Heute besuchen wir einen Ort, der auf einer Insel liegt, die so groß ist, dass sie gleich an vier Meeren liegt: dem Atlantik, dem indischen Ozean, dem roten Meer und dem Mittelmeer. Diese Insel heißt Afrika, und der Ort ist Agadir in Marokko. Hier war ich schon einmal, vor sieben Jahren, und es hatte mir recht gut gefallen. Kaum sind wir da, gehe ich auf ein Außendeck, um die schöne Aussicht und die frische Morgenluft zu genießen. Mit der Aussicht klappt das auch, aber lüften könnten sie hier schon einmal wieder. Ein Blick ins Wasser erklärt, warum es so stinkt: Das Hafenwasser ist dermaßen voller Müll, als hätten sie seit meinem letzten Besuch nicht mehr sauber gemacht. Haben sie wahrscheinlich auch nicht. Und das setzt sich auch fort während der langen, anstrengenden Busfahrt nach Marrakesch: egal ob bergauf oder bergab, alles ist staubig und vermüllt. Marrakesch selbst zeigt laut und überfüllt, den versprochenen Zauber von 1001 Nacht findet man wahrscheinlich erst, wenn die Sonne untergeht und alles von bunten Lichtern erleuchtet wird. Aber da sitzen wir leider längst schon wieder im Bus, denn die Mumien-Karawane muss weiter...
Montag, 28. Oktober 2019
Sonntag, 27. Oktober 2019
Die Mumien kehrten zurück
Laut Katalog heißt diese Reise "zu den Sonneninseln im Atlantik". Das bedeutet: schönes Wetter an Orten die man nur per Schiff erreichen kann, innerhalb einer bestimmten flüssigen location. Wer sich solchen Quatsch nur immer ausdenkt. Ich habe mal anhand des Routenplans nachgezählt: bei großzügigster Definition haben wir elf Inseln, die aber auch bei allergroßzügigster Definition nicht alle im Atlantik liegen, oder vielleicht doch? Wie schon erwähnt, beginnen wir in Málaga, was auf einer riesengroßen Insel namens Eurasien liegt, die wiederum teilweise vom Atlantik umflossen ist, aber nicht an der Stelle um die es gerade geht. Wie Ihr natürlich alle wisst, liegt Málaga am Mittelmeer, und von dem führt nur eine kleine Straße zum Atlantik, nämlich die von Gibraltar. Aber immerhin Sonne und Wärme haben wir, man kann noch draußen essen, falls man einen Platz findet. Aber das ist schwer, denn überall sind sie: die Mumien vom letzten Jahr, samt ihren Rollatoren, Rollstühlen, sonstigen Gehhilfen und Nordic-Walking-Stöcken. Und fast alle anderen bewegen sich wie die Zombies aus "The Walking Dead". Ohne Scheiß. Das wird ein cooles Halloween dieses Jahr!
Heute haben wir einen Seetag, und befinden uns zweifelsfrei im Atlantik. In der Seenacht davor war das noch nicht so. Manch einer hatte sogar seinen Schönheitsschlaf unterbrochen, um die Passage der Meerenge zwischen Mittelmeer und Atlantik zu betrachten. Allein, mehr als eine schlecht beleuchtete Nebelwand war nicht zu sehen, und dafür morgens um drei aufstehen? Hat sich denn wohl nicht gelohnt. Aber das Wetter ist schön, man könnte draußen essen. Früh gelingt mir das auch, mittags nicht, und abends ist das erste Galadinner dieser Reise, was traditionell sowieso ohne mich statt findet, wegen einer Mischung aus fehlendem Outfit und grundsätzlicher Ablehnung solcher Sachen. Während ich stattdessen vergnügt zusehe, wie 20 Millionäre in Mexico im Kreis herum fahren, genieße ich mein spezielles Galadinner aus den Kabinenvorräten. Hat zwar etwas Arbeit gemacht, war aber äußerst delikat.
Samstag, 26. Oktober 2019
Wäre Lufthansa nicht besser gewesen?
Früher Morgen, ich sitze im ICE nach Dortmund, und der ist gut gefüllt mit jungen fruchtbaren Paaren und ihren reichhaltigen Anhängen zwischen zwei und fünf Jahren. Die Geräuschkulisse ist dementsprechend, aber seit ich meine Tage nicht mehr in einem Großraumbüro verbringen muss, kann ich so etwas besser ab als früher. Zum Glück fährt der Zug auch gar nicht bis zum Fraport, warum auch immer, und ich darf in Wiesbaden aussteigen und in eine praktisch leere S-Bahn wechseln. Die hält am Flughafen aber nicht im S-Bahnhof, sondern da, wo eigentlich der ICE hingehört. Der Lautsprecher auf dem Bahnsteig erzählt etwas von Streckenumbau und neuen Signalen, und dass es für den Rückweg gar keine Bahnverbindungen gibt. Macht nichts, ich komme ja nicht zurück, also, mit dem Flugzeug.
Wo muss ich eigentlich hin? Normalerweise nicht weit, denn die Schalter der Lufthansa sind direkt am Eingang von Terminal 1. Das Problem ist nur, dass auch PHOENIX seine Gäste gelegentlich überrascht, und wir diesmal mit CONDOR fliegen. Hoffentlich, gehören sie doch eigentlich zur pleite gegangenen THOMAS-COOK-Gruppe, aber im Reisebüro hatte man mich da beruhigt. Und selbst wenn, besser in Frankfurt stranden als in Timbuktu und dann Prügel kriegen vom Hotelier.
Nach einer langen Wanderung durch T1 gibt es eine Verengung, linkerhand das (seltsamerweise geöffnete) Servicecenter von Thomas Cook, rechterhand die Condor-Schalter der 1. und 2. Klasse, und dann öffnet sich die riesige Halle der Condor-Holzklasse. Laut Infotafel sind für jeden Flug 3-4 spezielle Schalter vorgesehen, wo man sich gut vorsortiert anstellen kann. Eigentlich. Ein PHOENIX-Reiseleiter zeigt wo man sich anstellen soll, und es scheint natürlich die längste Schlange zu sein. Ist es aber nicht. Es ist die einzige. Die wenigen offenen Check-in Schalter sind auch nicht mit Flugzielen beschriftet, sondern nur mit dem Wort "Economy", was in diesem Fall wohl heißen soll, wir sparen Personal, und jeder macht alles. Bei der LUFTHANSA dagegen waren die Schalter alle auf und meistens so schön leer.
Da die Schlange zu lang ist für die Halle, schlängelt sie sich zweimal hin und eineinhalb mal her, und natürlich stehen die Leute mit der meisten Zeit (dem spätesten Abflug) nicht zwangsläufig hinten, eher im Gegenteil. Ein Bodensteward versucht gelegentlich die Passagiere, deren Flugzeuge los müssen, aus der Schlange heraus zu lösen, aber da er nur ein dünnes Stimmchen hat, verhallen seine "Punta Cana"- oder "Mexico"-Schreie oft ungehört.
Kaum eineinhalb Stunden später stehe ich - in der nächsten Schlange, nämlich der vom Sicherheitscheck. Da hier alle Schalter besetzt sind, geht es etwas schneller voran, und schon findet man sich in einem Warteraum mit komfortablen Rüsselanschluss (ich weiß, das Ding heißt eigentlich "Fluggastbrücke") und man braucht auch bis zum boarding nicht mehr lange zu warten. Allerdings - da kommt ein Bus, weil das Flugzeug auf einer Außenposition steht. Das tun wir auch, fast eine Viertelstunde lang, nämlich im Treppenhaus vor dem Bus, weil das Flugzeug noch nicht ganz fertig ist. (Nein, zusammengebaut ist es schon, aber noch nicht gereinigt und gecatert). Aber auch das geht vorbei, und ob es bei der Lufthansa besser gewesen wäre, keine Ahnung. Schließlich erreichen wir die betagte Boeing 757-300. Gepflegt scheint sie zu sein, besonders die Thomas-Cook-Beschriftung ist noch 1A. Zum schnelleren boarding gibt es zwei Gangways, eine vorne und eine hinten. Leider achtet kaum jemand darauf, wo er - abhängig von seiner Sitzposition - besser einsteigt, was zu heftigen Stauungen während des Gegenverkehrs innerhalb der Maschine führt. Da der einzige Gang schon für die schlanken Stewardessen recht knapp bemessen ist, tun sich die häufig adipösen und schwergängigen Kreuzfahrtgäste, zumeist bewaffnet mit überdimensionalem Handgepäck und heftiger Ungeduld, hier richtig hart. Nach einer gefühlten Ewigkeit fehlen nur noch wenige Fluggäste, egal, aber leider ist das Gepäck schon Bord, nicht egal. Wie die meisten von Euch sicherlich wissen, muss das wieder raus wenn Herrchen und/oder Frauchen fehlen. Als es endlich gefunden und beseitig wurde, ist der slot für den Abflug weg, und wir starten erst mit einstündiger Verspätung. Na gut. Dafür geht in Málaga das aussteigen schneller, weil wir dort - nein, nicht mit dem Fallschirm abspringen, aber angerüsselt werden, und das ist doch sehr viel komfortabler, selbst mit Rollator.
Der Flughafen von Málaga ist ziemlich groß, geschätzt wie der von Mallorca, und sie haben 42 Gepäckbänder. Auf Nummer 38 läuft die erste Hälfte unseres Gepäcks, und die zweite Hälfte dauert, und dauert, und dauert, die ersten älteren Damen werden schon hysterisch und nerven ihre Ehemänner mit negativen Bemerkungen, aber schließlich kommen auch alle anderen Koffer, alles ist gut, wie bei der Lufthansa. Die hat übrigens auch einen Direktflug von Frankfurt, eine Stunde nach uns, und bringt noch jede Menge glückliche und zufriedene Kreuzfahrer, wahrscheinlich diejenigen mit den teuren Kabinen.
Viel später, auf dem Schiff, in Harry's Bar.
Eine ältere Dame erzählt, dass ihr Koffer nicht mitgekommen ist, und sie jetzt nichts zum Anziehen hat, und keine Zahnbürste und so. Ein paar andere Gäste erzählen, was sie vorsichtshalber immer so ins Handgepäck tun (kein Wunder, dass die Gepäckstücke so groß sind). Die Dame und ihre 38(!) Leidensgenossen würden sich ja gerne ein paar neue Sachen kaufen, kein Problem, aber leider hat ausgerechnet heute die Bordboutique geschlossen. Morgen machen die das Geschäft ihres Lebens, auch wenn sie leider keine Abendbekleidung führen. Da wäre nämlich auch noch der erste Galaabend und Fototermin mit dem Captain, denn für Morten Hansen hätte man sich gerne schön gemacht.
Eine ältere Dame erzählt, dass ihr Koffer nicht mitgekommen ist, und sie jetzt nichts zum Anziehen hat, und keine Zahnbürste und so. Ein paar andere Gäste erzählen, was sie vorsichtshalber immer so ins Handgepäck tun (kein Wunder, dass die Gepäckstücke so groß sind). Die Dame und ihre 38(!) Leidensgenossen würden sich ja gerne ein paar neue Sachen kaufen, kein Problem, aber leider hat ausgerechnet heute die Bordboutique geschlossen. Morgen machen die das Geschäft ihres Lebens, auch wenn sie leider keine Abendbekleidung führen. Da wäre nämlich auch noch der erste Galaabend und Fototermin mit dem Captain, denn für Morten Hansen hätte man sich gerne schön gemacht.
Die gute Nachricht ist: die Koffer wurden alle gefunden und werden sofort hinterher geschickt. Allerdings sind wir morgen auf See, da müsste man sie mit dem Fallschirm abwerfen, das macht man lieber nicht. Und am Montag, nach Agadir in Marokko, außerhalb der EU, in den wilden Orient, das macht man lieber auch nicht. Folglich findet die Wiedervereinigung erst am Dienstag statt, auf Lanzarote, das ist auch spanisch, sicher ist sicher.
Ach ja - und der Flug mit den fehlenden Koffern, das war übrigens die Lufthansa.
Freitag, 25. Oktober 2019
Das große Inselhüpfen - Wie es dazu kommen konnte
Das ist eine lange Geschichte, also holt Euch erst einmal etwas zu essen und zu trinken und macht es Euch bequem.
Zur Historie: Nachdem mein Lieblingsschiff, die (alte) MeinSchiff1, allmählich ihren letzten Tagen bei TUI-Cruises entgegensah, und mir die Neubauten dort mit steigender Größe immer weniger gefallen haben, musste eine Alternative her. Das war dann das größte Schiff der kleinen PHOENIX-Flotte, die Artania. Nachdem die erste kleine Reise im Oktober 2015 so weit ganz ok gewesen war, hatte ich dann im Februar ganz mutig eine längere Atlantikreise gebucht. Naja - versucht, denn für Singles gab es zwar nur wenig Aufpreis, aber dafür eine lange Warteliste. Egal - etwas Zeit war ja noch bis Ende Oktober diesen Jahres. Habe ich übrigens schon erwähnt, dass die Buchung der Atlantikreise im Februar stattfand? Ja, habe ich. Im Jahr 2017? Das hatte ich wohl vergessen. Last minute kennt jeder, und das Gegenteil, Frühbucher, natürlich auch. Aber was ich getan habe, war wohl der "Ganz-Früh-Bucher-Versuch", und bei dem blieb es zunächst.
Im Herbst 2018 hatte ich dann nochmal eine Mittelmeerreise auf der MS Artania gemacht (nicht für jede Reise gibt es eine Warteliste), wobei das Publikum in nur drei Jahren so schlimm gealtert war, dass sich selbst die 75-jährigen über den hohen Altersdurchschnitt beschwerten. Seitdem steht das "MS" vor dem Namen für "Mumienschiff" (die Idee eines 75-jährigen). Ich hatte mir deswegen fest vorgenommen, mich nach der Rückkehr sofort von der Warteliste für die nächste Reise streichen zu lassen. Jedoch - wie so vieles, was man sich vornimmt sofort nach dem Urlaub zu erledigen, habe ich es natürlich nicht getan. Und als nach drei Wochen der wirklich schön gemachte Film vom Schiffsfernsehen eintraf, habe ich mir die Sache noch einmal überlegt.
Die Monate vergingen, es wurde Juni 2019, und eines späten Nachmittags beschloss ich, mich nach einer anderen Kreuzfahrt umzusehen. Ich würde also am nächsten Morgen bei PHOENIX anrufen, mich streichen lassen, und dann zwecks Plan B in mein Lieblingsreisebüro fahren. Computer aus, schnell weg, denn es war der Abend der monatlichen Vereinssitzung.
Wieder zurück, nochmals Emails checken, und glaubt es oder nicht: Im Posteingang hing ganz frisch eine Nachricht von PHOENIX, in der stand, dass es jetzt einen Platz für mich gibt und der Eintrag auf der Warteliste sich in eine Festbuchung verwandelt hat. Was für ein timing!
Nun habe ich den Salat, Ihr aber auch. Viel Spaß beim Lesen während der nächsten immerhin 22 Tage!
Euer
Captain Spareribs
Samstag, 25. Mai 2019
Der allerletzte Tag
Zwölf Uhr mittags, der Koffer ist gepackt. Das muss er auch, denn gleich kommt die Putze und kehrt mich aus dem Zimmer. Ach nein, die streitet ein ganzes Stück weiter mit ihrer Chefin. Ich gehe trotzdem, ziehe den großen Koffer nicht ohne Mühe zum Aufzug, um ihn dann drei Etagen tiefer schwitzend einmal quer über die glühendheiße Anlage bis hin zur Rezeption zu zerren. Leider hat der Aufzug seit neuestem die Dackelkrankeit: Drückt man im 3. Stock den Rufknopf, kommt er oder auch nicht. Kommt er nicht, steht er mit offener Tür im 2. Stock. Dann könnte man eine Etage nach unten laufen und dann einsteigen und weiter nach unten fahren. Oder auch nach oben. Heute habe ich aber den Koffer dabei, den müsste ich vor der Aufzugtür im 3. Stock stehen lassen. Das möchte ich nicht. Ich könnte ihn auch die zwanzig Stufen bis zum 2. Stock tragen. Das möchte ich erst recht nicht. Also muss ein Plan B her. Und der bedeutet, ich ziehe den Koffer in den offenen Gängen im 3. Stock durch den größten Teil des riesigen Gebäudes, bis zu der Stelle, wo die Zwillingsaufzüge sind. Wie immer, rufe ich den linken, und wie immer, kommt der rechte Aufzug. Ich glaube wirklich, links ist gar keiner. Unten angekommen, geht es noch fünfzig Meter weiter durch die schwüle Hitze, und dann in die leicht muffige Eingangshalle. Der Rezeptionist nimmt huldvoll meine Schlüsselkarte entgegen, winkt mich weg, und vergisst in seiner dominikanischen Gründlichkeit, dass ich auch die Karte für mein Strandtuch abgeben müsste. Die habe ich auch gar nicht, darum lege ich ihm - nicht ohne Schadenfreude - alternativ das noch ziemlich nasse Handtuch auf die Theke. Koffer in den Warteraum, und weil es noch kein Mittagessen gibt, geht es erst einmal in die Bar. Und während ich mir den letzten Cuba Libre dieser Reise schmecken lasse, beobachte
ich wieder einmal Menschen: eine frisch angereiste amerikanische Gruppe sehr junger, meist weiblicher Mitglieder, die binnen Minuten die gesamte Cocktailkarte bestellen, alles gegenseitig probieren und nichts schmeckt, aber alles wirkt. Oder zwei Paare aus Dunkeldeutschland, die mir schon länger auffallen, ein junges, bestehend aus einer coolen Blondine und einem sanft aber sehr männlich wirkenden Kraftprotz, und ein ganz junges, bestehend aus einem Boygroop-Softie und einer Barbie-Zicke. Die Blondine wirkt sehr relaxed und abgeklärt, und kümmert sich mit der Hingabe einer großen Schwester um die Barbie, die von Tag zu Tag - sagen wir - emotional ein wenig instabiler wirkt. Hatte sie Anfangs ihre "Auftritte" noch genossen, wenn sie aufgestylt und mit Model-Lächeln im Speisesaal erschien (eine Dreiviertelstunde nach den drei anderen, was sich auf ein gemeinsames Essen eher kontraproduktiv auswirkt), schien sie über die Tage immer unzufriedener und begann augenscheinlich ihr Interesse vom Bubi zum Mann zu übertragen, also auf den der Blondine, was diese nicht störte, und ihr Partner lediglich mit Höflichkeit beantwortete. Ab und zu ging er mit Barbie zum Rauchen, was ihr gefiel, sie augenscheinlich stolz machte, und was ihrem Freund nicht passte. Ob es an ihrem Interesse an dem anderen Mann oder nur am Rauchen lag, konnte (und wollte) ich nicht ermitteln. Jedenfalls zeichneten sich Unterhaltungen zwischen Barbie und Bubi gegen Ende der Reise dadurch aus, dass Barbies keifende Stimme immer dann zu hören war, wenn sie das Wort an Bubi richtete. Wenn überhaupt.
Kurz vor Abflug habe ich sie dann aus den Augen verloren: Blondine und Kraftprotz in vertrauter Einigkeit, Bubi niedergeschlagen und mit hängenden Schultern, und Barbie mit zickigem Gesicht allein: Im Flugzeug, und auch in Frankfurt, wo sie am Kofferband allein mit ihrem riesigen Koffer kämpfte. Ich vermute, auf der Hinreise hatte sie noch Hilfe.
Zurück zur Bar, denn ich kann einfach nicht aufhören, ohne noch einmal über die Dominikaner her zu zi.. ich meine, von den Dominikanern zu erzählen. Also - ich sitze an der Bar, wie schon erwähnt, vor meinem letzten Caipi, der sich dem Ende zu neigt. Eine Küchenhilfe kommt rein mit einem Servierwagen voller frisch gespülter Gläser. Es sind Weingläser, aufrecht stehend, und die Küchenhilfe setzt sie auf die Theke um, indem sie von oben immer in drei Gläser hinein greift und sie umstellt. Zweifellos hat sie gewaschene Hände, aber so etwas ohne Handschuhe ist dann doch etwas unhygienisch. Aber gut, wir sind hier in der Dom.Rep., denke ich mir, da haben sie es nicht so mit Qualität. Erst recht nicht mit Qualitätskontrolle, außer bei den Zimmermädchen. Aber es ist wie in einer dummen Komödie: die Küchenhilfe verschwindet, und keine fünf Minuten später erscheint eine kleine. spanisch aussehende Frau mit Haarnetz, sehr strengen Gesichtszügen, dicker Brille, und - nicht ganz passend dazu - einem rosa T-Shirt, das mit pinkfarbenen Herzen bedruckt ist. Im Arm trägt sie ein Klemmbrett für Notizen, und die Hände stecken in blütenweißen Handschuhen. Hinter ihr laufen der Küchenchef sowie zwei Herren vom Management und saugen jedes ihrer Worte auf. Klar zu erkennen: die kleine Dame hat eine wichtige Funktion, vielleicht kommt sie sogar direkt aus der Firmenzentrale auf Mallorca. Sie führt ein strenges Regiment, und ist so klein, dass sie kaum über die Theke schauen kann. Und vielleicht bringt ihr genau das den richtigen Blickwinkel, denn zielstrebig geht sie auf die frisch aufgestellten Weingläser zu, und präsentiert ihrer Begleitung und dem anwesenden Personal die Fingerabdrücke, die die Küchenhilfe auf, besser gesagt in den Gläsern hinterlassen hat. Eifrig notiert die kleine Frau den großen Mangel und lässt die Herren vom Management die beanstandeten Gläser wegräumen. Danach zieht die Karawane weiter. In einem europäischen Fünf-Sterne-Hotel würde sich das Personal jetzt wahrscheinlich betreten ansehen und leise über das diskutieren, was die QS-Dame gerade verlangt hat, mit dem Ziel, es das nächste Mal besser zu machen. Anders hier: Als sie außer Sicht- und Hörweite ist, beginnt das Personal, sich lautstark über die gerade erlebte Aktion lustig zu machen und herzhaft zu lachen. Wir sind halt nicht auf Mallorca.
Ich trabe zum letzten Mittagessen, sozusagen der "Henkersmahlzeit" vor der Heimreise. Man merkt, dass der Küchenchef heute anderweitig beschäftigt war, und so fällt der kulinarische Abschied leicht. Der andere auch. Früher wollte ich häufig auch nach einer langen Reise nicht so gerne heim in den täglichen Wahnsinn, aber seit ich immer Urlaub habe, ist es zuhause auch ganz angenehm.
In diesem Sinne bedanke ich mich bei Euch, dass Ihr es so lange mit mir ausgehalten habt, und freue mich auf unsere nächste gemeinsame Reise.
Euer
Captain SpareribsFreitag, 24. Mai 2019
Der letzte Tag
Auch der längste Urlaub geht vorbei, und dieser hat sich tatsächlich manchmal etwas gezogen. Er war aber auch nicht gerade kurz. Doch heute legt er sich noch einmal richtig ins Zeug. Die Luft zwitschert und die Vögel sind lau - quatsch, anders herum, nach Tagen drückender Schwüle kann man wieder durchatmen, und - das Meer ist schön warm, gleich von Anfang an. Das hätte es echt früher machen können. Abgesehen von der lauten Strandbespaßung ist alles perfekt.
Aber da - aus dem Osten nähert sich eine fiese, dunkle Regenwolke. Sie kommt immer nächer. Die wird doch nicht - aber da biegt sie ab, fliegt einen Schlenker, und ergießt sich über das benachbarte Iberostar-Resort. Glück gehabt. Aber nur für ein paar Stunden. Dann ist sie zurück und gibt alles. Ich freue mich auf den gemäßigten Regen in Deutschland.
Donnerstag, 23. Mai 2019
kulinarische Impressionen
Ich muss sagen, die Küche gibt sich hier immer sehr große Mühe. Besonders abends, besonders optisch. Und dennoch - man liest immer wieder, das Essen hier sei eintönig. Und wisst Ihr was - es stimmt leider. Aber das liegt an den Gästen selbst, denn warum nehme ich denn jeden Tag das gleiche vom Buffet? Muss ich das? Auswahl wäre da. Ich beschreibe mal das Abendangebot: Man kommt rein, und stolpert praktisch über ein kleines Spezialbuffet für Süßigkeiten, das jeden Abend anders ist. Zwei Beispiele:
Dann kommt das große, normale Süßigkeiten- und Eisbuffet, dahinter die Salate und Vorspeisen.
Wir gehen zurück, und bewegen uns an der Wand entlang. Da gibt es Pizza, Pasta, Bruschetta und sogar eine Suppe. Der Weg führt zu einer großen hufeisenförmigen Theke mit warmen Sachen: Eine Seite Fisch und Muscheln, die andere Fleisch und etwas Vegi, dazwischen Gemüse und andere Sättigungsbeilagen.
Dann kommt eine kleine Ausgabe, jeden Tag anders: Serranoschinken, frisch geschnitten, Crepes, manchmal sogar Sushi nach Wunsch, direkt zum drauf warten. Also, Sushi gibt es immer, aber auf Wunsch, das ist die Ausnahme.
Dann kommt noch ein Burger- und ein Asiabuffett, und am Schluß schneidet ein Koch vom ganzen Braten, oder er hat eine Paella.
Natürlich schmeckt nicht immer alles gleich gut, die Schweinesteaks zum Beispiel, und auch manche Fische, sind "tot gebraten", dafür könnten die morgendlichen Spiegeleier oft noch etwas länger. Aber was immer unfassbar lecker schmeckt: Es gibt jeden Mittag und jeden Abend ein Schmorgericht, also irgendeine Art von Gulasch oder boeuf stroganoff. Die absolute Geschmacksexplosion ist Ziegengulasch, aber vorsicht: dominikanische Köche zerlegen das Fleisch mit der Axt, auch im kleinen, daher könnte ein Knöchelchen dazwischen sein.
Mittwoch, 22. Mai 2019
Haustiere sind verboten
Also, was Tiere betrifft, da sind sie hier bei RIU knallhart. Ich verstehe das ja zum Teil, denn ich mag auch keine Ameisen im Glas oder Käfer im Zimmer. Aber man muss es ja nicht übertreiben. Während beim Nachbarn Iberostar Hühner, Störche, Schildkröten und Karpfen frei herum laufen (OK, die letzteren nicht, weil sie nicht können, aber sie dürften,) werden bei uns schon die Krähen, Elstern und Tauben in der Gartenanlage misstrauisch beäugt, und noch mehr der halbwilde Hund, der sich vor kurzem in die Anlage verirrt hatte. Das ist so eine gut kniehohe kurzhaarige sandfarbene Rasse, die weder bellt noch mit dem Schwanz wedelt. Er schien sich aber mit einem Touristenpaar recht gut zu verstehen.
Und neulich früh, sehr früh, sehe ich unter einem Tisch im Speisesaal vier weiße Pfötchen vorbei huschen. Da hat sich doch tatsächlich ein Kätzchen eigeschlichen!
Als sie eine Weile da ist, bemühen sich die Kellner viertelherzig (das ist noch weniger als halbherzig) das Tierchen einzufangen oder zu verscheuchen. Die Flucht gelingt, doch wenig später muss ich feststellen, dass sie aufgegriffen wurde. Draußen, nicht weit vom Restaurant, steht ein strahlender Tourist mit der Katze in den Armen, wo sie sich offensichtlich sehr wohl fühlt. Hoffentlich hat er jetzt keine Flöhe.
Dienstag, 21. Mai 2019
Lautstark am Strand
Klingt wie "schlaflos in Seattle", und ist auch so etwas ähnliches. Während man an "normalen" Tagen am Strand zwischen 7:00 und 10:00 und ab 17:00 Uhr viel und dazwischen einigermaßen seine Ruhe hat, klappt das an Wochenenden nur in Ausnahmefällen. Neben den normalen Urlaubern sind Freitag abend auch noch die Wochenendgäste angereist, aus USA natürlich und sogar dominikanische Landsleute der oberen Einkommensgruppe. Und alle haben nichts besseres zu tun, als hier ihr Geld loszuwerden. Das denken zumindest die illegalen Händler für Schmuck, Sonnenbrillen, Zigarren und Tauchausflüge, kurz "Strandpiraten" genannt, und preisen lautstark an, was sie im Angebot haben. Zwischenzeitlich wird ein Segelboot nach dem anderen zu Wasser gelassen und die Motoren der Schleppboote von Banane und Parasailing gestartet. Oben drüber zieht der Rundflug-Hubschrauber alle 15 Minuten brummend seine Runden. An der Bar wird laute Musik gespielt, die sich mit der lauten Musik der Animation mischt, die gerade stretching, Aerobic, Bachata und Wassergymnastik anbietet, in dieser Reihenfolge und alles mit lauter Musik verbunden. Und im akustischen Kreuzfeuer all dieser sounds gibt es tatsächlich Leute, die - am Pool liegend - einen eigenen bluetooth-Lautsprecher betreiben, aus dem nochmal etwas anderes quäkt. Also, ich glaube, gesund ist das nicht. Gesund dagegen ist sicherlich das frisch gekochte Mittagessen im Strandlokal, und da gehe ich hin. Schön ist es da, und bis auf die üblichen Koch- und Essengeräusche kaum etwas zu hören. Bis nebenan Tische zusammen geschoben werden und eine amerikanische Großfamilie mit drei kleinen Kindern zwischen zwei und vier Jahren Platz nimmt. Kein Problem, denn amerikanische Kleinkinder gelten allgemein als brav und wohlerzogen. Das Essen wird geholt - immerhin dürfen die Kinder nicht selbst im Bufett herumplanschen - und irgendetwas ist nicht nach dem Geschmack der ältesten Prinzessin, was sie mit langgezogenen, kräftigen und unartikulierten Tönen äußert. Bis dahin hatte ich sie noch als recht niedlich empfunden, aber eine große Karriere kann ich ihr aufgrund ihrer performance leider nicht voraussagen, nicht als Sängerin, und nicht als Feuerwehrsirene, da sie weder eine schöne Stimme hat, noch den Ton halten kann. Dabei kümmern sich doch beide Elternteile aufopferungsvoll um ihre - smartphones. Nachdem mein Salatteller leer ist, und ich wenigstens das Hauptgericht einigermaßen in Ruhe genießen möchte (schließlich sitzt die kleine Lärmquelle nur etwa 2m von mir entfernt), suche und finde ich den Blick der Mutter (während der Vater in sein Spiel vertieft ist), strahle sie an und lege dann, als sie zurück lächelt, ganz viel Bedauern und Verständnis in meinen Blick. Bevor der Vater aufmerksam wird, reißt der Kontakt ab, kurz danach auch der Krach. Vielleicht, weil man ihn bis zum Buffet, wo ich inzwischen bin, sowieso nicht hört. Als ich zurück komme, sehe ich auch sofort, warum. Die Mutter hat - vorsichtshalber bei allen drei Kindern, obwohl die kleineren bisher völlig ruhig und brav waren - die ultimative Geheimwaffe gezogen, die inzwischen schon bei kleinsten Kindern, sobald sie sitzen können, zur Standardausstattung jedes Kinderwagens und jedes Kinderstuhls gehört: pro Kind ein eigenes tablet mit irgendwelchen dummen Kinderfilmen drauf. Das kann das laute Mädchen perfekt bedienen, aber Sätze von mehr als zwei Wörtern sagen, das kann sie noch nicht. Und selbst diese ein bis zwei Wörter verstehe ich nicht, obwohl ich ihre Sprache fließend spreche. Hoffen wir mal, es liegt nur an einer Mischung von Brooklin-Dialekt, kindlicher Zungenunfertigkeit und durch unnötiges herumschreien erzeugte distortion, sonst kann sie früher schreiben als sprechen.
Nachdem ich mich jetzt nach dem Frauen- auch noch zum Kinderfeind geoutet habe (was nicht stimmt, ich mag Kinder, nur nicht die Geräusche die sie ausstoßen, und wenn überhaupt, bin ich nur kein Freund von Eltern, die ihre Kinder nicht erziehen, und selbstverständlich geht es hier natürlich nur um Kinder von Trumpies) kehre ich zurück zu erwachsenen Lärmbelästigungen.
Ich denke, sie haben an der Rezeption einen Zettel mit der Aufschrift: "besonders laute Menschen bitte ins Zimmer 3134 einbuchen". Das ist genau neben mir, spiegelverkehrt zur Wand, wo der Fernseher hängt. Das hört man dann auch, laut und deutlich, ist aber nicht das Problem. Auch nicht der laut rauschende Whirlpool, der häufig benutzt wird, oder die gut gepolsterte Spielwiese, die zwar nicht knarzt und quietscht, aber manchen Benutzern viel Spaß macht, woraufhin sie selber seltsame Töne ausstoßen. Das ist auch noch nicht das Problem, warum auch. Am besten funtioniert der Schallschutz Richtung Balkon, die Schiebetür in Kombi mit den Schallschutzvorhängen hält richtig gut dicht, jedenfalls meistens. Was man von der Eingangstür nicht sagen kann, die hat keine Dichtung, und unter ihr könnte man locker einen Otto-Katalog durchschieben. OK, das ist übertrieben. Aber die Gelben Seiten passen durch, ohne Problem. Dementsprechend hört man jedes Wort, jeden Schritt und jeden Putz- oder Servierwagen, der draußen auf den hallenden Fliesen vorbei kommt. Da gewöhnt man sich schnell dran, also im Normalbetrieb. Aber es gibt nichts, was sich nicht steigern ließe. Da war das Ende der ersten Woche, als gegen 21:00 Uhr der Nachbar anfing, womit auch immer, massiv auf seinen safe einzuschlagen. Es klang wie ein Vorschlaghammer, wobei ich nicht glaube, dass er einen dabei hatte. Parallel dazu beschimpfte er lautstark und abwechselnd den safe und seine heftig zurück keifende Frau. Der Grund ist leicht zu erraten: die massive Metallbox ging nicht auf, und keiner wusste mehr die (im übrigen selbst vergebene!) Kombination. Meistens ist es 1-2-3-4, die Menschen sind ja in der Regel sehr kreativ. Während Mann und safe die Kräfte messen, googelt die Frau mit Hilfe ihres smartphones die Telefonnummer des Hotels, wird dreimal verbunden und packt dann in ihre Beschwerde so oft das Wort "fucking" wie ich es bei nur zwei Sätzen nie für möglich gehalten hätte. Wie bei RIU üblich, verspricht man vermutlich umgehend Abhilfe zu schaffen, denn schon Minuten später klopft ein Security-Mann sanft an der Tür des Nachbarn, und die wuchtigen Schläge gegen den safe sowie das Geschimpfe hören kurzzeitig auf. Übrigens wäre er noch viel schneller da gewesen, wenn die Frau das normale Telefon neben dem Bett als solches erkannt und einfach den Knopf neben der Aufschrift "recepcíon" gedrückt hätte. Billiger wohl auch. Aber egal, der Helfer ist da, und er könnte mit einer Spezialkombination sofort den safe öffnen. Macht er aber nicht, er beharrt darauf, vorher die Pässe der Zimmerbewohner zu sehen. Die sind im safe, worauf der Sicherheitsmann von selber hätte kommen können. Und selbst, wenn alles ein fake ist, und da ganz andere liegen, dann könnte er immer noch den safe wieder schließen und die "Gäste" erst einmal mitnehmen. Aber dieser Gedankengang ist vielleicht zu komplex für einen dominikanischen Sicherheitsmann, der mit einem riesigen Schlagstock bewaffnet ist. Die ganze Prozedur wird dadurch, dass beide Parteien keine gemeinsame Sprache haben, nicht gerade erleichtert. Zum Glück kommt gerade noch ein Kellner vorbei, vermittelt, der safe wird geöffnet, die Hotelangestellten gehen wieder, Ruhe kehrt ein. Für Sekunden, bis die Frau beginnt, ihren Mann in den höchsten Tönen voll zu keifen. Aber der macht jetzt das einzig richtige und antwortet erst knapp, dann einsilbig, und dann gar nicht mehr.
Der Rest der Nacht verläuft ruhig und friedlich, bis auf ein mühelos den Schallschutz durchdringendes Open-Air-Konzert um 23:00 Uhr, und besoffene Gröl-Touristen auf den Gängen um 0:30, 2:00 und 2:30 Uhr. Ach ja, sowie eine Horde laut quietschender Teenies auf der Straße unter meinem Balkon, als die Disko kurz nach 3:00 Uhr schließt. Danach kann ich gut schlafen, lange und erfrischend, bis mich die Frühschicht der Küchenbrigade zu Dienstbeginn laut und fröhlich singend weckt. So gegen 5:30 Uhr.
Montag, 20. Mai 2019
Internationale Geldgeschäfte
Heute ist der Tag der Meere, der sich für nachhaltigen Fischfang und gegen die Ausrottung von Speisefisch richtet. Nachhaltiger Fischfang wird aus meiner Sicht seit Jahrzehnten betrieben, leider so nachhaltig, dass die Fische gar keine Zeit mehr zum Nachwachsen haben und aussterben. Aber das ist - glaube ich - nicht gemeint. Ich selbst werde heute einen kleinen Beitrag gegen die Ausrottung von Speisefisch leisten, indem ich außerhalb des Hotels esse, in einem Restaurant, wo es garantiert keinen Fisch gibt. Aber ganz von vorne.
Wisst Ihr, was eine Mädchenantwort ist? Da ich keine Germanistikausbildung habe, nur Sportpsychologie kenne, und zu dem Phänomen auch nichts im Internet gefunden habe, höchstens bei Mario Barth, nenne ich das einfach mal so. Die Bedeutung ist: du stellst eine Frage, bekommst aber eine Antwort, die mit dieser Frage wenig oder gar nichts zu tun hat. Man kann das auch als Akademikerantwort bezeichnen. Besonders die Gesellschaftswissenschaftler und BWLer sind darauf trainiert, auf Fragen, die sie nicht verstanden haben oder deren Lösung sie nicht kennen, mit einem Schwall von bedeutungsfreien aber wichtig und gebildet klingenden Worten zu antworten. Auf niedrigerem Niveau, noch aus dem Mittelalter stammend, kann man bei uns in Nürnberg auch zu hören kriegen, idealerweise im breitesten fränkisch: "das hätte Dir der an der Fleischbrücke auch sagen können!" Erklärung auf Wunsch persönlich.
Beispiel einer Frage-Antwort-Kombi mit halbwegs verwendbarer Antwort. Er: "geht die Heizung linksherum auf?" - sie: "nein, nein, die geht rechtsherum zu!"
Beispiel mit völlig unbrauchbarer Antwort. Situation: im Auto, an einer roten Ampel, er am Steuer. Er: "müssen wir jetzt rechts oder links weiter?" - sie, mit leicht gereiztem Unterton: "die Ampel ist rot!". Und nachdem ich mit solchen Sprüchen nie eine Freundin finde, wird der Spieß jetzt umgedreht. Mädchenantworten bekommt man nämlich nicht nur von Mädchen, wie das folgende Gespräch in einem Nürnberger Krankenhaus zwischen Arzt und Patientin beweist. Er: "und nächste Woche melden Sie sich dann in einer Spezialklinik, der LMU in München!" - sie: "und wo ist die genau?" - er: leicht zu finden, ich habe da studiert!" ??? OK, aber eine Akademikerantwort war das nicht, er zumindest wusste ja wohin. All diese Beispiele sind nicht erfunden, ich habe sie alle selbst erlebt. So weit die Einleitung.
Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein ganz großer Fan vom Hard Rock Cafe bin, und meistens irgendwelche Oberteile dieser Marke trage. Übrigens die einzige Markenkleidung, für die ich Geld auszugeben bereit bin. Seit ich 2011, bei einem Ausflug nach Santo Domingo, zufällig in ein HRC reingeraten bin, weil ich einen Kaffee trinken wollte, (alles lacht, ist aber nicht erfunden!) und das Konzept noch gar nicht kannte, besuche ich jedes erreichbare HRC auf der Welt, decke mich mit Klamotten ein, neuerdings auch mit drum sticks (also, nicht denen zum grillen natürlich, sondern richtigen, koste es was es wolle, was es zum Teil auch tut) und gehe essen, wenn die Zeit es erlaubt (bei Schiffsreisen nicht immer einfach). Bis vor kurzem lag das HRC in Santo Domingo taktisch an einer sehr günstigen Stelle, gegenüber der Santa-Maria-Kathedrale, und weil die TUI-Ausflüge nach der Kathedralenführung immer Freizeit angeboten hatten, notfalls auch schon vorher, war ich da praktisch schon vor der Tür. Nun hat sich Santo Domingo weiter entwickelt, wie man auch an den Mieten sehen kann, und ein neues Einkaufszentrum wurde gebaut, die blue mall. Und dahin ist jetzt auch das HRC umgezogen. Wo ungefähr das sein soll, hatte ich noch zuhause schnell heraus gefunden, doch weder google maps noch apple Karten fanden es nötig, zur besseren Orientierung auch noch einen Entfernungsmaßstab in den Stadtplan einzublenden. Aber wie es der Zufall so will -im Flugzeug neben mir saß ein Dominikaner. also, dachte ich, er sah so aus, nur größer, und er hatte seine Filme auf spanisch angesehen. Tatsächlich ist er Schwabe, Unternehmer, lebt seit vielen Jahren in Santo Domingo. Ich erzähle vom HRC, frage, wie weit die blue mall von der Kathedrale weg ist, und er sagt "das ist ganz in der Nähe wo ich wohne!". Vielleicht sollte ich die "Mädchenantwort" umtaufen, eventuell auf "Schwabenantwort?". Im Laufe des Gesprächs (ist ja ein Fernflug) erfahre ich dann doch noch, was ich wissen möchte (ist zu weit), und hake Santo Domingo daraufhin nicht ohne Bedauern ab.
Der nächste Morgen. Empfang bei der Reiseleitung. Die ist weiblich, spanisch, winzig klein, und ich bekomme eine neue Art der Mädchen-/Schwabenantwort. Wir haben hier eine Abart der Rote-Ampel-Geschichte, eine Frage wird völlig korrekt beantwortet mit null hilfreicher Information.
Ich weiß ja, dass es früher in Punta Cana, in einem nahegelegenen netten Einkaufszentrum, auch ein HRC gab. Danach frage ich. Nein, ist die Antwort, alles geschlossen, HRC gibt es nur noch in der blue mall. Hand aufs Herz: wer von Euch würde aus dieser Antwort ablesen, dass es noch eine weitere blue mall gibt, nämlich in Punta Cana? Keine alte Sau, das ist meine Meinung. Aber es gibt, wie ich später von einem riesigen dominikanischen Reiseleiter (der Urlaubsvertretung) erfahre, nahe dem Flughafen. Die Taxikosten sind zwar hoch, liegen aber nur bei der Hälfte eines sinnlosen Ausflugs nach Santo Domingo. Auf Anraten des RLs bestelle ich das Taxi bei der Rezeption vor für heute, 11:00 Uhr, zu einem günstigen Preis.
So wie man mich erzogen hat, warte ich seit 10:45 Uhr. So wie ich mich erzogen habe und die Dom.Rep. kenne, verliere ich erst um 12:00 Uhr die Geduld, gehe zur Rezeption und informiere sie freundlich aber bestimmt über die Zuverlässigkeit der dominikanischen Taxifahrer im allgemeinen und des vereinbarten Termins im besonderen. Das lässt die Rezeptionistin aus dem Haus RIU aber nicht auf sich sitzen, und tatsächlich finde ich mich zwei Minuten später wieder in einem Taxi mit dem gewünschten Ziel. Warum ich reservieren sollte, möchte ich hier nicht weiter diskutieren.
Die blue mall ist ein riesiges Einkaufszentrum voller teurer Läden, extrem großzügig, jedoch ohne Kunden, wie ich es in Deutschland noch nie gesehen habe. Der Taxifahrer setzt mich vor einem Nebeneingang ab, erklärt mir den kurzen und einfachen Weg zum HRC und verspricht, mich zwei Stunden später wieder abzuholen. Klappt wahrscheinlich, denn Geld hat er noch keins gesehen. Ich gehe also rein, und tatsächlich, einmal um die Ecke stehe ich vor dem Hard Rock Café.
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| Bühnenoutfit von Gwen Stefani |
Die Tür muss ich selber aufmachen (früher, in Santo Domingo, hatten sie tatsächlich weibliche Türöffner), aber dann stürzen sich sofort zwei hübsche Mädchen auf mich und fragen nach meinen Wünschen. Da die eine von beiden Kellnerin ist, ich aber erst einmal einkaufen möchte, zieht sie sich wieder zurück. Die Verkäuferin, noch sehr jung, und offenbar im Verkauf unerfahren und mit - für HRC ungewöhnlich - nur rudimentären Englischkenntnissen gibt sich alle Mühe, mich mit passenden T-Shirts zu versorgen. Beraten kann sie nicht, mich mit großen Kulleraugen anstrahlen hat sie drauf, was ja manchmal auch verkaufsfördernd sein kann. Aber jetzt geht es los: Nach längerem Nachkontrollieren des Einkaufs will sie korrekte 200$, und das Kreditkarten-Lesegerät verlangt doch tatsächlich eine PIN. Das letzte Mal hat es noch genügt, den Pass vorzuzeigen, oder auch gar nichts. Das Problem ist nur: ich weiß meine PIN nicht, aber da ich das weiß, bin ich vorbereitet. Ein zweiter Versuch bringt auch nichts, und so kommt jetzt die EC-Karte dran. Klappt natürlich nicht, obwohl ich die PIN wüsste, aber das Gerät weiß nicht, was eine EC-Karte ist, was dem dazu gekommenen Chef wohl schon vorher klar war. Aber macht nichts, wir sind international, und mit richtigem Geld kann man auch bezahlen, wenn man denn genug hat. Genug Dollars für den Einkauf hat man aber nicht, wenn man den Taxifahrer noch bezahlen muss. Aber es gibt ja auch noch Euros, und jede moderne Rechnung in diesem Land wirft alle drei Währungen aus: Pesos, Dollars und Euros. Und so bezahle ich 150€ und 32$. Ich hätte auch alles in € bezahlen können, hatte aber Angst, dass sie mir das Wechselgeld in sinnlosen Pesos geben. Tun sie aber nicht. Alles im Turi-Bereich ist in $ ausgeschrieben, und sie haben auch passendes Wechselgeld.
Weiter geht es ins Restaurant, wo - im Gegensatz zum Shop - wenigstens vier Gäste sitzen, jetzt fünf.
Außer der Kellnerin gibt es noch einen Barkeeper und einen weiteren Kellner. Beide Kellner sind extrem aufmerksam und freundlich, man wird blitzartig (ok, bei der Gästezahl) und extrem freundlich bedient. Die Kellner arbeiten Hand in Hand: nachdem er mir die Karte hingelegt hat, nimmt sie sie sofort wieder weg und gibt mir eine andere, mit der Bemerkung, die englische wäre wohl besser für mich. War die erste anscheinend spanisch, ich hatte keine Zeit, sie zu öffnen.
Angemessene Zeit nach der Bestellung (man macht bei HRC alles frisch, d.h. erst nach Bestellung wird gegrillt) kommt mein Burger. Es ist erst das dritte HRC, in dem ich essen gehe. Eingekauft habe ich mit heute in sieben shops, in einigen davon mehrfach. Der Burger schmeckt, besser als im Hotel, und auch da sind sie richtig lecker, aber unter den bisher besuchten HRCs belegt Punta Cana einen wirklich anerkennenswerten dritten Platz. Sehr gut auf Platz zwei war Berlin, und unerreichbar, unfassbar lecker der Burger in Barcelona.Ich werde weiter sammeln, hoffentlich schon bald.
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| Punta Cana |
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| Berlin |
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| Barcelona nur Pommes |
Wo Punta Cana vorne dran liegt, ist die Atmosphäre. War es in Berlin zu heiß, wegen dem Supersommer 2018, und in Barcelona ebenfalls, im Spätherbst 2018, warum auch immer, herrscht hier ein wundervoll gekühltes Raumklima. Was den Service betrifft, hatte Barcelona die hübschesten Kellnerinnen, Berlin einen besseren Service als Barcelona, aber Punta Cana ist hier unschlagbar. Kaum hat der Kellner mein Bier in die Bonmaschine getippt (nicht gekippt!), stellt es die Kellnerin schon auf den Tisch, praktisch im selben Moment. Beide machen die ganze Zeit sehr überzeugend den Eindruck, dass sie ihren Job lieben und sind extrem aufmerksam. Als ich mit den Fingern eine ertrunkene Fliege aus meinem Bierglas fische, was dem Kellner extrem peinlich ist, legt er sofort, praktisch im gleichen Moment, ein feuchtes Handreinigungstuch auf den Tisch und bietet ein neues Bier an. Einziges Manko: man sollte einen Gast, auch wenn er einem noch so gut gefällt, nicht ganz so offensichtlich mit Blicken ausziehen. Diesmal war ich das Objekt der Begierde des schwulen Kellners. Und wenn ich so etwa schon einmal merke, das braucht Deutlichkeit...
Als meine Zeit abgelaufen ist, bin ich ernsthaft gespannt darauf, wie lange ich in der Sonnenglut auf mein Taxi warten muss. Glaubt es oder nicht: die Uhr springt auf 14:30 Uhr, und genau in dem Moment hält er mit quietschenden Bremsen vor dem Tor. Unfassbar! Der Taxifahrer freut sich, dass ich ihn für seine Pünktlichkeit lobe, und nehme natürlich seine Visitenkarte für kommende Aufträge gerne entgegen. Er weiß ja nicht, dass er während all meiner Reisen hierher der erste und vielleicht auch letzte Taxifahrer war, den ich je bemühen musste.
Sonntag, 19. Mai 2019
Die Kunst zu duschen
Die Dusche in meinem Zimmer hatte ich ja letztes Mal schon recht zutreffend beschrieben (2013/Oktober/Zimmer), und trotz Nachmessens mit der modernen Messtechnik meines Smartphones ist sie immer noch sehr, sehr groß. Damit Ihr eine Vorstellung davon habt, bin ich diesmal mit auf dem Foto. Nein, nicht so, das will keiner sehen...
Die Dusche läßt einem die Wahl zwischen einer normalen Handbrause, die in einer Brausestange hängt, und einer großen Regenbrause, ganz von oben. Sehr komfortabel. So etwas steuert man normalerweise mit einem Brausethermostat an, der dann in einen 3-Wege-Umschalter mündet, also oben-unten-beide. Normalerweise. Hier benutzt man eine Badewannenarmatur, also einen Mischer mit Knopf. Macht man den auf, füllt sich die Badewanne (in unserem Fall spritzt die Handbrause), zieht man den Knopf, kommt das Wasser stattdessen aus der Regenbrause. Drückt man den Knopf wieder oder schließt das Wasser, schaltet die Armatur zurück auf die erste Möglichkeit. Normalerweise. Kennt eigentlich jeder von zuhause. Aber wir sind ja nicht zuhause.
Will man also hier duschen, nimmt man am besten die Handbrause vom Haken, drückt sich auf die Seite der Kabine, öffnet den Mischer, der ganz hinten an der Wand ist, und stellt die gewünschte Temperatur ein. Das kann je nach Tagesform der Wasserversorgung schnell gehen, etwas länger dauern, oder auch gar nicht funktionieren, wenn es mal wieder kein warmes Wasser gibt. Aber in der Regel ist die Temperatur in einem angemessenen Zeitraum erreicht, man könnte die Handbrause in der gewünschten Höhe wieder einhängen, und die angenehme, warme Dusche genießen. Wenn da nicht die Regenbrause, über die Jahre etwas inkontinent geworden, immer ein paar deutlich spürbare Spritzer kaltes Wasser dazu geben würde. Hilft nur eins, Knopf ziehen, schnell aus dem Gefahrenbereich, kurz warten, bis das Wasser warm ist, und dann eben komplett nass werden (inkl. Haare, was ja vor allem bei der Damenwelt nicht immer beliebt ist). Man könnte auch auf die Idee kommen, jetzt, wo alles schön warm ist, den Knopf wieder zu drücken, und die Frisur zu schonen. Ich drücke also, und nichts geschieht. Plan B: Mischer schließen, der Knopf flutscht rein, den Mischer schnell wieder aufmachen, es kommt warmes Wasser aus der Handbrause, aus der Regenbrause wieder kaltes. Aber wenn man sich mal an das Duschsystem gewöhnt hat, geht alles seinen regelmäßigen Weg, so wie neulich. Ich drehe den Mischer auf, warte auf warmes Wasser, ziehe den Knopf, flutsche schnell aus der Gefahrenzone, und - nichts geschieht. Bis ich mich frage, was ich da in der Hand habe...
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