Donnerstag, 1. November 2018

Erholung auf See?

So steht es im Programm. Doch da komme ich ins grübeln: Wir alle befinden uns hier doch auf einer Kreuzfahrt, und die sollte grundsätzlich jeden Tag der Entspannung und Erholung dienen, auch dem Spaß und der Unterhaltung (bevor es Kommentare gibt: mit "alle" sind nur die Gäste gemeint. Die Mitarbeiter - abgesehen von den Tageskünstlern - haben größtenteils eine stressige 7-Tage-Woche, und das über Monate). Und tatsächlich ist die Bezeichnung dieses Tages eher irreführend und müsste irgendwie anders heißen.

Bei mir fängt dieser Tag nicht mit einem gemütlichen Frühstück an, sondern mit einem Besuch in dem winzig kleinen Fitness-Studio auf Deck 9 mit Aussicht auf Pool und Schornstein. Da ich hier noch nie mehr als zwei wenig atraktive Damen mittleren Alters getroffen habe, gibt es Platz genug. Heute ist sogar nur eine da.

Nach Training und Morgentoilette gerate ich in eine wilde Rentnerstampede, die sich unaufhaltsam auf die gerade geöffneten Restaurants zu wälzt. Als sich die Staubwolke wieder legt, ist zwar nicht alles weg gegessen (das schafft niemand), aber kein Platz mehr zu kriegen, jedenfalls keiner, auf dem man erholsam ohne Gehörschutz frühstücken kann.

Kaum eine Stunde später beginnt das seniorengerechte Animationsprogramm: Bingo mit Max, Brettspiele mit Moritz, Shuffleboard mit Tessa und Gymnastik im sitzen mit Silvia. Um zehn Uhr meldet sich, wie jeden Morgen, der Kapitän von der Brrrrüge und gibt in lustigem deutsch ein paar Informationen von sich. Anschließend winkt oben auf Deck 8 ein maritimer Frühschoppen mit Fisch, Krabbeltier und sogar Austern bis zum Abwinken, als 7. Mahlzeit des Tages. Nur den Champagner muss man bezahlen. Da (zwangsläufig) alle 1.200 Passagiere an Bord sind, wird die Veranstaltung recht gut besucht. Zum Glück endet sie pünktlich zum Mittagessen, und für ein paar Minuten sind Aufzüge und Treppenhäuser überfordert mit der Masse an teilweise recht gebrechlichen Menschen, die grade einen taktischen Standortwechsel vornehmen wollen, teilweise noch kauend, in Richtung der Restaurants.

Diesmal war ich schneller und habe einen schönen Platz.

Nachmittags ein ähnliches Unterhaltungsangebot wie vormittags: Bingo mit Max, Kartenspiele mit Moritz, Quiz mit Tessa. Und dann das Highlight: Kaffee und Kuchen (nach Frühstück, Bouillon und Mittagessen die 4. offizielle Mahlzeit). Und dann noch Yoga und anschließend Dance Aerobic am Pool mit Silvia. Moment mal - das wäre doch vielleicht was?

Am Pool finde ich - neben der drahtigen Trainerin Silvia aus der Schweiz - fünf motivierte schwergewichtige Damen vor, sowie einen älteren hageren Herrn, der aussieht als wäre er zum Mitmachen gezwungen worden und würde sich lieber am Rollator festhalten. Während sich alle redlich damit abmühen, Silvias Schrittfolgen zu verstehen und nach zu tanzen, geht die Tür auf und unser ziehmlich prominenter Tageskünstler kommt im Bademantelheraus, begleitet von seiner aktuellen Bett- und Bühnenpartnerin. Die beiden sehen erst eine Weile beim Tanzen zu, und räkeln sich anschließend in Badesachen am Pool. Ein angenehmer Anblick, denn sowohl Stefan Mross als auch Anna-Carina Woitschak sind jung und gut in Form. Für die Fans kann man nur hoffen, dass sie heute Abend auf der Bühne ebenfalls eine gute Figur machen.


Gegen die guten Figuren der Gäste stehen im Laufe des restlichen Tags noch Abendmenue, Late Night Snack und gegen Mitternacht heiße Würstchen. Aber da schlafe ich schon längst. Ich brauche Erholung.


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