Lanzarote ist die nordöstlichste der acht bewohnten kanarischen Inseln (fragt man welche das sind, kriegen die meisten Menschen nur vier bis sechs zusammen, also die vier bisher auf unserer Reise besuchten, dazu Teneriffa, La Gomera, weniger bekannt da ohne Massentourismus: El Hierro, und - selbst mir noch nicht bekannt, da bis 2018 Bestandteil von Lanzarote: das im Norden liegende Inselchen La Graciosa mit gerade mal siebenhundert Einwohnern) ist jetzt auch eine eigenständige Insel.
Lanzarote hat sich dank der jahrzehntelangen Einflußnahme von César Manrique ein ganz besonderes Erscheinungsbild geprägt und bewahrt. César Manrique war ein spanischer Maler, Architekt, Bildhauer und Umweltschützer auf der Kanareninsel Lanzarote, der unter anderem dafür sorgen konnte, dass Häuser hier nicht höher gebaut werden dürfen als ein Palme wächst. Einzige Ausnahme: das Grandhotel in Arrecife, moderate siebzehn Etagen hoch, war schon vor Inkrafttreten dieser Regel da, und ist somit das einzige Hochhaus auf Lanzarote. Außer heute, aber wir fahren ja bald wieder weg.
Es gibt hier unfassbar viel zu sehen, malerische Dörfer, bergige Landschaften, das Tal der 1.000 Palmen, den Jardin de cactus, die Marina von Playa Blanca und natürlich die Feuerberge von Timanfaya sowie den Mirador del Rio mit spektakulärem Ausblick auf die oben genannte Nachbarinsel La Graciosa. Und jetzt im Frühling gibt es überall ganz viel grün und Blüten.
Lanazarote ist weltweit, mit großem Abstand, meine Lieblingsinsel. Warum ich trotzdem an Bord bleibe? Ich bin heute zum vierten Mal mit dem Schiff hier, und habe bereits dreimal richtigen Urlaub (jeweils 2 oder auch 3 Wochen) auf Lanzarote gemacht, das letzte mal vor weniger als einem Jahr (wie Ihr lesen konntet oder noch könnt). Und Arrecife ist nicht gerade die schönste und interessanteste Stadt auf der Insel. So genieße ich den Tag lieber auf dem Schiff mit wenigen anderen Zurückgebliebenen (nicht mißverstehen!) und freue mich später an den durchweg begeisterten Erzählungen der zurück gekehrten Ausflügler.
Abends, gegen 18.00 Uhr fahren wir wieder los. Der Wind ist moderat, die Wellenhöhe mit 2 1/2 m lächerlich, also, für so ein großes Schiff. Das spürt man praktisch gar nicht.
Gegen 19.00 Uhr, ich sitze gemütlich beim Abendessen, meldet sich der Captain mit den Worten „Sicherlich haben Sie schon gemerkt, dass wir den Kurs geändert haben!“ Nein, zumindest ich habe es nicht gemerkt, denn ein Schiff legt sich - im Gegensatz zu einem Flugzeug oder auch einem Fahrrad - nicht auf die Seite, wenn es eine Kurve fährt. Und im Atlantikrestaurant hängen keine Kursmonitore, was sich auch mit der eleganten Einrichtung ziemlich beißen würde. Tatsächlich haben wir wieder Kurs auf Fuerteventura genommen, von wo aus uns das dortige Lotsenboot entgegen kommt, um einen medizinischen Notfall aufzunehmen. Normalerweise machen wir das im Hafen, weswegen wir fast jedes Mal mit Verspätung abgefahren sind, aber diesmal hat das leider nicht geklappt. Und nun zeigt sich, dass 2 1/2 m, die sich ständig auf und ab bewegen, verdammt viel sein können, wenn man einen kranken, bewegungslosen Menschen von einem großen Schiff in eine kleine Nußschale übergeben muss, kann man ihn doch nicht einfach rüberwerfen, wenn das kleine Boot gerade mal wieder vorbei kommt. Mit viel Geschick gelingt die Aktion, und wir fahren weiter.
Medizinische Notfälle sind recht häufig auf dieser Fahrt, da wir nicht nur viele alte sondern auch ausgesprochen viele gebrechliche Leute mit uns führen. Und selbst der Einsatz unseres Pfarrers, den wir wegen Ostern ausnahmsweise dabei haben, war leider schon notwendig. Nein, die Fahrt mit einem Kreuzfahrtschiff ist nicht gefährlich, ganz im Gegenteil, eher erholsam, aber viele Leute überschätzen einfach ihre körperlichen Möglichkeiten, machen Bergwanderungen und Sport bis zum Umfallen und was auch immer. Und das geht leider, in ganz seltenen Fällen, auch einmal nicht gut aus.

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