Donnerstag, 2. Juni 2022

Die Weichen werden gestellt

Eigentlich ist noch immer Mittwoch, denn Ihr wollt sicher wissen, wie mein Date mit der Reiseleiterin ausging. Sie erschien gut gelaunt und für spanische Verhältnisse pünktlich mit einem Brett, nicht vor dem Kopf, sondern unter dem Arm, fast so groß wie sie selber, was sich als Karte von Lanzarote herausstellte. Fast schon lebensgroß, denn die Insel ist recht klein, man kann jeden einzelnen Einwohner auf der Karte sehen. Ok, vielleicht nicht ganz. 

Bevor sie mich mit ihrem Ausflugsangebot überfallen kann, klage ich mein Leid mit dem weiten Weg zu meinem Zimmer, ziehe - wenn auch ungern - als Trumpf meine Karte mit der Gehbehinderung, und sofort verspricht sie, sich zu kümmern. Da sich an der Rezeption die Kunden gerade ballen, bewirft sie mich dennoch erst einmal mit Ausflugsangeboten, wohl wissend, dass ich schon mehrfach auf der Insel war. Was sie nicht weiß, dass ich mir zuhause längst ausgesucht habe, was ich machen möchte, und genau das verkauft sie mir, sogar zu fairen Preisen.

Etwas später. Die Rezeption ist jetzt frei. Wir gehen hin, und die Reiseleiterin verhandelt mit einer Rezeptionistin, temperamentvoll, auf Spanisch, was lustig ist, denn beide sind Deutsche, wissen es nur noch nicht voneinander. Das ändert sich, als ich ins Gespräch einbezogen werde und gesagt bekomme, ich könnte am Sonntag früh umziehen in den ersten Stock, auch mit Meerblick, am anderen Ende der Anlage, ganz nah zu fast allem. Ich bin einverstanden und bedanke mich höflich.


Jetzt ist wirklich Donnerstag. Da ich - zumindest noch - weit weg von allen Getränkequellen wohne, hätte ich gerne eigene Vorräte im Kühlschrank. Den zumindest habe ich, und sogar Gratiswasser steht drin. Alles andere kostet, egal, es ist sowieso nichts da. Nichts da kann man ändern, habe ich an der Rezeption erfahren: Einfach in die Schreibtischschublade greifen, die Minibarliste mit seinen Wünschen ausfüllen, bis 12.00 Uhr dem Zimmermädchen geben, wird erledigt. Rechnung folgt bei Abreise. Oder man geht in den hoteleigenen Minishop und kauft da ein. Ich probiere Plan A. Einen Schreibtisch hat mein Zimmer, klein und niedlich. Eine Schublade hat er nicht. Jeweils eine davon findet sich an den beiden kleinen Nachttischen, aber auch da ist keine Liste. Ich könnte ein Zimmermädchen darum bitten, aber nachdem 12.00 Uhr schon längst vorbei ist, probiere ich lieber Plan B, den Minishop. Er ist wie fast alles zwei Schiffe weit weg, aber immerhin gut zu finden. Fröhlich öffne ich die Tür, öffne ich die - nein, mache ich nicht, denn wie wollte es Murphy? Die Tür ist abgeschlossen! Na klar. Vorsichtshalber stehen auch nirgends Öffnungszeiten dran. Merkwürdig ist nur die helle Beleuchtung innen und die Verkaufsstände mit Bikinis und Sonnenhüten vor dem Laden. Da höre ich ein  fröhliches òla!, eine kleinere, leicht fußkranke ältere Dame mit einem großen Schlüsselbund  kommt näher, so schnell es geht, und schließt auf. Mit ein paar Getränken und dem gefühlt 110. Kühlschrankmagneten für zuhause ziehe ich mich zurück.


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