Montag, 5. November 2018

Zwei Ziele an einem Tag

Das ist mit einem Hochseeschiff gar nicht so einfach zu schaffen, außer es wäre eine Fähre mit kurzer Tour. Sind wir zwar keine, und zwischen Neapel und Sorrent hat es auch nicht geklappt mit den zwei Zielen, aber einmal dürfen wir es noch versuchen.

Früh am Morgen, strahlender Sonnenschein. Kurz vor Gozo, der größten Nebeninsel Maltas, zieht die Artania die Bremse. Ist natürlich Quatsch, wir haben gar keine, aber den Anker werfen, das können wir. Kurz danach lassen wir unsere Kleinschiffe, die Tender, ins Wasser und beginnen mit dem Ausbooten. Da wir einerseits eine kräftige Dünung von bis zu einem halben Meter Höhe haben, und andererseits jede Menge gehbehinderte Altersheimbewohner an Bord sind, versucht der Kreuzfahrtdirektor den betreffenden mit Engelszungen das Ausbooten auszureden, notfalls gegen Erstattung des Ausflugspreises. Da das nicht bei allen Gästen fruchtet, haben die Einstiegshelfer richtig Spaß dabei, die kaum beweglichen und teilweise ängstlichen Gäste unfallfrei in die wild hüpfenden Boote zu bugsieren. Im Boot angekommen, ist es zusätzlich nicht ganz einfach einen Sitzplatz zu erreichen und dann auch noch darauf sitzen zu bleiben, besonders wenn es an die Artania stößt und sich daraufhin schräg legt. Ja, etwas seefest sollte man heute tatsächlich sein. Als das Tenderboot dann losfährt wird es schnell besser mit den unkontrollierten Bewegungen. Zumindest so lange, bis wir die Heckwelle der Fähre nach Malta kreuzen. Da haben wir dann nochmal richtig Spaß. Zumindest ein Teil von uns.

Aber die Fahrt ist nicht lang. Im Hafen von Gozo erwartet uns zunächst ruhiges Wasser, auf der Pier ein roter Teppich, Livemusik und ein kleines Gastgeschenk. Ein solcher Aufriss ist selten geworden heutzutage. Wenn man dann aber erfährt, dass pro Jahr gerade mal zwanzig Kreuzfahrtschiffe nach Gozo kommen, versteht man, dass sich die Einheimischen Mühe geben mit der Begrüßung der seltenen Gäste. Wie versprochen, stehen auch ein paar Busse und örtliche Reiseleiter zur Verfügung, und schon geht es los mit der Panoramafahrt rund um Gozo. Der Bus kneift ein wenig unter den Achseln, der Reiseführer ist arabischer Muttersprachler und zusammen mit der alt-analogen Lautsprecheranlage im Bus eher unklar zu verstehen, aber für die nächsten drei Stunden wird es schon gehen.

Gozo besteht aus folgenden Elementen: engen, gewundenen Bergstraßen, großen, flachen Ebenen mit jeweils einer überdimensionierten Kirche mittendrauf, engen, nicht sehr gepflegten Dörfern mit noch engeren ungepflegteren Straßen, Linksverkehr, gibt es und ab und zu einen grandiosen Ausblick. Diese Elemente werden sich die nächsten dreieinhalb Stunden immer mal wiederholen, aber immerhin kennt man dann Gozo. Der erste Fotostopp ist erreicht, fünf Minuten soll er dauern, und rote Strände werden zu sehen sein. Nach zehn Minuten hat sich der letzte Fahrgast, von denen fast alle schwergängig oder adipös, häufig auch beides sind, aus dem Bus gekämpft, außer mir, weil lohnt sich nicht. Als der Bus später wieder voll ist, geht es weiter, vorbei an siehe weiter vorn, bis zu einer Kathedrale die größer sein soll als der Petersdom in Rom. Wäre damals dort keine 45-Minuten-Schlange gewesen, hätte ich den vielleicht auch besichtigt. Die "fünf Minuten" hier auf Gozo spare ich mir.

Ungefähr zur Halbzeit der vierstündigen Tour treffen wir an einer kleinen Kiesbucht ein, die malerisch zwischen hohen Felsen liegt. 



Hier haben wir etwas Freizeit, eine Dreiviertelstunde, um Kaffee zu trinken oder spazieren zu gehen oder zu shoppen. Oder vielleicht zu schwimmen, wenn man gerne mit Müll schwimmt. Ist ganz schön hier, aber leider werden wir nach einer halben Stunde wieder zusammengetrieben und in den Bus geschickt. Wir fahren weiter - siehe vorne - zum letzten Fotostop, um danach im Hafen unsere viereinhalbstündige Tour zu beenden. Das tun alle, und so zieht sich eine lange Schlange alter Menschen durch den Hafen, 




zwischendrin unterbrochen von den jungen Menschen des "Verrückt-nach-Meer"-Fernsehteams und deren mitgebrachten jungen Menschen, die man uns nächstes Jahr im Fernsehen als Passagiere verkaufen wird.

Die mickrig aussehenden Tenderboote können jeweils 80 Personen aufnehmen, auch dickere, und so hält sich die Wartezeit bis zur Wiedereinschiffung in Grenzen. Aufgrund der "Pünktlichkeit" der hiesigen Ausflüge fährt die Artania zwar leicht verspätet los, kommt aber pünktlich um siebzehn Uhr in Valetta auf Malta, unserem zweiten heutigen Ziel, an. Valetta hat einen großen Naturhafen, und man legt praktisch mitten in der Stadt an zwischen hohen Felsen und alten Gebäuden. Für eineinhalb Tage und zwei Nächte bleiben wir jetzt hier, als schwimmendes Hochhaus direkt an einer Hauptstraße.




Sonntag, 4. November 2018

Urlaub im Hafen

Pünktlich heute morgen sind wir auf der nächsten Insel unserer Reise, Sizilien. Das könnte an sich eine gute Idee sein. Allerdings haben wir heute Sonntag, und die sehr gläubigen Sizilianer halten sonntags meistens ihre Läden zu, besonders in den kleineren Orten. Blöderweise haben wir in genau so einem angelegt: Messina, traumhaft gelegen an der engsten Stelle zu Süditalien, voller häßlicher Industriebauten, zeigt sich heute verschlossen und weinerlich. Und wer weder einen Ausflug gebucht noch Lust auf Spaziergänge unterm Regenschirm hat, der bleibt einfach an Bord und betrachtet Italien für diese Reise als erledigt. Morgen geht es nach Malta.


Samstag, 3. November 2018

Programmänderung

Am nächste Morgen. Der Blick aus dem Fenster zeigt - das Meer. Mehr auch schon nicht. Sollte da nicht Neapel sein? Merkwürdig. Ein Blick auf den Kursmonitor zeigt, dass das Schiff heute Nacht für etwa zwei Stunden in die Gegenrichtung gefahren ist, und danach wieder in die richtige. Sturm gab es keinen, Wasserrohrbruch auch nicht, sondern viel schlimmer: ein ernster medizinischer Notfall hatte den Einsatz eines Rettungshubschraubers erfordert, und weil der nicht so weit fliegen kann (hin schon, aber zurück würde es nicht mehr reichen) mussten wir ihm zwei Stunden lang entgegen flie... nein, fahren. Könnten wir fliegen, hätte es die Aktion wahrscheinlich erleichtert. Die Patientenübergabe war sicher nicht ganz einfach, denn als relativ kleines Schiff haben wir keinen Helilandeplatz und müssen die Rettungswinde des Hubschraubers benutzen. Wie man hört, hat alles problemlos geklappt, auch dem Patienten (wider Erwarten einem Besatzungsmitglied) geht es schon besser. Das war die wichtige und gute Nachricht. Die mittelgute ist: alles Ausflüge finden statt, aber vier Stunden später. Die nicht ganz so gute ist, dass dafür der nachmittägliche Besuch von Sorrent ausfällt. Sorrent bei Nacht ist sicher romantisch, ausbooten im dunkeln aber eher gefährlich. Außerdem müssen wir morgen früh in Messina sein.

Für alle Leute mit hellseherischen Fähigkeiten hätte es auch einen Ausflug gegeben von Neapel nach Sorrent. Den konnte man vorher im Internet buchen. Wenn man noch einen Platz bekommen hat. Wenn nicht, könnte man Neapel zu Fuß erkunden. Muss man aber nicht, ist nicht schön da.

Freitag, 2. November 2018

Die erste Insel

Eigentlich schon die zweite, aber die erste (Korsika) siehe weiter vorne...


Sardinien liegt direkt südlich von Korsika, aber da der Sturm inzwischen weg ist, können wir ganz leicht hier anlegen. Die Ausflugsbusse warten auch schon, und so geht es los, nachdem nicht ohne Mühe 50 Rentner im Bus verstaut sind. Die Reiseleiterin zeigt uns weitläufige Agrarlandschaften, Berge und Täler, Meeresbuchten, ehemalige Salinen und sogar eine riesige Kolonie freilebender Flamingos in weiß mit zartem Rosaschimmer. Sie erzählt über Agrarwirtschaft und (relativ unbedeutendem) Tourismus, erklärt, dass die wenigen Einwohner hier weder Sardinen noch Sardellen heißen, sondern Sarden, woher sich der Name ableitet, philosophiert über das italienische Schulsystem, das als Fremdsprachen zwar Englisch und Französisch anbietet, aber keinen der vier sardischen Dialekte, und als den ersten Gästen langsam die Augen zufallen, haben wir unser eigentliches Ziel erreicht: das größte Weingut der Insel. Es beginnt eine interessante und etwas mühselige Besichtigung der Produktions- und Lagerräume. Mühselig deswegen, weil auf mehrere Etagen verteilt und ein großer Teil der Gäste die enge Wendeltreppe nicht benutzen kann oder will, und der Aufzug ungefähr genauso altersschwach ist wie seine Fahrgäste.

Die (etwas breitere) Treppe in den Verkostungsraum schaffen dann aber alle, denn hier ist ja das Ziel aller Begehrlichkeit: vier Sorten Wein dürfen wir probieren - 2x weiß und 2x rot - und dazu gibt es ein Tellerchen mit sardischen Spezialitäten vom Bauern um die Ecke: Ziegenkäse (mild im Geschmack aber seltsam im Abgang), Schafkäse (eine Art gut gereifter Parmesan), typisch italienische Salami und den besten Prosciutto, den ich je gegessen habe. Kaufen für zuhause kann man aber leider nur den Wein. Wäre ich mit dem Auto hier, hätte ich sicher auch welchen mitgenommen.

Kurz vor dem Rückweg hat sich der Sonnenschein leider verflüssigt, aber da wir mittags schon weiter fahren, ist das auch egal. Morgen ganz früh werden wir in Neapel sein, und nachmittags in Sorrent.


Donnerstag, 1. November 2018

Erholung auf See?

So steht es im Programm. Doch da komme ich ins grübeln: Wir alle befinden uns hier doch auf einer Kreuzfahrt, und die sollte grundsätzlich jeden Tag der Entspannung und Erholung dienen, auch dem Spaß und der Unterhaltung (bevor es Kommentare gibt: mit "alle" sind nur die Gäste gemeint. Die Mitarbeiter - abgesehen von den Tageskünstlern - haben größtenteils eine stressige 7-Tage-Woche, und das über Monate). Und tatsächlich ist die Bezeichnung dieses Tages eher irreführend und müsste irgendwie anders heißen.

Bei mir fängt dieser Tag nicht mit einem gemütlichen Frühstück an, sondern mit einem Besuch in dem winzig kleinen Fitness-Studio auf Deck 9 mit Aussicht auf Pool und Schornstein. Da ich hier noch nie mehr als zwei wenig atraktive Damen mittleren Alters getroffen habe, gibt es Platz genug. Heute ist sogar nur eine da.

Nach Training und Morgentoilette gerate ich in eine wilde Rentnerstampede, die sich unaufhaltsam auf die gerade geöffneten Restaurants zu wälzt. Als sich die Staubwolke wieder legt, ist zwar nicht alles weg gegessen (das schafft niemand), aber kein Platz mehr zu kriegen, jedenfalls keiner, auf dem man erholsam ohne Gehörschutz frühstücken kann.

Kaum eine Stunde später beginnt das seniorengerechte Animationsprogramm: Bingo mit Max, Brettspiele mit Moritz, Shuffleboard mit Tessa und Gymnastik im sitzen mit Silvia. Um zehn Uhr meldet sich, wie jeden Morgen, der Kapitän von der Brrrrüge und gibt in lustigem deutsch ein paar Informationen von sich. Anschließend winkt oben auf Deck 8 ein maritimer Frühschoppen mit Fisch, Krabbeltier und sogar Austern bis zum Abwinken, als 7. Mahlzeit des Tages. Nur den Champagner muss man bezahlen. Da (zwangsläufig) alle 1.200 Passagiere an Bord sind, wird die Veranstaltung recht gut besucht. Zum Glück endet sie pünktlich zum Mittagessen, und für ein paar Minuten sind Aufzüge und Treppenhäuser überfordert mit der Masse an teilweise recht gebrechlichen Menschen, die grade einen taktischen Standortwechsel vornehmen wollen, teilweise noch kauend, in Richtung der Restaurants.

Diesmal war ich schneller und habe einen schönen Platz.

Nachmittags ein ähnliches Unterhaltungsangebot wie vormittags: Bingo mit Max, Kartenspiele mit Moritz, Quiz mit Tessa. Und dann das Highlight: Kaffee und Kuchen (nach Frühstück, Bouillon und Mittagessen die 4. offizielle Mahlzeit). Und dann noch Yoga und anschließend Dance Aerobic am Pool mit Silvia. Moment mal - das wäre doch vielleicht was?

Am Pool finde ich - neben der drahtigen Trainerin Silvia aus der Schweiz - fünf motivierte schwergewichtige Damen vor, sowie einen älteren hageren Herrn, der aussieht als wäre er zum Mitmachen gezwungen worden und würde sich lieber am Rollator festhalten. Während sich alle redlich damit abmühen, Silvias Schrittfolgen zu verstehen und nach zu tanzen, geht die Tür auf und unser ziehmlich prominenter Tageskünstler kommt im Bademantelheraus, begleitet von seiner aktuellen Bett- und Bühnenpartnerin. Die beiden sehen erst eine Weile beim Tanzen zu, und räkeln sich anschließend in Badesachen am Pool. Ein angenehmer Anblick, denn sowohl Stefan Mross als auch Anna-Carina Woitschak sind jung und gut in Form. Für die Fans kann man nur hoffen, dass sie heute Abend auf der Bühne ebenfalls eine gute Figur machen.


Gegen die guten Figuren der Gäste stehen im Laufe des restlichen Tags noch Abendmenue, Late Night Snack und gegen Mitternacht heiße Würstchen. Aber da schlafe ich schon längst. Ich brauche Erholung.


Mittwoch, 31. Oktober 2018

Ausweispflicht

Ein neuer Tag beginnt, die Sonne scheint, und wenn man aus dem Fenster schaut, sieht man das Meer. Mehr aber auch nicht. Ach so, falsche Seite. An Steuerbord ändert sich die Aussicht: im strahlenden Sonnenlicht liegt die Costa Blanca und in der Ferne unser heutiges Ziel, der  südspanische Badeort Alicante, gleichzeitig der westlichste Punkt unserer Reise.


Im Hafen liegt schon die "Celebrity Eclipse", ein sehr schönes großes Schiff, vollgestopft mit 3.500 Amerikanern. Gemeinsam mit denen geht es gegen 12.00 Uhr zum Landgang. Das Personal in den Restaurants wird heute wohl mal etwas weniger Mittagsstress haben.




Alicante an sich ist nicht allzu schön. Riesige weiße Bettenburgen prägen das Stadtbild (daher hat die Region übrigens ihren Namen: von den vielen weißen Gebäuden hier und in den Nachbarorten). Links vom Hafen liegt vor den Hotels eine protzige Strandpromenade und davor ein protziger Yachthafen mit passender Gastronomie. Rechts sieht es einladender aus: ein langer Sandstrand mit kleinen Cafés, keine Strandpromenade, kleinere Hotels. Und die Hauptattraktion: der Hausberg Benacantil, 166m hoch, oben bebaut mit der Burg Santa Bárbara. Man kann zu Fuß hoch steigen, muß man aber nicht. Man kann auch mit dem Aufzug hoch fahren. Dafür genügt es, wenn man sich 30-40 Minuten anstellt und neben dem Fahrpreis auch noch einen offiziellen Personalausweis dabei hat. Mit dem Bordausweis sind sie - trotz Lichtbild - nicht zufrieden. Auf diese Weise verärgert man den einen oder anderen Touristen. Mich selbst stört diese Bürokratie nicht ganz so, denn allein die Aussicht, mehr als eine halbe Stunde auf eine einfache Aufzugfahrt warten zu müssen, hat mich verzichten lassen. Den Ausweis dagegen hätte ich dabei gehabt.



Zurück auf dem Schiff ist Kaffee-und-Kuchen-Zeit. Ich schwanke kurz, entscheide mich dann aber doch für den Inhalt meines Kabinen-Obstkorbs: Eine Birne und zwei Mandarinen. Das reicht bis zum Abendessen. Kurz danach legt das Schiff ab und fährt in die Halloween-Nacht.Und ich mache auf meiner mentalen 7-Länderliste nach Frankreich auch an Spanien einen "erledigt"-Haken. Knapp zwei Wochen und fünf Länder liegen nun noch vor mir.




Dienstag, 30. Oktober 2018

Nach dem Sturm

Am nächsten Morgen sind wir dem Mistral entkommen, und bis auf ein paar blaue Flecken bei dem einen oder etwas Seekrankheit bei dem anderen Passagier ist alles gut ausgegangen. Mit zwei Stunden Verspätung erreichen wir als letztes von sechs Kreuzfahrtschiffen Barcelona und quetschen uns nicht ohne Mühe in die letzte freie Parklücke im Hafen. 



Das Wetter ist sonnig, die Luft frisch, aber ich entscheide mich doch dafür, im T-Shirt los zu gehen. Richtig war die Entscheidung. Zunächst gibt es eine interessante aber unspektakuläre Panoramafahrt im gut geheizten Bus, dem ich gegen Ende der Rückfahrt am Kolumbisplatz entkommen kann, denn in Barcelona gibt es ein Hard Rock Café, und da will ich hin. 



Dafür opfere ich sogar das Mittagsmenue auf dem Schiff. Es ist kein großes Opfer, denn im HRC gibt es unter anderem die weltbesten Burger, serviert von hübschen Mädchen in kurzen Röcken. Dazu gibt es coole Rockmusik von Flatscreens und tolle Dekorationen: lauter Originale, egal ob Goldene Schallplatte, Bühnenanzug, signiertes Konzertplakat oder eine Gitarre. In meinem Fall ist es eine von Ritchie Sambora aus seiner Zeit bei Bon Jovi. Nach dem Essen kommt das shoppen, und mit einem T-Shirt, einer Jacke und einem Kühlschrankmagneten mehr gebe ich mich wieder der inzwischen überfüllten La Rambla hin, wild entschlossen, die drei Kilometer bis zum Schiff zurück zu laufen. Aber das ist doch etwa viel nach diesem Tag, und als mir nach dem halben Weg der Shuttlebus zum Hafen begegnet, bin ich doch sehr froh.

Wieder auf dem Schiff, treffe ich auf den Captain, der mich in ein kurzes Gespräch verwickelt. Nicht gelogen, der berühmte Mortem Hansen hat mit mir gequatscht! Besser kann der Tag nicht werden. Wurde er auch nicht, auch nicht abends beim Kennenlerntreff der Alleinreisenden. Besonders da nicht. Wir waren ca. zwanzig Leute, und ich der einzige Mann. Das wäre nicht schlimm. Der Sekt hat geschmeckt, die beiden Phoenix-Mädels, die das Treffen geleitet haben, waren echt cool. Die Gäste - naja, ich möchte es mal höflich verschleiern: der Ponyhof ist dagegen ein Teenytreffen. Und wer damit nichts anfangen kann, möge mich bitte persönlich fragen.






Montag, 29. Oktober 2018

Frankreich fällt aus

Wie der Kreuzfahrtdirektor gestern noch spät mitteilte, hat Korsika, wo wir hin wollen, unerwartet montags geschlossen. Naja, nicht ganz Korsika, aber aufgrund der stürmischen und unberechenbaren Wetterlage in der Umgebung von Genua und weiter südlich (Ihr habt sicher aus den Medien davon erfahren) wurde der Hafen von Ajaccio geschlossen. Und bevor wir auf die Idee kommen, stattdessen Sardinien anzulaufen, sperrt der Hafenmeister von Cagliari auch schnell ab. Also, eigentlich, weil sie gleich daneben liegen und auch so schlechtes Wetter erwarten. Kapitän Morten Hansen, der berühmte, beschließt deswegen heute einen Seetag einzulegen, morgen ganz früh in Barcelona zu sein, und zum Ausgleich dort einen ganzen Tag zu bleiben. Auf diese Weise würden wir der Schlechtwetterfront so weit wie möglich entkommen. Wir fahren also Richtung Westen und sind guter Dinge. Das Schiff bewegt sich, dafür ist es ein Schiff, auch wenn es anstatt nur vorwärts zu fahren über die eine oder andere Welle hoppelt, dabei fröhlich von links nach rechts schaukelt, und manchmal von rechts nach links. Ich filme ein bißchen auf den Außendecks. Das geht auf Deck 4 sehr gut, aber leider nicht nach vorne, weil man da nicht rausgucken kann. Das wiederum geht auf Deck 5 ganz gut, wenn auch der starke Wind etwas lästig ist. Auf Deck 6 ist die Sicht besser, aber der Wind so richtig stark. Und als ich mich wegen der noch besseren Sicht auf Deck 7 wage, muss ich das Kamerastativ fest halten, damit es von dem Orkan nicht weggeblasen wird. Auch bei mir selbst habe ich jetzt Bedenken und bin froh, dass ich so schwer bin.

Dann hätten wir noch, oberhalb der Brücke, Deck 9. Aber da ist niemand. Warum, kann ich mir auch nicht so recht erklären. Und der Wind wird stärker.

Nicht zum, sondern nach dem Mittagessen gibt es draußen "grobe See", was mich an den doofen Metzgerwitz erinnert: "ich hätte gerne 100 Gramm von der groben fetten" - "Die hat heute Berufsschule!". Die See dagegen hat natürlich keine Berufsschule, sondern produziert Wellen bis 6m Höhe, und das bei starkem Wind bis 49 km/h. Das stört ein Schiff wie die "Artania" allerdings noch nicht, genausowenig wie die meisten Passagiere. Allerdings laufen die meisten, als hätten sie zu viel getrunken. Per Durchsage kommt der Hinweis, man solle sich auf den Außendecks und Balkons wegen der Feuchtigkeit von unten und oben nur sehr vorsichtig bewegen. Aus der groben See wird sehr grobe und dann hohe, der Wind steigert sich stürmisch und dann zum Sturm bis 88 km/h, und seemännisch sind wir schon bei Windstärke 10. Die Passagiere werden gebeten, die Außenbereiche nicht mehr zu betreten, und sich grundsätzlich gut fest zu halten. Das Fenster meiner Kabine liegt ungefähr 15m über dem Meeresspiegel, und ich kann trotzdem vom Sofa aus die Gischt sehen, die unser Schiff erzeugt. Ab und zu hört man einen schweren Schlag, und dann neigt sich es sich etwas mehr nach links als sonst. Eigentlich sollte heute Begrüßungscocktail und shakehand mit dem Captain sein, aber da man befürchtet, die Fotos werden nicht so schön, wenn man sich am Captain festkrallt, wegen den Wellen, wird die Veranstaltung abgesagt. Nach dem nächsten Schlag fallen in meiner Kabine sämtliche Gläser und Flaschen um, Obstkorb, Vase und Plastikblume gehen zu Boden, der Apfel aus dem Obstkorb durchfliegt mit einem Affenzahn die ganze Kabine, und der Stuhl kommt ins Rutschen, direkt auf die sich öffnende Schranktür zu. Aber immerhin: noch ist nichts kaputt. Da der Sturm gerade mal sein Niveau hält, stopfe ich Gläser und Flaschen soweit wie möglich in die Minibar, lege den Rest in einen leeren Schubkasten, Sofakissen drauf, alles safe. Bis jetzt. Kurz nach dem nächsten Schlag kommt die Durchsage, dass man das auf Deck 8 befindliche Buffettrestaurant heute nicht öffnen wird, weil soeben stapelweise Teller zu Bruch gegangen sind. Man bittet das zu entschuldigen, geht aber davon aus, dass aufgrund des Wetters heute auch ausnahmsweise zwei Restaurants reichen werden. Die Stewardess kommt rein für den abendlichen turn-down und wundert sich wahrscheinlich, dass ich bei dem Sturm ausgerechnet "Fang des Lebens" gucke, eine DMAX-Doku über Krabbenfischer in der Behringseee. Bei denen herscht auch immer Windstärke 10 oder schlimmer, aber die Fischkutter sind gerade mal so lang wie unser Schiff breit ist. Oder schlimmer kriegen wir jetzt auch, aus dem Sturm wird ein starker und dann ein orkanartiger, die Wellen überschreiten locker die 10-Meter-Marke. Gerade wird die abendliche Show abgesagt, weil der letzte Schlag die Bühne abgeräumt und die Instrumente des Orchesters in alle Richtungen verstreut hat. Während ich überlege, wo ich mich festhalten soll falls es noch schlimmer wird, bieten sie über Lautsprecher  an, Tee und Zwieback durch den Kabinenservice liefern zu lassen, es gäbe in den restlichen Restaurants aber auch richtiges Abendessen. Als sich gegen halb acht der Sturm seltsamerweise etwas legt, schwanke ich vorbei an vielen bereitgestellten Kotztüten ins nicht sehr gut besuchte Restaurant (Überraschung) und lasse es mir schmecken. Währenddessen kommt die Erklärung für das vermeintliche Abflauen des Sturms: wegen einem Wasserrohrbruch im Crewbereich musste man das Schiff aus dem Wind nehmen und Kurs Richtung Tunesien nehmen, bis alles repariert ist. Danach geht es weiter nach Barcelona, bewegt, aber nicht mehr so schlimm. Meine Schranktür ist in der Nacht nur noch ein einziges Mal aufgesprungen, und aus dem Bett gefallen oder gar seekrank geworden bin ich auch nicht.






Sonntag, 28. Oktober 2018

Lange Reise

Eigentlich ist es gar nicht so weit von Nürnberg nach Genua, wo das Schiff auf seine Gäste lauert. Würde man beispielsweise an einem schönen Sonntag wie heute, gut ausgeschlafen, da mit einstündiger Nachtverlängerung zur Winterzeit hin, früh um sieben in ein Auto steigen und nicht allzu viele Pausen machen, könnte man mit Glück gegen sechzehn Uhr in Genua sein. Fliegen geht natürlich schneller.

Ich steige also gegen sieben Uhr morgens in ein Auto, so eins mit einem gelben Schild auf dem Dach, und mache zwanzig Minuten später die erste Kaffepause auf dem Flughafen NUE. Der liegt zwar in der falschen Richtung, aber wer wird denn schon kleinlich sein. Nach langer Pause und zwanzig Minuten Flug erreiche ich den Flughafen MUC gegen 10.00 Uhr. Mit dem Auto könnte man in der Zeit schon das Land verlassen haben. Das mache ich jetzt mit einem weiteren Flugzeug, nicht gleich, irgendwann, und nach einem vierzigminütigen Flughopser, erreicht es Mailand. Hier treffen wir das fiktive Auto vom Anfang ungefähr wieder. Während das ungehindert weiter fährt, warten wir Fluggäste auf die Koffer, werden von Mitarbeitern des Reiseveranstalters durch den riesigen Flughafen getrieben. Da viele Gäste eher schwergängig sind, was sie nicht daran hindert, riesige Koffer hinter sich her zu zerren, dauert der Auftrieb seine Zeit. Dass der Bustreffpunkt von einer Baustelle blockiert wird und damit nur über einen Umweg erreichbar ist, beschleunigt den Rentnerauftrieb auch nicht gerade. Aber schließlich sind alle da, etwas später auch die Busse. Es liegen noch zwei Stunden Busfahrt vor uns, durch Stadt und Land, Ebenen und Serpentinen, vorbei an einer kaputten Brücke, und die "übersichtlichen" Hafenanlagen. Als die drei Stunden vorbei sind und das Schiff zwischen all den sehr viel größeren gefunden wurde, steht unser fiktives Auto schon eine Stunde auf einem fiktiven Hafenparkplatz, wahrscheinlich fiktiv nicht lange. So viel zum Thema "Fliegen ist schneller". Nähern wir uns der "Grand Lady", wie die "Artania" im Fernsehen immer genannt wird. Am Eingang steht wie immer der diensthabende Kreuzfahrtdirektor, diesmal Klaus Gruschka, und begrüsst jeden Gast mit den Worten "willkommen zuhause". Alles ganz normal, nur dass ihm diesmal eine große Kamera dabei zusieht. Das geht ja gut los. Eine Ecke weiter gibt es ein Glas Sekt, und fünf Minuten später stehe ich zum ersten Mal auf der großen Artania Showbühne. Nein, Ihr habt nichts verpasst. Auf die Bühne muss jeder, denn da gibt es heute die Bordkarten und die Kabinenschlüssel. Danach wird jeder Gast von einem Kabinensteward persönlich zu seiner Kabine geführt. Warum in dem Briefkasten davor (jeder hat einen persönlichen Briefkasten) erst ein Plan für den nächsten Tag liegt, und später ein zweiter, anderer, das erzähle ich Euch morgen. Jetzt fährt das Schiff erst einmal los und besucht in den kommenden siebzehn Tagen sieben Länder: Frankreich, Spanien, Italien, Malta, Griechenland, Montenegro und Kroatien.






Samstag, 27. Oktober 2018

Auf dem Trockenen

Liebe Freunde, Fans und Follower,


seit gut zwei Jahren sitze ich reisemäßig unfreiwillig auf dem Trockenen, und Ihr irgendwie auch, weil es seitdem nichts mehr zu lesen gibt vom ollen Captain Spareribs. Oder besser "gab", denn es wird besser, und das schon bald. Bereits morgen endet meine unfreiwillige Reiseabstinenz, und Ihr könnt Euch sicher vorstellen, daß ich schon richtig "verrückt nach Meer" bin. Freut Euch auf 2 1/2 Wochen voller fröhlicher und verrückter Geschichten von Bord der "Artania"



Euer
Captain Spareribs

Freitag, 14. Oktober 2016

Epilog

Mallorca, fünf Uhr morgens, mein iPad singt ein fröhliches Lied. Noch ist es still auf dem Schiff, denn man könnte die Kabine bis neun Uhr behalten und demnach noch etwas schlafen. Außer, man will nach Leipzig oder Nürnberg, denn dann muss man bereits um sechs Uhr im Bus zum Flughafen sitzen.
Duschen, anziehen, ein letzter Nespresso auf der Kabine, und dann: tschüss Schiff!
Die Heimreise ist ereignislos, der Flug pünktlich, und mittags bin ich wieder zuhause.

Liebe Freunde, Fans und Weggefährten,
vielen Dank, dass Ihr mit mir unterwegs gewesen seid. Ich hoffe, Ihr hattet ein bißchen Spaß und kommt im nächsten Jahr wieder mit mir mit.

Euer
Captain Spareribs


Das Allerletzte

Montag morgen, 9.30 Uhr. Ich genieße das wirklich sehr gute Frühstücksbuffet (das es gut ist, sollte man für 18€ auch erwarten). Eine halbe ...