Mittwoch, 13. November 2019

Der Kaufrausch geht weiter

Mittwoch morgen, es ist noch dunkel. Eine weitere angenehme ruhige Nacht auf dem Atlantik geht zuende, und zwar sehr plötzlich. Das Schiff neigt sich auf einmal massiv nach Backbord, bis meine Wasserflasche laut krachend aus dem Regal fällt. Das Schiff schwingt zurück, um kurz danach meine Sekt- und Weingläser um zu werfen. Danach ist der Spuk vorbei. Sollte er auch, denn jetzt liegen wir an der Pier in Leixões, dem Seehafen von Porto, was sich leichter ausspricht, nämlich genau wie man es schreibt. Ich bringe alles zerbrechliche in Sicherheit - habe ja schon Übung damit - und mache mich fertig für die Busfahrt nach Porto. Und selbst hier, wo es nur um eine halbe Stunde Busfahrt geht, und die Busse lediglich zu zwei Drittel besetzt sind, will jeder der erste sein, und die unbeweglichsten drängeln am meisten. War wohl eine gute Entscheidung, bei dieser Reise so weit wie möglich auf organisierte Ausflüge zu verzichten...



In Porto angekommen werden wir auf einem herrlich gelegenen Parkplatz ausgesetzt, der direkt am Ufer des Rio Douro liegt. Bei herrlichem Sonnenschein mache ich mich gut gelaunt auf den kurzen und angenehmen Weg zum Hard Rock Cafe. Es ist ja nur 1 1/2km weg, das wird ein gemütlicher Spaziergang. Dachte ich zumindest, bis ich nach einer leichten Steigung abbiegen muss in eine Straße mit kräftiger Steigung. 



Ich frage das handy ob es das ernst meint, aber es beharrt auf seine Meinung, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich stapfe also mühevoll weiter bergauf, vorbei an schönen Häusern und malerischen Straßen, über Gehsteige, auf denen auch die Straßenbahn fährt, bis zu einem großen, leidlich ebenen Platz, dann in eine Nebenstraße, wo ich zu allem Überfluss plötzlich die Navigation verliere. Als ich versuche, sie wieder hoch zu fahren, wird direkt vor mir laut scheppernd ein eisernes Tor aufgeschlossen. Das Tor vom Hard Rock Cafe.



Heute ist nur Zeit zum Einkaufen, und darum komme ich schon nach kurzer Zeit mit drei neuen T-Shirts wieder heraus. Jetzt ist Zeit für die portugiesische Gastronomie. In einem Reiseführer über Lissabon habe ich gelesen, dass man am günstigsten frühstücken oder Kaffee trinken kann in irgendwelchen kleinen Bäckereien. Die gibt es, auch die Preise sind niedrig, aber da ich nicht sicher verstehe, was man dafür kriegt, lande ich in einem Starbucks. In Deutschland kostet der doppelte Espresso dort 2,70€, auf dem Schiff 3,70€, da wird es so schlimm nicht werden. Und vor allem erwarte ich, dass man dort englisch spricht. Tut man auch, und der hervorragende doppelte Espresso kostet ganze 1,30€. Unfassbar! Ein wenig beschwingt nach der Kaffeepause, und vor allem, weil es jetzt ordentlich abwärts geht, lande ich eine Stunde zu früh auf dem Parkplatz. Macht nichts, es gibt dort einen coolen, wenn auch etwas mülligen Biergarten, direkt an den Schienen der Oldtimer-Straßenbahn, die einem alle paar Minuten fast über die Füße fährt.



Viel zu früh für diesen wohl endgültig letzten schönen warmen Tag des Jahres geht es wieder los. An Bord wird uns eingeschärft, alle losen Gegenstände in den Kabinen zu sichern, beim gehen und stehen festen Halt zu suchen, und möglichst nur auf der windabgewandten Seite nach draußen zu gehen und immer recht vorsichtig zu sein, denn pünktlich zu dem Zeitpunkt, wo wir die Biskaya überqueren müssen, hat sich das angekündigt, was wir mit etwas Pech schon die ganze Zeit hätten haben können: anstatt dem spiegelglatten Atlantik ein kräftiges Sturmtief für die nächsten zwanzig Stunden. Es geht praktisch schon los mit der Ausfahrt aus dem Hafen zur Kaffeezeit, hält sich aber noch in Grenzen. Beim Abendessen muss man schon genau zielen, bevor man sich hinsetzt, und später, in der Bar, schwanken die Leute schon unkontrolliert bevor sie etwas getrunken haben. Wind und Wellen steigern sich allmählich. Als ich später in meine Kabine komme, steht mein Koffer mitten in der Kabine. Wahrscheinlich will er heim, ist ja seine allererste Reise, und dann gleich sowas, aber es hilft nichts. Ich sperre ihn wieder in den Schrank und sichere den mit dem Stuhl, auch wenn das bei weiterhin steigendem Wellengang auch nichts mehr nützen wird.

Die Schiffsbewegungen pendeln sich auf hohem Niveau ein, und es bleibt recht laut diese Nacht. In unregelmäßigen Abständen höre ich ein kräftiges Meeresrauschen, dann nichts, und dann einen ohrenbetäubenden Knall, wenn der Brecher gegen die Bordwand schlägt und das Schiff durchschüttelt. Dazu knarzt und quietscht es an allen Ecken und Enden, untermalt vom klirren der Gläser und Flaschen, die die Nachbarsmumien nicht als lose Gegenstände verstanden haben, weil sie dem Schiff gehören, und sie folglich nicht gesichert haben. Das tut man nämlich am besten, wenn man alle zerbrechlichen Sachen einzeln zwischen den Klamotten versteckt. Aber da das privat ist, können=dürfen die Stewards das nicht übernehmen, was viele Mitreisende nicht begreifen. Fast wäre ich dann doch eingeschlafen, bis mich ein dumpfer Knall wieder hochreißt. Eigentlich sind die Kabinen hier nicht hellhörig, aber wenn der schwergewichtige Nachbar von oben drüber vom Stuhl fällt, das hört man dann doch, und zwar deutlich.


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