Samstag, 17. Oktober 2015

Alles ist anders

Hallo Ihr Lieben!

Captain Spareribs ist wieder da und geht auf Fahrt. Nicht auf große, und auch nicht allzu lange, aber die kommenden zehn Tage versprechen Spannung, denn diesmal wird irgendwie alles anders sein als auf all meinen Seereisen zuvor. Doch von Anfang an.

Laut Katalog heißt die Reise "Rund um den Stiefel", was nichts mit Schuhen zu tun hat, aber mit Italien. Die Reise soll in Venedig beginnen, und da muß ich erst einmal hin. Kein Problem, ist ja nicht so weit weg, wenn da nicht ein Umweg über Frankfurt gemacht werden müsste. Der Nürnberger Flughafen hat zwar einen neuen Namen bekommen und heisst jetzt "Albrecht Dürer", aber für eine Direktverbindung nach Venedig hat es nicht gereicht. Für eine neue Beschriftung am Flughafengebäude übrigens auch nicht, aber ich schweife ab. Der Flug nach Frankfurt dauert 25 Minuten, und das ist deutlich weniger, als das anschließende Rollen in die Parkposition, die Busfahrt zum Flughafengebäude, und der nicht enden wollende Fußmarsch zum neuen Gate. Ganz zu schweigen von der halben Stunde Extra-Wartezeit, weil der zweite Vogel zu spät dran ist. Aber auch die geht vorbei, ebenso die Stunde Flugzeit bis Venedig. Offenbar sind sehr viele Gleichgesinnte an Bord, denn nach der Landung wünscht die Chefstewardess über Mikrofon allen eine schöne Kreuzfahrt. Nein, das war kein Sonderflug der Reederei, sondern der normale Linienflug der Lufthansa.
Venedigs Flughafen "Marco Polo" macht in seinem inneren einen guten Eindruck: sauber, schön dekoriert (sie haben riesige Repliken von Werken großer Maler auf Boden, Wänden und sogar den Kofferbändern), und die Koffer erscheinen pünktlich und vollzählig. Was die Busse Richtumg Hafen auch tun, aber leider nicht am Ausgang des Flughafens, sondern weit, weit weg auf einem Busbahnhof. Im Außenbereich ist "Marco Polo" nämlich eine riesige, unübersichtliche Baustelle (zumal es schon dunkel ist), und zwar so unübersichtlich, dass sich die wegweisende Reedereimitarbeiterin selber ein- oder zweimal auf den unebenen Wegen verläuft. Nicht schlimm? Naja, die hat ja auch keinen Koffer dabei...
Aber dann ist es geschafft, Passagiere und Koffer verstaut,  die Busse fahren zum Hafen. Und da liegen sie, hell erleuchtet, faszinierend und einladend:, die etwas groß geratene MSC Splendida, die etwas klein geratenene AIDAvita sowie die perfekt zugeschnittene - Fans der Fernsehserie "Verrückt nach Meer" werden sich jetzt freuen - ARTANIA, auch "Grand Lady" genannt. Ja, tatsächlich, ich habe beschlossen, fremd zu gehen. Wenigstens einmal. Der günstige Preis für Singles, und die Route haben mich verführt. Und jetzt gibt es kein zurück mehr. Ich nähere mich dem Eingang, und dann ist es wie im Fernsehen: Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka steht da und gibt jedem einzelnen Gast die Hand mit den WorteN "willkommen zuhause". Ich kann mal wieder den Mund nicht halten und sage zu ihm "toll, Ihr macht das ja wirklich wie im Fernsehen!" - "das haben wir vorher auch schon so gemacht" antwortet er mit einem Augenzwinkern. Ein paar Schritte weiter bekommt jeder Gast einen Begleiter "aufgenötigt", der ihn zu seiner Kabine bringt, so auch mich. Bei TUI muß man die immer selber finden.
Die Kabine selbst hat einen etwas schlauchartigen Grundriss und den Charme eines Ostblockhotelzimmers aus den 70ern (seltsam, wo das Schiff doch erst in den 80ern gebaut wurde, und nicht im Ostblock) aber es ist alles da, was man braucht: Telefon, Flachbildfernseher, Safe, Minibar, ein frisch renoviertes Bad mit großer Dusche, und bis zu drei Schlafgelegenheiten. Aber zu dritt in dieser Kabine, das stelle ich mir schon grenzwertig vor. immerhin gibt es zur Begrüßung einen Obstkorb (der täglich nachgefüllt wirsd, also immer schön aufessen!) sowie als Geschenk eine Umhängetasche der Reederei, und natürlich auch in deren Farbe. Schade, für eine Tasche in quietschigem türkis habe ich kaum Verwendung. Aber die Geste zählt!
Die Restaurants für's Abendessen haben schon zu, aber das macht nichts, weil jetzt sowieso gleich Seenotübung ist. Dazu muß man seine Schwimmweste mitbringen, was zwar logisch klingt, ich aber so noch nicht erlebt habe. An den Sammelpunkten darf man sich während der Übung hinsetzen, was ich so auch nicht kenne, die Sache aber angenehmer macht. Außerdem muß man die Schwimmweste dann auch noch probehaltrt anziehen, was ich so ebenfalls nicht kenne, aber für sehr sinnvoll halte.
Nach der Übung wird für die Spätankömmlinge das Buffettrestaurant geöffnet, und während das Schiff langsam am nächtlichen Venedig vorbei zieht, bei hervorragend schmeckendem Essen, sitzen am Tisch hinter mir zwei klassische "Turteltauben". Sie:"setz Dich da hin. Wir müssen noch besetzen. Ob das hier überhaupt schmeckt? Leg doch Deine Jacke über alle Stühle, dass man sieht das besetzt ist! Und jetzt such Dir endlich was zum trinken aus" er:"Ich sehe nichts, zu dunkel hier!" Sie:"dann lese ich es Dir vor!" (kämpft selber mit der augenscheinlich fehlenden Helligkeit). Das Restaurant hat zwei Tischreihen, eine am Fenster - da ist das Licht etwas gedämpft damit man besser raussehen kann, und die zweite, dahinter, ist gut ausgeleuchtet. In beiden Kategorien gibt es noch jede Menge Auswahl an freien Tischen, aber woanders hinsetzen, da spielt die Frau nicht mit, obwohl der Mann es mehrfach vorschlägt. Zur Ablenkung beharrt sie darauf, dass der Mann den Tisch mit seiner Jacke richtig reserviert, wenn die anderen kommen. Habt Ihr's erraten? Richtig. Keiner kam. Kein Wunder.

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