Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ausweispflicht

Ein neuer Tag beginnt, die Sonne scheint, und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man das Meer. Mehr aber auch nicht. Ach so, falsche Seite. An Steuerbord ändert sich die Aussicht: im strahlenden Sonnenlicht liegt die Costa Blanca und in der Ferne unser heutiges Ziel, der  südspanische Badeort Alicante, gleichzeitig der westlichste Punkt unserer Reise.


Im Hafen liegt schon die "Celebrity Eclipse", ein sehr schönes großes Schiff, vollgestopft mit 3.500 Amerikanern. Gemeinsam mit denen geht es gegen 12.00 Uhr zum Landgang. Das Personal in den Restaurants wird heute wohl mal etwas weniger Mittagsstress haben.




Alicante an sich ist nicht allzu schön. Riesige weiße Bettenburgen prägen das Stadtbild (daher hat die Region übrigens ihren Namen: von den vielen weißen Gebäuden hier und in den Nachbarorten). Links vom Hafen liegt vor den Hotels eine protzige Strandpromenade und davor ein protziger Yachthafen mit passender Gastronomie. Rechts sieht es einladender aus: ein langer Sandstrand mit kleinen Cafés, keine Strandpromenade, kleinere Hotels. Und die Hauptattraktion: der Hausberg Benacantil, 166m hoch, oben bebaut mit der Burg Santa Bárbara. Man kann zu Fuß hoch steigen, muß man aber nicht. Man kann auch mit dem Aufzug hoch fahren. Dafür genügt es, wenn man sich 30-40 Minuten anstellt und neben dem Fahrpreis auch noch einen offiziellen Personalausweis dabei hat. Mit dem Bordausweis sind sie - trotz Lichtbild - nicht zufrieden. Auf diese Weise verärgert man den einen oder anderen Touristen. Mich selbst stört diese Bürokratie nicht ganz so, denn allein die Aussicht, mehr als eine halbe Stunde auf eine einfache Aufzugfahrt warten zu müssen, hat mich verzichten lassen. Den Ausweis dagegen hätte ich dabei gehabt.



Zurück auf dem Schiff ist Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Ich schwanke kurz, entscheide mich dann aber doch für den Inhalt meines Kabinen-Obstkorbs: Eine Birne und zwei Mandarinen. Das reicht bis zum Abendessen. Kurz danach legt das Schiff ab und fährt in die Halloween-Nacht.Und ich mache auf meiner mentalen 7-Länderliste nach Frankreich auch an Spanien einen "erledigt"-Haken. Knapp zwei Wochen und fünf Länder liegen nun noch vor mir.




Dienstag, 30. Oktober 2018

Nach dem Sturm

Am nächsten Morgen sind wir dem Mistral entkommen, und bis auf ein paar blaue Flecken bei dem einen oder etwas Seekrankheit bei dem anderen Passagier ist alles gut ausgegangen. Mit zwei Stunden Verspätung erreichen wir als letztes von sechs Kreuzfahrtschiffen Barcelona und quetschen uns nicht ohne Mühe in die letzte freie Parklücke im Hafen. 



Das Wetter ist sonnig, die Luft frisch, aber ich entscheide mich doch dafür, im T-Shirt los zu gehen. Richtig war die Entscheidung. Zunächst gibt es eine interessante aber unspektakuläre Panoramafahrt im gut geheizten Bus, dem ich gegen Ende der Rückfahrt am Kolumbisplatz entkommen kann, denn in Barcelona gibt es ein Hard Rock Café, und da will ich hin. 



Dafür opfere ich sogar das Mittagsmenue auf dem Schiff. Es ist kein großes Opfer, denn im HRC gibt es unter anderem die weltbesten Burger, serviert von hübschen Mädchen in kurzen Röcken. Dazu gibt es coole Rockmusik von Flatscreens und tolle Dekorationen: lauter Originale, egal ob Goldene Schallplatte, Bühnenanzug, signiertes Konzertplakat oder eine Gitarre. In meinem Fall ist es eine von Ritchie Sambora aus seiner Zeit bei Bon Jovi. Nach dem Essen kommt das shoppen, und mit einem T-Shirt, einer Jacke und einem Kühlschrankmagneten mehr gebe ich mich wieder der inzwischen überfüllten La Rambla hin, wild entschlossen, die drei Kilometer bis zum Schiff zurück zu laufen. Aber das ist doch etwa viel nach diesem Tag, und als mir nach dem halben Weg der Shuttlebus zum Hafen begegnet, bin ich doch sehr froh.

Wieder auf dem Schiff, treffe ich auf den Captain, der mich in ein kurzes Gespräch verwickelt. Nicht gelogen, der berühmte Mortem Hansen hat mit mir gequatscht! Besser kann der Tag nicht werden. Wurde er auch nicht, auch nicht abends beim Kennenlerntreff der Alleinreisenden. Besonders da nicht. Wir waren ca. zwanzig Leute, und ich der einzige Mann. Das wäre nicht schlimm. Der Sekt hat geschmeckt, die beiden Phoenix-Mädels, die das Treffen geleitet haben, waren echt cool. Die Gäste - naja, ich möchte es mal höflich verschleiern: der Ponyhof ist dagegen ein Teenytreffen. Und wer damit nichts anfangen kann, möge mich bitte persönlich fragen.






Montag, 29. Oktober 2018

Frankreich fällt aus

Wie der Kreuzfahrtdirektor gestern noch spät mitteilte, hat Korsika, wo wir hin wollen, unerwartet montags geschlossen. Naja, nicht ganz Korsika, aber aufgrund der stürmischen und unberechenbaren Wetterlage in der Umgebung von Genua und weiter südlich (Ihr habt sicher aus den Medien davon erfahren) wurde der Hafen von Ajaccio geschlossen. Und bevor wir auf die Idee kommen, stattdessen Sardinien anzulaufen, sperrt der Hafenmeister von Cagliari auch schnell ab. Also, eigentlich, weil sie gleich daneben liegen und auch so schlechtes Wetter erwarten. Kapitän Morten Hansen, der berühmte, beschließt deswegen heute einen Seetag einzulegen, morgen ganz früh in Barcelona zu sein, und zum Ausgleich dort einen ganzen Tag zu bleiben. Auf diese Weise würden wir der Schlechtwetterfront so weit wie möglich entkommen. Wir fahren also Richtung Westen und sind guter Dinge. Das Schiff bewegt sich, dafür ist es ein Schiff, auch wenn es anstatt nur vorwärts zu fahren über die eine oder andere Welle hoppelt, dabei fröhlich von links nach rechts schaukelt, und manchmal von rechts nach links. Ich filme ein bißchen auf den Außendecks. Das geht auf Deck 4 sehr gut, aber leider nicht nach vorne, weil man da nicht rausgucken kann. Das wiederum geht auf Deck 5 ganz gut, wenn auch der starke Wind etwas lästig ist. Auf Deck 6 ist die Sicht besser, aber der Wind so richtig stark. Und als ich mich wegen der noch besseren Sicht auf Deck 7 wage, muss ich das Kamerastativ fest halten, damit es von dem Orkan nicht weggeblasen wird. Auch bei mir selbst habe ich jetzt Bedenken und bin froh, dass ich so schwer bin.

Dann hätten wir noch, oberhalb der Brücke, Deck 9. Aber da ist niemand. Warum, kann ich mir auch nicht so recht erklären. Und der Wind wird stärker.

Nicht zum, sondern nach dem Mittagessen gibt es draußen "grobe See", was mich an den doofen Metzgerwitz erinnert: "ich hätte gerne 100 Gramm von der groben fetten" - "Die hat heute Berufsschule!". Die See dagegen hat natürlich keine Berufsschule, sondern produziert Wellen bis 6m Höhe, und das bei starkem Wind bis 49 km/h. Das stört ein Schiff wie die "Artania" allerdings noch nicht, genausowenig wie die meisten Passagiere. Allerdings laufen die meisten, als hätten sie zu viel getrunken. Per Durchsage kommt der Hinweis, man solle sich auf den Außendecks und Balkons wegen der Feuchtigkeit von unten und oben nur sehr vorsichtig bewegen. Aus der groben See wird sehr grobe und dann hohe, der Wind steigert sich stürmisch und dann zum Sturm bis 88 km/h, und seemännisch sind wir schon bei Windstärke 10. Die Passagiere werden gebeten, die Außenbereiche nicht mehr zu betreten, und sich grundsätzlich gut fest zu halten. Das Fenster meiner Kabine liegt ungefähr 15m über dem Meeresspiegel, und ich kann trotzdem vom Sofa aus die Gischt sehen, die unser Schiff erzeugt. Ab und zu hört man einen schweren Schlag, und dann neigt sich es sich etwas mehr nach links als sonst. Eigentlich sollte heute Begrüßungscocktail und shakehand mit dem Captain sein, aber da man befürchtet, die Fotos werden nicht so schön, wenn man sich am Captain festkrallt, wegen den Wellen, wird die Veranstaltung abgesagt. Nach dem nächsten Schlag fallen in meiner Kabine sämtliche Gläser und Flaschen um, Obstkorb, Vase und Plastikblume gehen zu Boden, der Apfel aus dem Obstkorb durchfliegt mit einem Affenzahn die ganze Kabine, und der Stuhl kommt ins Rutschen, direkt auf die sich öffnende Schranktür zu. Aber immerhin: noch ist nichts kaputt. Da der Sturm gerade mal sein Niveau hält, stopfe ich Gläser und Flaschen soweit wie möglich in die Minibar, lege den Rest in einen leeren Schubkasten, Sofakissen drauf, alles safe. Bis jetzt. Kurz nach dem nächsten Schlag kommt die Durchsage, dass man das auf Deck 8 befindliche Buffettrestaurant heute nicht öffnen wird, weil soeben stapelweise Teller zu Bruch gegangen sind. Man bittet das zu entschuldigen, geht aber davon aus, dass aufgrund des Wetters heute auch ausnahmsweise zwei Restaurants reichen werden. Die Stewardess kommt rein für den abendlichen turn-down und wundert sich wahrscheinlich, dass ich bei dem Sturm ausgerechnet "Fang des Lebens" gucke, eine DMAX-Doku über Krabbenfischer in der Behringseee. Bei denen herscht auch immer Windstärke 10 oder schlimmer, aber die Fischkutter sind gerade mal so lang wie unser Schiff breit ist. Oder schlimmer kriegen wir jetzt auch, aus dem Sturm wird ein starker und dann ein orkanartiger, die Wellen überschreiten locker die 10-Meter-Marke. Gerade wird die abendliche Show abgesagt, weil der letzte Schlag die Bühne abgeräumt und die Instrumente des Orchesters in alle Richtungen verstreut hat. Während ich überlege, wo ich mich festhalten soll falls es noch schlimmer wird, bieten sie über Lautsprecher  an, Tee und Zwieback durch den Kabinenservice liefern zu lassen, es gäbe in den restlichen Restaurants aber auch richtiges Abendessen. Als sich gegen halb acht der Sturm seltsamerweise etwas legt, schwanke ich vorbei an vielen bereitgestellten Kotztüten ins nicht sehr gut besuchte Restaurant (Überraschung) und lasse es mir schmecken. Währenddessen kommt die Erklärung für das vermeintliche Abflauen des Sturms: wegen einem Wasserrohrbruch im Crewbereich musste man das Schiff aus dem Wind nehmen und Kurs Richtung Tunesien nehmen, bis alles repariert ist. Danach geht es weiter nach Barcelona, bewegt, aber nicht mehr so schlimm. Meine Schranktür ist in der Nacht nur noch ein einziges Mal aufgesprungen, und aus dem Bett gefallen oder gar seekrank geworden bin ich auch nicht.






Sonntag, 28. Oktober 2018

Lange Reise

Eigentlich ist es gar nicht so weit von Nürnberg nach Genua, wo das Schiff auf seine Gäste lauert. Würde man beispielsweise an einem schönen Sonntag wie heute, gut ausgeschlafen, da mit einstündiger Nachtverlängerung zur Winterzeit hin, früh um sieben in ein Auto steigen und nicht allzu viele Pausen machen, könnte man mit Glück gegen sechzehn Uhr in Genua sein. Fliegen geht natürlich schneller.

Ich steige also gegen sieben Uhr morgens in ein Auto, so eins mit einem gelben Schild auf dem Dach, und mache zwanzig Minuten später die erste Kaffepause auf dem Flughafen NUE. Der liegt zwar in der falschen Richtung, aber wer wird denn schon kleinlich sein. Nach langer Pause und zwanzig Minuten Flug erreiche ich den Flughafen MUC gegen 10.00 Uhr. Mit dem Auto könnte man in der Zeit schon das Land verlassen haben. Das mache ich jetzt mit einem weiteren Flugzeug, nicht gleich, irgendwann, und nach einem vierzigminütigen Flughopser, erreicht es Mailand. Hier treffen wir das fiktive Auto vom Anfang ungefähr wieder. Während das ungehindert weiter fährt, warten wir Fluggäste auf die Koffer, werden von Mitarbeitern des Reiseveranstalters durch den riesigen Flughafen getrieben. Da viele Gäste eher schwergängig sind, was sie nicht daran hindert, riesige Koffer hinter sich her zu zerren, dauert der Auftrieb seine Zeit. Dass der Bustreffpunkt von einer Baustelle blockiert wird und damit nur über einen Umweg erreichbar ist, beschleunigt den Rentnerauftrieb auch nicht gerade. Aber schließlich sind alle da, etwas später auch die Busse. Es liegen noch zwei Stunden Busfahrt vor uns, durch Stadt und Land, Ebenen und Serpentinen, vorbei an einer kaputten Brücke, und die "übersichtlichen" Hafenanlagen. Als die drei Stunden vorbei sind und das Schiff zwischen all den sehr viel größeren gefunden wurde, steht unser fiktives Auto schon eine Stunde auf einem fiktiven Hafenparkplatz, wahrscheinlich fiktiv nicht lange. So viel zum Thema "Fliegen ist schneller". Nähern wir uns der "Grand Lady", wie die "Artania" im Fernsehen immer genannt wird. Am Eingang steht wie immer der diensthabende Kreuzfahrtdirektor, diesmal Klaus Gruschka, und begrüsst jeden Gast mit den Worten "willkommen zuhause". Alles ganz normal, nur dass ihm diesmal eine große Kamera dabei zusieht. Das geht ja gut los. Eine Ecke weiter gibt es ein Glas Sekt, und fünf Minuten später stehe ich zum ersten Mal auf der großen Artania Showbühne. Nein, Ihr habt nichts verpasst. Auf die Bühne muss jeder, denn da gibt es heute die Bordkarten und die Kabinenschlüssel. Danach wird jeder Gast von einem Kabinensteward persönlich zu seiner Kabine geführt. Warum in dem Briefkasten davor (jeder hat einen persönlichen Briefkasten) erst ein Plan für den nächsten Tag liegt, und später ein zweiter, anderer, das erzähle ich Euch morgen. Jetzt fährt das Schiff erst einmal los und besucht in den kommenden siebzehn Tagen sieben Länder: Frankreich, Spanien, Italien, Malta, Griechenland, Montenegro und Kroatien.






Samstag, 27. Oktober 2018

Auf dem Trockenen

Liebe Freunde, Fans und Follower,


seit gut zwei Jahren sitze ich reisemäßig unfreiwillig auf dem Trockenen, und Ihr irgendwie auch, weil es seitdem nichts mehr zu lesen gibt vom ollen Captain Spareribs. Oder besser "gab", denn es wird besser, und das schon bald. Bereits morgen endet meine unfreiwillige Reiseabstinenz, und Ihr könnt Euch sicher vorstellen, daß ich schon richtig "verrückt nach Meer" bin. Freut Euch auf 2 1/2 Wochen voller fröhlicher und verrückter Geschichten von Bord der "Artania"



Euer
Captain Spareribs

Freitag, 14. Oktober 2016

Epilog

Mallorca, fünf Uhr morgens, mein iPad singt ein fröhliches Lied. Noch ist es still auf dem Schiff, denn man könnte die Kabine bis neun Uhr behalten und demnach noch etwas schlafen. Außer, man will nach Leipzig oder Nürnberg, denn dann muss man bereits um sechs Uhr im Bus zum Flughafen sitzen.
Duschen, anziehen, ein letzter Nespresso auf der Kabine, und dann: tschüss Schiff!
Die Heimreise ist ereignislos, der Flug pünktlich, und mittags bin ich wieder zuhause.

Liebe Freunde, Fans und Weggefährten,
vielen Dank, dass Ihr mit mir unterwegs gewesen seid. Ich hoffe, Ihr hattet ein bißchen Spaß und kommt im nächsten Jahr wieder mit mir mit.

Euer
Captain Spareribs


Donnerstag, 13. Oktober 2016

Finale

Morgens um acht in Valencia, 16 Grad, leichter Wind, die Frisur hält...
Allmählich geht die Sonne auf, aber schöner wird der Industriehafen, in dem wir liegen, davon nicht. Aber das ist ja öfter so. Ich freue mich auf einen ruhigen, letzten Tag, denn ich gehe davon aus, dass der große Teil der Passagiere Gebrauch von dem Ausflugsprogramm machen, das unsere Reiseleiter im Laufe einer schlaflosen Nacht (der auf gestern) aus dem Boden, oder besser dem Meer gestampft haben. Vom Balkon aus beobachte ich, wie wirklich ganz viele Passagiere jeden Alters eilig das Schiff verlassen.
Ich gehe zum Frühstück, und mein Plan scheint aufzugehen: Obwohl sonst immer überfüllt, habe ich heute die freie Platzwahl im Buffettrestaurant.
Morgens um zehn in Valencia, 24 Grad, schwül, die Frisur hält.
Jetzt gehe auch ich von Bord, auf der Suche nach einem Souvenirstand. Lange muss ich nicht suchen,  bereits im Hafengebäude werde ich fündig. Mit zwei neuen Kühlschrankmagneten im Gepäck kehre ich zurück an Bord, wo es jetzt richtig angenehm ist.
Mittags in Valencia, 22 Grad, es schüttet wie aus Eimern, trotzdem hält die Frisur. Ich habe es mit auf dem Pooldeck gemütlich gemacht, nein, nicht um zu duschen, es ist teilweise überdacht. Und der Capuccino aus der Grillbude ist auch nicht schlecht. Morgen geht es wieder nachhause, und ein bißchen freue ich mich darauf.



Mittwoch, 12. Oktober 2016

Auf dem Schiff

Heute ist schon wieder Seetag. Offiziell der zweite, aber ich habe das Gefühl, wir sind fast ständig unterwegs. Nicht so schlimm, wenn das Schiff nicht so voll wäre. In manchen Bundesländern sind Ferien. Mehr sage ich nicht.
Überhaupt, das Schiff. Seit es weiss, dass es Anfang 2018 entlassen wird, lässt es sich ein wenig gehen. Es hat zwar schon einen neuen Job bei Thomson Cruises, aber es ist nicht mehr so motiviert wie früher. Viele Holzteile an Deck zum Beispiel, tragen deutliche Spuren von zu viel Sonne und Seeluft, und müssten längst mal wieder gestrichen werden. Schrammen an Wänden und in Aufzügen werden geflissentlich übersehen, und manche Ecken waren früher sauberer. Natürlich wird alles nötige gemacht, aber wenn die Leute an Bord heute etwas neu streichen, kleckern sie mehr als früher, auch ohne Seegang. Überhaupt, die Leute. Die geben sich nach wie vor mega-viel Mühe, sind sehr nett zu den Gästen und tun alles, damit diese sich wohl fühlen. Aber: sie sind zu wenige, und viele von ihnen kriegen nicht genug Schlaf. Das merkt man. Und dann das mit der Sprache. Zur Erinnerung: die Schiffe von TUI-Cruises sind für den deutschsprachigen Markt konzipiert, und werden auch nur dort vermarktet. Die einzige Bordsprache der Passagiere ist deutsch, die Crewsprache englisch. Mannschaftsmitglieder, die direkt am Gast sind, sollten daher einigermaßen bis sehr gut deutsch verstehen und sprechen. Was früher ganz gut funktionierte, hat sich leider dramatisch verschlechtert. War es früher, als die meisten Servicemitarbeiter von den Philippinen kamen, möglich sich im Notfall mit englisch zu behelfen, funktioniert das nach einem Wechsel auf osteuropäisches Personal leider kaum noch. Na gut, manchmal ist es auch lustig. Anbei ein Beispiel, dass sich aber durch den gesamten Servicebereich zieht: Wenn man im Hauptrestaurant ein Menue bestellt hat, dann muss der Kellner, besser gesagt, der foodrunner, bei jedem Gang, den er bringt, dazu sagen, was es ist. So wird aus einer "internationalen Käseauswahl" beim servieren "einmal Internationale", das "rote geeiste Paprikasüppchen mit Ingwer" verwandelt sich in "einmal Rote" und - entschuldigt bitte die etwas abgehobenen Bezeichnungen der Gerichte, aber so stehen sie auf der Karte - die "langsam gegarte Hühnerbrust auf aromatisiertem Basmatireis an jungem Gemüse" wird letztendlich zu - ahnt Ihr es schon? - Genau. Der Servicemitarbeiter stellt den herrlich duftenden Teller auf den Tisch mit den Worten: "Bitteschön, einmal langsame!". Ist das nicht lustig? Ich vergleiche mit früheren Reisen und komme zu dem Schluss: Nein, das ist leider nicht lustig. Der (beispielhafte) Mitarbeiter wurde wie viele andere nur minimal für seine Tätigkeit ausgebildet und soll den Rest beim Job lernen. Mag mit der Zeit leidlich funktionieren, aber einen Deutschkurs besucht er nach einem Zehnstundentag verständlicherweise sicher nicht mehr. Und was uns Gäste betrifft? Natürlich, wir sind selber schuld, wenn wir für eine schnöde Urlaubsreise so viel Geld ausgeben, wie für eine Kreuzfahrt nun einmal verlangt wird. Und ob das Verhältnis zwischen Preis und Leistung in Ordnung ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe es getan.



Dienstag, 11. Oktober 2016

Meerblick

Es ist morgens, die Sonne scheint, und als ich auf den Balkon komme, denke ich mir "endlich mal ein Zimmer mit Meerblick". Ich weiß, ich bin auf einem Schiff, die Bemerkung ist dämlich, zumal auf dieser Reise, wo wir sehr viel fahren, also meistens Meerblick haben. Aber trotzdem. Die Pier liegt auf einer schmalen Landzunge, nur etwa drei Häuserreihen breit, danach kommt das Meer. Bei dem Anblick komme ich mir mehr vor wie in einem Hochhaus mit Meerblick. Urteilt selbst.


Bald kommt ein Bus, und es gibt eine kurze Panoramafahrt durch das morgendliche Cadiz. Es liegen noch zwei weitere Kreuzfahrtschiffe im Hafen, aber bis deren Passagiere aufstehen, sind wir schon längst wieder daheim. Hoffentlich. Sonst wird's eng.
Cadiz liegt ganz im Süden Spaniens, etwa 100km westlich von Gibraltar, und gilt als älteste Stadt Europas. Es gibt hier einen kilometerlangen Strand und eine ebensolche Promenade. Der Reiseleiter meint, an dieser Promenade müsse man unbedingt öfter mal entlang laufen, er macht das fast jeden Tag. Ok. Rennen sei noch besser. Warum? Das muss doch nicht sein. Ebensowenig wie ein gehetzter Marsch zur Kathedrale und zurück. Dann zeigt er uns die Babybrücke zwischen Cadiz und Punta Real, die nicht wegen ihrer Göße so genannt wird, sondern wegen ihres Alters: knapp ein Jahr. Größenmäßig ist sie sehr  beindruckend, mehr als 500 m lang. Hoffentlich wächst sie nicht mehr. Insgesamt geht es Cadiz nicht so schlecht wie vielen anderen Städten Spaniens. Auch wenn ein großer Teil der Werften geschlossen wurde, so gibt es heute ein AIRBUS-Werk, wo viele Teile für die ganz großen Typen A400 und A380 hergestellt werden. Außerdem freut sich Cadiz jedes Jahr über große Mengen an Touristen, also richtigen, nicht solchen wie wir, die ihr Hotel selber mitbringen, dumm schauen, und dann wieder davon dampfen. Was wir gegen 18.00 Uhr auch wieder machen. Kurz davor meldet sich, wie immer der Captain, und sächselt uns vor, dass wir uns nicht wundern sollen, ihn ausnahmsweise auch auf der Kabine und sogar in der Krankenstation zu hören. Nein, ich wundere mich nicht ihn zu hören. In der TUI-Bar ist das immer so. Allerdings hat er diesmal wirklich etwas zu sagen: eine Fahrplanänderung steht an. Eigentlich sollten wir übermorgen auf Menorca sein, aber dafür ist jetzt das Wetter zu schlecht. Eigentlich ist es das gar nicht, aber Mahón hat keinen Hafen für erwachsene Schiffe, und ausbooten bei 2m Wellenhöhe ist ungefähr so als wenn man versucht, sicher einen Aufzug zu besteigen, der unvorhersehbar ständig einen Meter hoch und einen Meter herunterfährt, nämlich unmöglich. Alternativ fahren wir - Originalton Captain - in das schöne Valencia. 
Na gut, was bleibt uns übrig.







Montag, 10. Oktober 2016

wieder unterwegs

Ein neuer Tag beginnt, die Sonne scheint, und was fällt mir an diesem schönen Montag als erstes auf? Richtig, immmer noch Lissabon, so war das auch geplant. Da wir erst gegen vierzehn Uhr ablegen, konnte man für heute vormittag noch Ausflüge buchen. Man könnte auch in die hügelige Stadt laufen, mit einem der überfüllten Busse fahren, oder - noch besser - ein Taxi nehmen. Wird nur schwierig werden, denn ausgerechnet heute hat die Gewerkschaft der Taxifahrer zum Generalstreik ausgerufen. Also doch der überfüllte Bus. Oder laufen. Oder, so wie ich, ausschlafen und da bleiben.
Pünktlich legt das Schiff ab, unterquert die riesige Brücke Pont 25 und macht sich dann recht flott auf den Weg, um die zweite Hälfte dieser Reise in Angriff zu nehmen. Schließlich müssen wir schon morgen früh in Cadiz sein, der ältesten Stadt Europas. Und da der Captain den Weg kennt, wird das sicher auch bestens funktionieren.



Sonntag, 9. Oktober 2016

Hügelig

Lissabon. Herrliches Wetter. Wundervolle Aussicht. Naja, der Kran stört ein bißchen, aber egal. Heute steht eine Altstadtfahrt mit einer historischen Straßenbahn aus den Anfängen des Jahrhunderts auf dem Programm (des 20., sonst könnte man kaum von "historisch" sprechen, höchstens von "hysterisch"). Ein lockenköpfiger, blauäugiger Portugiese namens Hans führt durch die Tour (nein, ich erfinde so etwas nicht), und damit es mehr Spaß macht, verteilt eine portugiesische Dame mittleren Alters, gekleidet in eine Hurra-Uniform für Volksfest und Tanz (rotes Kleid, weiße Strickstrümpfe) süßes Gebäck und ebensolchen Portwein. Das tut seine Wirkung.



Und kaum zurück am Schiff, startet schon die nächste Expedition, denn schließlich will ich noch ins Hardrock Cafe, denn auch hier gibt es eins. Der Reiseleiter meint, das wäre nicht weit, ich soll zu Fuß gehen, einfach immer geradeaus. Beides kommt mir spanisch vor, obwohl wir in Portugal sind. Also bemühe ich das Navi im Handy, was der Meinung ist, dass ich in zwanzig Minuten da sein könnte. Auf seinem kleinen Bildschirm zeigt es mit detailliert den Weg, und nach kaum 35 Minuten in Nerdhaltung - den Blick fest aufs Handy gerichtet - bin ich da. Ok, ich war zwischendrin einen Kaffee trinken, das wusste mein Telefon wohl nicht.



Nach dem erfolgreichen Einkauf habe ich aber keine Lust mehr, meine armen Füße den unebenen Gehsteigen voller Menschen anzuvertrauen (obwohl Sonntag ist, haben viele Geschäfte auf), sondern besteige todesmutig ein Taxi. Natürlich versteht der Fahrer kein englisch, aber "ship" und "harbour" hat er wohl schon einmal gehört. Und als dann am Ende einer der extrem hügeligen Straßen Lissabons der Schornstein der Meinschiff1 auftaucht, weiß er auch, wo ich hin will.

Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...