Nachdem ich mittlerweile fast alles ausprobiert habe, werde ich mich heute über meinen Wohnraum auslassen. Es sollte ein ruhiger sein, und nicht unten. Oben ist es, und das mit der Ruhe hängt eher vom Wochentag ab. Also - von unserem Hotel höre ich nichts, aber daneben steht noch eins, und dahinter...
Vom Balkon hatte ich ja schon erzählt, und kommt man dann ins Zimmer (ich, weiß, das heißt anders, aber "Zimmer" ist praktischer), dann trifft einen der komplette neue RIU-Stil. Waren früher die Räume eher traditionell-katalanisch eingerichtet, also weiße Wände, viel dunkles Holz sowie Gemälde in Form von bunten karibischen Geschmacklosigkeiten an den Wänden (nicht alle karibischen Gemälde sind häßlich, aber die im alten RIU Palace waren es), so setzt man heute auf modern-skandinavisch. Die vorherrschende Farbe ist weiß für die Wände, helle Birke (Folie, leider teilweise schlecht geklebt) für die Möbel, Glas für die Tischplatten, und Mattchrom für Metallsachen (außer es gab sie nicht so, dann findet man auch Chrom oder Edelstahl. Aber wir wollen es nicht zu genau nehmen). Außerdem verzichtet man heute auf die beiden Stufen zwischen Wohn- und Schlafbereich. Das hatte zwar schön ausgesehen, aber sicherlich dem Hotelarzt gelegentlich Arbeit beschert.
Heute kommt man vom Balkon aus rein (nur wenn man vorher draußen war, der Eingang ist woanders), und steht im modernen Wohn-Schlafbereich. Rechts ein Sofa, das sich notfalls zu einem weiteren Doppelbett umbauen läßt, Davor ein Couchtisch, an der anderen Wand ein quadratischer Tisch zum schreiben oder sogar essen, mit zwei Stühlen. So etwas hat man selten. Das Sofa ist in tiefem lila bezogen, passend zu den Licht- und schalldichten Vorhängen sowie dem dahinter aufgehängten, kaum zwei Quadratmeter großen Gemälde, das drei Bambusstöcke nebst Blättern sowie ein paar Kieselsteine darstellt, Ying und Yang lassen grüßen, in tiefstem lila.
Wagen wir uns weiter nach vorne. Hier finden wir links eine Kommode mit vier geräumigen Schubkästen drin, ein paar Prospekten drauf und einem Fernseher oben drüber. Der ist allerdings schwarz, die bevorzugte Farbe der Elektrogeräte hier. Außer dem Telefon, das ist weiß und steht auf dem einen Nachtkästchen gegenüber, das da zusammen mit seinem Kollegen, der einen (schwarzen) Radiowecker trägt, und zusammen mit einer hohen, holzfarbigen Rückwand, das Kingsize-Bett einrahmt, das - ratet Ihr es? Nein, falsch, weiß bezogen ist. Dafür gibt es als Tagesabdeckung eine Art Läufer am Fußende, tief lila mit schwarzem Rand, und drei Kissen, falsch, eins davon ist tief pink mit schwarzem Rand. Die Ziffern des Radioweckers leuchten rot, aber auch umsonst, denn zum einen ist der linke untere Strich der Stundenanzeige kaputt, und man weiß nicht ob es fünf oder sechs Uhr ist, und etwas später, ob wir es acht oder neun Uhr haben, was aber sowieso egal ist, denn er geht komplett nach dem Mond, egal wie oft man ihn stellt.
Über dem Bett hängt das Relief einer Wellenlinie, wahrscheinlich spätes Stahlzeitalter. Der Deckenventilator stammt eher aus der Jungstahlzeit, und hat keine Probleme damit, einen aus dem Zimmer zu blasen. Schade, so nützt er nichts, und man muß bei Bedarf doch auf die (sehr gute) Klimaanlage zurück greifen.
Wir nähern uns jetzt der gegenüber dem zweiten Nachtkästchen befindlichen Minibar, und haben damit die Hälfte unserer Entdeckungstour zurück gelegt.
Bei der Minibar haben sich die Designer besonders ins Zeug gelegt. Passend zum Stahlzeitalter, hat der "Giftschrank" mit Rum & Co. eine alufarbene Rückwand.
Darunter stehen, auf einem schwarzen Tablett, eine schwarze Kaffeemaschine, eine schwarze Schüssel mit dem Kaffeezubehör, und zwei schwarze Kaffeetassen. Zum umrühren ist nichts da, gab es wohl nicht in schwarz. Überhaupt, Designer denken immer so praktisch. Oder habt Ihr schon mal versucht, morgens im besoffnen Kopf schwarzen Kaffee in eine schwarze Tasse zu schütten und rechtzeitig aufzuhören? Aber ich schweife ab. Öffnet man den weißen Unterschrank, findet sich darin ein mit Getränken gut gefüllter Kühlschrank, und der ist natürlich schwarz. Daran anschließend steht der weiße Kleiderschrank, der mit seinen halbtransparenten Schiebetüren zum Ordnung halten auffordert. Drin sind ein elektronischer Safe (in schwarz), sowie Bügeleisen mit -brett, allerdings in weiß. Wahrscheinlich, damit niemand sagen kann, er hätte sie im dunklen Schrank nicht gefunden.
Rechts vom Schrank, mittlerweile sind wir im Vorraum angekommen, hängt ein schöner großer Spiegel mit Metallrahmen und noch so ein esoterisches Gemälde, diesmal aber etwas kleiner, und anstatt Kieselsteine gibt es eine Orchideenblüte zu sehen. Ach ja, und alles in tiefem Pink. Eine Garderobe für Jacken gibt es nicht, wozu auch. Nach kaum elf Metern haben wir den Eingang erreicht, aber noch längst nicht alles gesehen. Ein paar Meter zurück über den - erwähnte ich es schon - stahlgrau gefliesten Boden, wir sind wieder am Bett. Was glaubt Ihr, sofern Ihr noch nicht eingenickt seid - schließt sich an das Nachtkästchen mit dem eigenwilligen Wecker an? Eine große, weiße Whirlwanne, schwarz eingefliest, schwarze Fliesen am Kopfende hoch, mit dem Stahlrelief einer Kornähre verziert. Kopfseitig folgt ein schwarz gefliestes Podest mit zwei weißen Aufsatzwaschbecken, fußseitig ein deckenhoher Raumteiler, innen dunkelgrau gefliest, außen weiß gestrichen, und im mittleren Drittel von unten bis oben aus Glasbausteinen, wie man sie früher bei uns viel für Toilettenfenster oder Treppenhäuser eingesetzt hat. Diese hier schimmern allerdings in tiefem pink, ebenso wie die Rahmen der beiden Spiegel über den Waschbecken. Tief Luft holen, gleich ist es geschafft. Am Ende des Zimmers haben wir, wie schon erwähnt, die Tür, daneben das WC, und das steht nicht einfach im Raum, sondern hat vier deckenhohe Wände und eine abschließbare Holztür, wahrhaftig ein Ort der Ruhe. Und für alle Themen der Hygiene, die man nicht vor den Augen seiner Mitbewohner (sofern vorhanden) erledigen möchte, bleibt eine Duschkabine von ca. 1,50m Breite, abgeschlossen durch eine breite (undurchsichtige) weiße Glastür und eine Wand aus Glasbausteinen in pink. Drin ist Platz für drei (nicht meine Idee, da liegen drei Badetücher), und man hat die Wahl zwischen einer normalen und einer riesigen Regenbrause, mit der man aber aufgrund des geringen Wasserdrucks wenig Spaß hat. Der Boden hier ist übrigens, ganz unpassend, in dunklem beige gehalten. Wahrscheinlich waren die anderen Bodenfliesen zu rutschig.
Stimmungsvoll in Szene gesetzt wird das Zimmer mit nicht weniger als 14 Lampen (ohne die im Kühlschrank), gut verteilt auf 41 Quadratmetern (ohne Balkon, das sind nochmal 7). Wozu soll man da noch vor die Tür? Ach ja - es gibt nichts zu essen. Aber man kann ja nicht alles haben.
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