Zweieinhalb Tage waren wir unterwegs gewesen, auf dem ungewohnt spiegelglatten Atlantik; Richtung Süden, und dann immer geradeaus. Hatte sich Gran Canaria noch mit angenehm trockenen, spätsommerlichen 23°C und einer ganz sanften Brise verabschiedet, erwarten uns die Kapverdischen Inseln mit heftigen 30°C, Tendenz steigend, und brutalen 75-80% Luftfeuchtigkeit. Das ist fast schon wie duschen. Wir besuchen heute das Örtchen Praia. Es liegt auf der Insel Santiago (der 5. unserer Reise) und ist der südlichste Punkt, den wir diesmal ansteuern. Fast so südlich wie Dakar im Senegal, und ähnlich exotisch. Von weitem vielleicht noch malerisch, aus der Nähe eher schmutzig und ärmlich. Gefährlich soll es auch sein, denn die Leute hier sind so arm wie flink, und Mumien haben zwar meist Geld, können aber in der Regel nicht rennen. Und hören auch nicht, denn obwohl die Benutzung dringend angeraten wird, sparen sich viele Leute die 5€ für den Bus vom Schiff, bis hin zum Hauptplatz, wo es zwar auch nicht sehr schön, aber deutlich belebter ist, und die Einheimischen sich das Geld der Touristen auf legale Weise holen. Lieber irren sie zwischen den Containern herum, bleiben mit dem Fuß in irgendeiner Schiene stecken, fallen in ein Loch (was beides zum Glück nicht passiert ist), oder werden Geld und Wertsachen los (was leider schon nach einer Stunde passiert ist.) Auch wenn es nur ein alter Geldbeutel war mit 80€, dafür hätte man viel Bus fahren können. Mumien halt. Wenigstens ging für den alten Herrn alles gewaltlos ab, von dem Riesenanschiss durch seine Frau hinterher (er war ohne sie unterwegs gewesen) mal abgesehen. Vielleicht hätte sie den Räuber sogar in die Flucht geschlagen...
Abends gibt es ein ganz anständiges spanisches Menü. Wir haben vier spanische Inseln auf dem Programm. Santiago und die anderen Kapverden zählen nicht dazu, denn sie sind unabhängig. Früher waren sie portugiesisch, und ihre Küche ist afro-portugiesisch, was sehr lecker klingt. Wie es schmeckt, wissen wir noch nicht. Vielleicht hebt sich das die Küchenchefin bis Holland auf, und das portugiesische gibt es auf Teneriffa. Oder auch gar nicht. Unsere Küchenchefin, die versteht keiner. Meistens schmeckt es bei ihr wie bei Muttern (die hatte auch immer vergessen zu würzen), aber bestimmt ist sie noch steigerungsfähig. Ich weiß nur noch nicht, in welcher Richtung.
Und das Schiff zieht weiter.
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