Ja, so sind sie die Hamburger: einfache, klare Worte. Im Tagesprogramm steht nur „2. Seetag“, denn so eine Verschleierungstaktik wie bei Phoenix, wo diese Tage auch „Urlaub auf See“, „Erholung auf See“ und „anlandungsfreie Zeit“ heißen (ok, das letzte war jetzt erfunden, aber „8. Februar Urlaub auf See“ , und klein darunter: „bis 12. Februar“, das würden sie schreiben), doch so etwas gibt es bei TUI Cruises nicht. Aber einen großen SPA haben sie, und da werde ich später massiert. Mein Steward ist mehr als überrascht, als ich schon kurz nach acht Uhr morgens (!) aus der Kabine stürme und seine schüchterne Frage „jetzt?“ mit einem klaren und entschiedenen „ja!“ beantworte. Ich fühle mich wie neu geboren und habe viel vor. Da ich etwas zu früh im SPA ankomme, biege ich kurz vorher beim Friseur ab und bitte um einen Termin für morgen früh. Klar, kein Ding, sagt man mir, acht Uhr. ACHT UHR? da hat hat mein Nürnberger Friseur noch nicht einmal auf. ACHT UHR? So eine Uhrzeit kenne ich gar nicht mehr, seit ich im Unruhestand bin. ACHT UHR? Die hübsche junge Friseurin provoziert mich, ohne Worte, doch mit sehr ausdrucksstarkem Blick ihrer großen dunkelbraunen Augen, doch endlich mal zu antworten. Es ist totenstill in dem kleinen Friseursalon.
„Zehn!“ versuche ich mein Glück. „OK“ gibt sie nach, trägt den Termin ein, und ich darf wieder gehen. Anschließend werde ich im SPA fachkundig und gründlich durchgeknetet von einer kleinen drallen Philipinin, deren blonde Strähnen genauso falsch sind wie meine, und nach einer kurzen Ruhepause steht der nächste Termin an: Fleischverkostung im Steakrestaurant, praktischerweise genau zur Mittagszeit.
Der riesige steirische Sous-Chef erklärt den Gästen in seinem herrlichen Dialekt, worauf es bei einem guten Steak ankommt: die Tiere müssen stressfrei und glücklich aufwachsen, das Fleisch entsprechend reifen, und dann fachmännisch gegrillt werden. Danach werden wir von dem sehr kleinen Restaurantleiter in ähnlichem Dialekt über die Eigenschaften Edelsalze aufgeklärt, die zur Verfügung stehen. Warum schreibe ich das? Ganz einfach - der kleine Mann ist unübersehbar Asiate, aber in Österreich geboren, wie er erzählt. Und nachdem jeder das gewünschte Getränk und einen Brotteller bekommen hat geht es los:
Zuerst ein Filet vom französischen Charolais, das sehr dunkles Fleisch hat, schon beim Kalb. Lustigerweise sind die Tiere selbst weiß.
Danach ein Roastbeef vom schwarz-weißen Pommernrind, gefolgt von einem extrem leckeren Steak vom Kleeschwein.
Es hat herrlich geduftet und geschmeckt wie in meiner Kindheit, was aber kein Wunder ist, denn es handelt sich um eine normale Hausschweinrasse. Wie früher üblich, dürfen die Tiere auf der Weide frei herumlaufen und bekommen lediglich Klee als Zusatzfutter.
Der riesige steirische Sous-Chef erklärt den Gästen in seinem herrlichen Dialekt, worauf es bei einem guten Steak ankommt: die Tiere müssen stressfrei und glücklich aufwachsen, das Fleisch entsprechend reifen, und dann fachmännisch gegrillt werden. Danach werden wir von dem sehr kleinen Restaurantleiter in ähnlichem Dialekt über die Eigenschaften Edelsalze aufgeklärt, die zur Verfügung stehen. Warum schreibe ich das? Ganz einfach - der kleine Mann ist unübersehbar Asiate, aber in Österreich geboren, wie er erzählt. Und nachdem jeder das gewünschte Getränk und einen Brotteller bekommen hat geht es los:
Zuerst ein Filet vom französischen Charolais, das sehr dunkles Fleisch hat, schon beim Kalb. Lustigerweise sind die Tiere selbst weiß.
Danach ein Roastbeef vom schwarz-weißen Pommernrind, gefolgt von einem extrem leckeren Steak vom Kleeschwein.
Es hat herrlich geduftet und geschmeckt wie in meiner Kindheit, was aber kein Wunder ist, denn es handelt sich um eine normale Hausschweinrasse. Wie früher üblich, dürfen die Tiere auf der Weide frei herumlaufen und bekommen lediglich Klee als Zusatzfutter.
Und dann nähern wir uns dem Höhepunkt: Wir bekommen tatsächlich ein kleines Steak vom teuersten Rind der Welt, dem Wague-Rind, das ursprünglich aus Japan stammt.
Es ist sehr zart sowie durch und durch marmoriert. Trotz dem hohen Fettanteil empfinden viele der Gäste (auch ich) das Fleisch als eher geschmacksneutral bis langweilig, will also sagen, der hohe Preis lohnt sich nicht. Aber das darf jeder gerne für sich entscheiden. Insgesamt kann man die Veranstaltung aber nur loben, es hat Spaß gemacht und sehr gut geschmeckt. Mein Sitznachbar meint sogar, wenn er lange genug an Bord wäre, würde er noch einmal mitmachen. Recht hat er, denn so viele Steaks (auch wenn sie sonst größer sind) + Beilage + Getränke für nur 30,— € bekommt man hier normalerweise nicht.
Es ist sehr zart sowie durch und durch marmoriert. Trotz dem hohen Fettanteil empfinden viele der Gäste (auch ich) das Fleisch als eher geschmacksneutral bis langweilig, will also sagen, der hohe Preis lohnt sich nicht. Aber das darf jeder gerne für sich entscheiden. Insgesamt kann man die Veranstaltung aber nur loben, es hat Spaß gemacht und sehr gut geschmeckt. Mein Sitznachbar meint sogar, wenn er lange genug an Bord wäre, würde er noch einmal mitmachen. Recht hat er, denn so viele Steaks (auch wenn sie sonst größer sind) + Beilage + Getränke für nur 30,— € bekommt man hier normalerweise nicht.
Wir kommen in die Abteilung für Klugscheisser: Wague-Rind? Das teuerste? Und was ist mit dem hochgelobten, mit klassischer Musik berieselten, mit Reiswein massierten und in aller Munde befindlichen Kobe-Rind? Die Frage ist natüürlich auch aufgetaucht, und wie alle anderen sehr kompetent beantwortet worden: Das Kobe-Rind ist ein Wague-Rind. Allerdings muss es in der japanischen Kobe-Region geboren, aufgewachsen und geschlachtet sein. In der Zwischenzeit hat es zwar ein stressarmes, aber keineswegs schönes Leben: Es lebt in einem fast immer dunklen Stall, und muss jeden Tag zwölf Kilo Futter zu sich nehmen. Es wird zwar nicht gemästet (darunter versteht der Fachmann Praktiken wie das in Deutschland verbotene Stopfen von Gänsen), wird aber so lange vor seinen Futternapf gestellt, bis er leer ist. (mit Kindern meiner Generation hat man das übrigens auch ganz gerne gemacht, also das mit dem Teller leer essen). Die Reisweinmassage dient dann zwangsläufig der Verdauung, sonst bliebe das viele Futter nicht drin. Für mich ist diese Aufzucht üble Tierquälerei, aber ich schreibe trotzdem noch fertig und komme auf das Thema „in aller Munde“. Für das echte Koberind wird üblicherweise der doppelte Preis aufgerufen wie für das Wague-Rind, und da pro Jahr nur etwa 4.000 Tiere gezüchtet werden, ist es auch sehr schwer zu bekommen. Das weckt Begehrlichkeiten, und ich fürchte, dass ein nicht unerheblicher Teil der weltweit angebotenen Kobe-Steaks mangels Masse keine sind, und die Leute abgezockt werden.
Abends, in meiner Kabine, öffne ich nicht ohne Mühe meine Balkontür, genieße den abendlichen Fahrtwind, bestehend aus würziger Seeluft und - je nach Gericht - mehr oder weniger appetitlichen Küchendünsten. Dazu das wundervolle Meeresrauschen, und die Stimme des Nachbarn, der seine Frau wegen irgendeiner Unwichtigkeit lautstark verbal zum Rüsseltier macht. Reihenhausidylle auf hoher See!







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