Montag, 26. Oktober 2015

Das Chaos

Heute sind wir in Civitaveccia, dem Hafen von Rom. Also, sozusagen, denn obwohl bekanntlich viele Wege nach Rom führen, der über das Wasser ist nicht dabei, und die letzten ca. eineinhalb Stunden muß man über Land. Was mir aber nichts ausmacht, denn ich will heute sowieso nicht hin. Ich finde den riesigen Hafen und das wilde Drumherum, das heute stattfinden soll, viel interessanter. Schon beim Anlegen gab es synchrones Rückwärtseinparken von drei Schiffen gleichzeitig, und jetzt sind es acht, zumeist recht große, die hier herum liegen. Das sind in etwas 20.000 Kreuzfahrtpassagiere auf einmal. Wie soll man die nur alle nach Rom bekommen? Die meisten davon - gar nicht, denn bei den großen Reedereien MSC, Costa, NCL, und wie sie alle heißen, ist heute Passagierwechsel. Das heißt, all diese Menschen werden über den Vormittag durch Shuttle-Busse von ihren Schiffen abgeholt und mitsamt ihrem Gepäck zu einem zentralen Busbahnhof - eigentlich ist es nur ein großer, eingezäunter Parkplatz - gebracht.

Von da an muß man wird man durch einen Gang getrieben, um eine Ecke herum, und dann stürzen sich alle auf die armen Gäste mit Rufeb wie "Taxi, Taxi" oder "Roma, subito" versuchen dutzende von Transportunternehmern der ankommenden Gäste habhaft zu werden, selbst derer, die gar nicht nach Rom oder sonstwohin wollen. Kaum ist der Engpass überwunden und Kurs Richtung Zentrum eingeschlagen, ergießt sich über die langsam und vorsichtig vor sich hin stöckelnden Rentner eine Riesenflut von zumeist amerikanischen und italienischen, mit riesigen Koffern bewaffneten Koffern Touristen jedne Alters, die dringend ihren Transferbus zum Flughafen erreichen oder sich auf irgendeine Art zum Bahnhof durchschlagen wollen. Als die Flutwelle näher kommt, rette ich mich mit einem beherzten Sprung in eine Tasse Capuccino - nein, zu einer delikaten Tasse Capuccino in einem etwas abgenützt wirkenden Café direkt am Weg. Irgendwann ebbt der Touristenstrom ab, ich schmuggele mich auf Schleichwegen zurück aufs Schiff, und beobachte von dort, wie die nächste Touristenflut vom benachbarten Schiff losschwappt.

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