Mit dem heutigen Tag lassen wir Griechenland, sowie sämtliche Inseln dieser Reise, als auch vorrübergehend die EU hinter uns und besuchen das schöne Montenegro. Heute sind wir in den größten, schönsten (und einzigen) Fjord des Mittelmeers eingefahren und liegen nun am Ende der Bucht von Kotor an der einzigen großen Pier des dazugehörigen Hafens, direkt vor dem Tor zur Altstadt.
Montenegro ist, wie ihr sicher wisst, früher ein Teil Jugoslawiens gewesen, und hat seit seiner Unabhängigkeit ein besonders spezielles Verhältnis zu Deutschland: gesetzliches Zahlungsmittel ist, oder vielmehr war die DM. Und als die durch den Euro ersetzt wurde, hat man das in Montenegro auch gemacht. EU-Mitglied ist man noch nicht, und dünn besiedelt auch: mit 600.000 Einwohnern im ganzen Land sind es nicht viel mehr als in Nürnberg.
Wir liegen also an der einzigen Pier, worauf der Kreuzfahrtdirektor besonders stolz hinweist. Das läge daran, dass man die Anlegestellen immer schon zwei Jahre im voraus bucht.
Rückblick: drei Jahre zuvor, gleiche Stelle, gleiches Schiff. Obwohl im Programm "anlegen" steht, liegen wir auf Reede und werden ausgebootet. An der Pier ist nämlich schon einer. Mein Theorie: das Schiff, das zuerst ankommt kriegt die Pier. Die Bucht ist nämlich so eng, dass man an einem Schiff, das davor auf Reede liegt, nicht vorbei kommt. So weit meine Theorie.


Zurück zur Praxis: ich habe heute einen geführten Spaziergang durch die Altststadt von Kotor gebucht und freue mich schon drauf. Leider nicht nur ich. Vor dem meeresseitigem Stadttor trifft unsere 22-köpfige Turi-Herde auf die einheimische Reiseleiterin. In hervorragendem deutsch gibt sie über mehrere Minuten einführende Informationen über Montenegro im allgemeinen und Kotor im besonderen. Nehme ich jedenfalls an, denn gegen den Verkehrslärm auf der einen und eine lautstark diskutierende Männergruppe auf der anderen Seite kann sie sich stimmlich nicht durchsetzen. Da hätte schon die am Donnerstag erwähnte Tessa Schwierigkeiten.
Wir durchqueren das Stadttor, und der Lärm ist weg. Ungehindert dringen die Schrittgeräusche unserer Touristenherde ans Ohr, unterstützt vom gelegentlichen Klicken der einen oder anderen Gehhilfe. An einem hübschen kleinen Platz mit einer schmalen Sandsteinkirche, auf deren Treppenstufen sich mehrere junge Katzen räkeln, bleiben wir stehen. Die Reiseleiterin lüftet nun das Geheimnis um den Namen dieser schönen Stadt: Kotor wurde im Frühmittelalter gegründet, von deutschen Einwanderern. Zu der Zeit gab es hier schon eine ältere tartarische Ansiedlung, in der sich, so wie auch heute noch, auffällig viele Katzen tummelten. Da die meisten dieser Katzen männlich waren, und die Einwanderer wenig religiösen Bezug hatten, benannten sie ihre neue Heimat nicht nach einem Heiligen, sondern nach dem altmittelhochdeutschen Wort für "Kater". Und das hieß "Kotor".
Mich hat diese ungewöhnliche Geschichte völlig gefesselt, denn das hatte ich nicht erwartet. Aber zugegeben - sie ist völliger Blödsinn. Ich weiß auch nicht, ob die Reiseleiterin wirklich über den Namen der Stadt gesprochen hat, denn gleichzeitig mit ihr haben die Kirchenglocken losgelegt. Ich verliere die Lust, trenne mich von der Gruppe und mache meinen eigenen Spaziergang. Es ist unfassbar schön hier, klein, verwinkelt, an jeder Ecke laden kleine Bars und Restaurans ein (kein Schreibfehler, hierzulande lässt man das zweite "t" weg), es gibt kleine Geschäfte für Souvenirs, Schmuck, Klamotten, alles was man will. Die meisten Gebäude sind in sehr gutem Zustand, mit gewollten Ruinenteilen dazwischen. Ich komme mir vor wie in einer Filmkulisse, so schön ist das alles hier. Außer, wenn einem mal wieder eine geführte Spaziergängerherde entgegen kommt. Inzwischen gibt es nämlich ein zweites, größeres Schiff hier (die "Viking Sun", unsere Piernachbarin von gestern, sowie ein weiteres), und dementsprechend viele Leute sind in der Stadt. Aber ich habe Glück, finde immer wieder kleine einsame Straßen, die ich nur mit unzähligen niedlichen Katzen teilen muss, bis ich auf einen Souvenirshop der besonderen Art stoße. Es gibt hier nur Katzensouvenirs, und die hinteren Räume sind ein privates Katzenasyl. Überall sitzen und liegen Katzen, aber alles ist blitzssauber und gepflegt, der Laden und die Tiere.
Als die Stadt sich weiter füllt, suche ich meinen Frieden auf der Artania. Zunächst allerdings vergeblich, denn heute ist der 11.11., also Faschingsanfang. Eine schreckliche Stunde lang gibt es Krapfen, Korn und Faschingsmusik. Naja, wer es mag...
Während dem Abendessen legen wir ab, und ich muss erneut darüber nachdenken, wer die Pier kriegt. Die "Viking Sun" ist nämlich noch da (auf Reede, Ihr erinnert Euch), und wir fahren problemlos daran vorbei. Das mit dem Platz war es also nicht. Neue Idee: die Pier bekommt, wer am meisten dafür bezahlt. Oder vielleicht würfelt die Hafenmeisterei? Zieht Streichhölzer? Die Behörden hier haben nicht den besten Ruf...


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