Sardinien liegt direkt südlich von Korsika, aber da der Sturm inzwischen weg ist, können wir ganz leicht hier anlegen. Die Ausflugsbusse warten auch schon, und so geht es los, nachdem nicht ohne Mühe 50 Rentner im Bus verstaut sind. Die Reiseleiterin zeigt uns weitläufige Agrarlandschaften, Berge und Täler, Meeresbuchten, ehemalige Salinen und sogar eine riesige Kolonie freilebender Flamingos in weiß mit zartem Rosaschimmer. Sie erzählt über Agrarwirtschaft und (relativ unbedeutendem) Tourismus, erklärt, dass die wenigen Einwohner hier weder Sardinen noch Sardellen heißen, sondern Sarden, woher sich der Name ableitet, philosophiert über das italienische Schulsystem, das als Fremdsprachen zwar Englisch und Französisch anbietet, aber keinen der vier sardischen Dialekte, und als den ersten Gästen langsam die Augen zufallen, haben wir unser eigentliches Ziel erreicht: das größte Weingut der Insel. Es beginnt eine interessante und etwas mühselige Besichtigung der Produktions- und Lagerräume. Mühselig deswegen, weil auf mehrere Etagen verteilt und ein großer Teil der Gäste die enge Wendeltreppe nicht benutzen kann oder will, und der Aufzug ungefähr genauso altersschwach ist wie seine Fahrgäste.
Die (etwas breitere) Treppe in den Verkostungsraum schaffen dann aber alle, denn hier ist ja das Ziel aller Begehrlichkeit: vier Sorten Wein dürfen wir probieren - 2x weiß und 2x rot - und dazu gibt es ein Tellerchen mit sardischen Spezialitäten vom Bauern um die Ecke: Ziegenkäse (mild im Geschmack aber seltsam im Abgang), Schafkäse (eine Art gut gereifter Parmesan), typisch italienische Salami und den besten Prosciutto, den ich je gegessen habe. Kaufen für zuhause kann man aber leider nur den Wein. Wäre ich mit dem Auto hier, hätte ich sicher auch welchen mitgenommen.
Kurz vor dem Rückweg hat sich der Sonnenschein leider verflüssigt, aber da wir mittags schon weiter fahren, ist das auch egal. Morgen ganz früh werden wir in Neapel sein, und nachmittags in Sorrent.

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