Dienstag, 5. November 2019

Die Qual der richtigen Entscheidung

Früher Morgen, und seit einer Stunde liegen wir vor der Insel Sal auf Reede. Es sollte der letzte heiße Tag eines endlos langen Sommers werden, auf einem trostlosen Eiland mit schönen Stränden. Ein Tender wird zu Wasser gelassen, dreht fröhlich hüpfend seine Runden, und kehrt dann zurück. Zwischenzeitlich haben sich schon etliche Ausflügler angesammelt, viele mit Badesachen bepackt, um die wahrscheinlich letzte Möglichkeit des Jahres zu nutzen im badewannenwarmen Atlantik zu planschen. Doch als der Kreuzfahrtdirektor mit seiner Ansage beginnt, wird allen klar - die Möglichkeit war gestern: Im Augenblick haben wir eine Dünung von ein bis eineinhalb Metern, was es zwar ermöglicht, nahezu alle interessierten Touristen vom Schiff in die Tender zu hieven, mit sehr gutem timing und etwas Sportlichkeit. Die Damen und Herren mit Gehhilfen jeder Art müssten (oder dürften?) natürlich an Bord bleiben. Danach hätten wir alle deutlich mehr Platz, denn bei während dem Tag zu erwartenden steigendem Wellengang auf bis zwei Metern und mehr müsste man die Gäste schon aus dem Tender zurück auf das Schiff werfen, und das möchte man nicht, warum auch immer... Späßle, ich bin nicht wirklich mumienfeindlich. Somit fiel die Entscheidung: summer is over, wir fahren gleich weiter, egal was die Leute auf Sal - der Insel Nr. 8 - sagen. Hätten sie einen gescheiten Hafen, wäre die Sache anders ausgegangen.

Schnell bastelt man eine vormittägliche Rentnerbelustigung, bestehend aus einem Vortrag über Versteinerungen, Gymnastik im Sitzen und einem einfachen Quiz. Dummerweise findet es dort statt, wo ich gerade schreibe (nein, nicht auf meiner Kabine, sondern in der Cassablanca-Bar). Das ganze hat übelsten Kindergarten-Charakter, und die Kindergruppe ab 75 ist recht groß. Eher unprofessionell moderiert wird die Veranstaltung von einem tunt.., na, sagen wir androgün wirkenden Nachwuchsreiseleiter mit hoher Piepsstimme. Egal, die Mumien lieben die Show, und am Schluß gibt es als Preis einen Tagescocktail. "Flying kangoroo" heißt er heute. Hoffentlich bleibt er drin bei dem weiterhin zunehmenden Seegang.

Mittags wieder so ein Entscheidungsproblem: was esse ich heute? Aber das erzähle ich Euch morgen.


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