Wenn man, so wie ich, alleine unterwegs ist, hat das manchmal Nachteile: es ist niemand da, mit dem man sich beim Essen unterhalten kann, niemand zum tanzen, und niemand, mit dem man sich zum Beispiel das Kamel teilen könnte. Ganz zu schweigen von nächtlichen Barbesuchen.
Es hat aber auch Vorteile: niemand textet einen zu, während einem der Schädel dröhnt, man muß mit niemandem tanzen (was so manch einer wenigstens zuhause genug tut), und man hat das Kamel für sich allein, was komfortabler ist (ich weiß, hier gibt es gar keine, das war ein Beispiel aus Marokko im letzten Jahr). Und das mit den nächtlichen Barbesuchen - es sei dahin gestellt, was mehr Kopfschmerzen verursacht - die Diskussion, ob der 5. Caipi noch sein muß, oder, wenn ja, der Morgen danach.
Was man als Single, und zwar nur dann, wirklich ausschweifend tun kann, ist Leute beobachten. Und das ist echt interessant, sage ich Euch.
Wir haben ja ein internationales Publikum hier, und oft erkennt man sie schon an der Art, wie sie herein kommen. Zum Beispiel früh, im Speisesaal, wo einen die Kellner schon mit guter Laune erschrecken, und die Köche fröhlicher sind, als anderswo die Animateure.
Hat man sich von der Begrüßung erholt und einen Platz mit guter Sicht ergattert, kann die Beobachtung beginnen.
Ein großer Teil der Urlauber hat dunkle Haut, also, schon bei der Ankunft. Der größere Teil davon trägt dunkle Sonnenbrille, ist sehr entspannt, und fällt vor lauter Coolness gelegentlich über die eigenen Füße. Dennoch merkt man ihnen an, daß sie Urlaub haben. Das sind Nordamerikaner. Der kleinere Teil ist meist auch kleiner, von stolzer, selbstbewusster Haltung, trainiert im Umgang auch mit höchsten Absätzen, und kommt aus Südamerika. Und dann gibt es noch den Teil, der erst im Laufe des Urlaubs braun wird. Oder auch gar nicht, je nach Veranlagung. An der Kleidung ist hier kaum mein Unterschied zu finden, es gibt geschmacklose sowie sehr schöne. Auch an den Konfektionsgrößen von S bis XXXL läßt sich heutzutage keine nationale Herkunft mehr festmachen. Aber dann habe ich doch etwas gefunden: diejenigen, die man hört, sind Nordamerikaner. Diejenigen, die man hört, ohne, daß man einen vernünftigen Satz zu verstehen kann, sind Kanadier (die mischen englisch und französisch). Und diejenigen, deren Frauen schon beim hereinkommen gestresst gucken, und das den ganzen Abend beibehalten, das sind dann unsere Landsleute.
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