Das ist so weit toll, auch wenn ich ausnahmsweise mit einem Negativ-Beispiel beginnen möchte. In verschiedenen Foren wie HolidayCheck hatte ich von einem Kellner gelesen, der einen unfassbar freundlich begrüßt, sich auch in mehreren Sprachen mit den Gästen unterhält, sie aber niemals bedient. Und wisst Ihr was? Es gibt ihn wirklich! Ausgerechnet am ersten Abend in der Pianobar bin ich ihm begegnet. Er begrüßte mich freundlich, wechselte ein paar Worte, nahm mein leeres Glas mit, terminado. Aber tatsächlich war das meine einzige Begegnung mit ihm, was vielleicht auch daran liegt, dass das Servicepersonal hier praktisch jeden Tag die Station wechselt, und vielleicht ist er jetzt an der Rezetion im Spa, wo es ohnehin nichts zu trinken gibt. Rezeption vom Hotel ginge auch, obwohl, da muss man außer freundlich auch noch wohlorganisert arbeiten, noch schlimmer als in der Gastro.
Zurück zum Personal. Jeder, wirklich absolut jeder vom Personal (und auch die meisten Gäste, nur die nicht so laut) grüßen einen hier freundlich. Selbst ein Handwerker, der mir neulich früh mit Werkzeugtasche anscheinend einem Notfall entgegen rannte (nicht übertrieben) hechelte mir ein atemloses „Buenos Diaz, Señor!“ entgegen. Nicht anders verhalten sich die fleißigen Putzfrauen und Gärtner.
Etwas persönlicher verhalten sich die meisten Kellner und Barkeeper, begrüßen einen eher mit einem vertraulichen „olà“, und beantworten meine spanischen Bestellungen auf englisch, sicher ist sicher. Oder korrigieren: die Bitte „un azucar, por favòr“ wird grundsätzlich mit einem lautstarken „una“ beantwortet. Der Zucker für den Kaffee hier ist weiblich, was ich mir eigentlich merken könnte, denn es gibt ja auch keine süßen Männer, zumindest aus meiner Sicht, weil ich weder Frau noch schwul bin. Süße Frauen gibt es schon ein paar hinter der Theke, und gegen Ende des Urlaubs wurde ich auch schon ab und zu schüchtern angeflirtet, was mir durchaus gefallen hat. Dass ich so etwas überhaupt mal mitkriege…
Aber trotzdem. die Top 3 meiner Lieblings-Hotelangestellten (deren Namen ich längst wieder vergessen habe, die aber auch nichts zur Sache tun) sind Männer.
Platz 3: Einer der Barkeeper. Stellt Euch Boris Johnson, den Prime-Minister von England vor, ordentlich angezogen, macht nett und freundlich seinen Job, und vor allem: er ist gekämmt: das haben wir hier.
Platz 2: Ein Geschirrabräumer und Barkeeper. Ein älterer Herr, kaum Haare (aber die noch dunkel), ein paar Zahnlücken, aber dennoch sehr sympathisch und keinesfalls abstoßend. Irgendwie hat er herausgefunden, dass ich deutsch bin. Wahrscheinlich hört er es am Akzent, wenn ich spanisch rede. Ich höre es ja auch sofort, wenn ein Deutscher mühsam auf englisch sein Bier bestellt (was deutsche Gäste, die es kaum gibt nicht wissen: die an der Theke würden auch deutsch verstehen, aber vermutlich auf englisch antworten.) Ich höre auch, und darauf bin ich stolz, ob ein Engländer eher aus London oder eher aus dem Grenzgebiet zu Schottland kommt, und ich weiß, dass mein dürftiges Französisch inzwischen einen spanischen Akzent hat. Über mein Spanisch weiß ich nichts und vermute, ich habe einen schrecklich deutschen Akzent, obwohl ich als Franke prima das „R“ rollen kann. Zurück zu Platz 2: Jedesmal, wenn er in meine Nähe kommt, zückt er einen handgeschriebenen Zettel, überfliegt ihn kurz, und beginnt dann, mich auf deutsch zu zu texten. Er spricht es nicht sehr gut, aber verständlich, und er versteht es recht gut. Zudem ist er der einzige „Eingeborene“, den ich hier kennen gelernt habe: ein echter Lanzarotini. Ein großer Teil des sonstigen Personals kommt von irgendwo sonst aus der spanisch sprechenden Welt, außer, und damit kommen wir zu:
Platz 1: Ein Ferienjobber, der hier ist, um sein Spanisch zu verbessern, was er später studieren möchte. Ein stiller, etwas schüchterner junger Mann, immer freundlich und zurückhaltend. Man hört ihn kaum, und weil er so schlank ist, fällt er trotz seiner Größe auch kaum auf. Er spricht hervorragend Englisch, wir kommen ins Gespräch und merken dann, dass wir Landsleute sind. Sein deutsch ist leider nicht ganz so gut wie sein englisch, vor allem, wenn man es selber nur gelernt hat, denn er spricht ausgeprägtes Niederbayerisch. Nachdem er nun festgestellt hat, dass wir beide aus Bayern stammen, hört man ihn sogar ab und zu, denn jedesmal, wenn ich das Restaurant betrete, und er mich sieht, begrüßt er mich auch schon auf größere Entfernung mit einem laut schmetternden „SERVUS!“
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