Heute kann ich mal wieder so richtig ungestört aus meiner Kabine gucken, denn vor kurzem wurde mit dem üblichen lauten Kettengerassel der Tender vor dem Fenster zu Wasser gelassen. Die anderen drei sicher auch, aber das interessiert mich nur am Rande. Wir liegen vor der italienischen Insel Lipari, und dürfen nicht in den Hafen, obwohl wir heute das einzige Schiff sind. Grund: das Wasser ist dort so flach, das große Schiffe grundsätzlich nicht hin dürfen. Also klettern wir alle in die Kleinschiffe und schaukeln damit zu der kleinen malerischen Insel voller hügeliger Landschaft, winkeliger enger Gassen voller Ursprünglichkeit, so ursprünglich, dass auch einfach mal ein Wäscheständer auf dem schmalen Gehsteig steht, in Ermangelung eines Balkons. Überall stehen große Behälter voller blühender Rosen und ganz allmählich öffnen sich auch Fensterläden und Geschäfte. Sollten sie auch, denn die Touristen sind da, und die kommen um diese Jahreszeit nicht mehr so häufig. Bald ist die Saison zuende, und alles fällt in den Winterschlaf.
Aber heute ist es noch einmal richtig belebt hier, und es macht Spaß, bei einer guten Tasse Espresso in einem kleinen Straßencafé dem bunten Durcheinander auf der schmalen, gewundenen Hauptstrasse zuzusehen. Zwischen sommerlich gekleideten Touristen jeden Alters, einheimischen Schulkindern und Honoratioren, bahnen sich kleine Autos, kleine Lieferwagen, sowie unzählige normal gewachsene Motorroller ihren Weg durch das Chaos. Aber alles wirkt entspannt und entschleunigt, zwischen all den Bunten Häusern mit ihrer - wo auch immer es möglich war - angehefteten Pflanzenpracht. Italien kann so schön sein! Und damit das nicht so schnell vergessen wird, haben die Köche heute nachmittag, eine Stunde bevor das Abendessen beginnt, vor der Rezeption ein Buffett mit italienischen Spezialitäten aufgebaut. Fragt mich bitte nicht, was es da gab, ich war nicht dort. Es soll aber gut gewesen sein. Ebenso wie das Oktoberfest, das eine Stunde nach dem Abendessen auf dem Lidodeck unter dem Sternenhimmel bei noch immer angenehmen Temperaturen stattgefunden hat, wo es Freibier gab, Brezeln, Leberkäs, Haxn, was auch immer, alles umsonst, und ich war trotzdem nicht dort. Dafür war an diesem Abend Harry's Bar schön leer, und da ist es auch schön, so ganz ohne humba-humba-täterää.

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