Wir sind hier, wie ihr schon längst wisst, auf Lanzarote. Das ist eine der kanarischen Inseln, die bekanntlich geologisch zu Afrika, aber politisch zu Spanien gehören. Und folglich ist die erste Sprache hier im Hotel natürlich - falsch, englisch ist die erste Sprache. Das ist die Sprache, die die allermeisten Gäste sprechen, und worauf sich das Personal so gut eingestellt hat, dass zum Beispiel der Barkeeper der Poolbar meine mühsam gelernte Bierbestellung „Quiero una cerveza, por favor“ mit der Rückfrage „drink here or take away?“ beantwortet. Eigentlich hätte er fragen sollen „aqui o para llevar?“ (sorry, es hätte am Anfang ein auf den Kopf gestelltes Fragezeichen gebraucht, aber ich weiß nicht wie das geht), aber zumindest den zweiten Teil der spanischen Antwort habe ich hier erst gelernt. Es ist aber auch gar nicht so wichtig, jedes Wort zu verstehen, denn alles wird mit weltweit verständlichen Gesten untermalt: Bei „here“ klopft der Barkeeper zweimal nachdrücklich auf die Theke, für „take away“ gibt es zwei „Wörter“: entweder eine ausladene Geste über den Poolbereich, oder die beidhändige Simulation des Flügelschlags von Vögeln. Hintergrund für die Rückfrage ist die Sicherheit: Getränke zum Verschleppen gibt es in bruchsicheren Plastikbechern, wer brav an der Theke trinkt, bekommt ein richtiges Glas. Außer, er hat Kaffee bestellt. Da haben sie Tassen, was auch sonst. Die Verständigung klappt sehr gut, obwohl sie mit jedem Englisch sprechen, sogar mit den Franzosen. Das braucht dann meistens massiv Zeichensprache, wenn die Wünsche über „Bier“ und „Kaffee“ hinaus gehen. Leider gibt es keine Druckversion der ungemein komplizierten Getränkekarte, sondern nur im Internet, und das WLan hier im Hotel ist so preiswert wie unzuverlässig. Über die Getränkekarte und das Abrechnungssystem hier erzähle ich Euch ein anderes Mal.
Das Mittagessen ist vorbei, ich trinke an der Bar noch einen Kaffee (ok, gelogen) und komme nach einer Weile passiven Zuhörens mit drei älteren Männern ins Gespräch. Einer von ihnen spricht schönes, sauberes Englisch. Das ist ein Ire. Der zweite, das habe ich auch so erkannt, weil ich schon oft dort gewesen bin, stammt aus dem Norden Englands. Und der dritte spricht Englisch, ähnlich wie ein Inder oder Araber, recht hart und mit rollendem „R“. Er ist Schotte. Politisch eine heiße Mischung, die drei, eigentlich. Aber sie sind sich einig, friedlich, freundlich, entspannt, und auch optisch ähnlich mit ihren blauen Augen und den wenigen grauen Haaren. Wir verbringen einen schönen Nachmittag, bis der Ire aufgibt, der Schotte immer lauter und der Engländer immer undeutlicher spricht und bald von seiner Frau abgeholt wird. Irgendwie vertragen die Jungs von den Inseln auch nicht mehr so viel wie früher!
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