Mittwoch, 6. November 2019

Richtung Norden, und dann immer geradeaus

Inzwischen hat wohl auch der Atlantik gemerkt, dass der Sommer vorbei ist. Er erfreut uns mit Windstärken von 4 bis 6 (das sind Wellen von 1-6m Höhe) aus Richtung Norden, wo wir hin müssen, und zwar schnell, denn der Weg nach Teneriffa ist weit. Drei Schiffsmotoren gegen den Nordwind, da tut er sich schwer, der Wind, zumal wir noch einen vierten Motor hätten. 33km/h Fahrt gegen 27km/h Wind sorgen als sogenannter "scheinbarer Wind" von 60 km/h für ein wackeliges Schiff. Nützt aber nichts, niemand braucht die blauen Tüten, die inzwischen überall hängen, denn Mumien sind recht seefest, zumindest die an Bord. Und so sind auch die Restaurants stets gut besucht, womit wir wieder beim Thema wären: was esse ich heute?

Es gibt jeden Mittag und jeden Abend ein 4-Gänge Menue. Man kann jeweils auswählen zwischen zwei Vorspeisen oder einer Vorspeise und einem Salat, je nach dem was es gibt. Als nächstes haben wir zwei Suppen, wovon eine immer eine "sogenannte" Kraftbüro ist mit wechselnden Einlagen, und die andere eine etwas dickere, meistens mit Sahne. Dann folgen drei Hauptgerichte, immer eins mit Fisch, eins mit Fleisch und eins mit Nudeln und fleisch- oder fischlastiger Sauce. Alternativ gibt es ein vegetarisches Hauptgericht, das man mit den anderen Gängen kombinieren kann. Sind alle Suppen und/oder Vorspeisen fleischhaltig, bietet man auch hier eine Alternative an. Nicht immer schlau, doch davon später. Seid Ihr noch bei mir? Gut. Kommen wir zum (an mir allerdings stets vorbei gehenden) Höhepunkt des Menues, dem Nachtisch. Wenn man Glück hat, kann man wählen zwischen zwei Kalorienbomben, eine davon mit Eis, und Käse, und Obst. Hat man kein Glück, gibt es neben dem Süßkram nur Käse oder Obst. Natürlich muss man nicht alle Gänge essen. So läuft es in den beiden Bedienrestaurants. Wem das nicht behagt, der geht in das Buffettrestaurant. Dort gibt es immer die selben Sachen, und man hat die Chance, das Hauptgericht A mit den Beilagen vom Hauptgericht B zu kombinieren (ginge übrigens in Bedienung auch, aber da gibt es häufig sprachliche Probleme). Oder man kann beide Hauptgerichte probieren (was ich auf einem anderen Schiff schon im Bedienrestaurant erlebt habe wie folgt. Gast: "Ich kann mich nicht entscheiden, welches Hauptgericht ich nehmen soll" - Kellnerin: "dann kriegen Sie halt beide!". Alles lacht. Bis zu dem Zeitpunkt, wo der Mann sein Hauptgericht aufgegessen hat, und die Kellnerin tatsächlich das zweite vor ihn hinstellt. OK, die einzelnen Gänge waren damals auf der MeinSchiff1 eher übersichtlich und leicht zu bewältigen, aber lustig war es trotzdem, besonders das Gesicht von dem Mann.

Zurück auf die Artania. Die Reise geht von Málaga bis Bremerhaven, dauert 22 Tage und der Menueplan erlaubt keine Wiederholungen. Trotzdem gibt es Tage, wo man nicht weiß was man nehmen soll, weil einem alles schon bekannt vorkommt, oder man schon ahnt, was einen erwartet. Aber es geht schlimmer:

Einige Menschen an Bord mögen nicht fliegen, haben aber Zeit und Geld, und deswegen die vorhergehende Reise gleich mit gebucht. Die ging nämlich von Bremerhaven bis Málaga, auf etwas anderer Route, nämlich Azoren statt Kapverden, und dauerte nicht ganz so lang, ich glaube siebzehn Tage. Aber: diese armen Menschen kennen jetzt nicht nur jedes Gericht persönlich, sondern auch jedes Menue, weil hier nicht variiert wird. Und die haben echt die Qual der Wahl, das haben sie mir selbst erzählt. Vielleicht ist es ja gut für die Linie, aber sicher nicht der Sinn einer klassischen Kreuzfahrt.

Heute ist Bergfest, der mittlere Galaabend. Vielleicht finden sie da etwas neues. Aber ich fürchte...





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...