Freitag, 8. November 2019

Privatsphäre an Bord

Das ist ein schwieriges Thema auf einem Kreuzfahrtschiff, jedenfalls für die Mannschaft, die oft in Legehennenhaltung wohnen müssen. Wir Passagiere dagegen haben für jeden Gast oder jedes Paar eine eigene "Burg", die Sicherheit und Abgeschiedenheit verspricht, besonders wenn man das "Bitte-nicht-stören" Schild vor die Tür hängt. Und auch wenn nicht - falls der Steward oder die Stewardess tatsächlich einmal in die Kabine müssen, zum Beispiel zum putzen, Tickets übergeben oder Turn-Down, klopfen sie höflich an, und flöten "room service". Kommt keine Antwort, tun sie es noch einmal, jedoch mit mehr Nachdruck. Wenn es noch immer keine Antwort gibt, schließen sie auf und wiederholen die Prozedur bei leicht geöffneter Tür. Erst dann wird die Tür ganz geöffnet, der Job getan, und nichts wie weg. Es gab mal eine Folge von "Verrückt nach Meer" wo sie gezeigt haben, wie das trainiert wird. Und wehe, die Tür wurde auch nur einen Spalt weiter geöffnet als vorgeschrieben, dann hat man die Übung mehrmals wiederholt. Das war Fernsehen. Mein aktueller Steward klopft ab 7:30 Uhr morgens gnadenlos an und kommt fast gleichzeitig rein. Nachdem er bei dieser Gelegenheit schon zweimal den Anblick eines dicken schlafenden Manns ertragen musste, macht er es nicht mehr. Stattdessen klopft er alle 20 Minuten wieder. Es ist egal, welches Schild draußen hängt. Jetzt werdet Ihr Euch - falls Ihr noch dabei seid - vielleicht fragen, warum ich die Tür nicht von innen verriegele und die Decke über den Kopf ziehe. Tatsächlich geht das, vor allem das mit der Decke, aber der Türmechanismus ist noch vom alten Pächter (Insider) und taugt höchstens, um ausgeleierte Türen daran zu hindern, dass sie von selbst aufspringen. Ansonsten haben wir jetzt elektronische Schlösser, und gegen den dazugehörigen Generalschlüssel ist kein Kraut gewachsen. Seit ich das weiß, schließe ich das Bad immer ab wenn ich drin bin. Das funktioniert nämlich noch, und tatsächlich, neulich frühmorgens, ich denke nichts böses, bewegt sich doch die Türklinke, dicht gefolgt von einem klopfen an die Klotür und dem englischen Hinweis, wann er wieder kommt. Kein Hinweis, wer er ist und was er will. Hätte er mal "Verrückt nach Meer" angeschaut, dann wüsste er jetzt, dass man "room service" sagen muss. Aber zum fernsehen haben die armen Mitarbeiter hier leider keine Zeit.

Donnerstag, 7. November 2019

Die vielleicht kleinste Roulade der Welt

Auch wenn ich vielleicht so aussehe - naja, bestimmt sogar - ich bin kein Mensch, der bei seinen Reisen übermäßigen Wert auf das Essen legt. Ich bin kein großer Freund von Kaviar und Hummer, und Champagner mag ich gar nicht. Wenn ich die Auswahl zwischen zwei Restaurants habe mit Essen ähnlicher Qualität, wähle ich stets das mit der hübscheren Kelln..., Späßle, aber mit dem besseren Service und höheren Wohlfühlfaktor, tatsächlich. Ich mag bodenständige wie raffinierte Küche, würde aber immer eine ehrliche Currywurst mit Pommes oder auch nur ein gutes Leberkäs-Brötchen einer knoblauchgetrüffelten Riesengarneele an Tartar vom Koberind im angepflaumten Serrano-Schinkenmantel bevorzugen. Natürlich mag jeder etwas anderes gern, aber auf die einfache Formel "schmecken sollte es" kann man sich sicher einigen, egal wo die Latte hängt. Und auch, wenn sich mit steigendem Alter der Geschmackssinn (was ist das Gegenteil von verfeinern?), hat die Latte nichts im Kielraum verloren.

Als ich 2015 erstmalig mit der Artania unterwegs war, gab es am Essen absolut nichts zu meckern. Zurück gekehrt 2018, war es nicht mehr das selbe, aber in erster Linie hatte man die Auswahl etwas zurück geschraubt, und auch die Portionsgrößen. Das kann ich persönlich noch ohne Punktabzug hinnehmen. In diesem Jahr - ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, darum ein kleines Zwischenspiel:

Das Personal, wie auf allen Kreuzfahrtschiffen zumeist Philipinos, versuchte damals wie heute einem sogar die Wünsche von den Augen abzulesen, von denen man selbst noch gar nicht wusste, dass man sie hat. Da wir nur deutschsprachige Gäste haben, wurde sehr viel Wert darauf gelegt, dass das Personal ebenfalls deutsch spricht. Ein Sprachkurs ist hart, nach einem 12-Stunden-Tag, hatte aber bis 2018 dicke fette Früchte getragen, insbesonders, weil sich gute Deutschkenntnisse auf das Gehalt auswirkten, also positiv natürlich. In diesem Jahr ist das leider qualitativ zurück gegangen. Zwar sprechen alle deutsch, oder das, was sie dafür halten, aber man versteht kaum jemanden, vielleicht kopieren sie die Mumien. Naja, erkennen wir die Mühe an. Lieb und zuvorkommend sind sie nach wie vor.

Aber jetzt muss es leider sein. Die Küche und die Restaurants: Generell zu loben sind schon mal die Kellner: aufmerksam, schnell, und tatsächlich imstande, das Besteck in der richtigen Reihenfolge an die richtigen Stelle vor einen zu legen (da könnte ich vom Hotel Riu Palace Bavaro, trotz fetter fünf Sterne, andere Geschichten erzählen). Obwohl - einen gibt es hier, der ohne Erinnerung nicht weiß, dass zur Kaffeetasse ein Kaffeelöffel gehört, auch nicht am zweiten Tag. Und auch nicht am dritten. Danach habe ich mich woanders hin gesetzt, denn ich möchte den Löffel haben bevor der Kaffee kalt ist.



Spalten wir mal ein paar Haare. Die täglichen Speisekarten werden im Bordfernsehen und im Internet veröffentlicht, und enthalten durchschnittlich alle drei Tage mindestens einen Schreibfehler, gelegentlich auch einen sachlichen. (Kleiner Hinweis: heute ist der 7. November 2019)



Vor jedem Menue gibt es kleine frisch gebackene Brötchen, sowie Butter und einen weiteren Brotaufstrich. Welchen, steht auf der Menuekarte, also, manchmal. Manchmal auch nicht. Schlimmer: das mit den Brötchen war früher. Heute enthält der Brotkorb - wenn man es wagt, unter die abdeckende Serviette zu schauen - nur Scheiben aufgeschnittenen Weißbrots, manchmal ein vereinzeltes Laugenbrötchen, alles die Reste vom Frühstück, also ungefähr so frisch wie die meisten Gäste hier.

Werden wir mal deutlicher. Was hier auf den Tisch kommt, schmeckt wie bei Muttern, also bei meiner. Die hat auch nie irgendwas gewürzt, denn sie kannte nur Pfeffer und Salz, und an beiden hat sie gespart. Wie die aktuelle Küchenchefin hier an Bord. Ich wünschte, sie wär verliebt. Muss ja nicht in mich sein.

Ein Einschub. Als ich 2017 krank wurde, musste ich zwei Wochen ins Krankenhaus und vier Wochen auf Reha. Bis auf zwei, nicht relevante Ausnahmen, hat es mir in beiden Institutionen immer sehr gut geschmeckt, obwohl natürlich auch da salzarm gekocht wurde. Kann man ja, aber man muss es können. (die beiden Reha-Ausnahmen waren ein leicht verdorbener Fisch und ein Veggie-Gericht, das tatsächlich nur nach Apotheke geschmeckt hatte). Hier ist das mit dem Genug leider anders:

Handwerkliches Können: Natürlich hat nicht jeder, der in der Küche arbeitet, den Job auch gelernt. Aber dafür gibt es die Küchenchefin und ihre Sous-Chefs, die die Verantwortung dafür tragen, dass kein Müll die Küche verlässt, also, in Richtung Gast. Aber es geht auch anders - hier ein paar Beispiele:

Es gab Hühnerkeule mit Paprikagemüse und Spätzle. Huhn ok, Gemüse gut, die Spätzle waren Knöpfle (das meinte ich mit sachlichem Fehler, auch wenn es  nur die Schwaben stört), aber sie waren total verwässert, kurz vor dem auseinander fallen, und dazu noch kalt.

Es gab - ich weiß nicht mehr was, als Beilage mit zwei überbackenen Kartoffeln. Eine davon gut, die andere völlig kalt. Wie kann das sein? Runtergefallen und später wieder aufgehoben?

Es gab gekochte Ochsenbrust, wäre eigentlich lecker gewesen, aber so zäh, dass sie weder mit Messer noch mit Zähnen zu bewältigen war. Überhaupt steht die Küchenchefin hier mit Fleisch auf Kriegsfuß, denn sowohl Huhn als auch Schwein sind immer sehr zäh und schwer zu essen, obwohl alle meine Zähne noch echt sind. Mit Fisch dagegen hat sie einen Vertrag...

Es gab Hamburger Pannfisch, das sind drei Sorten Fisch in der Pfanne gebraten, dazu Bratkartoffeln. Hätte eine 1+ werden können. Aber leider, der dazu durchaus passende Blattspinat war - wie immer - ungewürzt, dazu überwässert und so weich und "appetitlich", als hätte er schon zwei Tage lang auf dem Kompost gelegen. Wenigstens war er noch grün...

Es gab spanisches Rotweingulasch mit Gemüse auf Nudeln. Das Gericht kommt, ich probiere es, und frage mich langsam, wo die versteckte Kamera hängt: Während Fleisch und Gemüse durchaus gut essbar sind (wenn man nachwürzt), sind die Nudeln sehr, sehr al dente. Also, im Klartext, man hat sie nicht gekocht, sondern nur so lange in heißes Wasser getunkt, bis sie beim beißen nicht mehr knacken. Wie so etwas schmeckt? Nun, es gibt Erfahrungen, die muss man nicht unbedingt machen. Der Kellner fragt, ob ich einen zweiten Versuch machen möchte. Dummerweise sage ich "ja", und weiß zumindest jetzt, dass hier jede Portion genau gleich gemacht wird.



Aber jetzt wird es wirklich Zeit, auf die Roulade zurück zu kommen. Eine Rinderroulade ist ein Schmorgericht, also bestens geeignet, bei sanfter Hitze und in großen Mengen hergestellt zu werden. Und aus meiner Sicht ist es nur sehr, sehr schwer möglich, eine Roulade zu versauen. Das geht eigentlich nur absichtlich, und selbst da hätte ich keine spontane Idee. Vielleicht ganz viel Chili rein, oder mit Schafskäse füllen. Wäre nichts für mich, aber ich glaube immer noch essbar.

Ich komme also in das Restaurant, und höre auf dem Weg zu meinem Platz ein Frau, die erzählt, sie hätte gerade die kleinste Roulade ihres Lebens gegessen. Da sie selbst weit weg von klein ist, vor allem um den mittleren Ring, denke ich mir nichts dabei, und bestelle. Während ich mit der Vorspeise beschäftigt bin, höre ich vom Nebentisch einen Mann schwärmen, dass der Leberkäs mit Bratkartoffeln und Spiegelei, den es heute alternativ zur Roulade gibt, so gut gewürzt gewesen war. Der Mann hat keinerlei süddeutschen Zungenschlag, und so glaube ich ihm nicht so recht. Und dann kommt meine Roulade.

In der Gastronomie ist es heute teilweise üblich, sehr große Rouladen zuzubereiten, sie aufzuschneiden und dann in Scheiben zu servieren. Sieht gut aus und passt in die moderne Küche. Was aber da kommt, habe ich nicht erwartet:

Das Teil, was da dampfend, halbversteckt zwischen den Beilagen, auf meinem Teller liegt, hat einen Durchmesser von etwa 2 1/2cm vorne und etwas mehr hinten, ist etwa 10cm lang, nicht ganz gerade, und erinnert vermutlich die eine oder andere Frau fast zwangsläufig an etwas, dass sie selbst nicht hat. Ansonsten sieht das mehr graue als braune Teil tatsächlich aus wie eine fehlerhafte Roulade. Fehlerhaft, weil sie neben der Farbe aussieht, als hätte man sie quer statt längs aufgewickelt. Wenn es Leute gibt, die Bilder von Kirschen verkehrt herum aufhängen, gibt es sicher auch welche, die Rouladen falsch wickeln, aber egal. Vorsichtig probiere ich das runde Teil, das bei der kleinsten Berührung zusammenfällt. Ich habe schon viele Rouladen gegessen in meinem Leben, auch schon sehr zarte, für die man kein Messer brauchte, aber noch nie zuvor eine, die man löffeln müsste. Ich versuche ein ganz kleines Stück, erwarte wenig, und werde dennoch enttäuscht. Abgesehen von der bröseligen Konsistenz, schmeckt das Teil in keinster Weise nach Fleisch, sondern eher nach Tofu. Nach sehr schlecht schmeckendem Tofu, wohl gemerkt.

Als der alternative Leberkäs kommt, hatte ich dem Mann vom Nebentisch zurecht misstraut. Preuße halt. Aber hier konnte ich mit Pfeffer und Salz das schlimmste verhüten.

Mittwoch, 6. November 2019

Richtung Norden, und dann immer geradeaus

Inzwischen hat wohl auch der Atlantik gemerkt, dass der Sommer vorbei ist. Er erfreut uns mit Windstärken von 4 bis 6 (das sind Wellen von 1-6m Höhe) aus Richtung Norden, wo wir hin müssen, und zwar schnell, denn der Weg nach Teneriffa ist weit. Drei Schiffsmotoren gegen den Nordwind, da tut er sich schwer, der Wind, zumal wir noch einen vierten Motor hätten. 33km/h Fahrt gegen 27km/h Wind sorgen als sogenannter "scheinbarer Wind" von 60 km/h für ein wackeliges Schiff. Nützt aber nichts, niemand braucht die blauen Tüten, die inzwischen überall hängen, denn Mumien sind recht seefest, zumindest die an Bord. Und so sind auch die Restaurants stets gut besucht, womit wir wieder beim Thema wären: was esse ich heute?

Es gibt jeden Mittag und jeden Abend ein 4-Gänge Menue. Man kann jeweils auswählen zwischen zwei Vorspeisen oder einer Vorspeise und einem Salat, je nach dem was es gibt. Als nächstes haben wir zwei Suppen, wovon eine immer eine "sogenannte" Kraftbüro ist mit wechselnden Einlagen, und die andere eine etwas dickere, meistens mit Sahne. Dann folgen drei Hauptgerichte, immer eins mit Fisch, eins mit Fleisch und eins mit Nudeln und fleisch- oder fischlastiger Sauce. Alternativ gibt es ein vegetarisches Hauptgericht, das man mit den anderen Gängen kombinieren kann. Sind alle Suppen und/oder Vorspeisen fleischhaltig, bietet man auch hier eine Alternative an. Nicht immer schlau, doch davon später. Seid Ihr noch bei mir? Gut. Kommen wir zum (an mir allerdings stets vorbei gehenden) Höhepunkt des Menues, dem Nachtisch. Wenn man Glück hat, kann man wählen zwischen zwei Kalorienbomben, eine davon mit Eis, und Käse, und Obst. Hat man kein Glück, gibt es neben dem Süßkram nur Käse oder Obst. Natürlich muss man nicht alle Gänge essen. So läuft es in den beiden Bedienrestaurants. Wem das nicht behagt, der geht in das Buffettrestaurant. Dort gibt es immer die selben Sachen, und man hat die Chance, das Hauptgericht A mit den Beilagen vom Hauptgericht B zu kombinieren (ginge übrigens in Bedienung auch, aber da gibt es häufig sprachliche Probleme). Oder man kann beide Hauptgerichte probieren (was ich auf einem anderen Schiff schon im Bedienrestaurant erlebt habe wie folgt. Gast: "Ich kann mich nicht entscheiden, welches Hauptgericht ich nehmen soll" - Kellnerin: "dann kriegen Sie halt beide!". Alles lacht. Bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mann sein Hauptgericht aufgegessen hat, und die Kellnerin tatsächlich das zweite vor ihn hinstellt. OK, die einzelnen Gänge waren damals auf der MeinSchiff1 eher übersichtlich und leicht zu bewältigen, aber lustig war es trotzdem, besonders das Gesicht von dem Mann.

Zurück auf die Artania. Die Reise geht von Málaga bis Bremerhaven, dauert 22 Tage und der Menueplan erlaubt keine Wiederholungen. Trotzdem gibt es Tage, wo man nicht weiß was man nehmen soll, weil einem alles schon bekannt vorkommt, oder man schon ahnt, was einen erwartet. Aber es geht schlimmer:

Einige Menschen an Bord mögen nicht fliegen, haben aber Zeit und Geld, und deswegen die vorhergehende Reise gleich mit gebucht. Die ging nämlich von Bremerhaven bis Málaga, auf etwas anderer Route, nämlich Azoren statt Kapverden, und dauerte nicht ganz so lang, ich glaube siebzehn Tage. Aber: diese armen Menschen kennen jetzt nicht nur jedes Gericht persönlich, sondern auch jedes Menue, weil hier nicht variiert wird. Und die haben echt die Qual der Wahl, das haben sie mir selbst erzählt. Vielleicht ist es ja gut für die Linie, aber sicher nicht der Sinn einer klassischen Kreuzfahrt.

Heute ist Bergfest, der mittlere Galaabend. Vielleicht finden sie da etwas neues. Aber ich fürchte...





Dienstag, 5. November 2019

Die Qual der richtigen Entscheidung

Früher Morgen, und seit einer Stunde liegen wir vor der Insel Sal auf Reede. Es sollte der letzte heiße Tag eines endlos langen Sommers werden, auf einem trostlosen Eiland mit schönen Stränden. Ein Tender wird zu Wasser gelassen, dreht fröhlich hüpfend seine Runden, und kehrt dann zurück. Zwischenzeitlich haben sich schon etliche Ausflügler angesammelt, viele mit Badesachen bepackt, um die wahrscheinlich letzte Möglichkeit des Jahres zu nutzen im badewannenwarmen Atlantik zu planschen. Doch als der Kreuzfahrtdirektor mit seiner Ansage beginnt, wird allen klar - die Möglichkeit war gestern: Im Augenblick haben wir eine Dünung von ein bis eineinhalb Metern, was es zwar ermöglicht, nahezu alle interessierten Touristen vom Schiff in die Tender zu hieven, mit sehr gutem timing und etwas Sportlichkeit. Die Damen und Herren mit Gehhilfen jeder Art müssten (oder dürften?) natürlich an Bord bleiben. Danach hätten wir alle deutlich mehr Platz, denn bei während dem Tag zu erwartenden steigendem Wellengang auf bis zwei Metern und mehr müsste man die Gäste schon aus dem Tender zurück auf das Schiff werfen, und das möchte man nicht, warum auch immer... Späßle, ich bin nicht wirklich mumienfeindlich. Somit fiel die Entscheidung: summer is over, wir fahren gleich weiter, egal was die Leute auf Sal - der Insel Nr. 8 - sagen. Hätten sie einen gescheiten Hafen, wäre die Sache anders ausgegangen.

Schnell bastelt man eine vormittägliche Rentnerbelustigung, bestehend aus einem Vortrag über Versteinerungen, Gymnastik im Sitzen und einem einfachen Quiz. Dummerweise findet es dort statt, wo ich gerade schreibe (nein, nicht auf meiner Kabine, sondern in der Cassablanca-Bar). Das ganze hat übelsten Kindergarten-Charakter, und die Kindergruppe ab 75 ist recht groß. Eher unprofessionell moderiert wird die Veranstaltung von einem tunt.., na, sagen wir androgün wirkenden Nachwuchsreiseleiter mit hoher Piepsstimme. Egal, die Mumien lieben die Show, und am Schluß gibt es als Preis einen Tagescocktail. "Flying kangoroo" heißt er heute. Hoffentlich bleibt er drin bei dem weiterhin zunehmenden Seegang.

Mittags wieder so ein Entscheidungsproblem: was esse ich heute? Aber das erzähle ich Euch morgen.


Montag, 4. November 2019

Die andere Seite der Medaille

Ein neuer Tag, die 7. Insel. Sie heißt São Vicente, der hübsche Ort darauf ist Mindelo, und hier soll alles anders sein. Nicht anders ist das Land - wir sind noch immer auf den Kapverden. Anders ist, dass es hier einen Hafen gibt, und man aussteigen kann ohne akrobatische Übungen und unabhängig von Wind und Wellen. Auch die Warnung vor Taschendieben fällt heute nicht so drastisch aus wie sonst, vielleicht bin ich aber auch nur abgestumpft. Tatsächlich ist der Ort angenehmer und gepflegter als die beiden vorher. Man scheint sich viel Mühe zu geben, um den Touristen ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen, aber dritte Welt ist auch hier. Dennoch: Wieviel Geld man da lässt, entscheidet man selbst. Und natürlich die unfassbaren Getränkepreise.

Sonntag, 3. November 2019

Lohn der Angst

Sonntag morgen, 7:00 Uhr. Die Ankerkette weckt mich, wenn auch nicht persönlich, denn das könnte weh tun. Da ich aber recht weit vorne wohne, gleich hinter dem zweiten Rettungsboot links, hört man das Rumpeln laut und deutlich, als sie mit ihrem Kumpel, dem Anker, nach unten verschwindet. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir das Dörfchen Porto Novo auf der Insel Santo Antão, dem westlichsten Punkt unserer Reise. Auf den Bau des Hafens warten wir aber noch, darum haben wir geankert und mal probeweise einen Tender los geschickt. Der hat auch angesichts des Wellengangs viel Spaß beim Fahren. Nur ein- und aussteigen wird wahrscheinlich etwas unkomfortabel werden, denke ich.

Etwas später, fast alles sitzt beim Frühstück. Der Kreuzfahrtdirektor versucht mal wieder mit Engelszungen, möglichst viele Gäste mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit davon abzuhalten, sich tendern zu lassen. Würden die Gäste darauf hören, kämen wir locker mit einem einzigen Tenderboot aus, eigentlich mit einem halben. Oder anders ausgedrückt, alle könnten vernünftig sitze. Es ist nämlich so: in einem Tenderboot haben wir vier Sitzreihen, nämlich jeweils zwei entlang den Bordwänden mit Blickrichtung zur Mitte (wie ganz früher, in den alten Straßenbahnen), und eine doppelte in der Mitte, mit Blickrichtung nach außen. Und diese mittleren Bänke sind gleichzeitig Schränke für Notvorräte, weil die Tender ja auch als Rettungsboote arbeiten würden, wenn sie müssten. So weit, so gut, aber diese Schrank-Bänke sind etwas hoch geraten, so hoch, dass kaum jemand unter 1,90m die Füße auf den Boden kriegt. Man sitzt also mit baumelnden Beinen da und hat nichts zum fest halten als den Sitznachbarn, den man bei heftigen Bootsbewegungen gleich mit von der Bank zieht. Und den nächsten. Und den nächsten. Aber ich schweife ab. Beherzt, mit viel Schwung und gutem timing werden die Mumien so sanft wie möglich vom schiffseigenen Anleger in den Tender geschoben, wenn der Eingang gerade mal wieder vorbei kommt, beim nächsten Mal die Gehhilfe, und beim dritten Mal der häufig auch schon etwas brüchige Begleiter. Dann neigt sich der Tender, schüttelt seine Passagiere von rechts nach links, und weiter geht es. Während diesem Vorgang klopft der Tender immer wieder höflich an der Bordwand der Artania an, was einen schauerlichen tiefen Glockenton erzeugt, gelegentlich untermalt von den spitzen Schreien der mitschaukelnden alten Damen. Aber dann fährt das Bötchen los und hoppelt fröhlich nach Porto Novo. Warum auch immer, denn heute ist Sonntag, und nichts hat auf, außer der Kirche. Die eher sehr armen Einwohner der Kapverden haben allgemein nämlich noch nicht verstanden, dass: Kreuzfahrtschiff kommt = möglicherweise mehr Geld in der Tasche bedeutet. Wenn ich aber nichts verkaufe, dann gibt es kein Geld, und frustrierte Touristen, die daraufhin nicht mehr so gerne vorbei kommen, und das auch weiter erzählen. Als alle wieder zurück wollen, hat der Wind aufgefrischt, was höhere Wellen zur Folge hat. Aussteigen geht gerade nicht, und der eine oder andere Tender muss auf halbem Weg umdrehen, die Fahrgäste vorübergehend auf der Insel parken und abwarten.

Schließlich, mit fast zwei Stunden Verspätung, sind alle wieder wohlbehalten an Bord, auch wenn der eine oder andere sich nicht gerade auf das nächste tendern freut.

Samstag, 2. November 2019

Tiefer Süden

Zweieinhalb Tage waren wir unterwegs gewesen, auf dem ungewohnt spiegelglatten Atlantik; Richtung Süden, und dann immer geradeaus. Hatte sich Gran Canaria noch mit angenehm trockenen, spätsommerlichen 23°C und einer ganz sanften Brise verabschiedet, erwarten uns die Kapverdischen Inseln mit heftigen 30°C, Tendenz steigend, und brutalen 75-80% Luftfeuchtigkeit. Das ist fast schon wie duschen. Wir besuchen heute das Örtchen Praia. Es liegt auf der Insel Santiago (der 5. unserer Reise) und ist der südlichste Punkt, den wir diesmal ansteuern. Fast so südlich wie Dakar im Senegal, und ähnlich exotisch. Von weitem vielleicht noch malerisch, aus der Nähe eher schmutzig und ärmlich. Gefährlich soll es auch sein, denn die Leute hier sind so arm wie flink, und Mumien haben zwar meist Geld, können aber in der Regel nicht rennen. Und hören auch nicht, denn obwohl die Benutzung dringend angeraten wird, sparen sich viele Leute die 5€ für den Bus vom Schiff, bis hin zum Hauptplatz, wo es zwar auch nicht sehr schön, aber deutlich belebter ist, und die Einheimischen sich das Geld der Touristen auf legale Weise holen. Lieber irren sie zwischen den Containern herum, bleiben mit dem Fuß in irgendeiner Schiene stecken, fallen in ein Loch (was beides zum Glück nicht passiert ist), oder werden Geld und Wertsachen los (was leider schon nach einer Stunde passiert ist.) Auch wenn es nur ein alter Geldbeutel war mit 80€, dafür hätte man viel Bus fahren können. Mumien halt. Wenigstens ging für den alten Herrn alles gewaltlos ab, von dem Riesenanschiss durch seine Frau hinterher (er war ohne sie unterwegs gewesen) mal abgesehen. Vielleicht hätte sie den Räuber sogar in die Flucht geschlagen...


Abends gibt es ein ganz anständiges spanisches Menü. Wir haben vier spanische Inseln auf dem Programm. Santiago und die anderen Kapverden zählen nicht dazu, denn sie sind unabhängig. Früher waren sie portugiesisch, und ihre Küche ist afro-portugiesisch, was sehr lecker klingt. Wie es schmeckt, wissen wir noch nicht. Vielleicht hebt sich das die Küchenchefin bis Holland auf, und das portugiesische gibt es auf Teneriffa. Oder auch gar nicht. Unsere Küchenchefin, die versteht keiner. Meistens schmeckt es bei ihr wie bei Muttern (die hatte auch immer vergessen zu würzen), aber bestimmt ist sie noch steigerungsfähig. Ich weiß nur noch nicht, in welcher Richtung.

Und das Schiff zieht weiter.

Freitag, 1. November 2019

Wellness-Tag?

Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, lasse ich mich massieren. Ich liebe es nämlich, wenn man mir weh tut (Späßle). Den Termin (eigentlich sind es mehrere) habe ich schon von zuhause aus gebucht, und während ich noch ein paar Minuten warten muss, freue ich mich schon angesichts der vielen sympathisch aussehenden Masseurinnen, die hier herum laufen, auf meine Ganzkörpermassage. Nach kurzer Zeit werde ich auch schon aufgerufen, betrete den angegebenen Behandlungsraum, wo mich, sympathisch, klein, braun, aber scheiße - ein Mann erwartet! Er heißt Ravi, ist Inder, und spricht zu allem Überfluss genauso deutsch, wie mein Ex-Chef, wenn er einen Inder nachmacht. Da hat sich immer alles vor Lachen gebogen. Allerdings beschränkt sich Ravis deutsch auf einige wenige Kernsätze, und ich habe den Verdacht, mit seinem Englisch ist auch nicht viel mehr los.

"Bitte au'iehn, ich wa'te d'außen" weist er mich an. Das war schon die Hälfte von seinem deutsch. Im Laufe der nächsten 50 Minuten zieht er mir Arme und Beine lang, rollt über meine Schultern, lockert Waden und Schenkel, versucht meine Zehen und Finger auszureißen, kocht meine Füße mit heißen Handtüchern, packt mich in Badetücher, macht alles noch einmal, und beendet seine Bemühungen mit den Worten "Bitte an'iehn, ich wa'te d'außen". Nachdem er die zweite Hälfte von seinem deutsch abgesondert hat, ist er weg. Ach nein, er kann noch "Alle' O'dnung, Si'?", aber ich glaube, er versteht die Antwort nicht, jedenfalls dann, wenn sie kräftig von "ja" abweicht. Wenigstens hat er vorher noch die Masagebank in die tiefste Position gebracht, so daß es nicht allzu weh tut, falls ich runter falle.

Donnerstag, 31. Oktober 2019

Halloween auf dem Schiff

Enttäuscht wurde ich heute von der nicht vorhandenen Mitteilsamkeit meiner größtenteils recht drögen Mitreisenden. Vielleicht sind sie auch nur müde von den letzten beiden Sonnentagen, oder überfordert, weil sie sich heute beim Mittagessen zwischen vier statt drei Restaurants entscheiden müssen, und spät abends, zum late night snack um 22:00 Uhr nochmals zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten, denn heute haben wir Halloween, dazu Seetag, das ist nicht jedem geheuer. Jedenfalls hocken sie überall herum, die Mumien, sind aber unfassbar still, selbst die weiblichen. Vereinzelt hat das Schiff auch schon den einen oder anderen Mitreisenden in den Schlaf geschaukelt. Und ehe Euch das jetzt auch passiert, schneiden wir nochmal zurück auf das gestrige Frühstück.

Zurück zur "Lehrerin". Es ist nur eine Vermutung, weil ausgebildete Sängerinnen nicht rülpsen müssen. Ihre Äußerungen hingegen lassen entweder auf sehr weltfremde Unterrichtsfächer schließen wie altgriechisch oder Panflöte, oder sie ist doch Sängerin, eine Sopranistin mit porösem Luftmananagement. Sopranistinnen haben - intellektuell gesehen - den gleichen Ruf wie z.B. Primaballerinen im Ballett (jetzt musste ich den sehr seltenen Plural glatt nachprüfen, denn ich möchte mich nicht auf das RTL-II/VOX-Niveau begeben, wo heutzutage ernsthaft von Globussen erzählt wird und davon, dass Zigaretten und co. "Rauchwaren" seien). Welchen Ruf eigentlich? Ach ja, den der klassischen Blondine (was vor etlichen Jahren mal eine damals noch sehr junge, aber schon sehr prominente Starsopranistin in aller Öffentlichkeit erzählt hat, Sandra Schwarzhaupt war es, auf die Frage, wie weit sie mit dem Führerschein wäre).

Zurück zum Thema und unserem alten Ehepaar:

"Schau mal, auf dem Schiff steht Royal" (was sie hinten betont). Es steht - neben dem Schiffsnamen - auch nicht nur "Royal" darauf, sondern - gut lesbar - der ganze Reedereiname "Royal Caribic". Das sind die, die auch die ganz ganz großen Schiffe haben wie die "Allure of the seas", und deswegen schon fast zur Allgemeinbildung gehören.

"Ob das aus England kommt" fährt sie fort.

"USA!" ist die ausführliche Antwort.

Aus einer völlig anderen Richtung hört man eine leise, schüchterne Schiffssirene. Einmal nur.

"Jetzt fährt sie los" begeistert sich die Dame.

"Nein" sagt er. Macht sie natürlich nicht. Warum auch, sie ist ja gerade erst angekommen. Außerdem hupen Kreuzfahrtschiffe in der Regel dreimal, wenn sie los fahren, und die anderen antworten entsprechend, was zu einer richtigen Lärmbelästigung führen kann und mittlerweile in Civitavecchia (ausgerechnet Italien) verboten ist.

Man hört das internationale, auch jedem Kreuzfahrtgast bekannte, Notsignal: 7x kurz, 1x lang.

"Aber jetzt fährt sie los" meint die Dame

"Nein, das ist Probealarm!"

"Für's auslaufen?"

Die Antwort kriege ich leider nicht mehr mit, denn während sich ein kleines, verrostetes Schiff - das, was zuerst gehupt hatte - vorsichtig davon macht, erklärt der Kreuzfahrtdirektor über Lautsprecher den Rest des Tages. 

Zurück im Hier und Jetzt: Gruseliger wurde es nicht mehr, trotz Halloween. Wie denn auch.




Mittwoch, 30. Oktober 2019

Urlaub auf dem Schiff

Gran Canaria, warme Sonne, die Frisur hält. Das sollte sie auch, denn innerhalb des Schiffes ist es windstill. Außerhalb auch, und schon morgens haben wir Flaute mit 25°C im Schatten. Bei Euch soll es ja bereits Nachtfröste geben...

Es ist ein herrlicher Platz für ein langes, gemütliches Frühstück auf der Terrasse der Kantine (=Buffetrestaurant) auf Deck 8. Während sonst hier während der gesamten Essenszeit ein hauen und stechen um Sitzplätze und Lebensmittel (vor allem das letztere ist unverständlich) herrscht, natürlich in Zeitlupe, aber umso verbitterter, hat man heute freie Auswahl an Plätzen und freie Aussicht auf den Hafen, wo bereits die "Explorer of the Seas" liegt (das ist keine von den ganz, ganz großen, "nur" 3.500 Passagiere), und sich hinter uns die "Saga Sapphire" anschleicht, eher eine Nußschale für 700 Passagiere. Und da es recht leise ist überall, bekomme ich (leider) wieder einmal mit, was die greisen Tischnachbarn so von sich geben. Das Paar am nächsten Tisch besteht aus einer ziemlich aufgetakelten großen schlanken Dame jenseits der siebzig, über die ich zumindest positiv vermerken möchte, dass sie nicht den Standard-Herrenhaarschnitt von 80% der Damen hier trägt, und auch nicht die ebenfalls recht populäre 50er-Jahre Beton-Dauerwelle, sondern eher eine flotte, poppige, silbergraue Langhaarfrisur à la Miss Piggy, was aber gut zu ihren Glitzerohringen und ihrem Benehmen passt. Der sehr dünne Mann dazu ist geschätzte 2,10m groß, hält sich aber krankheitsbedingt sehr krumm. Ansonsten scheint er ganz in Ordnung zu sein, er holt sich trotz seiner Behinderung den Tee selbst, ganz übermütig ohne Stock, und wenn er mal was sagt, ist das meist auf den Punkt. Wahrscheinlich sogar immer, aber er sitzt mit dem Rücken zu mir, und im Gegensatz zu seiner Frau spricht er leise. Die Frau dagegen spricht nicht nur laut und deutlich. Wann immer der Mann gerade weg ist, beginnt sie zu singen oder pfeifen, und das klingt nach ausgebildeter und geübter Stimme. Ich sinniere vor mich hin, ob sie in ihrem Berufsleben Lehrerin oder Sängerin war, da gibt sie die Antwort selbst. Ihr entschlüpft ein Bäuerchen, naja, ein Landwirt, also, um ehrlich zu sein, ein massiver Gutsherr, und er wird nicht allein bleiben an diesem Morgen. Also Lehrerin. Einen ganz kleinen Moment lang wachsen mir Teufelshörnchen, und ich spiele mit dem Gedanken, sie erröten zu lassen, indem ich sie anlächele und "prost" sage (ihr Mann ist nämlich gerade Tee holen). Aber im letzten Moment entscheide ich mich dafür, es nicht zu tun und unauffällig zu bleiben, denn vielleicht liefert sie mir in den nächsten Tagen noch mehr Stoff. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.





Dienstag, 29. Oktober 2019

Das Lanzarote-Murmeltier

Unter all den Inseln, die ich bei meinen vielen Reisen schon besucht habe, gehört Lanzarote für mich zu den top five. Und das, obwohl es hier stellenweise aussieht wie auf dem Mars, oder vielleicht gerade deswegen. Ich hatte hier schon zweimal sehr schön Urlaub gemacht, und war einmal mit dem Schiff da gewesen. Für den Aufenthalt damals hatte ich einen ganz speziellen Landausflug gebucht: ich wollte zum ersten Mal im Leben eine Fahrt mit einem U-Boot machen (ist nicht wirklich ein Landausflug, ich weiß). Doch ausgerechnet an diesem Tag musste das U-Boot - wie man mir am Vorabend, also absolut rechtzeitig, mitteilte - repariert werden, so dass die Fahrt leider ausfiel, und ich mich auf einen kurzen Spaziergang in Arrecife, der Hauptstadt, beschränken musste.

Sieben Jahre später. Wie U-Boot fahren geht, weiss ich inzwischen. Dennoch steuert das Schiff unbeirrt Lanzarote an, und ich habe auch wieder einen Ausflug gebucht: Nordlanzarote, mit Besuch der Fundacíon César Manrique. CM ist der Mann, der weit über seinen Tod hinaus als Künstler, Politiker und Architekt bis heute einen riesigen Einfluss darauf hat, dass Lanzarote möglichst im Naturzustand blieb, und es unter anderem auch keine hohen Gebäude gibt. Die Fundacíon war sein Wohnhaus und Atelier, das er in eine große Lavablase einbauen ließ, mit Pool, Grillplatz und allem drum und dran. Ich war zwar schon einmal dort gewesen, aber das ist ein so toller verwunschener Platz, den könnte man auch ein zweites Mal besuchen. Könnte. Aber: ausgerechnet heute wäre Manrique 100 Jahre alt geworden, und aus diesem Anlaß hat die Fundacíon heute geschlossen. Stattdessen fährt man zu den weltweit einmaligen kleinen weißen Höhlenkrebsen von Jameos del Agua.

Da ich die kleinen Krebse alle noch persönlich kenne, beschränke ich mich stattdessen auf einen sehr kurzen aber ziemlich heißen Spaziergang in Arrecife, der Hauptstadt.



Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...