Donnerstag, 6. Februar 2020

Der Tag hat 30 Stunden


Das ist natürlich Quatsch, aber wir Kreativen schrecken ja vor nichts zurück. Deswegen habe ich an der Uhr gedreht, rückwärts, auf Mittwoch 21:30 Uhr. Wohnung ausgeknipst, Licht abgeschlossen (bin wohl etwas müde, jetzt schon), und rein ins Taxi. 22:05 fährt mein Zug nach Frankfurt, um 0:13 der Anschluss zum Airport. Theoretisch. Tatsächlich geht es erst 22:15 los, und der Anschluss wartet natürlich - dann doch nicht. Egal, man kann ja S-Bahn fahren, dauert auch nur eine gute halbe Stunde, bis die kommen soll. Aber für Unterhaltung ist gesorgt: An einem Ende des Bahnsteigs haben zwei Sicherheitsleute einen Schwarzfahrer gestellt, der versucht wieder abzuhauen woran er lautstark gehindert wird, weil man noch auf die Polizei wartet. Nach dem dritten Fluchtversuch ist erst einmal Ruhe. Damit es nicht langweilig wird, fragt  mich zwischenzeitlich ein gepflegter Mann mittleren Alters in gewählten Worten nach einer Spende für den Ankauf von Getränken, die ich genauso gewählt ablehne. Inzwischen ist es beim Schwarzfahrer richtig laut geworden, ich weiß nicht, was die Securityleute ihm angedroht haben, denn er wird blass unter seiner dunklen Haut. Zum Glück kommt jetzt die S-Bahn, wo es richtig viel Platz hat, mehr als vorher im ICE. Vielleicht wegen der Tageszeit, vielleicht auch, weil sie aus deutlich mehr Wagen besteht.



Nicht lange, und der Ghostport ist erreicht. Seid Ihr schon mal in einem völlig leeren Airport gewesen? Endlose Gänge, Türen die sich bei Annäherung öffnen, Rolltreppen die losfahren wenn man sie betritt, aber keine Menschenseele. Doch, da liegen zwei und schnarchen. Sie riechen fünf Meter gegen den Wind nach Alkohol. Dabei ist hier gar kein Wind. 



Das Condor-Terminal erreiche ich gegen zwei Uhr morgens, dunkel und leer, welche Überraschung. Jetzt kommt der langweilige Teil, zum Glück habe ich was zu lesen dabei. Kurz vor fünf stellen sich alle inzwischen anwesenden Fluggäste am Schalter an, ich bin ungefähr der mittlere von fünfzig und schpn kurz nach fünf durch. Inzwischen wacht der Flughafen langsam auf, und man kann die drei Stunden bis zum Abflug mit Kaffee und Gebäck (nicht Gepäck, das ist schon weg) überbrücken. Theoretisch. Jetzt muss das Flugzeug erst einmal enteist werden. Und dann wird es noch besser: die Fluglotsen in Frankreich streiken heute, und da wir nach Teneriffa müssen, kann das schwierig werden mit dem Überflug, das heißt bis wir einen sogenannten slot bekommen und los dürfen, kann es sich stundenlang hinziehen. Lösung: der kürzeste Weg zwischen zwei Punkten ist manchmal die Parabel. Wir fliegen nach London, biegen dort links ab, bis wir über dem Atlantik sind, biegen noch einmal links ab, und fliegen dann direkt nach Teneriffa. Vorteil: Interessiert keinen französischen Fluglotsen. Nachteil: eine Stunde mehr Flugzeit, aber vermutlich sind wir trotzdem viel früher da.



Im Flugzeug sitzen 248 gut gelaunte Kreuzfahrer, die jetzt schon mehr Spaß haben als es an der Bars der Artania üblich war. Nicht eine Mumie ist dabei. Im Hafen sieht man dann, warum: ich bin zu TUI-Cruises zurück gekehrt und fahre zum ersten Mal mit der Mein Schiff Herz. Sie ist der älteste Pott der TUI-Cruises-Flotte und war die Schwester der von mir heiß geliebten aber leider nicht mehr vorhandenen (alten) Mein Schiff 1. Und da man auf Teneriffa eine andere Zeit hat als in Deutschland, werden die Uhren jetzt nochmal eine Stunde zurück gestellt, und wir haben es kurz nach 14:00 Uhr.



An Bord ist manches vertraut, wie die Kabinen, und manches auch nicht. Doch davon später mehr, damit es spannend bleibt.

Um nicht den Rest des Tages vor Müdigkeit zu verpassen, gibt es einen kleinen Imbiss, danach ein Päuschen, und dann Abendessen (Sie bieten hier Menues von Johann Lafer, wenn man will, kriegen sie aber nicht richtig hin, auch die normalen nicht. Heute zum Beispiel ist die Petersiliensuppe - was ist das Gegenteil von versalzen? - ich habe gerade kein Wort dafür, aber das ist sie!). Und dann nimmt das Unheil seinen Anlauf: Ich nähere mich vorsichtig, nur für ein bis zwei kleine Absacker, der Überschau-Bar auf Deck 12, die einen herrlichen Überblick über das gesamte Pooldeck bietet. Das mach Spaß, mit dem passenden Drink in der Hand. Jede Menge wechselnde Gesprächspartner und Mittrinker beiderlei Geschlechts gibt es auch, und plötzlich wird der Beginn der Auslaufparty angekündigt. Ich war noch nie auf einer, und da ich gerade einen guten Platz habe, bleibe ich halt mal ausnahmsweise da. 



Der Kreuzfahrtdirektor & Team begrüßt alle recht herzlich, das Schiff hupt dreimal so laut es kann, und während die Auslaufhymne lautstark abgespielt wird, tuckern wir langsam los. Auf der Bühne wird getanzt, erst das Showensemble, dann ein paar Gäste, die Gläser werden nachgeschenkt, immer wieder, und ich denke mir: „unser Schiff muss doch jeden Meeresbewohner verschrecken, mit lautstarker Popmusik und wild blinkenden Discolichtern, die man wahrscheinlich sehr weit sieht!“ Allmählich wird es kalt, und eine von den Mittrinkerinnen an der Bar versucht mich zu überreden, mit ihr in die Disco zu gehen. (also, in die vom Schiff, sonst würde es schwierig). Da diese nur zwanzig Meter von der Bar entfernt liegt, hat sie wider Erwarten Erfolg mit ihren Bemühungen, und auch in der Disco werden Gläser nachgefüllt.
Früh bzw. spät um 2:30 Uhr falle ich dann endlich ins Bett.

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