Freitag, 1. Dezember 2023

11. Seetag

Der letzte Monat des Jahres ist angebrochen, und entgegen aller Befürchtungen (und heftiger Stürme vor einigen Wochen) hat sich die Biskaya zum Winterschlaf begeben und stuppst unser Schiff nur ab und zu leicht an. Überhaupt hat sich die Artania auf dieser Reise kaum bewegt (ich meine Rollen und Stampfen, gefahren ist sie natürlich, und das nicht zu knapp), so dass ich nur ein einziges Mal gesehen habe, dass die berühmten blauen Kotztüten in den öffentlichen Bereichen bereit gestellt wurden. Die einzige, die ich täglich gesehen habe, war die in meinem Badezimmerschrank. Aber die ist immer da, genau wie Zahnputzbecher und Seifenspender.

Kommen wir zu einem naheliegenden Thema, dem Essen hier an Bord. Das Angebot ist abwechslungsreich, in der Regel schmeckt es auch gut. Aufgrund des betagten Publikums wird nur vorsichtig gewürzt, aber außer Salz und Pfeffer helfen die Kellner auch mit anderen Dingen nach: neulich hat Cesar zu seinem Essen Sambal Oelek bestellt (und bekommen), und als mir etwas nicht scharf genug war, hat mir der Kellner Tabasco gebracht. Überhaupt - Sonderwünsche. Dafür haben sie in der Küche offenbar eine ganze Abteilung und keinerlei Probleme. Neulich gab es Zwiebelsuppe, ganz traditionell mit überbackenem Toast oben drauf (eigentlich nimmt man dafür Baguette, aber das ist wieder überflüssiges Wissen). Das Problem bei diesem Gericht ist - abgesehen davon, dass ich das überbackene Brot in der Suppe ohnehin nicht schätze - dessen häufig auftretende Härte und/oder Zähigkeit, so dass man es mit einem Löffel kaum in den Griff kriegt, sondern eher Gefahr läuft, sich selbst, den Tisch und - weitaus schlimmer - die Mitesser einzusauen. Also bestelle ich die Suppe ohne Toast, einer der Tischnachbarn auch. Kein Problem, alle Suppen kommen gleichzeitig und korrekt, die mit und die ohne Toast. Ob jetzt eine alternative Beilage, wie häufig bei Cleo, oder beide Hauptgerichte sehr schön auf einem Teller angeordnet, wie bei einem anderen entscheidungsaversen Tischnachbarn, alle Wünsche werden von der Küche und dem Service bestens und schnellstens erfüllt.

Es gibt jeden Mittag und jeden Abend ein 5-Gänge-Menue, jeder Gang mit mehreren Alternativen, was individuelle Wunscherfüllung ermöglicht. (Ehe Ihr denkt, man muss mich jetzt rollen: ich hatte nie mehr als drei Gänge, mittags oft nur zwei, und gelegentlich, wenn mir das Angebot gar nicht gefallen hat, gab es Obst auf der Kabine. So auch heute. Die Entscheidung fiel leicht, da wir schon wieder einmal Galaabend haben, den letzten auf dieser Reise. Wen wundert's, übermorgen ist sie zu Ende. Aber zurück zum Obst.

Einen Obstkorb auf der Kabine gab es auf diesem Schiff schon immer, nach Gutdünken gefüllt. Hatte man zum Beispiel die Äpfel gegessen und die Birnen nicht, legte die Stewardess neue Äpfel oben drauf, was die Birnen nach mehreren Wiederholungen krumm nahmen. Apropos krumm: auch nicht gegessene Bananen mussten sich erst schwarz ärgern, bis sie entsorgt wurden (habe ich gehört. Bei mir werden Bananen nicht schwarz, dafür mag ich sie zu gerne).

Inzwischen hatte man die gute Idee, die Obstkörbe zu individualisieren: Man bekommt ein Zettelchen, auf dem man ankreuzen kann, welches Obst man möchte (bis zu vier Sorten, die Zettel variieren je nach dem, was im Obstkühlraum weg muss). Die Stewardess nimmt den Zettel dann bei der morgendlichen Kabinenreinigung mit, und beim abendlichen Turn Down wird das Obst geliefert. Füllt man keinen Zettel aus, bekommt man kein Obst.

Einfaches ankreuzen ist mir bald zu langweilig geworden, und so habe ich von Zeit zu Zeit auch mal mit den Mengen gespielt, und vor das angekreuzte Kästchen "Mandarine" eine 2 geschrieben. Das hatte immer geklappt. Und als Cesar mal erzählt hat, es gäbe keine Weintrauben an Bord, habe ich es dann auf die Spitze getrieben, indem ich ein weiteres Kästchen auf den Zettel gemalt, angekreuzt und "Weintrauben" daneben geschrieben habe. Und was war abends im Obstkorb? Seht selbst:

Zugegeben - das hat nur ein einziges Mal geklappt, und irgendwann habe ich es dann nicht mehr versucht. Aber immerhin!

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