Das ist mit einem Hochseeschiff gar nicht so einfach zu schaffen, außer es wäre eine Fähre mit kurzer Tour. Sind wir zwar keine, und zwischen Neapel und Sorrent hat es auch nicht geklappt mit den zwei Zielen, aber einmal dürfen wir es noch versuchen.
Früh am Morgen, strahlender Sonnenschein. Kurz vor Gozo, der größten Nebeninsel Maltas, zieht die Artania die Bremse. Ist natürlich Quatsch, wir haben gar keine, aber den Anker werfen, das können wir. Kurz danach lassen wir unsere Kleinschiffe, die Tender, ins Wasser und beginnen mit dem Ausbooten. Da wir einerseits eine kräftige Dünung von bis zu einem halben Meter Höhe haben, und andererseits jede Menge gehbehinderte Altersheimbewohner an Bord sind, versucht der Kreuzfahrtdirektor den betreffenden mit Engelszungen das Ausbooten auszureden, notfalls gegen Erstattung des Ausflugspreises. Da das nicht bei allen Gästen fruchtet, haben die Einstiegshelfer richtig Spaß dabei, die kaum beweglichen und teilweise ängstlichen Gäste unfallfrei in die wild hüpfenden Boote zu bugsieren. Im Boot angekommen, ist es zusätzlich nicht ganz einfach einen Sitzplatz zu erreichen und dann auch noch darauf sitzen zu bleiben, besonders wenn es an die Artania stößt und sich daraufhin schräg legt. Ja, etwas seefest sollte man heute tatsächlich sein. Als das Tenderboot dann losfährt wird es schnell besser mit den unkontrollierten Bewegungen. Zumindest so lange, bis wir die Heckwelle der Fähre nach Malta kreuzen. Da haben wir dann nochmal richtig Spaß. Zumindest ein Teil von uns.
Aber die Fahrt ist nicht lang. Im Hafen von Gozo erwartet uns zunächst ruhiges Wasser, auf der Pier ein roter Teppich, Livemusik und ein kleines Gastgeschenk. Ein solcher Aufriss ist selten geworden heutzutage. Wenn man dann aber erfährt, dass pro Jahr gerade mal zwanzig Kreuzfahrtschiffe nach Gozo kommen, versteht man, dass sich die Einheimischen Mühe geben mit der Begrüßung der seltenen Gäste. Wie versprochen, stehen auch ein paar Busse und örtliche Reiseleiter zur Verfügung, und schon geht es los mit der Panoramafahrt rund um Gozo. Der Bus kneift ein wenig unter den Achseln, der Reiseführer ist arabischer Muttersprachler und zusammen mit der alt-analogen Lautsprecheranlage im Bus eher unklar zu verstehen, aber für die nächsten drei Stunden wird es schon gehen.
Gozo besteht aus folgenden Elementen: engen, gewundenen Bergstraßen, großen, flachen Ebenen mit jeweils einer überdimensionierten Kirche mittendrauf, engen, nicht sehr gepflegten Dörfern mit noch engeren ungepflegteren Straßen, Linksverkehr, gibt es und ab und zu einen grandiosen Ausblick. Diese Elemente werden sich die nächsten dreieinhalb Stunden immer mal wiederholen, aber immerhin kennt man dann Gozo. Der erste Fotostopp ist erreicht, fünf Minuten soll er dauern, und rote Strände werden zu sehen sein. Nach zehn Minuten hat sich der letzte Fahrgast, von denen fast alle schwergängig oder adipös, häufig auch beides sind, aus dem Bus gekämpft, außer mir, weil lohnt sich nicht. Als der Bus später wieder voll ist, geht es weiter, vorbei an siehe weiter vorn, bis zu einer Kathedrale die größer sein soll als der Petersdom in Rom. Wäre damals dort keine 45-Minuten-Schlange gewesen, hätte ich den vielleicht auch besichtigt. Die "fünf Minuten" hier auf Gozo spare ich mir.
Ungefähr zur Halbzeit der vierstündigen Tour treffen wir an einer kleinen Kiesbucht ein, die malerisch zwischen hohen Felsen liegt.

Hier haben wir etwas Freizeit, eine Dreiviertelstunde, um Kaffee zu trinken oder spazieren zu gehen oder zu shoppen. Oder vielleicht zu schwimmen, wenn man gerne mit Müll schwimmt. Ist ganz schön hier, aber leider werden wir nach einer halben Stunde wieder zusammengetrieben und in den Bus geschickt. Wir fahren weiter - siehe vorne - zum letzten Fotostop, um danach im Hafen unsere viereinhalbstündige Tour zu beenden. Das tun alle, und so zieht sich eine lange Schlange alter Menschen durch den Hafen,

zwischendrin unterbrochen von den jungen Menschen des "Verrückt-nach-Meer"-Fernsehteams und deren mitgebrachten jungen Menschen, die man uns nächstes Jahr im Fernsehen als Passagiere verkaufen wird.

Hier haben wir etwas Freizeit, eine Dreiviertelstunde, um Kaffee zu trinken oder spazieren zu gehen oder zu shoppen. Oder vielleicht zu schwimmen, wenn man gerne mit Müll schwimmt. Ist ganz schön hier, aber leider werden wir nach einer halben Stunde wieder zusammengetrieben und in den Bus geschickt. Wir fahren weiter - siehe vorne - zum letzten Fotostop, um danach im Hafen unsere viereinhalbstündige Tour zu beenden. Das tun alle, und so zieht sich eine lange Schlange alter Menschen durch den Hafen,

zwischendrin unterbrochen von den jungen Menschen des "Verrückt-nach-Meer"-Fernsehteams und deren mitgebrachten jungen Menschen, die man uns nächstes Jahr im Fernsehen als Passagiere verkaufen wird.
Die mickrig aussehenden Tenderboote können jeweils 80 Personen aufnehmen, auch dickere, und so hält sich die Wartezeit bis zur Wiedereinschiffung in Grenzen. Aufgrund der "Pünktlichkeit" der hiesigen Ausflüge fährt die Artania zwar leicht verspätet los, kommt aber pünktlich um siebzehn Uhr in Valetta auf Malta, unserem zweiten heutigen Ziel, an. Valetta hat einen großen Naturhafen, und man legt praktisch mitten in der Stadt an zwischen hohen Felsen und alten Gebäuden. Für eineinhalb Tage und zwei Nächte bleiben wir jetzt hier, als schwimmendes Hochhaus direkt an einer Hauptstraße.


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