Und es wurde heiter, auch wenn ich das nicht gleich mitbekommen habe. Ok, leicht gewundert hatte ich mich schon, dass der nächtliche Rückweg von der Toilette plötzlich bergauf ging. Wo doch der Hinweg noch keine nennenswerte Steigung, egal in welcher Richtung, zu verzeichnen hatte. Aber nachts ist mir so etwas egal, jedenfalls auf einem Schiff. Ich kann sowieso nichts darsn ändern. Zuhause würde ich mich wahrscheinlich erst einmal fragen, was ich denn getrunken habe, und wieviel davon. Und abwarten, ob sich das Haus über Nacht beruhigt hat. Aber das Schiff bewegt sich am nächsten Morgen immer noch recht motiviert, und das muß einen Grund haben. Es ist die Windstärke (hätte jetzt der an der Fleischbrücke vermutlich auch gewusst), irgendwo zwischen neun und zehn während der Nacht, jetzt immerhin noch sechs, und damit zu viel, um an der ohnehin im Augenblick überfluteten Pier von Karakolon festzumachen. Es könnte dabei zu Schäden kommen, wenn das Schiff dagegen prallt. Interesanterweise eher an der Pier als am Schiff. Und zu allem Überfluss möchte die deutlich größere "Norwegian Jade" ebenfalls in den Hafen. Nein, tendern geht bei solchen Verhältnissen natürlich auch nicht, die Wellen wären höher als der Tender selbst. Aber das ist nicht das Problem, denn obwohl die Griechen, wie man hört, sparen müssen, bietet der Hafen hier Platz für drei große Schiffe gleichzeitig. Man muß nur reinkommen. Die beiden Kapitäne und der Lotse beschließen, noch etwas abzuwarten. Mit steigender Sonne beruhigt sich der Wind dann etwas, der Lotse bringt zuerst die Norwegian Jade in den Hafen, weil er auf der sowieso gerade ist, während wir einen Kringel fahren bis wir auch dran sind. Langweilig wird es nicht: hat uns der Kreuzfahrtdirektor gerade noch davor gewarnt, auf die glitschigen Außendecks zu gehen, schickt er uns im nächsten Atemzug geradzu hin, denn es hat sich ein im Mittelmeer ganz seltenes Naturschauspiel gebildet, ein Tornado mit deutlich erkennbarem Rüssel, der Wasser aus dem Meer in die Wolken saugt. Kaum sitzt wieder alles am Frühstückstisch, bildet sich noch ein zweiter Tornado, und an Bord kommt auch ein Wirbelwind, in Person des Lotsen. Gemeinsam mit Captain und Staff Captain mühen sie sich ab, die Artania an die Pier zu bugsieren. Die Backbordnock (das ist der linke von den beiden Balkons, die alle Schiffsbrücken der Welt verbreitern, über den Rand des Schiffes hinausragen, und von denen man aus die Motoren steuern kann. Man braucht sie zum Anlegen, auch wenn es nicht stürmt), also, nach diesem kleinen Ausflug in die Nautik zurück auf die Nock: sie ist gut bevölkert. Während der Captain mit viel Fingerspitzengefühl die Maschinen bedient, und die anderen beiden Herren mittels ihrer Funkgeräte die Anlegemanschaft dirigieren, versucht der Kreuzfahrtdirektor - was bitte will der eigentlich dort - nein, der guckt nur vorsichtig. Vielleicht, ob die anderen alles richtig machen. Obwohl, Nautik ist nicht sein Ding. Er ist der Chef des Hotelbetriebs an Bord, und darf eigentlich nur deshalb auf die Brücke, weil da das Mikrofon steht, durch das er immer seine Durchsagen macht. Immerhin, nach einer Weile ist das Anlegen vollbracht, und der gemütliche Teil des Tages kann beginnen, also, für den Captain. Denn jetzt sind wir Touristen dran. Und die Geschäftsleute der Umgebung sind heilfroh, dass sie ihre Läden nicht wieder schließen müssen, weil die Schiffe wegen des Sturms wieder abziehen. Wir haben Nachsaison in Griechenland, späte Nachsaison, und nur wenn Schiffe kommen, gibt es noch etwas zu verdienen. Die 3.000 potenziellen Kunden heute können sie gut gebrauchen. Wenn nur das Wetter besser wäre, er regnet nämlich schon wieder.
Klingt wie aus einem Film: der einheimische Reiseführer heute heißt Costa. Er macht - neben seinen sehr qualifizierten Erklärungen - auch viele Witze über seine Landsleute und deren Sprache, so dass die Stimmung schon nach wenigen Minuten richtig gut ist. Der erste Programmpunkt heute ist der Besuch einer Farm mit kleiner Weinprobe. So steht es im Ausflugsprospekt. Wir sind drei Busse, werden wohlsortiert mit einem Glas Weiswein (wahlweise Ouzo, aber so hart bin noch nicht einmal ich, früh um halb zehn, egal in welchem Land) und einem kleinen warmen Stück Fingerfood empfangen und in ein riesiges, total schönes Landgasthaus komplimentiert, sehr gut organisiert, an den Tischen, wo wir uns hinsetzen sollen, stehen sogar die Busnummern. Und auf den Tischen für jeden ein großer Teller voller griechischer Vorspeisen, dazu Wasser und Rotwein, der unbedingt probiert werden soll, und den ich gerne als Tischwein auf dem Schiff hätte, so gut wie er schmeckt. Auch das Olivenöl und die angebotenen Süßspeisen schmecken ausgezeichnet. Eine große norddeutsche Blondine erklärt, dass auf dieser Farm alles nur streng biologisch ist und aus eigenem Anbau stammt, und entschuldigt sich dafür, dass sie die übliche Farmtour mit Besichtigung aller Produktionsstätten und Tierställe aufgrund des schlammigen Bodens heute nicht durchführen kann, und wünscht weiterhin guten Appetit. Als sie dafür Applaus bekommt, traut sich dann auch die Besitzerin der Farm, interessanterweise eine Italienerin, vor das Publikum, und entschuldigt sich auf englisch dafür, dass sie kein deutsch kann. Geht's noch internationaler? Die Farmführung wird kurzerhand durch eine Sirtaki-Tanzshow eretzt, und dann ist noch Zeit, im hervorragend gemachten Hofladen einzukaufen, was die Farm hergibt. Bleibt die Frage: warum ist der Boden so schlammig? Rein statistisch ist der Niederschlag in diesem Jahr in durchschnittlicher Menge gefallen. Allerdings kam alles, was seit März fällig war, gestern, in der Sturmnacht, auf einmal runter. Noch Fragen?
Die nächste und letzte Station heute ist Olympia. Nicht der Berg, sondern der Ort, in dessen Nähe die antiken olympischen Spiele stattfanden. Da ich diesen Ausflugspunkt schon aus dem Fernsehen kenne, weiß ich, dass die angesetzten 1 1/2 Stunden zu wenig sind, um die Stätte vernünftig zu besuchen. Daher beschließe ich, die griechische Wirtschaft zu unterstützen, suche verschiedene Souvenirshops heim und beschließe den Nachmittag mit einem leckeren Espresso, auf einer echt schönen Hotelterrasse, die ich (leider, für den Besitzer) für mich ganz allein habe. Leute, macht Urlaub in Griechenland! Die sind hier richtig nett, man kriegt was für's Geld, und zumindest hier in Olympia sprechen alle ausgezeichnet englisch.

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