Donnerstag, 8. November 2018

Ereignisse

Das wirklich hervorragende Pflegepersonal auf der Artania ist stets bemüht, unter den Patienten keine Langeweile aufkommen zu lassen, insbesondere während die schwimmende Seniorenresidenz unterwegs ist. So hatte man gestern zum Auslaufen aus Valetta, dem südlichsten Punkt unserer Reise, das schon erwähnte Barbeque organisiert. Da es gleichzeitig mit dem planmäßigen Mittagessen lief, brachte es Entspannung in den normalen Restaurants, zumal das Wetter sehr schön war und noch immer ist. Es hätte ein angenehmer Nachmittag werden können und wurde es für mich auch, aber viele andere gerieten in Vorbereitungsstress, denn am Abend sollte der mittlere Galaabend sein, mit Nachholung des Captain's Cocktail und Möglichkeit zum gemeinsamen Foto, das ja wegen dem Sturm ausgefallen war. Da will man natürlich elegant aussehen, was dem einen oder anderen auch gelungen ist. Besonders den Kellnern, die nicht ihre übliche Arbeitskleidung tragen - weißes Hemd zu schwarzer Hose und blauer Weste - sondern eine sehr schöne cremefarbene Galauniform. Als mir einer der Kellner ein Glas Rotwein auf einem Tablett servieren will, stößt er versehentlich dagegen, es schwappt über, allerdings von mir weg. Elegant und überlegen lächelnd fängt er es ab - naja, fast - es fällt in meine Richtung und leert sich komplett. Zwei, drei Spritzer landen auf meiner schwarzen Hose und werden wohl trocknen ohne sichtbare Spuren zu hinterlassen. Das Dinnerjacket des Kellners dagegen ist von oben bis unten rötlich geworden und muss in die Wäsche. Er und vier andere Kellner entschuldigen sich bei mir, und der Pechvogel sagt grinsend "Seegang". Das Meer ist spiegelglatt, auch heute noch, und das ist gut so. Heute nachmittag spielen wir nämlich wieder Mumientetris mit den Tenderbooten.

Bis dahin werden, lautstark da schwerhörig, beim Frühstück an den umliegenden Tischen neben den üblichen Belanglosigkeiten auch die kommenden Events besprochen. Sie: "Weischt, Schätzle, es isch glei zehne. Und um elfe isch de bayerische Brotzeit." - "mit Freibier" - wirft er ein "Und um zwölfe gibt's scho Middag" setzt sie ihre Rede fort. "Mit vier Gänge!" So sieht sie auch aus. Ich weiß nicht warum man an manchen Tage eine verflixte 7. Mahlzeit anbietet und ziehe mich in die Casablanca-Bar zurück, da habe ich auf der Nichtraucherseite einen Lieblingsplatz wo ich in Ruhe habe schreiben kann. Normalerweise. Während ich auf meinen leckeren Capuccino warte, verteilen sich einige Frauen erwartungsvoll in der Bar. O je, denke ich, jetzt spielen die gleich wieder Bingo. Aber wo sind die Männer? Es werden immer mehr Frauen, langsam kriege ich Angst, dass sie Beckenbodengymnastik oder so was machen. Nein, voll daneben. Es gibt einen Tuchbindekurs. Eine Mitarbeiterin aus dem bordeigenen Tante-Emma-Laden führt ihn durch. Sie macht das sehr schön, aber da sie kein Mikrofon benutzt, dürfte vieles was sie sagt die dafür bestimmten Ohren nicht erreichen. Besonders deswegen, weil inzwischen auf der Raucherseite, getrennt nur durch einen Raumteiler und eine kleine Tanzfläche, ein Brettspiel stattfindet, das neben laut klickenden Geräuschen auch lautes Gelächter erzeugt, gekrönt durch die Anweisungen und Anfeuerungsrufe von Tessa, einer jungen Reiseleiterin/Animateurin (das sind alles Zwitter hier, also, was die Funktion betrifft). Wie die meisten Animateure braucht Tessa kein Mikrofon. Man versteht sie auch noch in der nächsten Bar. Das könnte man bei der Raumaufteilung zukünftig vielleicht beachten. Viele der Patientinnen fallen jetzt über die Tuchbindefrau her und lassen sich alles noch einmal zeigen, bis sie in ihren Laden flüchtet.

Paradiesische Ruhe ist eingekehrt in der Cassablanca-Bar. Wir haben nämlich Freibierzeit.

Als der große Teil der mitreisenden Vielbeschäftigten mit der darauf folgenden Mahlzeit befasst ist, dem Mittagessen (obwohl es heute nur Reste gibt), kommen wir in der Buch von Pylos an. Und weil die so klein ist, verzieht sich die Sonne um Platz zu schaffen. Den Rest des Nachmittags über wechseln sich Bewölkung, Regen und Gewitter ab. So stellt man sich Griechenland nicht vor. Mal sehen, wie es morgen wird.



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