Dienstag, 12. November 2019

Der Kaufrausch beginnt

Eurasien hat uns wieder, exakt Lissabon. Ich war schon einmal hier, und was mich irritiert ist, dass ich aus meiner Kabine praktisch die identische Aussicht habe wie letztes Mal. Und das, obwohl ich im Gegensatz zu sonst immer, diesmal an Backbord wohne (oder, einfach beschrieben, gleich hinter dem zweiten Rettungsboot links). Es ist noch früh, darum verstehe ich nur langsam: das Schiff liegt an der gleichen Stelle wie das letzte Mal, nur anders herum.(also, nicht kieloben natürlich, sondern um die Hochachse gedreht). Und die Aussicht von rechts, ziemlich weit hinten, ist, wenn man das Schiff dreht, die gleiche wie von links, ziemlich weit vorne. So, fertig verwirrt? Dann gehe ich jetzt von Bord, nehme mir ein Taxi und fahre zum Hard Rock Cafe. Ein guter Plan, denn Lissabon wurde auf sieben Hügeln erbaut, und dazwischen nicht aufgefüllt. Es ist also ein ständiges auf-und-ab hier, und mein Weg geht ausschließlich bergauf. Das Dumme ist nur, es ist kein Taxi mehr da. Da war wohl jemand schneller, entweder die Mumien, oder - mehr wahrscheinlich - der Inhalt der beiden mächtigen amerikanischen Schiffe, die hinter uns liegen, und die gemeinsam mehr als viermal so viele Passagiere tragen wie wir.



Mir graust, denn ich kenne die 2 1/2km unebene Wanderung vom letzten Mal, aber was hilft es. Öffentlich fahren traue ich mich nicht, da ich auf portugiesisch noch nicht einmal die Damen- von der Herrentoilette unterscheiden kann, und meine Sprachkenntnisse beschränken sich auf "guten Abend" und "Danke". Ach nein, seit neuestem kann ich auch noch "Guten Tag", das passt wenigstens zu diesem freundlichen Morgen mit kühler Brise vom Tejo. Notgedrungen mache ich mich also zu Fuß auf den Weg, dessen Einzelheiten ich natürlich über die letzten drei Jahre wieder vergessen habe. Aber wozu gibt es smartphones, und nach dem Motto "mit dem Navi in der Hand kommst Du durch fast jedes Land" mache ich mich in Smombie-Haltung auf den Weg, was mir nach zwei Straßenecken prompt zum Verhängnis wird, weil ich mir an einem hochstehenden Kanaldeckel ordentlich die große Zehe verbiege. Die fast zwangsläufig zu erwartende Bauchlandung, gefolgt von einer verbogenen Brille, diversen Schrammen und einem teuren Handy-Totalschaden kann ich zum Glück gerade noch vermeiden, und die Fußschmerzen halten sich nach ein paar Schritten auch wieder in Grenzen. Ich kämpfe mich also weiter aufwärts bis ich tatsächlich, kurz nach elf, also der Restaurant-Öffnungszeit im HRC, am Ziel meiner Wünsche bin. 



Da es auf dem Schiff immer so wenig zu essen gibt (nur 7x am Tag) werde ich das Mittagessen heute mal außerhalb genießen.



Das Restaurant ist nicht allzu groß, aber sage und schreibe 3 Etagen hoch (Also, der Raum, man sitzt nur ebenerdig und auf der Bühne). Durch die schummrige Beleuchtung wirkt der Raum etwas wie ein Kirchenschiff oder eine Burg, und viele der aufgehängten Souvenirs wie Gitarren und Bühnenanzüge sind auch sehr dunkel gehalten. Die Athmospäre ist insgesamt etwas mehr gothic als ich es sonst kenne, aber nicht weniger gastlich als anderswo. Hätte ich jemanden zum unterhalten, fände ich es positiv, dass die Musik hier nicht so laut ist wie in den anderen HRCs die ich so kenne. Ich habe aber niemanden, und so ist es mir egal. 



Nach dem Essen (auf dem guten Niveau von Berlin, Nr.1 für mich ist Barcelona, aber viele Vergleiche habe ich noch nicht) geht es dann endlich zum Geld ausgeben in den Shop. Mit vier T-Shirts und einer Armbanduhr humpele ich danach in Richtung Schiff. Inzwischen ist meiner Zehe eingefallen, dass sie weh tun könnte. Dafür hat das Navi vergessen, wo das Schiff liegt. Aber das ist nicht so schwer: Einfach immer bergab, und kurz bevor man ins Wasser fällt, links abbiegen. Das kriege sogar ich hin. Ist man abgebogen, sieht man dann schon die Schiffe. Könnte näher sein, aber irgendwann bin ich da. Doch Treppen steigen, wie sonst, verkneife ich mir heute. Schließlich wohne ich im 6. Stock.

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