Gran Canaria, warme Sonne, die Frisur hält. Das sollte sie auch, denn innerhalb des Schiffes ist es windstill. Außerhalb auch, und schon morgens haben wir Flaute mit 25°C im Schatten. Bei Euch soll es ja bereits Nachtfröste geben...
Es ist ein herrlicher Platz für ein langes, gemütliches Frühstück auf der Terrasse der Kantine (=Buffetrestaurant) auf Deck 8. Während sonst hier während der gesamten Essenszeit ein hauen und stechen um Sitzplätze und Lebensmittel (vor allem das letztere ist unverständlich) herrscht, natürlich in Zeitlupe, aber umso verbitterter, hat man heute freie Auswahl an Plätzen und freie Aussicht auf den Hafen, wo bereits die "Explorer of the Seas" liegt (das ist keine von den ganz, ganz großen, "nur" 3.500 Passagiere), und sich hinter uns die "Saga Sapphire" anschleicht, eher eine Nußschale für 700 Passagiere. Und da es recht leise ist überall, bekomme ich (leider) wieder einmal mit, was die greisen Tischnachbarn so von sich geben. Das Paar am nächsten Tisch besteht aus einer ziemlich aufgetakelten großen schlanken Dame jenseits der siebzig, über die ich zumindest positiv vermerken möchte, dass sie nicht den Standard-Herrenhaarschnitt von 80% der Damen hier trägt, und auch nicht die ebenfalls recht populäre 50er-Jahre Beton-Dauerwelle, sondern eher eine flotte, poppige, silbergraue Langhaarfrisur à la Miss Piggy, was aber gut zu ihren Glitzerohringen und ihrem Benehmen passt. Der sehr dünne Mann dazu ist geschätzte 2,10m groß, hält sich aber krankheitsbedingt sehr krumm. Ansonsten scheint er ganz in Ordnung zu sein, er holt sich trotz seiner Behinderung den Tee selbst, ganz übermütig ohne Stock, und wenn er mal was sagt, ist das meist auf den Punkt. Wahrscheinlich sogar immer, aber er sitzt mit dem Rücken zu mir, und im Gegensatz zu seiner Frau spricht er leise. Die Frau dagegen spricht nicht nur laut und deutlich. Wann immer der Mann gerade weg ist, beginnt sie zu singen oder pfeifen, und das klingt nach ausgebildeter und geübter Stimme. Ich sinniere vor mich hin, ob sie in ihrem Berufsleben Lehrerin oder Sängerin war, da gibt sie die Antwort selbst. Ihr entschlüpft ein Bäuerchen, naja, ein Landwirt, also, um ehrlich zu sein, ein massiver Gutsherr, und er wird nicht allein bleiben an diesem Morgen. Also Lehrerin. Einen ganz kleinen Moment lang wachsen mir Teufelshörnchen, und ich spiele mit dem Gedanken, sie erröten zu lassen, indem ich sie anlächele und "prost" sage (ihr Mann ist nämlich gerade Tee holen). Aber im letzten Moment entscheide ich mich dafür, es nicht zu tun und unauffällig zu bleiben, denn vielleicht liefert sie mir in den nächsten Tagen noch mehr Stoff. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.

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