Mittwoch, 16. Oktober 2013

Heiße Luft

Punta Cana, Sechs Uhr morgens. Ein kleiner Bus mit abgedunkelten Scheiben ist unterwegs von Hotel zu Hotel, um acht Auserwählte einzusammeln. Es sind die Teilnehmer an einer internationalen Mission, an der federführend US-amerikanische und russische Staatsbürger teilnehmen. Über den Verbleib der als reiselustig bekannten letzteren hatte ich mir schon gedanken gemacht, weiß aber jetzt, daß sie bevorzugt in Hotels wohnen, wo man ein goldenes Armband trägt. Bei uns gibt es nur weiße mit goldener Schrift.
Am Zielort angekommen, treffen wir auf die andere Hälfte der Teilnehmer. Nun sind wir fünf Russen, fünf Amerikaner, drei Engländer und ich. Aber was sollen wir hier? Aus dem Morgennebel schält sich langsam etliches technisches Gerät, ein paar Fahrzeuge, ein großes buntes Zelt sowie ein riesiger Picknickkorb. Was hat das alles zu bedeuten? Wir lernen den dominikanischen Vorturner des Unternehmens kennen. Er heißt Louis, und lädt uns in das bunte Zelt ein. Es ist einigermaßen geräumig, man könnte zwei normal gewachsene Omnibusse drin parken. Und noch zwei oben drauf. Wir werden alle fotografiert, und anschließend wieder hinaus gejagt. Das ist auch nötig, denn ein Teil der technischen Geräte außerhalb des Zeltes beginnt kurz danach, riesige Flammen hinein zu blasen, woraufhin es dem Zelt zu warm wird, und es versucht, sich durch die Luft vom dem Acker zu machen, auf dem es gerade noch stand. Das klappt am Anfang ganz gut, vor lauter Begeisterung nimmt es den Flammenwerfer mit und richtet den Picknickkorb auf, an den es gebunden ist. Aber bevor es damit losfliegt, wird es von ein paar Männern festgehalten. Jetzt werden wir aufgefordert, in den Korb zu klettern. Er ist etwa zwei Meter breit, fünf Meter lang und 1,50 m hoch. An den Enden hat er je zwei Abteile für je vier Passagiere mit jeweils einer schmalen Sitzbank, und in der Mitte sind fünf Flaschen: vier mit Propangas und eine voll Rum - nein, Späßle, Louis, der Pilot, ist ein guter Typ und stocknüchtern.
Nachdem alle mehr oder minder mühevoll in den Korb geklettert sind (es gibt nur zwei Tritte in der Wand, keine weitere Hilfe), faucht der Flammenwerfer, und es geht los. Sanft steigt der Ballon in die Höhe, vom kaum vorhandenen Wind in irgendeine Richtung getrieben, bis er 800 m hoch ist. Es ist herrlich, auf die Welt nach unten zu schauen, wo alles ganz klein ist, aus einem Korb, wo alles ganz still ist. Zumindest an Tagen mit guter Thermic. Die haben wir heute leider nicht, und so faucht der Flammenwerfer des öfteren lautstark in den entschleunigten Genuß des in-der-Luft-hängens. Eine Jacke braucht man übrigens nicht bei so einer Tour, der Flammenwerfer heizt allen ordentlich ein. Ich habe auch schon eine ganze heiße Birne.
Nach einer guten Stunde kommt der Landeplatz, eine steinige Wiese in Sicht. Zur Landung müssen sich alle hinsetzen und festhalten, also sieht keiner, wie wir einen großen Strauch streifen und dann mit einem lauten rumms-raschel mitten in einem Busch landen, der so groß ist, daß er den Korbrand überragt. Hier will und kann niemand aussteigen. Den inzwischen eingetroffenen Helfern von Louis bleibt nichts übrig, als den Korb mitsamt seinem Inhalt in leichteres Gelände zu tragen. Viel Arbeit für sechs Leute, aber der Ballon hilft mit. Nach hundert Metern ist dann entgültig Schluß, aber die weiteren hundert Meter bis zu einer kleinen Straße in der Nähe sind unwegsam genug. Zum Glück trägt niemand high-heels. 
Auf der kleinen Straße wird in Windeseile eine lange Tafel aufgebaut, Pavillons gegen die Sonne oben drüber, und ein kleines Frühstück serviert. Louis hält einen lustigen Vortrag über die Geschichte der Heißluftballonfahrt, und zum Schluß gibt es den bei Ballonfahrern traditionellen Champagnertoast: alle stoßen an, sogar mit richtigen Sektgläsern, und Sekt, der mit echten Goldflittern durchsetzt ist. Man soll nur nicht darauf warten, daß man sie rückgewinnen kann, das soll wohl nicht funktionieren. Mit einem Diplom, das an diesen Tag erinnert, schickt man uns wieder nach Hause.
Ein Ausflug, der so früh am Morgen beginnt, hat den Vorteil, daß man danach noch im Hotel frühstücken kann. Er hat aber auch den Nachteil, daß man mittags schon wieder müde ist. 

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