Dienstag, 6. November 2018

Valetta

Valetta am frühen Morgen. Die Sonne scheint, die Frisur sitzt, und die Nacht im Hafen war - nein, gar nicht ruhig. Zwar gab es kaum Verkehrslärm und auch keine quietschenden Containerbrücken wie ich es anderswo schon erlebt habe, aber man glaubt kaum, dass es in einem angebundenen Schiff lauter sein kann als in einem fahrenden. Der Grund: die Schiffsmotoren machen während der Fahrt weniger Radau als der Stromgenerator im Alleinbetrieb. Ich denke, die Nachfrage nach Ohropax wird heute in der Bordboutique steigen. Ich selbst kenne zum Glück keine Probleme mit dem Lärm und habe super geschlafen, lecker gefrühstück und nehme Kurs auf die Gangway, um das Schiff zu verlassen. Dort kommen gerade die beiden Geigenkünstlerinnen, die in den letzten Tagen schon zwei Konzerte auf dem Schiff gegeben haben, in Reisekleidung an, mit Handgepäck aber ohne Geigen, um das Schiff erstmalig zu betreten. Natürlich werden sie dabei freundlich vom Kreuzfahrtdirektor begrüßt mit seinem berühmten "willkommen zuhause!". Klingt irgendwie strange? Oh - ich habe vergessen zu erwähnen, dass auch noch ein Kamerateam dabei steht.

Um nicht zu stören, trabe ich zur anderen Gangway, wo sich wegen Crewwechsel Dutzende gutgelaunter kleiner Phillipinos tummeln, die jetzt nachhause dürfen. Die hochgewachsene Sicherheitsoffizierin wirkt trotz ihres guten Überblicks überfordert und schickt mich wieder weg. Zum Glück ist jetzt die erste Gangway frei, und das Abenteuer beginnt.

Ich habe keinen Ausflug gebucht, denn ich kenne Valetta schon und spreche die Landessprache. Nein, nicht maltesisch (einer Art arabisch, durchsetzt mit französischen und italienischen Elementen) sondern die andere, englisch. Das nützt zwar nichts bei den maltesisch geschriebenen Straßenschildern, doch wozu gibt es ein Navi auf dem handy? Das führt mich ohne Umwege zum nahegelegenen Hard Rock Café (das hier Hard Rock Bar heißt), und ich freue mich auf ein Shoppingerlebnis der besonderen Art. 



Kriege ich auch, denn es ist hier klein, etwas muffig, von maltesischer Pflege (=etwas herunter gekommen) und man merkt die Nachsaison: wenig Auswahl, die schönsten Sachen gibt es nicht in meiner Größe, und sie haben nur männliches Personal.

Nach ein paar Minuten steuere ich mein nächstes Ziel an, den Aufzug, der die untere mit der oberen Altstadt verbindet, innerhalb weniger Sekunden und für nur einen Euro. Runterfahren ist sogar kostenlos. Oben bietet sich eine grandiose Aussicht, auf die Hauptstadt zum einen und auf den Hafen zum anderen. Damit hat man die seltene Gelegenheit, auch große Kreuzfahrtschiffe von oben zu betrachten, ohne erst irgendein Fluggerät besteigen zu müssen.



Ich besteige etwas später das Schiff. Da steht mutterseelenallein der Kreuzfahrtdirektor und haucht mir ein "willkommen zuhause" entgegen. Dabei ist gar keine Kamera mehr da. Vielleicht eine versteckte?




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