Dienst hatte, zwei Sachen gegeben: den Pass und meine Kreditkarte. Dann hat sie eine Weile rumgemacht, mich fotografiert, und mir schließlich zwei Sachen wieder gegeben: die Kreditkarte und den … Bordausweis. Meine letzte Idee, und tatsächlich, sie haben ihn schon. Ich glaube, ich werde langsam alt, und verlasse das Schiff, denn ich will nach Porto. Aber nicht mit einem geführten und wohlorganisierten Ausflug, sondern allein und individuell. Mit vier Wörtern portugiesisch. Als ich aus dem Hafen komme, stehen da tatsächlich Taxis. Jetzt führt kein Weg mehr zurück. Ich erkläre dem Taxifahrer auf spanisch, dass ich kein portugiesisch spreche und zeige ihm auf dem Handy, wo ich hin will. Ich quetsche mich in seinen kleinen Dacia, und schon geht es über Stock und Stein. Es sind nur etwa zwölf Kilometer, aber es kommt mir länger vor. Er fährt so, wie man sich einen südländischen Taxifahrer vorstellt, mit Rennfahrerambition, gerne auch mal auf der Gegenfahrbahn, zeigt mir gleichzeitig mit weit ausholenden Gesten die eine oder andere Sehenswürdigkeit, und verwickelt mich auf Portuspanglish in alle möglichen Gespräche, speziell über Deutschland, die ja gestern beim Fussball gewonnen haben. Ich versuche, mich mit spanischlastigem Spanglish über Wasser zu halten, bis wir unser Ziel fast erreicht haben. Knapp 150m davor jedoch ist die Straße gesperrt, und er meint, zu Fuß wäre ich gleich da. Ich war schon einmal da, aber es kommt mir so absolut gar nichts bekannt vor. Aber gut, ich zahle ihn aus, verlasse das Auto, aber mich nicht auf seine Wegbeschreibung sondern frage mal vorsichtshalber das iPhone, was zu meiner Erleichterung der gleichen Meinung ist wie der Taxifahrer. 




Kurz danach stehe ich vor dem Hard Rock Cafe, kaufe ein paar T-Shirts, gehe Mittag essen in dem absolut schönen Restaurant, habe diesmal sogar die hübscheste Kellnerin und bin sehr zufrieden mit meinem Burger, der ohne Schwierigkeiten in meinem persönlichen Ranking Berlin von Platz 3 verdrängt und schon gefährlich am 2. Platz von Lissabon kratzt. Nur Barcelona als Nummer 1 ist da noch weit voraus. Schade für Hamburg, das damit auf den derzeit letzten Platz 6 rutscht. 




Wieder auf dem Schiff, bekomme ich eine traumhafte Pediküre mit Fussmassage, woraufhin sich meine Treter wie neu modelliert fühlen. 

Eigentlich wollte ich Euch noch etwas über das Schiff schreiben, aber das mache ich dann morgen. 


Mittwoch, 19. Juni 2024

Die weiteste Etappe


Es ist Fußball-EM, was nicht nur die Nachtruhe stört, sondern auch den Hotelzimmerpreis mehr als verdoppelt hat, denn am Vorabend, also am 17. Juni, war ein Spiel in Frankfurt gewesen, und etliche Schnappsleichen liegen jetzt noch herum. Zum Glück nicht in meinem Zimmer, dass ich sehr früh verlasse, weil mein Zug zum Flug schon um 5.40 Uhr fährt. Später ginge zwar auch, aber ich misstraue dem Frankfurter Flughafen zutiefst. Hier gibt es immer Umwege, Staus, Verzögerungen und andere  Unwägbarkeiten, die Zeit fressen und bemüht sind, dass man sein Flugzeug verpasst.



Der Tag fängt gut an: mein Zug fährt pünktlich los, also wirklich pünktlich, und kommt pünktlich an. Und dann geht es los: in der ersten Halle ist das Transportband kaputt, und der Koffer und ich müssen zu Fuß gehen. Das dauert zwar nicht unbedingt länger, verbraucht aber unnötig Energie. Und dann geht es weiter: die Haltestelle für den Shuttlebus nach Terminal 2 wurde verlegt, aber die Hinweisschilder nicht angepasst. Natürlich falle ich darauf rein, bis ein netter Taxifahrer meine suchenden Blicke richtig deutet und mir den richtigen Weg erklärt. Das hat Energie und Zeit gekostet, wobei der Vorrat an Zeit größer ist. 

Der bus wird gefunden, das richtige Terminal und sogar der richtige Check-In-Schalter, auch wenn da nur Fraport drauf steht. Und eine Nummer, und laut Abflugplan die richtige. Es ist 6.50 Uhr, und tatsächlich stellen sich die ersten Leute bereits am geschlossenen, nicht beschrifteten Schalter an. Wer weiß, ob das so richtig ist? Der Hintergrund ist der: es handelt sich um einen Charterflug, nur für Kreuzfahrtgäste, durchgeführt von TUIfly Belgium, und die fliegen nicht von Frankfurt. Gar nicht! Also - normalerweise. 



Punkt sieben Uhr wechselst die Beleuchtung des Schalters auf den Namen des Reiseveranstalters, gepaart mit der richtigen Flugnummer. Jetzt stelle ich mich auch mal an die Schlange an. Naja, an das Schlängelchen, bestimmt nicht mehr als 50 Leute vor mir und 80 dahinter. Inzwischen sind drei Schalter offen, die Beleuchtung verrät, dass sie etwas mit TUIfly zu tun haben, auch mit unsere Flugnummer. 

Es geht sehr schnell, um 7.15 Uhr bin ich schon durch und habe jetzt zwei Stunden Zeit, die Sicherheitskontrolle hinter mich zu bringen. Das vorletzte Mal brauchte ich die auch, das letzte Mal war es etwas besser. Heute ist es viel besser. Zehn offene Schalter für 250 Leute, die nur tröpfchenweise eintrudeln, das ist wahrer Luxus. Und es bleibt dabei: Pünktlich zur geplanten Boarding-Zeit wird eingestiegen, zuerst in einen Bus, dann aber doch ins Flugzeug, auf dem übrigens TUI steht aber nichts von Fly (ungewöhnlich), und das zum einen nicht ausgebucht und zum anderen recht komfortabel bestuhlt ist. Ich habe einen Gangplatz und weit weg einen Sitznachbarn am Fenster, der Mittelplatz bleibt frei. Und sogar der Klapptisch passt völlig problemlos an meinem Bauch vorbei, was aber egal ist, weil es sowieso nichts gibt, außer für viel Geld. Die vier hübschen Flugbegleiterinnen, von denen eine wenig deutsch spricht, die anderen dafür gar nicht (jetzt merkt man, und auch an allem, was es schriftlich gibt, dass wir in einem belgischen Flugzeug sind). 

Die Sicherheitsvorschriften werden auf flämisch angesagt und mangels Monitore live vorgeführt, wobei die Mädels nicht ernst bleiben können und sich scheckig lachen. Die gute Laune bleibt, wir fliegen pünktlich ab und landen auch pünktlich in Lissabon. Der Pilot, der zwar auch Belgier ist, fabriziert eine der weichsten Landungen, die ich je erlebt habe, und das, obwohl es sich bei dem Flugzeug um eine Boeing 737-800, besser bekannt als 737-Max handelt, die über längere Zeit eher keinen guten Ruf hatte. 

In Lissabon gibt es einen längere Wanderung durch die riesigen Einkaufsbereiche des Flughafens, bis zu den Gepäckbändern. Das machen die wahrscheinlich absichtlich, damit sie Zeit haben, die Koffer auszuladen. Die kommen dann auch pünktlich, und nicht weniger als 15 elegant angezogene junge Menschen mit Schildern, auf denen der Schiffsname steht, lotsen uns zu den Bussen.

Ach ja - das Schiff. Es ist ein portugiesisches Schiff, das einem Portugiesen gehört, fährt unter portugiesischer Flagge, trägt den Namen eines portugiesischen Seefahrers aus dem 15. Jahrhundert - Vasco da Gama - und ist voller portugiesischer Gäste - nein, das wäre dann nichts für mich, mit meinen vier Wörtern portugiesisch - es fährt für Nicko Cruises und wird nur im deutschsprachigen Raum vermarktet. NC ist eigentlich ein Spezialist für Flusskreuzfahrten, und wahrscheinlich liegt die VdC deswegen im Tejo, dem großen Fluss, der Lissabon in zwei Teile teilt. Späßle, das machen alle Seeschiffe so. Es ist sehr angenehm, direkt in der Stadt anlegen zu können.



Warum ich dieses Schiff gewählt habe, und wie es weiter geht? Das erzähle ich Euch morgen.

 

Dienstag, 18. Juni 2024

Die kürzeste Etappe

 Schade, dass man von Nürnberg aus keine Kreuzfahrten beginnen kann, zumindest keine mit einem Hochseeschiff, und mag es noch so klein sein. Die meisten Häfen erreicht man nur fliegend, und zumindest meine Flüge gehen irgendwie immer ab Frankfurt und immer morgens, so dass die dortige Hotellerie sich über einen Gast mehr freuen kann. Aber so weit sind wir noch nicht.

Mein Zug geht kurz vor 13.00 Uhr  und fährt von Gleis 4 ab. Ich bin früh dran, mache es mir auf einer Wartebank gemütlich, und genieße den Anblick der üppigen  naturbelassene Vegetation zwischen den Gleisen. Ich sinniere vor mich hin, was dieses Wachstum mit den durchschnittlichen Verspätungen der Bahn zu tun hat, bis mir jemand erzählt, der Zug wäre nach Gleis 7 verlegt worden. 



Vorsichtshalber befrage ich das Internet, und das gibt der Dame Recht. Mein 21-kg-Koffer und ich bemühen uns nach Gleis 7 und alles ist gut. Bis ich auf eine mir wohlbekannte Dame aus dem Filmbüro treffe, die auch nach Frankfurt möchte und weiss, dass der Zug nun doch auf Gleis 4 abfährt.  Ich vertraue ihr, denn sie weiss was sie tut.

So weit, so gut. Wir fahren vier Minuten zu spät los, was in Deutschland als pünktlich gilt. Allerdings nur bei der Bahn.  Nach einer freundlichen Begrüßung verkündet der Zugchef, dass aus technischen Gründen das Bistro heute nicht öffnen kann. Es gäbe aber eine kleine Auswahl an Getränken, jedoch nur kalten. Genau in diesem Moment läuft auf den Zugmonitoren eine Gastro-Werbung: „ob con oder sin carne, im Bordbistro ist es immer gechill(i)t“. Klar, ohne Gäste…

Es geht weiter: Wegen einem Erdrutsch vor einigen Tagen ist mit Verspätungen von 30 Minuten zu rechnen. Wenigstens hier zeigt sich die Bahn zuverlässig: noch vor Würzburg ist die halbe Stunde erzielt. Und bleibt es auch. Ist mir egal, denn heute möchte ich ja nur bis Frankfurt Hauptbahnhof und kann folglich kein Flugzeug verpassen. Und dann ist es mir nicht mehr egal, denn der Zugchef verkündet, dass der Zug nicht zum Hauptbahnhof fahren kann, dafür ausnahmsweise an der Station Frankfurt-Süd hält, wo es mit der S-Bahn weiter geht. Mit welcher, behält er für sich. Die Lösung gefällt mir nicht, denn in Frankfurt sind die S-Bahnen tiefer gelegt und tendieren zu kaputten Aufzügen, defekten Rolltreppen und gut funktionierenden - Treppen. Die sind aber etwas lästig mit einem schweren Koffer. Oder kaputten Knien. Oder gar einem Rollstuhl.

Etwas später, der Zug verzögert schon kräftig, wir sind kurz vor Aschaffenburg, da fällt dem Zugchef ein, dass in einer halben Stunde hier ein Regionalexpress ankommt, auf dem gleichen Bahnsteig, der fährt auch zum Hauptbahnhof. Gleicher Bahnsteig, das klingt verlockend. Der Koffer und ich schaffen es gerade noch aus dem Zug. Aber es geht besser: schon nach zehn Minuten kommt auf dem gleichen Bahnsteig ein ICE angetuckert, der ebenfalls Frankfurt Hbf ansteuert. Schön leer ist er, und aus Nürnberg kommt er. Den hatte der Zugchef wohl übersehen. Deutsche Bahn, halt.

Ohne weitere Zwischenfälle erreiche ich Frankfurt, wo es etwas umsonst geben muss, so voll wie es hier ist, und finde ohne Probleme mein Hotel. Es ist auch nicht zu übersehen, wenn man den Bahnhof auf der richtigen Seite verlässt.


Montag, 17. Juni 2024

Westeuropa 2024 - Prolog



Was tut man am besten gegen Fernweh, oder zumindest am liebsten? In meinem Fall, ganz klar, ich mache eine Seereise. Und hoffe darauf, viel schönes und unterhaltsames zu erleben. Und wenn es geht, noch schräges und witziges dazu. 

Und das geht: die erste Geschichte habe ich schon vor der Reise erlebt, als mich ein guter Freund fragte, ob ich wieder meinen Blog schreibe. Ich weiss, dass dieser Freund sehr viel zu tun hat und daher wenig Zeit, und frage ihn deswegen vorsichtig, ob er denn das alles liest, was ich so schreibe. Nach kurzem Überlegen muss er einschränken: „nicht so wirklich, aber ich sehe mir immer alle Bilder an!“ verkündet er stolz. Auch das freut mich natürlich, auch wenn ich eigentlich kein Online-Fotoalbum machen wollte. Aber vielleicht stelle ich zukünftig mehr als die bisher üblichen 1-2 Bilder pro Tag in den Blog. Doch es braucht Geduld: aufgrund der hohen Internetpreise auf den Schiffen gibt es die Bilder meistens erst hinterher. Wem das zu lange dauert: Vielleicht doch lesen? 

Dienstag, 5. Dezember 2023

Heimkehr

Heute geht es nach langer, langer Zeit wieder nachhause. Hoffe ich, denn seit dem letzten Wochenende fällt überall in Deutschland Schnee, je südlicher desto schlimmer. Und kalt ist es. Zugausfälle und Verspätungen häufen sich bundesweit. Immerhin - laut Internet betrifft es meinen Zug nicht.

Ich stehe rechtzeitig auf dem zugigen Bahnsteig, und friere mir beim warten fast die Finger weg. Fast pausenlos kommen Durchsagen über Änderungen und Ausfälle, und - wie könnte es auch anders sein - jetzt wird auch mein Zug aufgerufen, mit einem sehr ernsten Hinweis: Er fährt heute nicht bis München, sondern endet in Nürnberg. Unangenehm, aber zum Glück nicht für mich. Kurz danach läuft der Zug pünktlich ein und fährt auch so wieder los.

Es dauert eine Viertelstunde bis meine Finger wieder aufgetaut sind, aber von da an ist die Fahrt sehr angenehm. Ich habe einen netten Sitznachbarn, der Zug ist nicht allzu voll, draußen ziehen verschneite Landschaften vorbei. Ich habe total das Gefühl, das man bekommt, wenn man Chris Rea's "Home for Christmas" hört. 

Und damit endet die bisher längste Reise, die ich je gemacht habe. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt...

Euer

Captain Spareribs


Montag, 4. Dezember 2023

Das letzte Land

Heute besuche ich das letzte von vielen Ländern auf meiner langen Reise: Das Miniatur Wunderland. Da freue ich mich schon sehr lange drauf, besonders, weil es im Frühling nicht geklappt hatte.

Den Weg dahin kann man mit der gleichen U-Bahn zurücklegen wie gestern, man müsste nur früher aussteigen und etwas weiter laufen als zum HRC. Muss man aber nicht. Vor dem Hotel langweilen sich gerade ein paar Taxis, und angesichts der Kälte und einsetzendem Schneefall nehme ich eins. Angenehme Überraschung: Taxis in Hamburg sind deutlich günstiger als beispielsweise in Hamburg, wenngleich nicht ganz so günstig wie in Lissabon. Aber das liegt ja auch in Portugal, wo fast alles etwas günstiger ist. Und dann ist es erreicht, mitten in der Speicherstadt: Das Miniatur Wunderland!

Ich habe eine Führung hinter den Kulissen gebucht um 9:30 Uhr, und in der Beschreibung stand, man soll eine Dreiviertelstunde vorher da sein. Was sie nicht geschrieben haben ist dass sie den Eingang meinen, denn man braucht ja erst noch ein richtiges Ticket (wenn man, so wie ich, reserviert hat muss man dazu die Reservierung erst einlesen lassen), und auch innerhalb des Wunderlands sind etliche Schritte zu gehen, bis man am Desk der Tourguides ankommt, nachdem man vorher noch durch das Bistro muss, hinter dem Schließfächer für Taschen und Jacken sind. Deshalb bin ich schon um 8:30 Uhr da, und schnattere im zugigen (schönes Wortspiel) Treppenhaus erst einmal eine halbe Stunde, bis ich zu den Zügen darf. Immerhin ist die Aussicht schön, trotz des Wetters.
Doch dann bin ich endlich drin. Es ist zunächst so ganz anders, als ich es vom Fernsehen kenne, also nicht die Exponate, sondern die Leute davor. Die sind nämlich kaum vorhanden, und das bleibt auch noch längere Zeit so. Fast stoße ich mit Gerrit, einem der Inhaber, zusammen, der mir ein freundliches "Hallo!" zuruft, und dann in der noch immer deckenhoch eingezäunten Miniaturwelt von Monaco verschwindet. Leider fahren heute keinenFormel-1 Autos, jedenfalls nicht, so lange ich da bin. Aber egal, es ist auch sonst mega-toll.

Und dann erst die Führung: In Gruppen von maximal sechs Leuten (wir sind sogar nur drei, also die absolute Minimalzahl) bekommt man zu sehen: riesige Schattenbahnhöfe, den Ätna von unten, den Flughafen mit seinen beiden Wolkenliften von hinten, die Ladestation der selbstfahrenden Autos, verglaste Kabelkanäle in denen Züge fahren über den Gästen, verglaste Treppenstufen, ebenfalls mit fahrenden Zügen unter den Gästen, Südfrankreich von hinten, und die Schweiz von unten. An einer Stelle, unweit dem Matterhorn, das immerhin fast 6m (!) hoch ist und sich über zwei Etagen zieht, läuft eine Besucherbrücke, bereits in der oberen Etage. Von da aus hat man einen großartigen Blick auf die ganze Schweiz. Und, ganz am Fuß des Matterhorns, gibt es eine von vielen kleinen Wartungsklappen. Unser Guide sagt uns, wir sollen lächeln und winken. Dann öffnet sie die Klappe, ich bin der erste, der sie benutzen darf. Wie riesig das Matterhorn von hier aus wirkt, wie groß die künstlichen Leute auf der Anlage und wie klein die echten auf der Brücke über mir, die fröhlich lachend mein winken erwidern. Ein cooles Gefühl!

Zum Schluss werden wir noch in den beliebtesten Knopfdrücker, den der Schokoladenfabrik eingeweiht: Obwohl es rund um die Fabrik nach Schokolade duftet, und die Modellbauer die Illusion der Schokoladenherstellung einschließlich dem einpacken in Goldfolie perfekt nachgebildet haben, bekommt man sie nicht aus der Fabrik sondern aus einem verborgenen Vorratslager. Aber immerhin ist sie wirklich von Lindt & Sprüngli aus der Schweiz. Wir drei Männer der Führung bekommen auch welche, ganz ohne Knopf drücken, einfach aus dem gekühlten Vorratsschrank. Absolut lecker!

Damit endet die Führung. Ich mache noch einen Besuch beim DJ-Bobo-Konzert, und bekomme dann Hunger. Im Bistro wähle ich die von Gerrit in irgendeiner Fernsehsendung mal angepriesenen Riesencurrywurst, die zusammen mit Pommes und einem großen Getränk für 10,20€ zu haben ist, superfreundliches Personal überall inklusive. Schlechter gegessen habe ich auch schon. Da kann man also nicht meckern.

Während meiner Mahlzeit wird es rundum auffällig lauter. Das liegt daran, dass Kita-Woche ist, und etliche Erzieherinnen jetzt mit ihren Fünfjährigen herum laufen. (eine Aktion der Inhaber: jedes Hamburger Kind sollte kostenlos das MIWULA besuchen dürfen). Aber auch die Besucher von mehr als einem Meter Höhe sind deutlich mehr geworden, und da ich sowieso nichts mehr aufnehmen kann, trete ich den Rückzug an. Gut so, als ich das Gebäude verlasse, wälzt sich mir eine richtig große Menschenmenge entgegen, die wohl alle nur ein einziges Ziel haben...

Den Rest des Tages widme ich der Erholung, packe den Koffer, und verbringe die letzte Nacht in meinem herrlich bequemen Hotelbett.





Sonntag, 3. Dezember 2023

Zurück in Deutschland

Der letzte Morgen an Bord ist angebrochen, und der letzte morgendliche Blick aus meiner Kabine zeigt unerwartetes: eine - wenngleich dünn, aber doch deutlich sichtbar - verschneite Hafenanlage. Ich bin sehr froh, dass seit April diesen Jahres die Fahrgastbrücken in Bremerhaven fertig sind (man kennt das ja von Flugzeugen, und wenn man Glück hat, gibt es das auch für Schiffe). Gerade an einem Morgen wie diesem spart einem das die rutschige Eierei über der von heftigen Winden durchtoste Pier. Man kann ganz unbehelligt von den Elementen trockenen Fußes in das Empfangsgebäude gehen, die Rolltreppe runter in die Gepäckhalle, wo schon alle Koffer ordentlich  aufgereiht stehen, althergebracht nach Decks sortiert und nicht nach Ausstiegszeit, was das Auffinden enorm erleichtert.

Mit dem Koffer verlasse ich, diesmal vom Zoll unbehelligt, das Gebäude und bin sofort den Elementen ausgesetzt. Eigentlich. Aber damit ich mich diesmal nicht in einer epischen Taxi-Warteschlange einreihen muss (man lernt ja dazu) habe ich einen Bus-Shuttle gebucht. Natürlich fährt der nicht nach Nürnberg, aber ich will erst noch nach Hamburg, weil, 28 Tage von zu Hause reichen mir ja noch nicht.

Fünf riesige Doppeldeckerbusse mit Gepäckanhängern warten neben dem Terminal, zum Glück im Windschatten. Kalt ist es trotzdem. Wer nicht friert ist Alex, der Schiffspianist, der tatsächlich die ganzen Koffer in den Gepäckanhänger wuchtet. Das kann er so gut wie Klavier spielen, vielleicht sogar etwas besser. Auweia, ich werde schon wieder bissig.

Der Bus ist neben dem Fahrer noch mit seiner Frau besetzt, klein, drahtig, um die sechzig, mit deutscher Einheitsfrisur (ich liebe diese Bezeichnung, danke an Cesar, von dem ich sie habe). Gemeint ist der maskuline Kurzhaarschnitt, denn viele ältere Frauen bei uns tragen. Fans der VOX-Serie "Goodbye Deutschland" kennen vielleicht noch die Imbiss-Auswanderer Diddi und Hasi, und ungefähr so sieht die Frau, aus, die im Bus für Ordnung sorgt, was nicht einfach ist. Zunächst versucht sie es im Guten: Freundliche Begrüßung über das Mikrofon, kurze Erklärung des Fahrplans (erst Bremen, dann Hamburg, dann neue Gäste aufnehmen, dann Bremen, dann wieder zum Schiff). Und dann kommt das wichtigste: der Bus ist voll besetzt. Niemand kann mehr als einen Sitzplatz beanspruchen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, wären da nicht einige überdimensionale Handgepäckstücke, die jetzt mühsam wieder aus dem Bus gefädelt und in den Anhänger gestopft werden müssen. Und wären da nicht die ewigen Kita-Gespräche wie "ich will aber neben meinem Mann sitzen" oder "ich sitze aber immer hier" und als Höhepunkt eine überdimensionale Reisende, die auf ihren Gangplatz besteht (das verstehe ich noch), und partout nicht will, dass ein Mann sich neben sie setzt. Es ist aber nur noch ein gertenschlanker Mann übrig, den sie nicht an sich vorbei lassen will und keinen Millimeter Platz macht. Erst als Hasi ihr irgendetwas ins Ohr raunt, gibt sie nach. Ich vermute, sie hat ihr empfohlen, sich zu benehmen oder mit dem nächsten Bus zu fahren. Da es den nicht gibt, ist sie jetzt endlich ruhig, und der Bus mit seiner ca. 5.000 Lebensjahre (bei 80 Passagieren) betragenden Fracht tuckert los.

In Bremen steigen etliche Passagiere aus, die Lage entspannt sich. Und dann haben wir Hamburg erreicht. Auch hier liegt Schnee, und es ist einfach saukalt. Zum Glück liegt der Busbahnhof nicht weit weg vom Bahnhof, und dazwischen findet sich mein Hotel. Der Empfang ist herzlich, das Zimmer klein aber sauber, dass Einzelbett breit und komfortabel, und als Willkommensgruß gibt es eine große Flasche Wasser und - sehr gut - ein kostenloses ÖPNV-Ticket für zwei Tage zuzüglich Anreisetag. Das ist doch mal eine nachahmenswerte Idee!

Am späteren Nachmittag beschließe ich, bereits heute das Hard Rock Cafe zu besuchen. Es ist leicht zu erreichen: Vom Hauptbahnhof mit der U3 in 14 Minuten zu den Landungsbrücken. Und das habe ich vor. 

Leute, ich bin schon in vielen Städten der Welt U-Bahn gefahren: Nürnberg, Fürth...

Nein, jetzt ernsthaft: München, Berlin, Paris, Atlanta, Budapest, sogar Moskau und natürlich London. Und nirgends war es so scheiße voll, wackelig und unangenehm wie an diesem Sonntag nachmittag in Hamburg. Gräßliche alte überfüllte Wagen voller zum Teil gräßlicher Leute, man hat fast schon übereinander gestanden. Das muss ich nicht noch einmal haben.

Immerhin, auch diese lange Viertelstunde geht vorbei, und da ist es, das Hard Rock Cafe. Ein schöner Laden mit guter Stimmung und sehr guter Bedienung. 
Was das Essen betrifft: Das Hamburger HRC hat keine Probleme, das HRC in Punta Cana von seinem bisherigen letzten Platz zu verdrängen. Zwar sieht hier der Burger besser aus als in der Dom.Rep., dafür hat er dort besser geschmeckt (ich weiß nicht, ob ich es schon einmal erklärt habe: Die HRCs haben weltweit die gleiche Speisekarte, verwenden aber regionale Zutaten. Ich bestelle immer den gleichen Burger, was das Ranking erleichtert). 

Sollte das jemand aus dem Lokal lesen, keine Sorge, ich habe erst fünf Restaurants besucht. Es bleibt also noch Luft, wenngleich - ich würde mich freuen, wenn der nächste Versuch - wo auch immer auf der Welt - besser würde.

Im Shop war ich auch nicht begeistert, weil die Verkäuferinnen zwar sehr gut aussahen, aber weder erwähnenswertes deutsch drauf hatten noch die allergeringste Ahnung von ihrem Job. Trotzdem verlasse ich den Laden mit zwei gut gefüllten Tüten, und grusele mich vor der Rückfahrt. Daher genieße ich erst noch den nächtlichen Blick über die Landungsbrücken, um dann doch wieder U-Bahn zu fahren (zumal kein Taxi zu finden ist).

Aber diesmal ist der Zug wenig frequentiert, ich bekommen sogar einen Sitzplatz. 



Samstag, 2. Dezember 2023

12.Seetag

Samstag morgen haben wir, und es ist nicht mehr zu übersehen, dass Weihnachten vor der Tür steht. Morgen ist der 1. Advent, und weil wir dann alle nicht mehr da sind (also an Bord, zumindest die meisten Gäste) haben die guten Geister an Bord das Schiff jetzt schon weihnachtlich dekoriert. Da schmeckt die morgendliche heiße Schokolade nochmal so gut.

Die Stimmung an Bord ist passend zur Jahreszeit: während die meisten Gästegespräche sich darum drehen, was man zu Weihnachten für die viel zu große Verwandtschaft kochen soll, wie viele Allergiker darunter sind und wie viele Veganer, dass man sich mit diesem neumodischen Zeug nicht so auskennt, was man den missratenen Enkeln schenken soll und dass man sich darüber wundert, dass die vegane Schwiegertochter überhaupt Kinder hat, wo sie doch nichts von Fleischeslust hält, hat man in der Bordboutique den Kleiderständer mit den täglichen Sonderangeboten von fröhlicher knallbunter Strandbekleidung auf Steppjacken in tristen Farben umgestellt.

Gute Laune dagegen haben der Kreuzfahrtdirektor, weil er an Bord bleibt und so dem familiären Weihnachtsstress entgeht, und der dicke Mann, der zwar aussteigt, aber noch nicht nicht nach Hause fährt.

Für Entertainment sorgen ein kleiner Weihnachtsmarkt, den man trotz der Temperaturen im Außenbereich von Deck 8 aufbauen wird, und das Wetter selbst. Während wir mit Höchstgeschwindigkeit durch den Ärmelkanal düsen, zeigt sich das Wetter an Steuerbord, also auf der Festlandseite, so:

Und an Backbord, also der Seite mit den Britischen Inseln (den Erwachsenen, nicht den Jungferninseln), so:

Die Bilder wurden nahezu gleichzeitig aufgenommen, innerhalb einer Minute, also gerademal so viel, wie man braucht, um das Schiff einmal zu überqueren und sich neu zu positionieren.

Als ich gegen Abend auf die Kabine komme, erwarten mich mein Koffer und die Kopie des von mir bestellten Urlaubsfilms dieser Reise, beides untrügliche Zeichen dafür, dass die Kreuzfahrt zu Ende geht. Das merkt man auch in der Bar, wo es wieder einmal eher weniger belebt ist. Aber der Gin Tonic schmeckt trotzdem.




Freitag, 1. Dezember 2023

11. Seetag

Der letzte Monat des Jahres ist angebrochen, und entgegen aller Befürchtungen (und heftiger Stürme vor einigen Wochen) hat sich die Biskaya zum Winterschlaf begeben und stuppst unser Schiff nur ab und zu leicht an. Überhaupt hat sich die Artania auf dieser Reise kaum bewegt (ich meine Rollen und Stampfen, gefahren ist sie natürlich, und das nicht zu knapp), so dass ich nur ein einziges Mal gesehen habe, dass die berühmten blauen Kotztüten in den öffentlichen Bereichen bereit gestellt wurden. Die einzige, die ich täglich gesehen habe, war die in meinem Badezimmerschrank. Aber die ist immer da, genau wie Zahnputzbecher und Seifenspender.

Kommen wir zu einem naheliegenden Thema, dem Essen hier an Bord. Das Angebot ist abwechslungsreich, in der Regel schmeckt es auch gut. Aufgrund des betagten Publikums wird nur vorsichtig gewürzt, aber außer Salz und Pfeffer helfen die Kellner auch mit anderen Dingen nach: neulich hat Cesar zu seinem Essen Sambal Oelek bestellt (und bekommen), und als mir etwas nicht scharf genug war, hat mir der Kellner Tabasco gebracht. Überhaupt - Sonderwünsche. Dafür haben sie in der Küche offenbar eine ganze Abteilung und keinerlei Probleme. Neulich gab es Zwiebelsuppe, ganz traditionell mit überbackenem Toast oben drauf (eigentlich nimmt man dafür Baguette, aber das ist wieder überflüssiges Wissen). Das Problem bei diesem Gericht ist - abgesehen davon, dass ich das überbackene Brot in der Suppe ohnehin nicht schätze - dessen häufig auftretende Härte und/oder Zähigkeit, so dass man es mit einem Löffel kaum in den Griff kriegt, sondern eher Gefahr läuft, sich selbst, den Tisch und - weitaus schlimmer - die Mitesser einzusauen. Also bestelle ich die Suppe ohne Toast, einer der Tischnachbarn auch. Kein Problem, alle Suppen kommen gleichzeitig und korrekt, die mit und die ohne Toast. Ob jetzt eine alternative Beilage, wie häufig bei Cleo, oder beide Hauptgerichte sehr schön auf einem Teller angeordnet, wie bei einem anderen entscheidungsaversen Tischnachbarn, alle Wünsche werden von der Küche und dem Service bestens und schnellstens erfüllt.

Es gibt jeden Mittag und jeden Abend ein 5-Gänge-Menue, jeder Gang mit mehreren Alternativen, was individuelle Wunscherfüllung ermöglicht. (Ehe Ihr denkt, man muss mich jetzt rollen: ich hatte nie mehr als drei Gänge, mittags oft nur zwei, und gelegentlich, wenn mir das Angebot gar nicht gefallen hat, gab es Obst auf der Kabine. So auch heute. Die Entscheidung fiel leicht, da wir schon wieder einmal Galaabend haben, den letzten auf dieser Reise. Wen wundert's, übermorgen ist sie zu Ende. Aber zurück zum Obst.

Einen Obstkorb auf der Kabine gab es auf diesem Schiff schon immer, nach Gutdünken gefüllt. Hatte man zum Beispiel die Äpfel gegessen und die Birnen nicht, legte die Stewardess neue Äpfel oben drauf, was die Birnen nach mehreren Wiederholungen krumm nahmen. Apropos krumm: auch nicht gegessene Bananen mussten sich erst schwarz ärgern, bis sie entsorgt wurden (habe ich gehört. Bei mir werden Bananen nicht schwarz, dafür mag ich sie zu gerne).

Inzwischen hatte man die gute Idee, die Obstkörbe zu individualisieren: Man bekommt ein Zettelchen, auf dem man ankreuzen kann, welches Obst man möchte (bis zu vier Sorten, die Zettel variieren je nach dem, was im Obstkühlraum weg muss). Die Stewardess nimmt den Zettel dann bei der morgendlichen Kabinenreinigung mit, und beim abendlichen Turn Down wird das Obst geliefert. Füllt man keinen Zettel aus, bekommt man kein Obst.

Einfaches ankreuzen ist mir bald zu langweilig geworden, und so habe ich von Zeit zu Zeit auch mal mit den Mengen gespielt, und vor das angekreuzte Kästchen "Mandarine" eine 2 geschrieben. Das hatte immer geklappt. Und als Cesar mal erzählt hat, es gäbe keine Weintrauben an Bord, habe ich es dann auf die Spitze getrieben, indem ich ein weiteres Kästchen auf den Zettel gemalt, angekreuzt und "Weintrauben" daneben geschrieben habe. Und was war abends im Obstkorb? Seht selbst:

Zugegeben - das hat nur ein einziges Mal geklappt, und irgendwann habe ich es dann nicht mehr versucht. Aber immerhin!

Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...