Samstag, 11. Juni 2022

Künstliche Intelligenz

Man glaubt ja gar nicht, wo heutzutage überall Künstliche Intelligenz eingebaut wird: in Computer sowieso, in Autos, in Küchenmaschinen, in Heizungsregler, und wir haben hier tatsächlich eine Automatiktür mit KI.

Ihr kennt die Dinger: zweiteilige Glastüren, man läuft darauf zu, und kurz bevor es scheppert, gehen sie auf. Normalerweise. Am hinteren Eingang, das ist der, wo man durch muss, wenn man vom Pool oder aus einem der hinteren Zimmer kommt und früh oder abends etwas zu essen möchte, gibt es eine breite Glaswand mit zwei Türen: einer manuellen, die keiner benutzt, und eben dieser Automatiktür mit KI. Ihr seht sie hier.

An der Rezeption gibt es noch eine, aber die ist doof und geht immer auf, wenn sich jemand nähert. Ich erzähle Euch jetzt von der hinteren, die ich während dem Frühstück oder Abendessen durch die riesige Seitenscheibe des Restaurants gut beobachten kann. Allein deshalb lohnt es sich zum Abendessen zu gehen, auch wenn der Koch mal wieder keine rechte Lust hatte.

Über ein paar Tage hinweg hatte ich beobachtet, dass die Tür meistens ganz normal ihren Job macht, manchmal auch nicht, konnte aber keine Gesetzmäßigkeit erkennen. Meine erste Idee: es liegt am Tempo des Fußgängers. Eines morgens, nach dem Frühstück, die Gelegenheit war günstig, weil mich niemand sehen konnte vor dem ich mich blamiert hätte, habe ich Gas gegeben und bin auf die Tür zu gerannt, so schnell ich konnte (ok, das ist nicht viel), natürlich in voller Bremsbereitschaft, will ja keine blutige Nase. Bremsen war nicht nötig, die Tür ging auf. Das war es also nicht. Über die Zeit konnte ich beobachten, dass die Tür keine kleinen Kinder durchließ, die allein unterwegs waren. Aha, die Größe. Wenn ebenso kleine Kinder aber nicht mehr als zwei Meter vor ihren Eltern liefen, ging die Tür auf. Aha. Größere Kinder wurden durchgelassen, eine alte Dame der gleichen Größe nicht, obwohl ihre Familie vor ihr schon durchgegangen war. Als die Tochter oder Enkelin das bemerkte, kam sie zurück, sah dass Oma nicht wusste was zu tun war, hüpfte wild winkend herum, und schon ging die Tür auf. Klar, das kennen wir alle, nur die Oma nicht, denn am nächsten Morgen (und auch noch an anderen Tagen) konnte ich die gleiche Situation beobachten: Oma steht vor der Tür, weiß nicht was zu tun ist, Tochter/Enkelin hüpft herum, winkt, Tür geht auf. Währe anstelle der Oma ein Schimpanse gewesen, hätte er am nächsten Morgen gewusst, was zu tun ist. Nicht so die Oma. Und selbst wenn: die Tür hat erkannt, dass die Oma Betreuung braucht, und öffnet deswegen nicht. Ein Winkversuch der Oma hingegen hätte vielleicht zum Erfolg geführt.

Anderes Beispiel: ein Teeniemädchen, normal Größe, in der für die heutige Jugend typischen Smombie-Haltung, läuft auf die Tür zu, und läuft, und läuft, und die Tür bleibt zu, bleibt zu, irgendwie kriegt das Mädchen das Problem mit und schafft es tatsächlich gerade noch rechtzeitig zu bremsen. Und während sie mit großen Augen die Glasscheibe direkt vor ihrer Nase betrachtet, gleitet diese unendlich langsam auf.  Und sogar mich hat die Tür schon mal erwischt: Kommt man von innen, also aus dem Restaurant, hängt rechterhand von der Automatiktür immer das Tagesprogramm der Animation. Ich hatte mir angewöhnt, stehen zu bleiben und dieses Programm zu studieren, was die Tür wohl irgendwann mitbekommen hat. Also: der dicke Mann kommt angelaufen, bleibt stehen, liest, und geht dann durch die Tür. Nach ein paar Tagen habe ich das doch tatsächlich einmal nicht gemacht, also das lesen, und bin direkt durch die Tür gegangen. Also, ich wollte. Tatsächlich wollte die Tür das nicht und blieb zu. Gut, ich weiß, hüpfen und winken, aber die restlichen Tage meines Urlaubs habe ich niemals vergessen, das Animationsprogramm zu studieren. Ohne übrigens jemals hin zu gehen.


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